Saison-Aus für den polyvalenten Dauer(b)renner

Saison-Aus für den polyvalenten Dauer(b)renner

Mathias Pereira Lage hat sich schwer verletzt, seine Saison ist beendet. Ein weiterer schwerwiegender Ausfall für den FC St. Pauli.
(Titelfoto: Stefan Groenveld)

Es ist keine 24 Stunden her, dass wir beim MillernTon einen Artikel veröffentlicht haben, der verschiedene Gründe nannte, warum Hoffnung angebracht ist. Einer der Gründe: Der Kader ist vor dem Saisonfinale so gut gefüllt wie nie, das Lazarett hingegen fast leer. Dann ploppten erst die Nachrichten auf, dass Nikola Vasilj und Eric Smith aufgrund grippaler Infekte bisher diese Woche nicht mittrainieren konnten, was vor allem für Smith einen Einsatz am Wochenende unwahrscheinlicher macht. Viel schlimmer als ein grippaler Infekt ist hingegen das, was Mathias Pereira Lage am Mittwoch im Training passiert ist.

Kurz vor Ende der Trainingseinheit verletzte sich der 29-jährige am Knie. Ein Mitspieler fiel in einer Spielsituation auf sein linkes Bein. Die MOPO berichtete, dass aufgrund der Reaktion von Pereira Lage sofort klar gewesen sei, dass es sich um eine schwere und vor allem schmerzhafte Verletzung handelt. Der Offensivspieler wurde gestützt vom Platz gebracht und noch am selben Tag für weitere Untersuchungen ins Krankenhaus. So oder so war laut anwesenden Personen auch ohne genaue Diagnose bereits klar: Diese Verletzung würde das Saisonende für Mathias Pereira Lage bedeuten.

Erschütternde Diagnose

Nun gibt es Gewissheit. Der FC St. Pauli vermeldete am Donnerstag-Vormittag, dass sich Mathias Pereira Lage eine „komplexe Verletzung“ am linken Knie zugezogen hat, leider ist dabei auch das Kreuzband betroffen. Pereira Lage wird noch am Donnerstag operiert werden. Wie erwartet bedeutet diese Verletzung das Saison-Aus. Mehr noch: Es wäre sehr bemerkenswert, wenn Mathias Pereira Lage wieder für den FCSP in Pflichtspielen auf dem Rasen stehen kann, bevor die gerade erst grün gewordenen Blätter schon wieder braun sind und abfallen. Was für eine Scheiße!

Den FC St. Pauli trifft die Verletzung von Mathias Pereira Lage ins Mark. Nur vier Feldspieler standen in dieser Spielzeit länger auf dem Platz als der 29-jährige. Er ist der Offensivspieler mit der meisten Spielzeit und hat mit zwei Treffern und zwei Vorlagen in der Bundesliga zwar keine überragenden Zahlen vorzuweisen, aber zählt trotzdem zu den produktivsten Spielern im Kader, wenn es nur um die Aktionen aus dem Spiel heraus geht. Aufgrund seiner hohen Geschwindigkeit hat Pereira Lage auch für die Defensive des FC St. Pauli eine wichtige Rolle eingenommen, kein anderer Offensivspieler hat mehr erfolgreiche Defensivaktionen pro Spiel als Pereira Lage, was einer der Hauptgründe gewesen sein dürfte, warum er im fitten Zustand eine Art Startelfgarantie hatte. Besonders in Pressingsituationen wusste er zu gefallen, denkt mal an die Entstehung des Treffers von Hountondji beim FC Bayern München. Sein Trainer Alexander Blessin erklärte vor wenigen Wochen: „Mathias ist extrem wichtig für die Mannschaft, er gibt uns enorm viel mit seinem taktischen Verständnis und der Energie gegen den Ball.“ Ein Grund dafür ist die extreme Laufstärke des Offensivspielers: Er ist in den Top 10 der gesamten Liga zu finden, wenn es um die Anzahl an Sprints (Platz neun) und intensiven Läufe (sieben) geht.

Polyvalenz nicht zu ersetzen

Dem FC St. Pauli werden die Fähigkeiten von Mathias Pereira Lage zweifelsohne fehlen. Die Verletzung wiegt extrem schwer, zumal es im Team keinen weiteren Offensivspieler gibt, der Technik, Tempo und Defensivstärke so vereint wie der 29-jährige. Entsprechend muss nun umgebaut werden. Denn Pereira Lage interpretierte seine Rolle irgendwo zwischen Mittelsturm, Außenbahn und Zehnerraum. Gegen Heidenheim könnte am ehesten Joel Fujita die Offensivposition einnehmen, das wäre die Variante „Zehner“. Wenn der FC St. Pauli eher einen Mittelstürmer sucht, der immer mal wieder nach außen ausweicht, dann rückt Martijn Kaars ins Rampenlicht. Einen klassischen Außenstürmer gibt es spätestens seit dem Abgang von Dapo Afolayan nicht mehr im Kader, am ehesten käme Arek Pyrka für so einen Job infrage. Das aber sind nun drei Spieler für drei verschiedene Profile, Mathias Pereira Lage hat alle diese Profile abdecken können, diese Polyvalenz hat sonst kein anderer der Offensivspieler zu bieten. Entsprechend schwer wiegt dieser Ausfall.

Es ist wirklich alles andere als einfach, den Glauben zu behalten, dass diese Saison für den FC St. Pauli noch ein gutes Ende nehmen wird. Immer wieder wird das Team von leichteren, schwereren und leider auch sehr schweren Verletzungen heimgesucht. Das zieht sich leider wie ein roter Faden durch die Spielzeit. Wie genau und warum das besonders diese Saison der Fall ist, dürfte Teil einer ausführlichen Analyse im Sommer sein. Vorerst muss der FC St. Pauli aber erstmal erneut seine Startelf umbauen. Und das leider langfristig, denn Mathias Pereira Lage wird dem FCSP nun erst einmal fehlen.

