Nach der Niederlage gegen Mainz ist die Tabellensituation des FC St. Pauli kritischer denn je. Spieler und Trainer betonen aber, dass man zusammen den Klassenerhalt schaffen will.
(Titelfoto: Stefan Groenveld)
Seit acht Spielen wartet der FC St. Pauli auf einen Sieg. Wie schon in der Hinrunde gibt es auch in der Rückrunde eine quälend lange Sieglos-Serie und es ist völlig klar: Wenn es dem FCSP nicht unverzüglich gelingt, ein anderes Gesicht auf dem Platz zu zeigen als in den Spielen gegen Mainz und Heidenheim, dann steht der Abstieg unmittelbar bevor.
Was bedenklich stimmt: Die Entwicklung ist fürchterlich negativ. Der FC St. Pauli verlor die letzten beiden Spiele nicht etwa unglücklich, sondern offenbarte, dass er weder defensiv noch offensiv über 90 Minuten mit (mittel- und unterklassigen) Bundesligateams mithalten kann. Die Fehlerquote ist extrem hoch, die Qualität zu niedrig, Matchpläne werden nicht umgesetzt oder funktionieren nicht und der mentale Status des Teams kann nur als äußerst labil bezeichnet werden, wenn man sich anschaut, wie auf die frühen Rückstände in Heidenheim und gegen Mainz reagiert wurde.
Zahlen und Verhalten wie ein Absteiger
Der FC St. Pauli stellt die mit großem Abstand schwächste Offensive der Bundesliga. Das war schon in der Vorsaison der Fall, aber in dieser Spielzeit ist das Team nicht fähig, diese Schwäche durch eine stabile Defensive auszugleichen. Und zu dieser aktuell schwachen Phase des Teams kommt erschwerend hinzu, dass die Konkurrenz punktet. Heidenheim war nach 25 Spieltagen zehn Punkte entfernt, ist nun bedrohlich nahe gerückt, Wolfsburg hat den Rückstand von vier Zählern komplett aufgeholt. Die damals auf ähnlichem Niveau stehenden Teams aus Bremen (fünf Zähler mehr als der FC St. Pauli seitdem), Köln (sechs Zähler mehr), Mönchengladbach (acht) und Mainz (elf) sind längst enteilt.
Es kann gefühlt noch unendlich lange aufgezählt werden, was alles für einen Abstieg des FC St. Pauli spricht. Aber das bringt niemanden weiter. Was aber auch klar ist: Die sportlichen Leistungen und die Tabellensituation führen vermutlich in 49 von 50 Fällen dazu, dass es einen Wechsel an der Seitenlinie gibt. Der FC St. Pauli ist aber der 50. Fall, die Ausnahme.
Sowieso stellt sich die Frage, was ein Trainerwechsel in der jetzigen Situation bringen würde. Zeit, um an den wesentlichen und dringenden Themen zu arbeiten, bliebe nicht. Dafür gibt es zu wenige Trainingstage bis Saisonende und die Probleme sind zu tiefgreifend, um innerhalb dieser Zeit noch gelöst zu werden. Ein neues Gesicht an der Seitenlinie könnte vielleicht einzig den Effekt eines neuen Impulses für das Team haben. Dass das Team in irgendeiner Art und Weise einen Impuls benötigt, davon konnte man sich in den letzten Wochen problemlos überzeugen. Aber es ist keineswegs gesichert, dass dieser kommt, wenn der Trainer gewechselt wird. Eine Übersichtsstudie von Sousa et al. (2024) zu dem Thema kommt zu dem Ergebnis, dass Teams nach einem Trainerwechsel kurzfristig zwar besser performen, aber dass das zumeist auch dann der Fall ist, wenn Teams den Trainer nicht wechseln. Der Effekt von Trainerwechseln erscheint positiver, weil Teams zuvor oft lange Durststrecken durchleben und dann irgendwann auch mal wieder ein Spiel gewinnen.
