Der FC St. Pauli steigt nach zwei Jahren im Oberhaus wieder in die 2. Liga ab. Die Handballer verpassen den Wiederaufstieg. Krone richten, weitermachen. Die Lage am Montag.
FC St. Pauli
1:3 gegen den VfL Wolfsburg
„Die Tabelle lügt immer“ ist der Name eines Buches von Christoph Biermann, welches er kürzlich bei einer Lesung im Clubheim präsentierte. Als Untertitel geht es zudem um die Macht des Zufalls im Fußball. Diese ist unter anderem aufgrund der geringen Anzahl an Toren oder Punkten im Vergleich zu vielen anderen Teamsportarten hier deutlich ausgeprägter. Und als hätte es noch eines Beweises bedurft, so bot dieses Spiel doch einige Beispiele dafür. Wie wäre das Spiel wohl ausgegangen, wenn Fujitas Schuss von der Unterkante der Latte hinter statt vor die Linie geprallt wäre? Was hätte es mit den Wolfsburger Köpfen gemacht, wenn Hountondji kurz vor der Pause den Ausgleich erzielt hätte?
Ist aber alles eben nicht passiert. Am Ende dieser Saison muss man auch klar festhalten, dass der Abstieg verdient ist und die Tabelle hier nicht lügt. Wenn man die Saison auf exakt eine Szene reduzieren will, so wäre jener Moment von Andreas Hountondji alleine vorm leeren Tor der Nordkurve wohl das perfekte Sinnbild. Und da war es dann, insbesondere auf die Saison betrachtet, nicht nur eine Frage von Glück, Pech und Zufall, sondern auch eine der Qualität.
Der Spielbericht von Tim.
Erster Abstieg seit 15 Jahren
Es war der letzte Satz im Stimmen und Statistiken-Artikel, der mich nochmal daran erinnerte. Dies ist der erste Abstieg seit 2011. Ich gehe seit Mitte der 90er ans Millerntor, allein in den ersten neun Jahren erlebte ich drei Abstiege mit, inklusive dem Durchmarsch in die 3. Liga (damals: Regionalliga Nord). Der vierte und bisher letzte Abstieg kam dann 2011 hinzu.
Vielleicht erlebt man den fünften Abstieg dann einfach schon etwas abgeklärter, vielleicht ist es die Altersmilde. Ich musste mich jedenfalls daran erinnern lassen, dass es für viele junge Fans tatsächlich der erste Abstieg überhaupt war. Dementsprechend emotional war es dann auch für einige Spieler.
Das Gegentor zum 1:2
Das ist ein bisschen Gerangel mit Mini-Schubser, da wird ein bisschen der rechte Arm von Nikola Vasilj behindert… und am Ende faustet er sich den Ball selbst ins Tor. Pfeift Daniel Siebert hier ein Foul, wird der VAR das nicht korrigieren.
Er pfiff aber nicht. Und während man oft die Faustregel ‚wenn der Schiri rausgeht, korrigiert er die Entscheidung‘ anwenden kann, erklärte Siebert am Sky-Mikro nach dem Spiel, dass er hier eher für die Außenwirkung rausging, „um den Kritikern kein Futter“ zu liefern, die sonst ein ‚warum schaut er sich das nicht zumindest nochmal an?‘ gefragt hätten.
Mit braun-weißer Brille ist das natürlich ein klares Foulspiel und eine noch klarere Fehlentscheidung. Brauchen wir nicht drüber zu diskutieren, Siebert gehört der DFB-Lappen sofort entzogen und Arsenal und PSG tun mir jetzt schon leid für die zu erwartende schlechteste Schiri-Leistung in einem CL-Finale ever!
Ohne besagte Brille sieht es leider anders aus. Ich habe bewusst bis heute morgen gewartet, ehe ich mir die Szene nochmal anschaute… und mit knapp zwei Tagen Abstand gehe ich bei Sieberts Bewertung mit. Da ist kein Foul, das ist im Strafraum handelsübliches Gerangel. Kann man mit Wohlwollen zugunsten des Torwarts abpfeifen, muss man aber nicht. Wenn man da zwingend ein Foulspiel für den Torwart gepfiffen haben will, muss man die Regel ändern und den Fünfmeterraum wieder zur Schutzzone des Torhüters erklären.
