Vorbericht: 1. FC Magdeburg – FC St. Pauli (21. Spieltag, 23/34)

Vorbericht: 1. FC Magdeburg – FC St. Pauli (21. Spieltag, 23/34)

Am Samstag tritt der FC St. Pauli zur Auswärtspartie beim 1. FC Magdeburg an. Es gibt Anzeichen, dass es dabei eine Überraschung in der Startelf geben könnte. Der Vorbericht.
(Titelbild: Stefan Groenveld)

Das Hinspiel am Millerntor endete 0:0 und bis heute darf völlig zu Recht hinterfragt werden, wie zur Hölle der FC St. Pauli in dieser Partie keinen eigenen Treffer erzielen konnte (Spielbericht: Bitte gib mir nur ein Tor!). Irrwitzige 28 Torschüsse feuerte der FCSP ab, allein Andreas Albers versuchte sein Glück siebenmal – doch es wollte kein Treffer fallen. Das lag damals nur bedingt an FCM-Torwart Dominik Reimann. Der hielt zwar einige Bälle, wurde aber tatsächlich auch nur selten wirklich gefordert. Kann man nun wieder so eine Partie erwarten? Die jüngste Vergangenheit hat gezeigt, dass Spiele in Magdeburg dann doch etwas anders laufen.

FC St. Pauli: Wer kann spielen, wer fehlt?

Connor Metcalfe und Jackson Irvine sind von der Asien-Meisterschaft zurückgekehrt. Metcalfe dürfte für den Samstag direkt wieder eine Option für den Kader sein. Genauso wie Erik Ahlstrand, der nun eine ganze Trainingswoche mitmachen konnte. Irvine hingegen musste während der Woche mit dem Training aussetzen, „aufgrund leichter Krankheitssymptome“ erklärte der Verein zu Wochenbeginn. Fabian Hürzeler sprach auf der Pressekonferenz nun von einer „starken mentalen und körperlichen Belastung“ für seinen Kapitän bei der Asien-Meisterschaft als Grund für die Ruhepause. Klingt eher so, als wenn er noch eine Pause benötigt und am Wochenende nicht dabei sein wird.

Vier weitere Optionen

Sehr positiv ist, dass Simon Zoller das Team-Training gut zu verkraften scheint. Er könnte gegen den FCM sogar nach langer Pause wieder im Kader stehen (zuletzt war das am 14. Spieltag gegen Rostock der Fall). Das muss allerdings laut Hürzeler eng mit der medizinischen Abteilung abgestimmt werden. Es ist also denkbar, dass Irvine, Zoller und eventuell auch Ahlstrand (über den Hürzeler aber sagte, dass er die intensiven Einheiten gut verkraftet habe) vielleicht in Magdeburg noch nicht eingesetzt werden. Trotzdem ist die Rückkehr von Metcalfe wichtig für das Team und die Aussichten sind ohnehin positiv.

Hamburg, Deutschland, 27.08.2023, 2. Bundesliga, Fussball - Jackson Irvine (FC St. Pauli) im Zweikampf mit Dennis Heber (1. FC Magdeburg) - Copyright: Peter Boehmer DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video.
Ob Jackson Irvine nach einer mental und körperlich fordernden Asien-Meisterschaft direkt wieder in die Startelf des FC St. Pauli rücken wird? Die Worte von Fabian Hürzeler dazu waren eher defensiv.
(c) Peter Boehmer

1. FC Magdeburg: Wer kann spielen, wer fehlt?

Auch beim 1. FC Magdeburg ist die Kadersituation positiver, als noch in der Vorwoche. Denn mit Herbert Bockhorn und Daniel Elfdali kehren zwei Defensivkräfte nach Sperren wieder zurück. Auch Leon Bell Bell dürfte nach einer leichten Erkrankung wieder in den Kader zurückkehren. Allerdings muss man dafür auf Jean Hugonet verzichten, der im Spiel gegen Kiel seine fünfte Verwarnung der Saison sah.

Was hat der FCM zu bieten?

Von nicht wenigen wurde der 1. FC Magdeburg vor Saisonbeginn als Geheimfavorit auf den Aufstieg genannt. Und genau diese Rolle nahm der FCM zu Saisonbeginn auch ein: Elf Punkte holte das Team von Trainer Christian Titz aus den ersten fünf Ligaspielen, grüßte vom dritten Tabellenplatz. Doch es folgten acht Spiele in Serie ohne Sieg. Nur drei Punkte holte man in dieser Phase und plötzlich lag man auf Platz 14 und schaute eher bangend nach unten als freudig nach oben.