Spieler stärken Blessin den Rücken
Innerhalb des FC St. Pauli ist ein Trainerwechsel wohl auch überhaupt kein Thema. Zumindest stellten sich sämtliche Führungsspieler nach Abpfiff am Sonntag demonstrativ hinter Alexander Blessin. Karol Mets sagte: „Wir stecken zusammen in dieser Situation. Es darf nicht nur eine Person beschuldigt werden, es ist das gesamte Team. Wir alle müssen es besser machen, wenn wir in dieser Liga bleiben wollen. Wir sind ein Team und wir werden auch bis zum Ende ein Team bleiben.“
Hauke Wahl reagierte fast gereizt auf eine Frage zur Trainerdiskussion, wiegelte ab: „Es ist zwei Spieltage vor Schluss. Da werden wir jetzt nicht anfangen, über den Trainer zu reden.“ Auch Eric Smith wurde schmallippig, aber keineswegs schwammig. Als er gefragt wurde, ob Blessin der richtige Trainer in der jetzigen Situation sei, antwortete kurz und deutlich: „Natürlich.“
Jackson Irvine wurde gefragt, ob es Gedanken gebe, den Trainer zu wechseln in dieser Situation. Auch er wurde deutlich: „Auf keinen Fall! Der einzige Weg, um rauszukommen, ist zusammen. Wir alle müssen eng zusammenstehen, uns gegenseitig unterstützen. Das ist der einzige Weg, um in den nächsten zwei Wochen erfolgreich zu sein.“
Die Spieler des FC St. Pauli demonstrieren also Geschlossenheit hinter Alexander Blessin. Das hörte sich in dieser Saison bereits anders an. Im November, nach der Niederlage gegen Union Berlin, erklärte Irvine auf die Frage, ob er der Meinung sei, dass Blessin der richtige Trainer ist, bemerkenswert distanziert: „Es geht hier nicht um meine Meinung. Wir sind die Spieler, er ist der Trainer – und so lange das so ist, arbeiten wir als Team zusammen.“ Die jetzt demonstrierte Geschlossenheit dürfte Blessin guttun, schließlich galten die Pfiffe, die es am Sonntag in der Halbzeitpause zu hören gab, teilweise explizit ihm, so haben es viele und so hat auch er selbst es registriert. Geht der Cheftrainer des FC St. Pauli also angeknockt in die letzten Spiele?
„Bin davon überzeugt, dass wir das zusammen schaffen.“
Angesprochen auf die Pfiffe erklärte Blessin: „Das ist okay, das trage ich. Dann sollen sie mich die ganze Zeit auspfeifen, aber nicht die Mannschaft. Es gilt jetzt, die Mannschaft zu unterstützen.“ Der Cheftrainer stellt sich damit schützend vor seine Mannschaft, die ihm wiederum den Rücken stärkt. Er machte aber auch keinen Hehl daraus, dass die aktuelle Situation an ihm nage, das war ihm auch deutlich anzumerken nach Abpfiff. Trotzdem gab er sich kämpferisch und zuversichtlich: „Ich werde nicht hinschmeißen. Ich stehe dazu und ich bin davon überzeugt, dass wir das zusammen schaffen.“ Zudem glaubt er nicht, dass ein Trainerwechsel etwas bringe, andernfalls „wäre ich schon längst bei Andreas Bornemann gewesen.“
Die Trainerfrage beim FC St. Pauli stellt sich also nicht wirklich. Andreas Bornemann hatte erst Mitte April gegenüber dem Abendblatt (€) erklärt, dass Blessin bis Saisonende Cheftrainer bleibt. Es deutet nichts darauf hin, dass sich an dieser Entscheidung seitdem etwas geändert hat. Sowieso: Wenn dieser Wechsel jetzt käme, muss sich die sportliche Leitung ernsthaft fragen, warum das nicht bereits im Winter gemacht wurde.
Vielmehr stärkt der FC St. Pauli auch in der aktuellen Krise Alexander Blessin also demonstrativ den Rücken. Sowieso wäre ein Trainerwechsel zum jetzigen Zeitpunkt eher ein Ausdruck von Aktionismus und nur dann in Erwägung zu ziehen, wenn er „die Kabine verloren“ hätte. Ob das so ist, dürften die Verantwortlichen sehr viel besser einschätzen können als alle Außenstehenden. Und wie richtig oder falsch die Entscheidung ist, muss nach Saisonende bewertet werden. Zuvor ist Zusammenhalt wichtiger, als sich mit einem Thema zu befassen, das irrelevant ist, weil es sowieso nicht so weit kommen wird. Das kostet Energie, die der FC St. Pauli an anderen Stellen dringend benötigt.
