Verlängerter Rückhalt

Verlängerter Rückhalt

Der FC St. Pauli und Nikola Vasilj haben den Vertrag verlängert. Der 28-jährige hat beim FCSP eine bemerkenswerte Entwicklung hingelegt.
(Titelbild: Stefan Groenveld)

Im Sommer 2021 kam Nikola Vasilj zum FC St. Pauli. Die Fußstapfen in die er treten sollte, waren groß. Ein halbes Jahr zuvor trennte sich der FCSP von Robin Himmelmann, der jahrelang das Tor hütete und mit 184 Einsätzen auf Platz drei aller Torhüter des FCSP zu finden ist. Vasilj kam von Zorya Lugansk aus der Ukraine. Andreas Bornemann kannte ihn bereits, weil er Vasilj 2017 zum 1. FC Nürnberg gelotst hatte, wo dieser aber nur in der zweiten Mannschaft zum Einsatz kam. Wenn alles wie erwartet läuft, dann wird Vasilj zu Beginn der kommenden Saison nicht nur in seine vierte als Stammtorhüter des FC St. Pauli gehen, sondern auch sein 100. Pflichtspiel für den FCSP bestreiten.

Durchgesetzt im Zweikampf

Ganz offiziell gab es im Sommer 2021 einen Zweikampf um den Platz zwischen den Pfosten. Dennis Smarsch und Vasilj waren die Konkurrenten. Doch es wurde sehr schnell klar, dass Vasilj die klare Nummer eins beim FC St. Pauli sein würde. Auf 33 Ligaspiele brachte er es in seiner Debütsaison. Dass der FCSP in dieser den Aufstieg knapp verpasste, lag sicher nicht an ihm. Denn gemessen am Anteil der gehaltenen Torschüsse („save rate“) war er laut der Fußballdaten-Plattform Wyscout der beste Torhüter der Liga. Verwunderlich war das nicht. Vasilj kam nämlich bereits mit ähnlichen Statistiken zum FC St. Pauli.

Im Sommer 2022 gab es dann offiziell erneut einen Zweikampf um den Posten zwischen den Pfosten (diese Wortwahl ist so bescheuert, ich wollte sie schon immer mal bringen). Dieses Mal wurde der Zweikampf aber vorerst unterbrochen: Vasilj brach sich in der Sommervorbereitung den Finger und musste fast zwei Monate pausieren. Dennis Smarsch konnte in dieser Zeit nicht überzeugen, mit Sascha Burchert wurde sogar ein weiterer Torhüter verpflichtet. Auch das Fehlen von Vasilj dürfte einen Teil zu einer mittelprächtigen Hinrunde beigetragen haben.

Deutschland, Hannover, 26.06.2021, Fussball 2. Bundesliga Testspiel, Hannover 96 - FC St. Pauli in der HDI Arena  Torwart Nikola Vasilj (FC St. Pauli) gestikuliert
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Im Sommer 2021 (hier im Testspiel gegen Hannover 96) kam Nikola Vasilj zum FC St. Pauli und hütet seitdem verlässlich das Tor.
(c) Peter Boehmer

Entwicklung unter Knoop

Im Sommer 2022 gab es eine weitere sehr einschneidende Veränderung beim FC St. Pauli für die Torhüter: Marco Knoop löste Mathias Hain als Torwarttrainer ab. Das bisher eher traditionelle Torwarttraining beim FC St. Pauli wurde nun um einige Facetten reicher. Vasilj erklärte kürzlich dem Abendblatt: „Mein Torwarttraining zuvor hat sich überall geähnelt. Bei Marco habe ich vom ersten Tag an gemerkt, dass er besonders und komplett anders ist.“

Vor allem mit Start der Rückrunde der Saison 22/23 konnte man Stück für Stück deutliche Veränderungen im Spiel von Vasilj wahrnehmen. An den alten Stärken veränderte sich dabei nichts, Vasilj zählt weiter zu den besten Vertretern seines Fachs, wenn es um die direkte Torverteidigung geht (22/23 ligaweit auf Platz vier bei der „save rate“).

Diese Entwicklung im Spiel mit dem Ball hat bisher nicht aufgehört. Nikola Vasilj hat sich inzwischen zu einem Torwart entwickelt, der immer kräftig mitmischt, wenn der FCSP das Spiel aufbauen will. Hierdurch muss seine Leistung anders bewertet werden, nicht nur basierend auf der Torverteidigung. So kommt es, dass Vasilj sicher nicht der aufregendste Torwart der Liga ist, der jedes Wochenende mit spektakulären Paraden glänzt (auch weil einfach viel weniger Bälle auf sein Tor zukommen, als auf die Tore seiner Kollegen). Das führte diesen Winter dazu, dass er vom kicker nicht zu den besten neun Torhütern der 2. Liga gezählt wurde. Die Daten sprechen da eine ganz andere Sprache: Bei Wyscout wird er aktuell als bester Torwart der gesamten Liga gelistet.

Bester Torhüter der 2. Bundesliga?

Wenn man also statistisch seit zweieinhalb Jahren auf höchstem Niveau in der 2. Bundesliga unterwegs ist, empfiehlt man sich dadurch für höhere Aufgaben? Sicher, aber Vasilj selbst ist beim FCSP sehr zufrieden. Das hängt zu einem bedeutenden Teil mit Torwarttrainer Knoop zusammen. „Ich habe schnell gemerkt, wie gut er mich macht und vertraue ihm komplett,“ erklärte Vasilj und ergänzte: „Ich fühle mich hier sehr wohl, auch wegen Marco“ (Abendblatt, €). Die logische Konsequenz: Eine Fortsetzung der Zusammenarbeit.

So erklärt Vasilj seine Unterschrift unter das neue Arbeitspapier – welches nach unseren Infos eine Laufzeit bis 2026 inkl. einer Option für ein weiteres Jahr hat – wie folgt: „Ich hatte das Gefühl, dass mein Weg beim FC St. Pauli noch nicht zu Ende ist. Die Mannschaft hat sich super entwickelt und ich möchte auch zukünftig ein Baustein sein, um das Team mit in die richtige Richtung zu lenken.“
Fabian Hürzeler erklärt, dass er noch Potential bei Vasilj sieht: „Unsere Spielweise ist auch für unsere Torhüter sehr herausfordernd. Niko hat das hervorragend angenommen und sich in der Zeit bei uns in allen Aspekten des modernen Torwartspiels verbessert. Es macht großen Spaß mit ihm zu arbeiten und ich glaube, dass er noch nicht am Ende seiner Entwicklung angelangt ist.“

Die Wichtigkeit und die Qualität von Nikola Vasilj haben die Verantwortlichen des FC St. Pauli jedenfalls erkannt. Basierend auf den Zahlen, aber auch der weiter anhaltenden positiven Entwicklung, kann das nur als absolut richtige Entscheidung bewertet werden. Ein perfect-match also. Der FC St. Pauli ist, ligaunabhängig, auf der Torwartposition richtig gut besetzt.

// Tim

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