FC St. Pauli vs. SpVgg Greuther Fürth 3:2 – Drei Punkte und ein Statement

FC St. Pauli vs. SpVgg Greuther Fürth 3:2 – Drei Punkte und ein Statement

Mit nicht weniger als einem Statement-Sieg gegen die SpVgg Greuther Fürth beendet der FC St. Pauli die englische Woche erfolgreich und gewinnt verdient mit 3:2. Die Analyse.
(Titelbild: Peter Boehmer)

Satte 134 Kilometer gegen Fortuna Düsseldorf in der Liga, 120 intensive Minuten gegen Düsseldorf im Pokal – und dann legt der FC St. Pauli am Ende der englischen Woche erneut fast 130 Kilometer auf das Parkett, spielt den Gegner in der ersten halben Stunde schwindelig und kommt nach dem Ausgleich nochmal zurück. Was für eine Machtdemonstration des FCSP! Wow!

Die Aufstellung

Keine Überraschungen gab es in den jeweiligen Anfangsformationen der Teams. Der FC St. Pauli rotierte zurück, brachte mit Elias Saad, Manos Saliakas und Nikola Vasilj wieder seine „Stammspieler“ zurück. Bei der SpVgg Greuther Fürth stellte sich vor dem Spiel nur die Frage, ob Haddadi oder Petkov auf der linken Schienenposition starten würde. Das Pendel schlug Richtung Petkov aus. Es wurde eine fast spielentscheidende Personalie.

Aufstellung bei der Partie FC St. Pauli gegen SpVgg Greuther Fürth FCSP: Vasilj - Saliakas, Wahl, Smith, Mets, Treu - Kemlein, Hartel - Afolayan, Eggestein, Saad Fürth: Urbig - Asta, Jung, Dietz, Michalski, Petkov - Wagner, Green - Lemperle, Hrgota, Sieb
Aufstellung bei der Partie FC St. Pauli gegen SpVgg Greuther Fürth
FCSP: Vasilj – Saliakas, Wahl, Smith, Mets, Treu – Kemlein, Hartel – Afolayan, Eggestein, Saad
Fürth: Urbig – Asta, Jung, Dietz, Michalski, Petkov – Wagner, Green – Lemperle, Hrgota, Sieb

Lücken gefunden und ausgespielt

Vor dem Spiel stellte sich die Frage, wie gut die Spieler des FC St. Pauli die dramatische Niederlage gegen Düsseldorf verkraften würden. Die Antwort lieferte das Team direkt mit Anpfiff weg: Eigentlich musst Du nach 23 Minuten bereits mit zwei, vielleicht sogar drei Treffern führen. Es war ein wahres Offensivfeuerwerk, welches der FC St. Pauli in den Rasen brannte, es reihte sich Großchance an Großchance.

Auffällig war dabei, wie der FCSP die offensiven Außenbahnspieler suchte. Sowohl Dapo Afolayan als auch Elias Saad positionierten sich bei Ballbesitz immer ganz nahe an der Seitenauslinie, auf Höhe der letzten Kette der Gäste. Diese letzte Kette der Fürther bestand eigentlich aus fünf Spielern. Allerdings, und genau damit arbeitete der FCSP, schoben die Schienenspieler immer nach vorne, wenn der FCSP den Ball auf ihrer Seite führte. Und so konnte man mittels einer Dreiecksbildung oft die eigenen Außenbahnspieler finden, die dann eben hinter ihren direkten Gegenspieler waren.

Fürther Plan geht nicht auf

Marcel Hartel erklärte nach Abpfiff, dass man einen sehr genauen Plan hatte, um diese freien Außenspieler zu finden und dass man die Pässe dorthin „blind“ hätte spielen können. Es war beeindruckend, wie gut dieser taktische Plan aufging. SGF-Trainer Zorniger erklärte, dass sein Team in der ersten Halbzeit überhaupt keinen Zugriff „in der Breite“ gehabt habe. Die letzte Linie von Greuther Fürth wurde in den ersten 30 Minuten sehr oft überspielt. Das Offenlegen der Außenposition gelang dem FCSP also. Der Plan der Fürther (Zorniger: „Wir wollten was Wildes im Angriff machen. Das hat gar nicht funktioniert.“) ging überhaupt nicht auf.

Fast hätte man sich maßlos darüber ärgern können, wie verschwenderisch der FC St. Pauli mit diesem dicken Chancenplus umging. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass SGF-Torwart Jonas Urbig, dessen Qualität Fabian Hürzeler vor der Partie hervorhob, erneut einen echten Sahnetag erwischte und gleich eine Reihe von FCSP-Chancen klasse parierte. Auch den Abschluss von Philipp Treu parierte er gut, doch der Nachschuss von Elias Saad war dann zu viel.

