Head aega, Karol!

Head aega, Karol!

Nach mehr als drei Jahren verlässt Karol Mets den FC St. Pauli. Der zweikampfstarke Innenverteidiger und Führungsspieler hinterlässt eine große Lücke.
(Titelfoto: Stefan Groenveld)

So wirklichen Misserfolg hat Karol Mets im Trikot des FC St. Pauli eigentlich erst im letzten halben Jahr kennengelernt. Denn als er zum FCSP kam, im Winter 22/23, stand der Club zwar nur knapp von den Abstiegsrängen entfernt, doch es folgte die berühmte Serie von zehn Siegen und in der Folgesaison der Bundesliga-Aufstieg und direkt im Anschluss der Klassenerhalt – kurzum: Mit Karol Mets als Spieler des FC St. Pauli ging es lange Zeit nur bergauf.

Erst „die Grätsche“, dann Ball-Magnet

Karol Mets wurde nach seiner Ankunft Anfang 2023 sofort Stammspieler beim FC St. Pauli. Und an diesem Status hat sich in den dreieinhalb Jahren nichts geändert. Wenn er fit genug gewesen ist, dann stand er auch auf dem Platz. Und dort zeigte er sich als ein klassischer Innenverteidiger. Mets bekam nicht einfach so von Alexander Blessin den Beinamen „Krieger“ verpasst. Der inzwischen 33-Jährige überzeugte im FCSP-Trikot mit den klassischen Tugenden eines Defensivspielers, verteidigte knallhart, aber zumeist fair und erfolgreich.

Nach seinem ersten halben Jahr, Mets kam leihweise aus Zürich, einigten sich der FC St. Pauli und Karol Mets auf eine feste Verpflichtung. Der damals 30-Jährige wurde fest eingeplant als Säule des Teams und wurde fast aus dem Stand ein Führungsspieler, war auch Teil des Mannschaftsrates. Wie sehr er vom Teamgedanken geleitet wird, wurde mir persönlich im August 2023 bewusst. Da sah Karol Mets nämlich eine Rote Karte für ein sehr hartes Einsteigen gegen einen Düsseldorfer Spieler. Im Anschluss erklärte er ganz offen, dass er dieses Foul riskieren musste, wohlwissend, dass es im schlechten Fall eine harte persönliche Strafe nach sich ziehen würde. Er musste es risikieren, weil der Düsseldorfer sonst freie Bahn zum Tor gehabt hätte, opferte sich also für den Teamerfolg.

Aufstiegsheld, Führungsspieler, Vorbild

An seiner persönlichen Entwicklung änderte das nichts. Nachdem Karol Mets sich zu Beginn noch nahezu komplett auf das Verteidigen konzentrierte und sein Passspiel aus nicht mehr als Quer- und Rückpässen bestand, zeigte er sich in seiner zweiten Saison beim FC St. Pauli stark verbessert im spielerischen Bereich („Mehr als eine Grätsche“). Am Saisonende sollte er zusammen mit Hauke Wahl die meisten Pässe aller Zweitligaspieler gespielt haben, zu den zehn besten Zweikämpfern gehören – und dank seiner Leistungen und des Aufstiegs einen Ehrenplatz in der Ruhmeshalle des FC St. Pauli eingenommen haben.

Auch in die Bundesliga startete Karol Mets so, wie man es von ihm erwarten konnte. Nach zehn Ligaspielen wies er eine Zweikampfquote von fast 79 Prozent auf, nur ein einziger Bundesligaspieler war besser in der Saison. Das Problem war allerdings, dass Mets auf nicht mehr als zehn Ligaspiele gekommen ist. Ausgerechnet in seinem 100. Länderspiel für Estland verletzte sich der Routinier an der Patellasehne. Die Zeit bis zu seinem Comeback dauerte nicht nur eine gefühlte Ewigkeit. Was auch damit zusammenhing, dass Mets sich zuerst gegen eine Operation entschied, sich einen natürlichen Heilungsprozess erhoffte. Es folgten frustrierende Monate, weil keine Besserung eintrat. Erst rund ein halbes Jahr nach der Verletzung, im April 2025, wurde Karol Mets dann doch operiert.

