Get well soon, Jacko!

Get well soon, Jacko!

Jackson Irvine hat sich auf Länderspielreise verletzt und wird dem FC St. Pauli vorerst fehlen. Ein herber Verlust, der unterschiedlich aufgefangen werden könnte.
(Titelbild: Peter Böhmer)

Es war ein auf den ersten Blick eher harmloses Duell, welches Jackson Irvine in der 88. Minute für die australische Nationalmannschaft im Spiel gegen Mexiko führte. Doch beim Laufduell trat er unbeabsichtigt auf den Fuß seines Gegenspielers, rutschte von diesem ab und knickte auf dem Kunstrasen übel mit dem rechten Fuß um. Sofort sah man ihm an, dass er starke Schmerzen hat. Irvine wurde anschließend mit einer Trage vom Platz gebracht.
(Falls ihr Euch die Szene wirklich anschauen wollt, findet ihr sie hier.)

Kein Bruch, „nur“ eine Knöchelprellung

Noch am Sonntag-Vormittag, also wenige Stunden nach Abpfiff der Partie, erklärte Andreas Bornemann gegenüber dem Abendblatt (€): „Aktuell können wir noch keine seriöse Einschätzung zu Jacksons Verletzung abgeben. Wir müssen zunächst die weiteren Untersuchungen vor Ort abwarten. Unsere medizinische Abteilung steht dazu im engen Austausch mit den Kollegen bei der australischen Nationalmannschaft. Wir hoffen natürlich das Beste für Jackson“

Klar ist aber bereits, dass Jackson Irvine wohl zumindest etwas Glück im Unglück hatte. Australiens Nationaltrainer Graham Arnold erklärte, dass man noch vor Ort Röntgen-Aufnahmen machte. So konnte bereits festgestellt werden, dass Irvine zwar große Schmerzen habe, sich aber „nur“ eine Knöchelprellung, keinen -bruch zuzog (inwiefern Bänder in Mitleidenschaft gezogen wurden, werden weitere Untersuchungen zeigen). Der schlimmste Verdacht hat sich damit glücklicherweise nicht bestätigt. Trotzdem sagte Arnold: „Kein Zweifel, er wird einige Wochen ausfallen.“

Für den australischen Nationaltrainer dürfte dies bedeuten, dass Jackson Irvine für die nächste Abstellungsphase nicht zur Verfügung stehen wird (am 13. und 19.10. geht es gegen England und Neuseeland). Für den Start der WM-Qualifikation Mitte November dürfte er aber bereits wieder mit Irvine, immerhin Kapitän der Australier, planen können, wenn alles glatt läuft.
Für den FC St. Pauli hingegen bedeutet der Ausfall von Jackson Irvine einen äußerst schwerwiegenden Verlust. Vier Spiele stehen bis zur nächsten Länderspielpause an: Zuhause gegen Kiel und Schalke, dann auswärts bei Hertha BSC, ehe Nürnberg ans Millerntor kommt.

Ausfallzeit „einige Wochen“

Ohne Irvine fehlt dem FCSP damit unter anderem die defensive Lufthoheit im Sechserraum. Zudem strahlte Irvine, auch wenn er diese Saison bisher nicht traf, große Torgefahr aus, sowohl mit Pässen, als auch mit eigenen Abschlüssen, insbesondere per Kopf. Ganz zu schweigen von seiner Laufleistung: Bei der Anzahl an intensiven Läufen und allgemein den zurückgelegten Kilometern, liegt Irvine auch diese Saison wieder unter den Top5 der Liga. Obwohl wir jetzt noch nicht einmal von dem Verlust für die mentale Seite des Spiels geschrieben haben – Jackson Irvine ist völlig zurecht Kapitän des FCSP – dürfte völlig klar sein, dass der Ausfall sehr schmerzhaft ist, im mehrfachen Sinne.