Aufbausituation beim Spiel FC St. Pauli gegen SpVgg Greuther Fürth Dem FCSP gelang es immer wieder hinter die Schienenspieler der Gäste zu gelangen, indem man Dreiecke im Spielaufbau bildete und die Außenspieler der Fürther aus ihrer Position nach vorne lockte. So erspielte sich das Team von Fabian Hürzeler eine Menge guter Möglichkeiten.
Aufbausituation beim Spiel FC St. Pauli gegen SpVgg Greuther Fürth
Dem FCSP gelang es immer wieder hinter die Schienenspieler der Gäste zu gelangen, indem man Dreiecke im Spielaufbau bildete und die Außenspieler der Fürther aus ihrer Position nach vorne lockte. So erspielte sich das Team von Fabian Hürzeler eine Menge guter Möglichkeiten.

Böller detoniert auf Spielfeld

Überschattet wurde der Jubel über das Tor von einem nahe der FCSP-Bank detonierten Böller. Vom FC St. Pauli gab es nach dem Spiel die Info, dass es sich bei der Böllerwerfer um eine Einzelperson handelte, die identifiziert und abgeführt wurde. Eine unfassbar dumme und sehr gefährliche Aktion, die hoffentlich keine Nachahmung findet.

Wirklich beeindruckt zeigte sich der FC St. Pauli nicht von diesem Zwischenfall.
Im Gegenteil: In einem Umschaltmoment gelangte der Ball über Aljoscha Kemlein zu Afolayan. Dessen Abschluss wurde abgefälscht und (mindestens) dadurch unhaltbar für Urbig. Die 2:0-Führung des FC St. Pauli war selten so verdient wie nach 33 Minuten in diesem Spitzenspiel. Es war ein Klassenunterschied.

Fürther Umstellung und lascher FC St. Pauli

Noch bevor nach dem zweiten Treffer das Spiel wieder angepfiffen wurde, wechselte Fürth. Haddadi ersetzte Petkov. Die Probleme auf den eigenen Außenbahnen erkannte natürlich auch SGF-Trainer Zorniger. Offensiv waren die Abläufe schon interessant ähnlich zu denen des FC St. Pauli. Auch bei Fürth verabschiedete sich einer der beiden Sechser nach vorne: Julian Green ging dabei aber nicht ins offensive Zentrum, wie Marcel Hartel es immer tut, sondern auf die offensive linke Seite. Doch die Elemente von einrückenden Schienenspielern sah man auch bei Fürth, vor allem in Person von Petkov, bevor er ausgewechselt wurde.

In der Folge arbeitete sich der Gast immer besser in die Partie. Auch weil der FCSP laut Hürzeler nun „laissez-faire“ spielte, Dinge zu oft mit einem anstelle von zwei Kontakten lösen wollte. Doch allein die nun etwas zu lasche Spielweise des FC St. Pauli war nicht die Ursache dafür, dass das Spiel nun in eine andere Richtung lief. Das Kleeblatt zeigte nun nicht nur sich selbst defensiv stabiler, sondern auch, wie enorm hoch die eigene Qualität in der Offensive ist. Klar, den Anschlusstreffer kann man besser verteidigen. Aber wie Armindo Sieb Karol Mets da aussteigen lässt ist schon richtig, richtig klasse gewesen. So ging es dann leider mit einem kleinen Dämpfer in die Pause. Der FC St. Pauli führte zwar. Aber gemessen an dem Chancenverhältnis war dieses 2:1 sehr schmeichelhaft für die Gäste aus Fürth.

Mit Wiederanpfiff wurde die Partie für den FC St. Pauli dann schwieriger. Auffällig war, dass bei Fürth im Spielaufbau nun nicht mehr von der Außenposition eingerückt wurde, sondern Innenverteidiger Maximilian Dietz, ein gelernter Sechser, ins defensive Mittelfeld vorschob. Laut Fabian Hürzeler seien die Fürther, ähnlich wie der 1. FC Kaiserslautern vor zwei Wochen, nun „All-in“ gegangen, pressten auch etwas offensiver. Doch im Unterschied zum FCK gelang dem Kleeblatt in dieser Phase der Ausgleich. Und auch dieser war ein Beispiel für die große Qualität der Fürther Offensive, dieses Mal in Person von Branimir Hrogta, der auf engstem Raum einen No-look-Pass zu Simon Asta spielte, der dann zum Ausgleich traf.