// Tim
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„Aktionismus bezeichnet primär einen übertriebenen, blinden Tätigkeitsdrang, bei dem unüberlegt und ziellos gehandelt wird, oft um Überforderung zu vertuschen.“ – so die schnelle Definition von Aktionismus. Kann ein Trainerwechsel, der sich in „49/50“ Fällen objektiv ergeben MUSS, wirklich dann als blind als Aktionismus tituliert werden? Den einzigen Aktionismus, den ich hier erkenne, ist das blinde Festhalten und die Abwehrversuche seitens der verantwortlichen Personen, nichts am Zustand zu ändern.
Warum denken wir, der 50. Fall sein zu müssen? Der 50. Fall befindet sich in Heidenheim und das auch begründet: Fast 20 Jahre im Amt und keine professionelle Vereinsstruktur hins. des Scoutings. Dass der Trainer das Problem in Heidenheim sein soll, würde niemand mit Vernunft behaupten. So gesehen sind wir in den 49 anderen Fällen zu finden, aber ACHTUNG: Unser Dogma kommt dazwischen. Auf Biegen und Brechen anders sein, selbst wenn es Selbstzerstörung bedeutet. Lieber keine harte Entscheidung treff- Moment! Ist das überhaupt eine harte Entscheidung? Wir haben noch zwei Spiele vor uns, in denen es um alles geht. An der Seitenlinie ein talentierter Trainer, der aber keine Lösungen mehr findet und seinen Posten nicht räumen will und dabei auch noch gedeckt wird.
Was haben wir zu verlieren? Wir steigen ab, bleibt also alles wie gehabt ODER der (KURZFRISTIGE [wir brauchen aktuell auch nur einen für maximal 4 Spiele]) Trainereffekt wirkt. Dass man sich für das Nichtstun entscheidet ist so unvernünftig, weil es einfach nicht weniger risikoreich ist, als einen Neustart zu wagen.
Apropos Risiko, an dieser Stelle kann man den Bogen zu unserer Spielanlage schlagen, denn auch hier erliegen wir dem Irrglaube, sich hinten reinzustellen, birgt weniger Risiko, als das Tor zu suchen. Aha, wenn ich doch weiß, dass meine Stürmer keine absoluten High-Scoring-Spieler sind, dann muss ich doch das Volumen an Schüssen erhöhen und nicht darauf hoffen, dass diese die zwei Chancen, die sie pro Spiel machen, verwandeln. Das geht vielleicht in Belgien, wenn man zukünftige Top-Stars wie Amoura in seinen Reihen hat, aber nicht, wenn man lauter Projektspieler im Kader hat, die man allesamt nicht weiterentwickelt.
Außerdem ergibt das Festhalten auch aus folgendem Grund keinen Sinn. Geht Alexander mit in die zweite Liga? Wenn ja, will man das ernsthaft? Die Spielanlage wird sich nicht bessern, schreckt jeden Stürmer (erinnert euch an harmlose Interviews, die gelöscht werden, weil ein Spieler dies bemängelt) und wird spätestens bei einem unwahrscheinlichen Aufstieg erneut in dem gleichen Ergebnis münden. Bollocks.
Geht Alexander Blessin nicht mit, weil keine Lust, keine Kraft oder der Verein sagt, dass er mangels Erreichung des Saisonziels gehen muss, dann bringt ein Festhalten erst recht nichts.
Ich habe keine Lust mehr auf diese Ausreden. Als wir viel Zeit noch vor uns hatten, wurde der Trainer nicht angerührt, weil „sehr guter Trainer“ und was weiß ich nicht was. Als es immer enger wurde, aber noch genug Zeit, wollte man auch nicht reagieren. Jetzt, wo es sehr eng ist, flüchtet man sich in neue Ausreden. Frag mal in Kaiserslautern nach, was dieser „blinde Aktionismus“ denen so beschert hat, ich wette Hengen ist schon vor lauter Kopfschütteln über unser Verhalten abgehoben, denn er hat klar ausgemacht, dass ein Aufstieg in die 2. Liga das Risiko eines gescheiterten Trainerwechsels überwiegt.
LIEBE, MUT, VERANTWORTUNG. Forza.
Ich muss leider sagen: Das sind einige wahre wie schmerzhafte Punkte drin.
Wäre Blessin im Falle des Abstiegs der Trainer, der die Mannschaft neu aufbauen sollte?