Lieber Mathias, wir wünschen Dir alles Gute, eine schnelle und vollständige Genesung!
You’ll never walk alone!

// Tim

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9 thoughts on “Saison-Aus für den polyvalenten Dauer(b)renner

  1. Ja, große Scheisse aber bislang haben wir gravierende Ausfälle echt gut weggesteckt.
    Gerade das dominante Spiel gegen Köln ohne Fujita, Smith und Sands war ein Paradebeispiel.
    Auch Irvines längerer Ausfall oder der von Metz waren kompensierbar.
    Ich denke, das schweißt das Team noch mehr zusammen und lässt sie noch ein paar Körner mehr auf den Platz bringen.
    Nur noch vier Spiele, das wird…

  2. Sorry, aber ich kann diese negative Grundstimmung bezüglich des Klassenkampfes nicht nachvollziehen.

    Wir sind auf dem Relegationsplatz, der in 80% der Fälle für den Bundesligisten zum Klassenerhalt reicht. Zwei Mannschaften sind aktuell schlechter als wir, obwohl wir so ein Verletzungspech hatten und obwohl wir uns in der Hinrunde von einer 9-Pleiten-Serie haben runter ziehen lassen.

    Wir haben im Januar gezittert, dass wir nicht schon vor der Crunchtime den Anschluss verlieren und haben dann im Februar gegen Stuttgart, Werder und Hoffenheim gewonnen.

    Letzte Saison haben wir gebibbert, weil Vasilj gegen Frankfurt nicht spielte und dann macht Voll diese weltklasse Hereingabe und wir halten in diesem Spiel quasi vorzeitig die Klasse.

    Und diese Saison spielen wir nicht in Frankfurt. Wir spielen in Heidenheim und die Konkurenz hat zum Teil das deutlich schwerere Restprogramm.

    Ja, diese Verletzung ist Dreck. Ja, sie kommt zur Unzeit,

    Aber wir können doch nicht so tun als wären wir deshalb jetzt schon abgestiegen, indem erst der mühevoll erarbeitete Hoffnungs-Artikel und anschließend der Glaube an den Klassenerhalt einkassiert wird.

    By the way: Das ist laut einer Seite im Internet die Verletztenliste bei Hoffenheim:

    Tim Siersleben (gesperrt)
    Benedikt Gimber
    Leart Paçarada
    Eren Dinçi
    Mikkel Kaufmann

    Ließt sich jetzt auch nicht so richtig geil.

    In diesem Sinne: Ja, richtig Scheiße, dass für MPL die Saison vorbei ist und er auch den Bundesliga-Auftakt 26/27 verpassen wird. Für alle anderen heißt es aber:

    IMMER WEITER VOR!

    1. War natürlich die Verletzungsliste von Heidenheim.

      Scheißegal: Hoffenheim oder Heidenheim, das nächste H*heim bitte.

    2. Wenn in 20% der Fälle der Zweitligist triumphiert, wir in einer historisch schlechten Bundesliga spielen und gegen Viertligisten keine Tore schießen, dann sollte man klar sehen, wieso die Stimmung mäßig ist.

      1. Letzte Saison sind Kiel und Bremen abgestiegen. Aufgestiegen sind Köln und der HSV.

        Pessimisten sagten vor einem Jahr, dass wir keinesfalls die Klasse halten könnten, da die Bundesliga an Qualität gewonnen hätte und wir durch die Tatsache, dass Heidenheim nicht mehr international spielt vermutlich abgeschlagen auf dem letzten Platz landen werden.

        Woraus schließt Du, dass die Bundesliga in dieser Saison historisch schlecht ist?

        Und welche Viertligisten meinst Du?

        1. Natürlich nicht Kiel und Bremen, sondern Kiel und Bochum.

          Dieses Saisonfinale macht mich schon ganz wirr im Kopf.

        2. Norderstedt der Viertligist, zum Anderen meine ich, dass so viele Mannschaften unten nur rumdümpeln ohne voran zu kommen.

          Vor der Saison war ich optimistisch, dass wir gut durchkommen, weil ich den HSV und Köln als nicht so stark angesehen habe. Heute denke ich, dass wir diese Mannschaft in dieser Konstitution in die vierte Liga werfen können und keine 50 Tore schießen.

          1. Uns hat letzte Saison auch niemand zugetraut drin zu bleiben. Das mit Kiel und Bochum 2 Teams weg sind die Qualitativ auf unserer Augenhöhe waren war zur neuen Sasion doch jedem klar das ein Effzeh und H$V deutlich höhere Qualität besitzen/einkaufen als wir es tun können. Die ersten 3 Spiele waren alle gehyped, (ich ebenso) dennoch bin ich mit der Erwartungshaltung nie davon ausgegangen wir würden nicht um den Abstieg spielen. Das der VFL mit uns da unten sitzt ist unser Glück und auch die Bestätigung das es selbst dort nicht läuft.
            Wir schaffen das. Ich glaube an jeden im Verein, es bringt Niemandem was den Kopf in Sand zu stecken. Immer weiter und weiter. Forza 🤎🤍

  3. Okay, ich muss sagen, dass das Lesen dieses Artikels meine ohnehin schon schlechte Laune noch weiter verschlechtert hat. Aber… wozu hilft es uns, im Moment pessimistisch zu sein? Wir sind nicht abgestiegen, wir liegen nicht einmal auf Platz 17 oder 18, wir fahren nach Heidenheim, um dort um den Verbleib in der Bundesliga zu kämpfen.

    Ich stimme CarstenH und Mario zu: Wir haben noch alle Chancen, also lasst es uns angehen!

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