Doch noch vor der Winterpause konnte sich das Team fangen, gewann Anfang Dezember zwei wichtige Spiele gegen direkte Konkurrenten (FCK und Osnabrück) und startete auch in das neue Jahr mit zumindest vier Punkten aus drei Spielen. Wer die Partie letzte Woche gegen Kiel gesehen hat, der/dem dürfte aber klar sein, dass man sich durchaus für mehr als einen Punktgewinn empfahl. Der 1. FC Magdeburg ist sicher eines der am schwersten zu bespielenden Teams der Liga, weil sich die Gegner oft mit der sehr dominanten Spielweise der Magdeburger auseinandersetzen müssen.

Dominante Magdeburger

Angesprochen auf die Spielweise der Magdeburger erklärte Fabian Hürzeler: „Ich erwarte eine Mannschaft, die die Qualität hat, jeden Gegner in der Liga zu schlagen. Die die Qualität hat, jedem Gegner ihren Stil aufzudrücken, der besonders ist für die Liga.“
Aber was macht die Spielweise so besonders? Zum einen, so Hürzeler, sei die Integration des Torhüters im Spielaufbau stilprägend. Dominik Reimann ist einer der spielstärksten Torhüter der Liga (zusammen mit Kastenmeier, Heuer Fernandes und Vasilj). Zudem ziehe Magdeburg im Positionsspiel sehr breit und habe viele Spieler in letzter Linie positioniert. Den letzten Satz merken wir uns mal.

Die offensive Spielweise des 1. FC Magdeburg ist sicher stilprägend, wenngleich Titz mit seinem Team schon ein-zwei Gänge rausgenommen zu haben scheint, sowohl in Sachen Pressingintensität und -höhe, aber auch in der offensiven Positionierung. Zwar hat man weiterhin den niedrigsten PPDA-Wert der Liga, aber zum Beispiel in der Hinrunde der Vorsaison oder ihrem Aufstiegsjahr 21/22 war dieser Wert noch erheblich niedriger. Was ihr Spiel damals auszeichnete, habe ich unter anderem in diesem Video eingehender beschrieben.

Magdeburg, Deutschland, 18.02.2023, 2. Bundesliga, Fussball - Maurides (FC St. Pauli) im Spiel gegen den 1. FC Magdeburg - Copyright: Peter Boehmer
Vor knapp einem Jahr machte Maurides im Trikot des FC St. Pauli im Spiel gegen den 1. FC Magdeburg mächtig auf sich aufmerksam. Bisher war das aber das einzige echte Ausrufezeichen von ihm. Doch nun geht es wieder nach Magdeburg…
(c) Peter Boehmer

Die offensive Spielweise der Magdeburger ist eine, die man aushalten muss als Gegner. Ziel des FCM ist oft einen der dribbelstarken Spieler im letzten Drittel zu finden (man führt die meisten Dribblings der Liga). Dem Team gelingt es häufig, in den gegnerischen Strafraum vorzudringen (viertmeiste Ballkontakte im gegn. Strafraum), aber es hat trotzdem den zweitniedrigsten xG-Wert der Liga. Die Kombination beider Statistiken könnte ein Hinweis darauf sein, dass der FCM sich meist einer Vielzahl an Gegenspielern gegenüber sieht im letzten Drittel, besonders im Strafraum. Der meiste Ballbesitz der Liga bekräftigt dies. Gegnerische Teams stellen sich oft in tiefer Positionierung gegen Magdeburg auf.

Fehlende Balance?

Der 1. FC Magdeburg ist also sogar noch etwas spieldominanter als der FC St. Pauli. Im Hinspiel hatte der FCSP nur 43 Prozent Ballbesitzanteil, weniger war es bisher nie. Warum aber gelingt es Magdeburg nicht, aus dieser Dominanz noch mehr Zählbares zu holen?
„Ich vermag bei anderen Mannschaften nicht zu beurteilen, was ihnen fehlt,“ sagte Fabian Hürzeler auf diese Frage auf der PK sehr diplomatisch. Doch direkt im Anschluss kam folgender Satz: „Was uns auszeichnet, ist die Balance zu haben zwischen defensiver Stabilität und offensiver Torgefahr.“ Zufall? Sicher nicht, wie der Blick auf die Statistiken zeigt.

Der 1. FC Magdeburg hat nämlich eine weitere eher untypische Kombination in den Statistiken stehen. Das Team hat zwar den meisten Ballbesitz, lässt aber gleichzeitig die meisten gegnerischen Torschüsse zu. Ein klarer Anzeiger, dass man eine gewisse Anfälligkeit in der Defensive hat. Das deutet darauf hin, dass der FCM aufgrund seiner offensiven Positionierung (wir erinnern uns: sehr breit und viele Spieler in letzter Linie) sowie des hohen Pressings in der Defensive anfällig ist. Wenn es den Gegnern also gelingt, sich aus dem eigenen Drittel kontrolliert zu befreien, dann sind die Räume nicht selten groß.