Würde er das überhaupt selbst wollen? Bornemann und Blessin sollten sich jetzt diese Fragen stellen. Wenn nur einer von beiden die leisesten Zweifel haben sollte, wäre spätestens nach Leipzig die Zeit zu reagieren. Lieber jetzt einen neuen Trainer holen, mit dem man in der 2. Liga neu angreifen möchte. Mit viel Glück reicht dieser neue Impuls sogar, um gegen Wolfsburg zu gewinnen und die Relegation erfolgreich zu gestalten. Nichts tun, untergehen und dann den Trainer entlassen, wäre jedenfalls fahrlässig. Jemand, wie z.B. Horst Steffen ist jetzt auf dem Markt. In einigen Wochen vielleicht schon nicht mehr. Jetzt frühzeitig die Weichen für einen Neuanfang stellen, hätte den Vorteil frühzeitig Klarheit zu schaffen für laufende/anstehende Vertragsverhandlungen.
Zum Glück muss ich diese Entscheidung nicht treffen. Ich werde selbstverständlich im Stadion alles geben. Egal, wer an der Seitenlinie steht. Aufgeben ist keine Option!
Hey Toni, dann musst du aber auch Bornemann mit einbeziehen, falsche Spieler gekauft, Dapo verkauft (was ein Fehler!)
Willst du das?
Das gehört definitiv in die Analyse, aber neue Spieler kann man aktuell nicht holen und vergangene Fehler können nicht revidiert werden. Aber ja, jeder muss sich hinterfragen und hinterfragt werden. Warum sollte nur ein AB kritisch beäugt werden? Ja, Don Bornelione hat bei mir mehr Kredit, aber auch er muss sich fragen, wie schlau es war, den gesamten Kader auf eine einzige Option ohne Exit-Plan auszulegen und der Hara-Transfer ist natürlich absolut fragwürdig. Ums klarzustellen, es geht hier nicht um Sympathien. Ich mag sowohl Alex als auch Andreas, aber im Profisport ist dafür kein Platz.
@Tim, Danke für deinen Text
Zusammenhalt ist wichtig und kann im Teamsport viel bewirken!
Erfolgsfaktoren im Leistungssport sind weiterhin: Motivation (Vertragssumme, Prämien, etc.), Zukunftsplanung (Vertragslänge) und Fitness…u.m.
Ich habe ein paar Fragen:
– welche Spieler und wer vom Trainerteam hat einen Vertrag für die 2.Liga?
– welcher Spieler bei uns ist fit (außer unserem TW)? – In Heidenheim war es in meinen Augen das erste Spiel mit warmen Temperaturen und schon da waren einige von den FCSP Spielern krass am pumpen… Und sooo viele auch unglückliche Verletzungen im Kader dazu…
– warum gibt es beim FSCP gefühlt nur ein System was die Mannschaft spielen kann? Bzw. ist der Kader nur darauf ausgerichtet?
– auf welcher Position hat Eric Smith letzte Saison 24/25 am häufigsten gespielt? und auf welcher jetzt? – ich tippe diese Saison auf der 6 und letzte auf IV… auch wenn er sich eher auf der 6 sieht… dafür ist er doch nicht fit genug.. siehe Sonntag…
– in Heidenheim gab es einen Doppelwechsel in der ca. 60min – gab es das schon in irgendeinem Spiel davor diese oder letzte Saison? Warum nicht…
– Trainerwechsel zum jetzigen Zeitpunkt weiß ich auch nicht – mit Relegation im besten Fall noch 4 Spiele – außer Ewald würde glaube ich keiner helfen… Da müssen wir jetzt zusammen durch. Und dann muss man sich überlegen was man will und mit wem und sehen wer da mitgehen will
Bin gespannt wie das Ganze ausgeht – immer weiter – FORZA FCSP
*Sankt Pauli
Bist mein Verein
Und du wirst es auch für immer bleiben!
Denn ganz egal, was auch geschieht
Wir werden immer bei dir sein*
Geistert in meinem Kopf umher.
Zusammenhalt kann viele Gesichter haben. Auch kritische, dennoch haben wir unsere Liebe zum Verein nicht ausgesucht. Manche sind Traurig und Frustriert, manche sind trotzdem irgendwie mit einem funken Hoffnung unterwegs das wir was historisches schaffen können. Irgendwie. Und wenn nicht Lieben und Leben wir unseren Verein weiter.