IMAGO / USA TODAY Network Soccer: MexTour-Australia at Mexico Sep 9, 2023; Arlington, TX, USA; The Australia staff checks on Australia midfielder Jackson Irvine (22) during the second half of the game against Mexico at AT&T Stadium. Arlington AT&T Stadium TX USA
Bilder, die niemand sehen will: Jackson Irvine wird kurz vor Ende der Partie gegen Mexiko am lädierten Knöcheln behandelt.
Kurze Zeit später muss er mit einer Trage vom Feld geführt werden.
(Imago Images / USA TODAY Network / via OneFootball)

Wie ist Irvine zu ersetzen?

Andreas Bornemann sagte direkt nach dem Spiel gegen Eintracht Braunschweig in Bezug auf Johannes Eggestein, dass „alle Spieler im Kader gebraucht werden“. Wie schnell dieser Bedarf gewachsen ist, dürfte ihm dann aber sicher nicht ganz so schmecken. Nachdem Scott Banks mit einem Kreuzbandriss sehr lange ausfallen wird, schlägt nun die Verletzung von Irvine ein Loch in den auf dieser Position ohnehin eher dünn besetzten Kader. Wie kann dieser Ausfall kompensiert werden?

Metcalfe? Smith oder Wahl? Boukhalfa?

Connor Metcalfe ist ein Spieler, der sowohl auf der offensiven Außenbahn als auch im Mittelfeldzentrum einsetzbar ist. Er wurde auch im Pokal für Irvine eingewechselt und agierte dort in den Schlussminuten auf der Position neben Hartel. Zwar bringt Metcalfe ein ganz anders Skill-Set mit als sein australischer Nationalmannschafts-Kollege und doch dürfte das passen. Denn der bald 24-jährige ist eigentlich zu gut, um in der 2. Bundesliga dauerhaft auf der Bank zu sitzen. Seine Einsätze auf der offensiven Außenbahn waren gut, aber Connor Metcalfe ist schon ein ziemlich klarer Achter.

Ebenfalls vorstellbar ist ein Vorrücken von Eric Smith oder Hauke Wahl. Das wurde so zum Beispiel im letzten Testspiel gegen Hapoel Tel Aviv und zum Saisonauftakt in Kaiserslautern praktiziert. Ein Vorziehen von einem dieser beiden Spieler, dürfte dann die Einsatzchancen von David Nemeth und Adam Dźwigała erhöhen. Beide, Wahl und Smith, sind aber ebenfalls stark unterschiedlich in ihrer Spielweise zu Jackson Irvine.

Nicht viel Personal im Mittelfeldzentrum

Denkbar ist auch, dass Carlo Boukhalfa nun wieder etwas mehr ins Lampenlicht rückt. Der 24-jährige stand in dieser Saison in sechs Pflichtspielen dreimal nicht im Kader, saß zudem dreimal nur auf der Bank, wartet also noch auf seine ersten Einsatzminuten. Fabian Hürzeler erklärte erst vor wenigen Tagen in Bezug auf den 24-jährigen: „Fußball ist sehr schnelllebig. Wir haben nicht unfassbar viel Personal auf dieser Position. Ich bin sehr froh, Carlo im Kader zu haben.“

Jackson Irvine fehlte in der Vorsaison nur ganz selten. Im Hinspiel gegen Heidenheim musste er gelb-gesperrt aussetzen, wurde da von Afeez Aremu ersetzt. Im folgenden Spiel in Braunschweig erlitt er früh eine üble Platzwunde und wurde für Connor Metcalfe ausgewechselt. Richtig verletzt hatte sich Irvine erst ganz am Ende der Saison: Gegen den KSC zog er sich eine Wadenverletzung zu (erneut ersetzte ihn Aremu) und musste so auch in der Vorbereitung einige Zeit aussetzen. Und in dieser Ausfallzeit zeigte der FC St. Pauli, wie ein Spiel ohne Irvine aussehen kann.