Hamburg, Deutschland, 29.04.2023, Fussball 2. Bundesliga - Karol Mets (FC St. Pauli) klärt den Ball vor Manuel Prietl (Arminia Bielefeld) - Copyright: Stefan Groenveld
Kaum jemand hat die Grätsche perfekter ausgeführt als Karol Mets. Doch er hat dem FC St. Pauli mehr gegeben, als „nur“ Zweikampfstärke.
// (c) Stefan Groenveld

Schwere Verletzung – und doch noch ein Treffer für den FC St. Pauli

Elf Monate nach seiner Verletzung war es dann endlich soweit: Karol Mets kehrte auf den Rasen des Millerntor-Stadions zurück. Und direkt im folgenden Spiel fand er sich dann auch in der Startelf wieder. Doch am negativen Saisonverlauf des FC St. Pauli konnte auch Rückkehrer Mets nichts ändern. Im Frühjahr streikte dann auch der Körper wieder, eine Wadenverletzung sorgte für eine Pause von fast einem Monat. Fünf Spiele kamen im Anschluss noch dazu, ehe er erneut aufgrund von Muskelproblemen aussetzen musste. Auch der Körper von Karol Mets, das dürfte er in den letzten 18 Monaten gelernt haben, ist nicht unerschütterlich. Nachdem er bis zu diesem Zeitpunkt in seiner Karriere so gut wie nie von Verletzungen zurückgeworfen wurde, hatte Mets nun weniger mit Gegenspielern, sondern mehr mit seinem Körper zu kämpfen.

Einen ganz großen Lichtblick hatte aber die letzte Phase von Karol Mets im Trikot des FC St. Pauli noch: Im April 2026, in seinem 89. Pflichtspiel für den FCSP, erzielte er seinen ersten Treffer. Per Kopf gelang ihm das 1:0 gegen Köln. Leider folgte auf das Licht, dann auch direkt der Schatten. Ihm, dem so sicheren Zweikämpfer, missglückte dann kurz vor Schluss eine Grätsche, sodass Köln noch per Elfmeter ausgleichen konnte. Was für ein persönliches Drama – Lieben und Leiden mit Karol Mets

Mets wird dem Team als Mensch fehlen

Der Vertrag von Karol Mets endet mit dieser Saison. Er selbst erklärte bereits im Frühjahr, dass er sich eine Verlängerung gut vorstellen könne. Kurz nach Saisonende hatte Andreas Bornemann sich dann aber bereits eher vorsichtig zu einer Verlängerung geäußert („Karol hat noch immer ein Feuer in sich, mit dem er viele in der Kabine anstecken kann. Er hat der Mannschaft durch seine Art unglaublich viel gegeben. Wir werden noch die eine oder andere Nacht schlafen, bevor wir entscheiden.“). Nun hat Mets selbst die Fragezeichen aufgelöst, indem er sich auf Instagram vom FC St. Pauli verabschiedete.

Es war klar, dass es nach dieser Saison, ob Abstieg oder nicht, eine Art Zäsur im Kader des FC St. Pauli geben würde. Dass nicht all jene Spieler, die großen Anteil am Aufstieg des FCSP hatten, bleiben werden, war zu erwarten. Das Team benötigt eine Verjüngungskur. Entsprechend ist es verständlich, dass Karol Mets, der ausgerechnet am Tag des Abstiegs seinen 33. Geburtstag feierte und damit hinter Jackson Irvine der zweitälteste Spieler im Kader gewesen ist, nicht weiter beim FC St. Pauli bleiben wird. Das ist verständlich. Aber es ist auch wahnsinnig schade. Weil Karol Mets auf dem Platz ein Spieler und neben dem Platz ein Mensch ist, der dem Club in seiner Zeit extrem viel gegeben hat.

Lieber Karol, der MillernTon wünscht Dir von ganzem Herzen alles Gute und vor allem Gesundheit!
You’ll never walk alone!

// Tim

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2 thoughts on “Head aega, Karol!

  1. Moin,
    Schade, noch eine Legende und toller Typ verlässt die Mannschaft. Ich werde dich als kompromisslosen Spieler und emotionalen Antreiber vermissen. Alles Gute auf deinem weiteren Weg und danke für deinen Einsatz.

  2. Der nächste Aufstiegsheld geht.
    Das ist bitter. Ich hätte mit ihm verlängert da er ein absoluter
    Führungsspieler ist. Zumal Eric wohl
    auch gehen wird und bei Hauke weiss
    man auch noch nicht bescheid.
    Ich kann es mir zwar nur schwer vorstellen aber vielleicht hat unsere Führungsebene ja einen Plan.

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