Glaube? Ein wenig! Liebe? JA! Hoffnung? Immer!
🤎🤍
Meine fünf Cents:
Alexander Blessin hätte längst die Taktik ändern müssen (das aber heißt nicht, dass ich einen Trainerwechsel fordere oder gutheißen würde)
Der Versuch, kontrolliert aus der Abwehr heraus das Spiel aufzubauen, funktioniert aktuell zu selten. Das war in der vergangenen Saison sicherlich ein Schlüssel zum Klassenerhalt, in dieser Saison gibt es zu viele Ballverluste und daraus resultierende Gegentore. Die Gegner haben sich längst darauf eingestellt, dass wir von hinten heraus aufbauen wollen. Und falls der lange Pass kommt, dann steht vorne nur Andreas Hountondji als potentieller Empfänger dieser Pässe. Das ist einfach zu verteidigen. Hinzu kommt unsere grundsätzliche Schwäche im Angriff. Der jeweilige Gegner kann also relativ entspannt hinten das Risiko eingehen und vorne mit mehreren Spielern pressen.
Aus meiner Sicht müssen mindestens zwei Angreifer auf dem Feld stehen – so wie gegen Mainz ab der 65. Minute –, vielleicht sogar drei. Das bindet schließlich auch gegnerische Spieler, die sich folglich ihrerseits nicht oder nur bedingt am Pressing beteiligen können. Gleichzeitig würde, rein mathematisch betrachtet, die Wahrscheinlichkeit steigen, dass lange Bälle aus der Abwehr auch bei einem eigenen Mann ankommen. Ganz nebenbei könnte Hountondji auch Körner sparen, weil er nicht mehr ständig alleine anlaufen muss.
Ein anderer Punkt ist die Überbevölkerung im eigenen Strafraum. Auch gegen Mainz waren immer wieder (zu) viele unserer Spieler vor dem eigenen Tor versammelt – und trotzdem kam der Ball irgendwie zum Gegner, der in guter Schussposition nahezu unbedrängt den Ball annehmen und abschließen konnte. Womöglich verlässt man sich bei uns zu sehr darauf, dass der Nebenmann es schon irgendwie richten wird. Nicht zuletzt macht man es dem Gegner auch einfach, weil auf unserer Seite praktisch niemand vorne steht. Auf eine tiefe Absicherung kann also verzichtet werden.
Und nicht zuletzt muss schlicht und einfach häufiger aus der Distanz geschossen werden. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schuss unhaltbar abgefälscht wird oder dem Gegner im Strafraum an die Hand springt. Man muss dem Glück auch mal eine Chance geben.
@Winnie: so ist es, zu viele Spieler defensiv, gar im Strafraum schwächt die Übersicht, die Zuordnung, die Leistung (einer verlässt sich auf den anderen) etc.
Was in dieser ganzen Saison auf vielfältige Weise ignoriert, oder nicht verstanden wurde: es gibt keine größere defensive Absicherung als EIN TOR ! die Vorstellung, erstmal hinten alles dicht, dann sehen wir weiter, war ein schwerer Fehler, zumal man, den Äußerungen nach zu schließen, auch im Training offenbar in dieser Hinsicht schwerpunktmäßig gearbeitet hat, inklusive vieler „Verschlimmbesserungen“ im Saisonverlauf…z.B. 5er Kette + 3 6ser etc.
Hier gibt es viel aufzuarbeiten, wofür aktuell nicht die Zeit ist – besser nach vorne schauen. Ab der 60. Minute hatten wir mit Ceesay und Martijn 2 klassische Stürmer (!) auf dem Platz, die sich auf Anhieb (!) verstanden haben. wir sahen Tiefenläufe, Positionswechsel, und diverse Aktionen über Blickkontakt in denen der eine wusste was der andere tat. Beide waren zuvor immer für wenige Minuten eher einzeln eingewechselt worden, Martijn auch schon mal länger, doch da konnte er sich die Hacken ablaufen, und kriegt kaum einen Ball. Die Achse Sinani, Fujita, Hountondji versagte Spiel um Spiel, insbesondere im Spiel gegen die letzte Kette bewies sie die Statik einer konventionellen Auto – Hinterachse…
BITTE IN DER STARTELF ABDOULI, MARTIJN UND CONNER AUFSTELLEN ! … Fußballgott, lass die Verantwortlichen einen Blick in dieses Forum werfen und…
MUTIG SEIN!