Doppelspitze?

In den Testspielen ohne Jackson Irvine agierte der FC St. Pauli nämlich „überzeugend anders“. Zwar spielte das Team im Aufbau sehr ähnlich, mit einem 2-3-5 nämlich, wie auch zum Saisonstart. Aber personell agierte der FCSP in weiten Teilen der Vorbereitung mit einer Doppelspitze, also in einem 4-2-2-2. Ist eine solche Formation nun auch wieder denkbar, wo Irvine erneut ersetzt werden muss? Auszuschließen ist das nicht. Sicher ist, dass das ganz andere Szenarien möglich machen würde. Solche, in denen plötzlich die Namen Johannes Eggestein und Etienne Amenyido auftauchen.

Viel wichtiger ist aber, dass Jackson Irvine so schnell wie möglich wieder fit wird. Klar, es gibt keine leichten Spiele in der 2. Bundesliga. Aber mit Kiel (aktuell auf Platz zwei in der Liga), sowie den beiden Absteigern Schalke und Hertha, trifft der FCSP auf alles andere als Leichtgewichte. Zudem hat das Team, nach sieben Punkten aus fünf Spielen und erst drei eigenen Treffern, auch gehörig mit sich selbst zu tun. Egal wie nun personell oder spieltaktisch reagiert werden wird: Der Ausfall von Jackson Irvine trifft den FC St. Pauli richtig schwer.

Get well soon, Jacko!
// Tim

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5 thoughts on “Get well soon, Jacko!

  1. ein weiterer Option ist Sinani der hat beim Luxemburg Spiel freitags auch im Mittelfeld gespielt. aber vielleicht würde er jetzt behalten für Rechtsaußen man weißt es nicht.

    1. Laut der Darstellung von sofascore (durchschnittliche Position) hat er RA in einem Dreiersturm gespielt. In unserem System dürfte der Anteil an defensiven Aufgaben (gerade neben Hartel) zu sehr betont sein.

  2. So ein Mist!
    Aber Millernton ist jetzt das Informationsmedium Nummer 1, ich las es zuerst in der E-Mail-Benachrichtigung zu diesem Blog-Eintrag, während offiziell vom FCSP noch nichts vermeldet ist, zumindest auf der Homepage nicht!

  3. Länderspielpausen nerven. Hier zeigt sich aber, dass die eine oder andere Sorge über einen möglicherweise zu schlanken Kader nicht ganz unberechtigt war. Wenn Metcalfe die Irvine-Rolle übernehmen sollte, gibt es für beide offensive Außenbahn mit Sinani nur noch einen einen Auswechselspieler. Ich vermute daher, dass es eher darauf hinausläuft, dass Smith nach vorne rücken wird.

    Ich bezweifle zwar, dass noch irgendjemand kommt, aber ich habe mich gerade mal bei Transfermarkt durch die vertragslosen Mittelfeldspieler geklickt und bin dabei bei Josh Onomah hängengeblieben. Wäre der nicht eine spannende Option um die Kaderbreite im ZM zu vergrößern? Hat die ganzen englischen U-Nationalmannschaften mitgenommen, ist relativ schnell und vor allem technisch sehr stark, mit 1.85 m ist er auch kein Zwerg und zudem mit 26 noch in einem guten Alter. Ohne jetzt Details zu kennen, gab es wohl letztes Jahr nach vier Jahren Fulham einen kleinen Karriereknick nach Verletzung und Bank, aber jemand mit über 100 Championship- und immerhin 26-PL-Spielen + Europapokalerfahrung kann seine Fähigkeiten ja nicht komplett verlernt haben.

  4. es gibt sicher einige varianten, diesen ausfall zu kompensieren. die charmanteste, finde ich, ist die mit hauke im defensiven mittelfeld, auf jacksons position. für die innenverteidigung haben wir noch genug spieler, um das aufzufangen. sport frei

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