Weitere Links
- Highlights: Sportschau
- Fotos: Stefan Groenveld „10 Minuten Hoffnung“
- Beebleblox: Ausgeträumt
- NDR: Hamburg Journal (8min)
- NDR Kommentar: Abstieg verdient und vermeidbar
- NDR 90,3: Interview mit Oke Göttlich (15min)
- Bericht: fcstpauli.com
- Stimmen zum Spiel: fcstpauli.com
Termine
Die 1. Runde des DFB-Pokals wird am 6. Juni in der ARD-Sportschau ausgelost. Der erste Liga-Spieltag der neuen Saison findet für uns am Wochenende um den 8. August statt. Eine Woche später (15. August) folgt der zweite Spieltag und dann der DFB-Pokal am Wochenende um den 22. August.
Lage der Liga
Europapokal
Der VfB Stuttgart wird die Bundesliga als viertes Team in der Champions League vertreten. Dafür war am Ende nicht mal mehr der Punkt beim 2:2 in Frankfurt nötig. Die TSG Hoffenheim (4:0-Niederlage in Mönchengladbach) und Bayer 04 Leverkusen (1:1 gegen den HSV) spielen in der Europa League.
Der SC Freiburg hat sich den Platz in der Conference League durch einen 4:1-Sieg gegen RaBa Leipzig gesichert.
Eintracht Frankfurt verpasst erstmals seit fünf Jahren das internationale Geschäft. Rund um das Heimspiel gegen den VfB Stuttgart tat die Fanszene ihren Unmut mit zahlreichen Bannern und viel Pyrotechnik kund. Eine Verweildauer von Trainer Albert Riera über die Sommerpause hinaus war schon vorher extrem unwahrscheinlich. Heute morgen verkündete die Eintracht dann die erwartete Trennung. // kicker
Abstieg
Der 1. FC Heidenheim hatte sich nochmal in eine annehmbare Ausgangslage für den letzten Spieltag gebracht. Gegen Mainz 05 aber geriet man früh in Rückstand und verlor am Ende mit 0:2. Durch den Wolfsburger Sieg am Millerntor hätte es aber ohnehin einen Sieg mit fünf Tore Unterschied zur Rettung gebraucht. So steht auch für das Team von Trainer Frank Schmidt der Weg in die 2. Liga an, nach drei Jahren im Oberhaus und einem Jahr davon sogar in Europa.
Für Euer individuelles Fußball-Quiz-Gehirn könnt Ihr Heidenheim damit auch aus der kurzen Liste der Teams streichen, die noch nie aus der 1. Liga abgestiegen sind.
FC St. Pauli von 1910 e. V.
Regionalliga Nord (m/w)
1. Frauen unterliegt 2:1 beim HSV II
Auch dieses Spiel hätte anders ausgehen sollen, zumindest ein Punkt hätte zum rechnerischen Klassenerhalt gereicht. Leider gab es am Sonntagnachmittag in Norderstedt aber eine 1:2-Niederlage, sodass es am letzten Spieltag in zwei Wochen zum Abstiegsfinale gegen den TSV Barmke kommt.
Den zwischenzeitlichen Ausgang gestern erzielte Neele Nordhausen nach einer Stunde per Kopf.
Vor dem Klassenerhalt soll aber natürlich jetzt noch der Hamburger Pokal geholt werden. // Instagram
U23 unterliegt bei Meppens Aufstiegsparty
Eine 4:2-Niederlage beim bereits feststehenden Meister ist keine Schande. Der Abstieg stand schon vorher fest und es gab im Verlauf der Saison einige Leistungen, die eher Grund zum Ärgern boten. Am letzten Spieltag der Saison unterlag die U23 also beim SV Meppen mit 4:2 und beendet die Saison auf Rang 16 von 18 und damit dem ersten Abstiegsrang.