DANKE FÜR DIESEN PERSPEKTIVWECHSEL!
Intensity is our identity unso.
Diese „Ruhe ist erste Bürgerpflicht“-Mentalität geht mir soooo auf den Senkel. Toni hat dazu alles Notwendige geschrieben. Ich habe leider das Gefühl, dass die Verantwortlichen sich so sehr in der Rolle abfeiern, es wie Freiburg machen zu wollen, dass sie sich jeden Weg zu einem Trainerwechsel verbaut haben. Die Ansage steht im Raum, auch in Liga 2 mit Blessin weitermachen zu wollen. Aber wer außer Borne und Göttlich glaubt daran, dass da mit ihm ein hoffnungsvoller Neuaufbau möglich sein könnte? Was für ein Fußball soll das sein, mit dem wir da konkurrenzfähig sein wollen? Doch nicht das, was wir diese Saison erleben mussten! Mit ihrer Nibelungen-Treue zu Blessin vergeuden OG und AB die letzte Patrone im Abstiegskampf und wenn der Trainer nach einem Abstieg nicht von sich aus seinen Hut nimmt, geht das Grauen nächste Saison weiter. Sorry für Stimmung, die ich hier verbreite, aber da kommt auch der Frust durch, dass medial – Millernton nicht ausgenommen – ernsthafte Alternativen zum System Blessin nicht diskutiert wurden.
Danke für die Erwähnung und Zustimmung!
Keine Ahnung, ob ein Trainerwechsel geboten ist oder etwas bringen würde. Die Diskussion, die gerade aufkommt, unterscheidet sich allerdings kaum von dem, was bei anderen Vereinen so abläuft, die in Bedrängnis geraten sind. Von wegen ein anderer Fußball ist möglich. Wenn ein Trainerwechsel als alternativlos und die Vereinsoffiziellen als die Einzigen dargestellt werden, die das Offensichtliche nicht raffen, ist mir das zu flach. Zweifel und Abwägung sind überzeugender als Empörung & Caps lock. Es wäre schön, wenn wir nicht nur sportlich, sondern auch menschlich die Klasse halten. Ja, jede*r kann natürlich und sehr gerne einen Trainerwechsel fordern. Aber vielleicht nicht verbunden mit dem ganzen Sarkasmus und der Rhetorik, dass alle, die das anders sehen, nerven, kein Interesse am sportlichen Erfolg haben, nibelungentreu sind usw. Welches Interesse sollte irgendjemand im Verein am Misserfolg haben?
Wenn wir tatsächlich absteigen sollten, dann bitte mit erhobenem und nicht mit rotem Kopf. Und so lange das noch nicht feststeht, ist die Aussage, dass wir den Abstieg nur zusammen verhindern können, doch sehr einleuchtend.
Niemand behauptet hier ernsthaft, im Verein würden die Leute für den Misserfolg arbeiten, das ist eine Scheindiskussion die angezettelt wird. Dass mein Sprachstil und der anderer beißend und polemisch ist, wird hier auch keiner zur Debatte stellen. Mag nicht jedem gefallen, ist okay, aber es geht mehr um die Message, nicht die Art und Weise. Blessin hatte mehr Zeit als jeder andere in seiner Position erhalten würde. Er ist keine langjährige Vereinslegende, die nach 10 Jahren mal eine schwierige Saison durchlebt, sondern ein Trainer, der 2024 zu uns kam, die Klasse hielt, dafür mehr als genug Kredit bekam und nun einfach weichen muss, weil sein Schicksal nicht mit dem FC St. Pauli endet, sondern anderswo auch nach diesem Fehlschlag anheuern kann. Für uns hingegen geht latent mit einem Abstieg die Gefahr einer Durchreichung einher, mal abgesehen von der finanziellen Folgen des Abstiegs allein in die zweite Liga und dem Verbleib. Für uns ist das nur eine Liebe, andere arbeiten für den Verein. Was denkst du, wie viele befristete Mitarbeiter gehen müssen, weil deren Verträge aus finanziellen Gründen nicht verlängert werden? Im Gegensatz zu Blessin sind das keine Berufsmillonäre.