Genau hier dürfte auch Fabian Hürzeler Chancen für sein Team sehen. Auf die Nachfrage, ob der FC St. Pauli aufgrund der Magdeburger Positionierung nach Ballgewinnen etwas vertikaler und risikoreicher spielen könnte, betonte er, dass dies durchaus ein Fokus in der Trainingsarbeit gewesen sei. Ein höheres Maß an Vertikalität wäre übrigens auch eine direkte Reaktion auf das oft konsequent hohe Pressing der Magdeburger, weil man eben die Option hat, schnell viele Gegenspieler aus dem Spiel zu nehmen.

Welche Rolle spielen die Platzverhältnisse?

Wer die Partie des 1. FC Magdeburg gegen Holstein Kiel gesehen hat, der/dem dürfte sicher aufgefallen sein, dass die Platzverhältnisse nicht unbedingt förderlich sein dürften, um ein gepflegtes Kurzpassspiel aufzuziehen. Fabian Hürzeler drückte sich zur Platzqualität in Magdeburg diplomatisch defensiv aus („Die Bilder zeigen jetzt nicht, dass es ein super Rasen ist“), aber es dürfte sich doch um einen ziemlichen Acker handeln. Das könnte auch eine Erklärung sein, warum der FC St. Pauli erst nächste und nicht schon diese Woche aufgrund schlechter Platzverhältnisse an der Kollaustraße in den Süden reist. Jedenfalls könnten die Platzverhältnisse zusammen mit den spielerischen Eigenschaften der Magdeburger für Überraschungen beim FCSP sorgen.

Mögliche Aufstellung

Durch die Rückkehr von Daniel Elfadli, Leon Bell Bell und Herbert Bockhorn, sowie die Sperre von Jean Hugonet dürfte es einige Veränderungen in der Startelf des 1. FC Magdeburg geben. Elfadli wird aller Voraussicht nach Andi Hoti aus der Startelf verdrängen. Bell Bell wurde auf der linken Seite durch Mohammed El Hankouri vertreten. Es ist aber nicht davon auszugehen, dass der spielstarke und flexibel einsetzbare El Hankouri aus der Startelf verdrängt wird, wenn Bell Bell wiederkommt. Er könnte zum Beispiel von der linken Schienenposition auf die rechte Offensivseite wechseln.

Einige Rückkehrer beim FCM

Auf der rechten Seite dürfte in jedem Fall Herbert Bockhorn wieder zum Einsatz kommen und dort Xavier Amaechi verdrängen. Wohin mit Amaechi, der gar keinen so schlechten Eindruck hinterließ? Er dürfte sich mit El Hankouri um die Position rechts vorne streiten. Bleibt noch der Ersatz für Jean Hugonet: Der spielte gegen Kiel zusammen mit Silas Gnaka im zentralen Mittelfeld, füllte dabei die defensivere Rolle aus. Wahrscheinlich ist, dass Gnaka nun die Hugonet-Rolle übernimmt und entweder den spielstarken Amara Conde oder den offensiven Connor Krempicki neben sich stehen hat.

Erwartete Aufstellung beim Spiel 1. FC Magdeburg gegen FC St. Pauli. FCM: Reimann - Bockhorn, Müller, Heber, Elfadli, Bell Bell - Gnaka, Conde - El Hankouri, Castaignos, Atik FCSP: Vasilj - Saliakas, Wahl, Smith, Mets, Treu - Kemlein, Hartel - Afolayan, Maurides, Saad
Erwartete Aufstellung beim Spiel 1. FC Magdeburg gegen FC St. Pauli.
FCM: Reimann – Bockhorn, Müller, Heber, Elfadli, Bell Bell – Gnaka, Conde – El Hankouri, Castaignos, Atik
FCSP: Vasilj – Saliakas, Wahl, Smith, Mets, Treu – Kemlein, Hartel – Afolayan, Maurides, Saad

Beim FC St. Pauli kommen zwar mehr Spieler für den Kader infrage, allerdings ist nicht davon auszugehen, dass diese sofort in die Startelf springen werden. Einzig Jackson Irvine wäre das zuzutrauen, der allerdings nicht trainiert hat unter der Woche und eine Pause zu brauchen scheint. Eine personelle Veränderung könnte ich mir trotzdem vorstellen.

Maurides in der Startelf?