Hamburg, 03.02.2024, 2. Bundesliga, FC St. Pauli - SpVgg Greuther Fürth Die Spieler des FC St. Pauli bejubeln den Treffer von Oladapo Afolayan zum 2:0 gegen Fürth. (Photo by Cathrin Mueller/Getty Images)
Dapo Afolayan feiert mit weiteren Spielern des FC St. Pauli seinen Treffer zum zwischenzeitlichen 2:0.
(Cathrin Mueller/Getty Images/via OneFootball)

Kemlein und Saad punkten doppelt

Eigentlich wäre das nun die Blaupause gewesen für die Story „Großer Kampf, toll gespielt, aber am Ende fehlte die Kraft“. Aber nicht mit dem FC St. Pauli, nicht in dieser Saison. Das Team kämpfte sich in diese Partie zurück und etwa ab der 70. Minute war man wieder spielbestimmend. Die Fürther blieben aber natürlich auch dran und, sehr positiv zu erwähnen, versuchten weiterhin spielerisch Lösungen zu finden. Positiv ist das, weil ich so einen mutigen flachen Aufbau gerne anschauen mag, weil es ästhetischer ist. Aber auch, weil der FC St. Pauli durch einen Fehlpass im Spielaufbau den Siegtreffer erzielen konnte.

Bereits in der ersten Halbzeit war auffällig, dass der FC St. Pauli viele Bälle im letzten Drittel gewinnen konnte. Doch anders als in vielen Spielen zuvor waren es keine Ballgewinne aus Zweikämpfen auf den Außenbahnen, vor allem im Gegenpressing. Stattdessen gelang es dem FCSP im Zentrum in Person von Hartel und Kemlein immer wieder Pässe abzufangen. So war es Aljoscha Kemlein, der in der 81. Minute einen solchen Aufbaupass der Fürther abfing und direkt auf Elias Saad weiterleitete. Saad ließ sich nicht bitten und brachte seine Farben wieder in Führung. Zweiter Treffer von Saad, zweite Vorlage von Kemlein. Bärenstark.

Ein Siegtreffer als Statement

Diese Führung brachte der FC St. Pauli mit gewohnter defensiver Stabilität über die Zeit. Und damit setzte das Team ein enormes Statement. Der Vorsprung auf Fürth beträgt nun sieben Punkte, Holstein Kiel (die am Freitag nur einfach punkteten) liegt sechs Punkte hinterm FCSP. Das um zwölf Treffer bessere Torverhältnis ist sogar so eine Art weiterer Punkt Vorsprung.

Die Frage, wie der FC St. Pauli den Tiefschlag, das Ausscheiden im DFB-Pokal gegen Fortuna Düsseldorf verkraftete, beantwortete das Team auf dem Platz eindrucksvoll. Mit dem Sieg im Spitzenspiel untermauerte man die Aufstiegsambitionen, setzte ein massives Ausrufezeichen an die Konkurrenz. Das Pokal-Aus?
Wir hol’n die Meisterschaft!
Und schießen Rostock ab!
Der DFB-Pokal… ist uns scheißegal!

Choo-Choo!

Immer weiter vor!
// Tim

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13 thoughts on “FC St. Pauli vs. SpVgg Greuther Fürth 3:2 – Drei Punkte und ein Statement

  1. Mir fehlen die Worte. Unfassbar starker Sieg. Das hat im Stadion echt Spaß gemacht zu beobachten, wie mental stabil diese Mannschaft ist.

    Tim hat ja schon alles dazu geschrieben… wieder toller Artikel.

  2. Heute war für mich ein super Tag nicht nur der Sieg sondern auch meine Begleiterinnen aus der ST.Pauli Fahrradabteilung haben mir den Samstag versüßt

    1. Danke für gute Moderation bei der PK! Wer sind denn die anderen Leute, die im Zuschauerraum rumsitzen? Praktikant*innen beim Millernton? 🙂

      1. Was mich sehr interessieren würde, ist warum es Fürth so gut gelang uns bis Mitte der 2. Halbzeit zu pressen. Da sehen wir sonst immer souveräner aus. Die laissez faire Aussage, kommt mir da zu kurz. Toller Artikel, wie immer!

  3. Also was die Kader- und Spielstaerke angeht ist weder Kiel noch Fuerth unsere staerkste Konkurrenz. Was die Punkte angeht aber schon, und das ist ein Gluecksfall.

    H$V underperformed mal wieder ordentlich was die Kaderstaerke angeht, das hat eine gewisse Regelmaessigkeit.

  4. Ich frage mich ja immer, was machen die anderen (gut bezahlten) Pressevertreter so auf der Pressekonferenz nach dem Spiel, wenn lediglich Tim vom Millernton 4 Fragen zum Spiel hat …
    Ansonsten ist diese Mannschaft einfach nur unfassbar genial 🤎🤍⚽❤️

    1. Die müssen vermutlich für Ihre Blätter den Bericht zum Spiel tippen.
      Schnelligkeit entscheidet bei denen wohl i.d.R. vor Sorgfalt… :-/

    2. Die holen sich ihre mehr oder weniger exklusiven Zitate nach der PK. Ist zwar immer etwas sonderbar aber kenn ich von allen möglichen Vereinen so.
      Aber was hat ihr Gehalt bloß damit zu tun?