Und überhaupt, es ist absurd, eine ganz gewöhnliche Entlassung, die mehr als begründet ist, als Unmenschlichkeit zu framen, dieses Framing gehe ich nicht mit.
Ich frage nochmal: Welches Risiko haben wir, wenn wir einfach die letzte Patrone in den Lauf geben?
Woher willst du wissen das wir irgendwo irgendwie irgendwann durchgereicht werden? Wir stehen mittlerweile besser da als die letzten Abstiege aus der Bundesliga. Finanziell um einiges besser. Sportlich lässt sich über alles streiten! Unser Sasionziel war Relegation (Stand jetzt: Möglich) also sind WIR im soll. Es hätte natürlich auch ein direkter Klassenerhalt sein können keine frage. Wir sind nach dem Abstieg 2011 auch nicht durchgereicht worden wie man sich es vielleicht vorstellen hat können. Haben schwere Saisons gehabt (Vrabec) aber auch gute (Lienen) Und sind jetzt 2 Jahre in folge in der Bundesliga. Sorry dein Pessimismus und deine Schwarz Malerei bringt mich nur zum Kopf schütteln.
Neeee, ich habe lediglich die Gefahr benannt, dass man durchgereicht werden kann. Schau auf Bielefeld, Paderborn. Guck wie Bochum und Kiel gestrugglet haben. Sieh dir Düsseldorf an, die trotz hohem Etat möglicherweise noch absteigen. Die Liga ist deutlich ausgeglichener und da kannst du ganz schnell plötzlich im Strudel sein, wenn man mit dem falschen Selbstbewusstsein rangeht.
Ob ich angesichts der vorliegenden Erfahrungen anderer Vereine (in weiter Ferne sogar unseres Vereins) wirklich pessimistisch sein soll, widerspreche ich mal eindeutig. Das ist wie gesagt eine Warnung und klare Werbung dafür endlich die eigene letzte Möglichkeit wahrzunehmen, solange sie greifbar ist.
Mein Kommentar- in Eile geschrieben – klingt ein wenig abwertend, was Fujita, Hountondji und Sinani betrifft, so war es natürlich nicht gemeint. Sie funktionieren nicht im Sturm, aber sie haben sich in jeder Minute reingehängt, das verdient Respekt, ohne Frage. Fujita und Sinani gehören auf Grund ihrer individuellen Stärke auch auf den Platz, aber weiter hinten im offensiven bzw. defensiven Mittelfeld. Die Aversion des Trainers gegen klassische Stürmer gründete sich anfangs offenbar auf das 3:5:2 System, das im weiteren Verlauf modifiziert (der 3. Stürmer), aber nie ganz aufgegeben wurde. Dieses System spielt international nur eine Mannschaft erfolgreich: Juventus Turin. Im Unterschied zu Pauli verfügt Juve über Stürmer und Mittelfeldspieler, deren Marktwert um die 100 Millionen ist (Barolo, Thuram etc). Das 3:5:2 hat bei Juve eine lange Tradition (vermutlich seit Antonio Conte) und wurde von den auf ihn folgenden Trainern immer wieder übernommen (!), einfach weil die Mannschaft es kann. Das System ist unausgewogen, verdichtet das Mittelfeld um den Preis hoher Abstände in der ersten und letzten Reihe, und stellt von daher hohe Anforderungen an die Spieler, insbesondere an die Außenverteidiger, die die Rolle der Schienenspieler mit übernehmen, schnell und individuell, so wie konditionell, stark sein müssen. Verfügt man über solche Spieler und über einen großen Kader (!), kann man ein in vielerlei Hinsicht unkonventionelles, variables Spiel aufziehen…doch passt es auf einen Verein wie Pauli, mit 2. und 3. klassigen Spielern, die konventionell geprägt sind??
Das mag jeder für sich beantworten…
Für mich liegt hier die Ursache für die vielfältigen Probleme in unserem Spiel, insbesondere die extreme Schwäche im Sturm. Es braucht ein Umdenken, wir müssen zurück zu stabileren Spielweisen, brauchen klassische Stürmer, im Idealfall einen Spielmacher, müssen Ballbesitz (!) trainieren, sowie die traditionellen Wege, die letzte Reihe des Gegners zu bespielen, etc.,
wir müssen zurück zu dem, was unsere Jungs sicher können…