Wir erinnern uns kurz an die Vorsaison: Der FC St. Pauli spielte keine gute erste Hälfte in Magdeburg, lag verdient mit 0:1 hinten. Zur zweiten Halbzeit kam Maurides in die Partie und mit ihm auf dem Platz veränderte sich das Spiel. Das allein reicht natürlich noch nicht, um ihn dieses Mal sogar in der Startelf zu vermuten. Aber der Blick auf physische Daten zeigt eine Chance auf: Der FCM ist generell kein kopfballstarkes Team, statistisch das drittschwächste der Liga. Daniel Heber als zentraler Innenverteidiger ist nur 1,82m groß. Müller und Elfadli, die vermutlich rechts und links von ihm spielen werden, knacken ebenfalls nicht die 1,90m. Hinzu kommen die Platzverhältnisse und das hohe Pressing der Magdeburger, sowie deren breite und hohe Positionierung bei Ballbesitz. All das zusammen schreit förmlich nach einem kopfballstarken Mittelstürmer auf Seiten des FCSP, der als Wandspieler agieren kann.

Johannes Eggestein ist zwar nicht für seine Kopfballstärke bekannt, aber spätestens beim Spiel in Düsseldorf hat er gezeigt, welch große Qualitäten er auch als Wandspieler für den FCSP haben kann. Es ist also eine sehr komplexe Situation, nicht so eindeutig wie damals in der Hinrunde, als sich der FC St. Pauli gegen turmhohe Kieler Innenverteidiger für mehr Agilität und damit für einen überraschenden Startelfeinsatz von Eggestein entschied. Bei der Entscheidung spielt natürlich auch die aktuelle Form eine Rolle. Eggestein hat zwar länger nicht getroffen, aber ansonsten gute Spiele gemacht. Trotzdem tippe ich mutig auf Maurides in der Startelf.

Rekord winkt

Es wird Fabian Hürzeler und den Spielern des FC St. Pauli ziemlich wumpe sein, aber der FCSP könnte einen Rekord brechen: Denn 26 Spiele in Serie ohne Niederlage hat noch kein Team in der eingleisigen 2. Bundesliga zustande gebracht. Das ist zwar nur eine Zahl in Büchern, die keine weiteren Punkte bringt, aber dieser Rekord wäre ein Ausdruck der enormen Konstanz und der Grundqualität, die der FCSP inzwischen in jedem Spiel an den Tag legt.

Mit dem 1. FC Magdeburg steht diesem Rekord aber ein Team im Weg, das besonders zu Hause eine gewaltige Wucht entfalten kann. Wie die Magdeburger Holstein Kiel vergangenen Freitag in der heimischen MDCC-Arena vor allem in der zweiten Halbzeit an die Wand gespielt haben, dürfte dem FCSP natürlich auch aufgefallen sein. Somit ist, wie immer, maximaler Einsatz erforderlich und die richtige(n) Reaktion(en) auf die Spielsituationen. Dann winkt auch der Rekord. Keine Atempause, Geschichte wird gemacht!

Forza!
// Tim

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Sofern nicht anders markiert, stammen sämtliche Statistiken von Wyscout.

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3 thoughts on “Vorbericht: 1. FC Magdeburg – FC St. Pauli (21. Spieltag, 23/34)

  1. Wusste man eigentlich nichts von Zollers Problemen als man ihn verpflichtet hat? Wir haben ja zum Glück grad kein Problem mit Toren und Stürmern, frage mich aber trotzdem warum man einen Spieler verpflichtet, um ihn scheinbar von Anfang an nur „aufzupäppeln“. Son Simon Zoller kostet ja auch Geld…habt ihr da Information zu? Wenns mal nen Artikel gab, gerne verlinken. Hab ich jedenfalls nicht in Erinnerung

  2. Alles ist OK, aber bitte nicht Maurides in die Startelf! Ich bin gerne bereit meine Worte zu fressen, doch es gibt im aktuellen Kader keinen Spieler, dem ich weniger zutraue als ihm. Im Pokal gegen Fortuna hatte Maurides mehr Spielzeit denn je und unterm Strich hat er diese Bewährungschance nicht genutzt. Der muss ja im Training treffen ohne Ende – kann mir sonst nicht ansatzweise erklären, warum er immer wieder im Kader ist. So und wenn er jetzt den Siegtreffer beim FCM schießt, soll es mir recht sein … bloß wer glaubt ernsthaft daran.

    1. Maurides wurde beim letzten Spiel in Magdeburg eingewechselt, da kam nochmal richtig Druck auf.
      Ich denke er hatte bisher nicht genug Spielzeit bzw. wurde meistens erst spät eingewechselt um den Ball am Spielende festzumachen.
      Geb ihm ne Chance!

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