SV Meppen steigt in die 3. Liga auf, BW Lohne und Altona 93 steigen mit dem FCSP ab, den AFC trifft man dann in der Oberliga Hamburg wieder.
Spielbericht: fcstpauli.com
DFB-Nachwuchsligen
- U19: FC St. Pauli – Viktoria Berlin 4:0 (3:0)
Handball
Aus der Traum auch für die 1. Männer im Handball: Nachdem man das Hinspiel um den Regionalliga-Aufstieg am Donnerstag noch mit 36:34 gewinnen konnte, gab es im Rückspiel am Samstag bei der HSG Holsteinische Schweiz eine 32:25 (15:9)-Niederlage.
Somit geht es für das Team in ein zweites Jahr Oberliga Hamburg.
Fanszene-News
Clubheim
Kleiner Reminder:
Mittwoch, Quiz mit Deniz!

Döntjes
2. Liga-Watch
Puh… das habe ich ehrlicherweise überhaupt nicht kommen sehen.
Fortuna Düsseldorf steigt nach einer 3:0-Niederlage bei der SpVgg Fürth direkt in die 3. Liga ab, die Schockwellen am Rhein dürften entsprechend groß sein. Maßgeblichen Anteil daran hatte (neben der eigenen, schlechten Leistung) ausgerechnet Ex-Fortune Felix Klaus, der die ersten beiden Treffer erzielte. Fürth fehlte am Ende sogar nur ein weiterer Treffer, um auch noch Eintracht Braunschweig zu überholen, das die Niederlage auf Schalke aber auf ein 1:0 begrenzen konnten. So muss das Kleeblatt in die Relegation gegen (siehe nächster Abschnitt) RWE.
Aufgestiegen in die 1. Bundesliga ist hingegen die „ELV“, die SV Elversberg. Das 3:0 gegen Preußen Münster war nie in Gefahr, der von vielen prognostizierte „Absteiger Nr. 1“ steht – ein Jahr nach dem in der Relegation knapp verpassten Aufstieg – tatsächlich am Ziel der Träume und ist der erste Erstligist im Männerfußball im Saarland seit dem 1. FC Saarbrücken 1993.
In die Relegation gegen den VfL Wolfsburg wird der SC Paderborn gehen. Der 2:0-Erfolg bei Darmstadt 98 reichte, weil Hannover 96 den eigenen Matchball gegen den 1. FC Nürnberg mit einem 3:3 nicht verwandeln konnte.
3. Liga-Watch
Büschn Drama auch hier: Energie Cottbus und Trainer Claus-Dieter Wollitz sind mit einem 1:0 in Regensburg verhältnismäßig souverän aufgestiegen. Der SSV Jahn verschoss dabei in der Nachspielzeit noch einen Foulelfmeter, der aber auch im Erfolgsfall nichts am Aufstieg der Gäste geändert hätte, weil Energie nur noch einen Punkt benötigte.
Das Drama hingegen gab es um Platz 3: Aufsteiger MSV Duisburg wollte seine starke Saison mit einem Heimsieg gegen Viktoria Köln krönen und so den Relegationsplatz sichern. Verfolger Rot-Weiss Essen hätte dann beim Absteiger SSV Ulm sechs Tore Rückstand aufholen müssen. Doch es kam anders: Ex-St. Paulianer David Otto gab in der 50. Minute die Vorlage zur Kölner Führung, die der MSV erst in der 76. Minute zum 1:1 ausgleichen konnte. RWE spielte zeitgleich in Ulm gegen die eigenen Nerven, nach früher Führung und zwischenzeitlichem Rückstand war man mit einem 2:2 in die Halbzeitpause gegangen. Ab der 71. Minute spielte man aufgrund einer Ampelkarte in Überzahl – aber der Ball wollte nicht rein. Doch dann die Nachspielzeit… RWE erzielte in Ulm in Minute 90+2 noch ein Tor nach Ecke, gewann so 3:2. Duisburgs Bulic hingegen traf gegen Viktoria in 90+7 nur den Pfosten.