      1. Ja, genau so eine Medienrunde gibt es und daran nehmen wir auch teil. Und da wir nicht an jener der Gäste teilnehmen, stelle ich auf der PK Fragen an den Gästetrainer. Trotzdem stelle ich auch gerne vor der Medienrunde Fragen an Fabian Hürzeler. Weil man sich dann als Zuschauer*in ein besseres Bild machen kann, als wenn man später „nur“ Zitate liest.

  5. Der Pokal ist mir nicht scheiß egal. ich hardere immernoch mit dem Endergebnis vom Dienstag – nicht mit der Rotation oder so sondern mit dem unglücklichen Ausscheiden. Bei dem Favoritensterben war es eine große Chance ganz weit zu kommen. Der Chance trauere ich nach

    Wovon ich total positiv überrascht bin ist die Reaktion der Mannschaft heute. So stark zu spielen nach dieser Woche – wow. Vor allem nach dem 2-2 und der kritischen Phase drum herum nochmal alle Kräfte zu mobilisieren um das 3-2 zu machen – das kann nur eine Spitzenmannschaft. Das geht nur über unbedingtem Willen alle Spiele gewinnen zu wollen. Ist das vielleicht der entscheudende Unterschied zur vorletzen Saison?

  6. Vielen Dank für den wie immer starken Artikel, Tim!

    Ich hätte eine Frage zur Laufleistung des FCSP. Die wird hier regelmäßig abgefeiert. Und jedes Mal, wenn ich das lese, muss ich an den Spruch eines Trainers denken: „Wer zu viel läuft, steht ständig falsch.“ Gibt’s irgendeine statistische Kennzahl, aus der man herauslesen kann, ob die abgespulten Läufe sinnvoll (Konter, Räume zulaufen, Pressing) oder nicht sinnvoll (Ball und Gegner hinterherlaufen etc.) waren?

    Wie dem auch sei: Nach der heute gezeigten Reaktion haben wir – wie du schon geschrieben hast – ein echtes Statement gesetzt, das die Konkurrenz wohl nur knirschend zur Kenntnis nimmt. Uns soll’s Recht sein. Hoffe jetzt nur, dass mein täglicher „Hat Hürzeler schon verlängert“-Check in den Medien bald ein (positives) Ende findet…

  7. Ganz ehrlich: Mir ging es am Dienstag Abend richtig scheisse!

    Solche Niederlagen fressen mich innerlich auf. Sie erzeugen ein dunkles Vakuum in dem in großen Lettern das Wort „WARUM??“ geschrieben steht.

    Ich habe wirklich vom DFB-Pokal-Finale geträumt. Olympiastadion. Über 70.000 Zuschauer. Über 35.000 St.Pauli-Fans.

    Ein Mal im Leben vor 6 Millionen TV-Zuschauern die Boys in Brown nach vorne schreien.

    Once in a lifetime.

    Nach dem ersten Schmerz machten sich dann Sorgen breit.

    Was, wenn sich diese Niederlage auf die Liga auswirkt? Wie verständlich wäre es, wenn die Mannschaft physisch wie psychisch nach 134km am Samstag und 120 aufreibenden und erfolglosen Minuten am Dienstag einfach mal einknickt?

    Was wenn sich daraus eine Negativ-Spirale entwickelt, die uns ganz nach unten zieht? Jetzt mal im Ernst: Wir sind St.Pauli-Fans. Nicht, dass wir so eine Scheisse nicht schon 100-Mal erlebt hätten.

    Und dann dieses Spiel!!!!

    Wie geil ist diese Mannschaft eigentlich??!!

    Wie ein kleines adipöses Glückskügelchen bin ich hier durchs Zimmer gehüpft.

    Was für ein geiles Spiel!!

    Ich bin immer noch geflasht!!

  8. Ich weiss ja nicht, ob ich da richtig liege, aber Fabi hat vor dem Spiel in die Kameras gesagt, dass er gern beim FCSP bleiben wuerde, aber es jetzt nicht mehr an ihm liegen wuerde. Gab es schon einmal ein aehnlich deutliches Statement? Und wenn es so ist, wie er sagt, was ist das problem? Weiterhin eine Ausstiegsklausel ? Geld ? Vielleicht noch 6 Punkte jetzt gegen Magdeburg und Braunschweig holen und dann – fuck it – die Ausstiegsklausel akzeptieren. Dunno.

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