Regionalliga-Watch
Auch hier sind die Aufstiegsspiele komplett: Lok Leipzig gewinnt sein Heimspiel gegen Magdeburg II mit 5:2 und musste dabei doch deutlich mehr zittern als vorher angenommen. Den Ausgleich zum 2:2 erzielte Lok erst nach einer Stunde, schob dann aber innerhalb von zehn Minuten noch zwei weitere Tore nach und konnte so den Vorsprung in der Tordifferenz verteidigen. Carl Zeiss Jena gewann zwar auch gegen Rot-Weiß Erfurt mit 2:0 (2:0), hätte aber am Ende noch fünf weitere Tore für die Meisterschaft erzielen müssen.
Lok Leipzig trifft nun in den Aufstiegsspielen auf die Würzburger Kickers.
Schottland: Celtic feiert 56. Meistertitel
Eine sehr späte und zudem strittige VAR-Entscheidung hatte Celtic unter der Woche in die Situation gebracht, am letzten Spieltag „nur“ einen Heimsieg gegen die Hearts zu benötigen, um den 56. Meistertitel einzufahren und alleiniger schottischer Rekordmeister zu werden. Umgekehrt wollte das Team aus Edinburgh dafür sorgen, dass erstmals seit 1985(!) ein anderer Verein als Celtic oder die Rangers Schottischer Meister wird. Verdient wäre es wohl gewesen, denn seit dem 6. Spieltag war man Tabellenführer.
Doch der Fußballgott hatte andere Pläne, den Führungstreffer der Hearts nach Ecke glich Celtic noch kurz vor der Pause durch einen (unstrittigen) Handelfmeter aus – und in der 87. Minute ließ Daizen Maeda den Celtic Park kurz explodieren, doch sein Treffer wurde zunächst aufgrund von Abseits aberkannt. Allerdings meldete sich der VAR und das Tor zählte doch, kein Abseits. 2:1-Führung, der Meistertitel so nah – doch es gab noch acht Minuten Nachspielzeit. Hearts-Torhüter Alexander Schwolow war auch längst mit vorne, sodass sich der Moment ergab, den man sich so oder ähnlich als Fan (und auch als beteiligter Fußballer) wohl erträumt. In der achten und letzten Minute der Nachspielzeit endete ein letzter Angriff der Hearts in einem Konter, drei Celticspieler liefen von der Mittellinie mit dem Ball auf das leere Tor zu, um sich herum ein explodierendes „Paradise“ in kompletter Ekstase. // Highlights
Der folgende Platzsturm nach Abpfiff endete laut Hearts mit „shameful scenes“, inklusive „serious physical and verbal abuse towards our players and staff“.
Zu guter Letzt
Republik Moldau, Aufstiegsspiel FK Real Sireti gegen FC Oguz.
Während viele von uns gebannt das Spiel am Millerntor schauten, dürften einige von Euch sicher parallel auch fasziniert auf einem illegalen Stream diesen Leckerbissen vor 300 Zuschauenden verfolgt haben. Als die Gastgeber bereits 4:1 führten, kam der FC Oguz durch diesen… ähm… „speziellen“ Treffer nochmal auf 4:2 heran. (Endstand: 5:2) // reddit
In the Moldovan second division, Real Sireti’s Valentin Rebeja (laying injured), scores an own goal against Oguz. The goal stood.
by u/Mulderre91 in soccer
Forza St. Pauli!
// Maik
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Moin,
haette mal ne persoenliche Bitte.
Sinnbildlich fuer das Spiel (und die Saison) wurde so um die Minute 30-35 bei Sky ein Zuschauer eingeblendet, der nachdenklich auf das Spielfeld schaut. War eine Grossaufnahme und man sah auch eine Art Ekzem auf der Hand.
Das ist ein guter Freund von mir und wenn jemand die Szene hat (findet) und mir ein Photo davon schicken koennte, das wuerde mich etwas troesten.
thx und auf eine trotzdem gute Saison in Liga 2.