Seit nunmehr einem Jahrzehnt spielt die 1. Frauen des FC St. Pauli in der Regionalliga. Ein ausführlicher Rückblick auf die Highlights der vergangenen zehn Jahre. (Titelbild: @eddy.photogr)
„… spielst ganz woanders, in Liga drei!“ Diese im Vergleich zum bei den Männern verwendeten Gesang leicht veränderte Zeile können Fans der 1. Frauen des FC St. Pauli bereits seit dem Aufstieg 2016 anstimmen. Und seit dem Abpfiff der letzten Begegnung gegen den TSV Barmke – das Team berichtete – ist klar: Es geht mindestens in ein elftes Jahr in der seit 2004 ausgespielten dritten Liga im Fußball der Frauen. Grund genug, sich das vergangene Jahrzehnt einmal genauer anzuschauen.
Here we go!
Saison 2015/2016: Aufstieg in die Regionalliga
Noch bevor hier beim MillernTon regelmäßige Artikel zum FC St. Pauli und damit auch zur 1. Frauen erschienen, holten eben jene laut einem Artikel auf der Homepage des NFV aus dieser Zeit „in beeindruckender Manier“ die Oberliga-Meisterschaft. So verlor man damals kein einziges Spiel, ging nur drei Mal nicht als Siegerin vom Platz und schoss sagenhafte 103 Tore, während man nur neun kassierte. Eine gewisse Nina Philipp, die sich Jahre später in Richtung ihrer Heimat Bielefeld verabschieden sollte, steuerte 41 Treffer bei und wurde Torschützenkönigin. Bevor es aber in die Aufstiegsrunde ging, stand man noch gegen die damaligen Regionalligistinnen vom FC Bergedorf 85 im Hamburger Pokalfinale, was man nach früher Führung durch Linda Sellami in der siebten Minute am Ende mit 3:1 verlor. Die Partie wurde nicht an der Hoheluft, sondern im „Wolfgang-Meyer-Stadion“ ausgetragen, das heute den Namen „Sportpark Eimsbüttel“ trägt. Schon damals wohnten über 1000 Zuschauer:innen dem Spiel bei.
Danach musste man sich mit TuRa Meldorf und TuS Schwachhausen messen, um wirklich in die Regionalliga aufzusteigen. Am 29. Mai trennte man sich an der Feldarena mit 1:1 von TuRa Meldorf, anschließend gewann man auswärts in Schwachhausen mit 4:0. Und so richteten sich alle Augen auf die entscheidende Begegnung zwischen den Kontrahentinnen des FCSP am 12. Juni. Zeitzeug:innen von damals berichten, dass die Frauen des TuS wie die Löwinnen kämpften und „nur“ 0:3 aus eigener Sicht verloren, womit der FC St. Pauli als Aufsteiger feststand. Bis heute resultiert daraus – und aus einem sehr netten Empfang beim eigenen Auswärtsspiel um den Aufstieg – eine gewisse Verbundenheit zu den Bremerinnen, die zuletzt in der Meisterrunde der dortigen Landesliga spielten.
Rekordspielerin „AnSo“ ist bis heute mit dabei
An der Seitenlinie stand zu dieser Zeit Trainer Kai Czarnowski, der im Dezember 2016 in der 36. Ausgabe der Monatssendung als Krankheitsvertretung für Kapitänin Inga Schlegel zu Gast war, dort auf 13(!) Jahre Fußball der Frauen beim FCSP zurückblickte und im folgenden Sommer seine Trainerkarriere beendete. Inga war übrigens bereits in Folge 29 zu Gast. Auch fast alle Spielerinnen des damaligen Kaders haben inzwischen das Team verlassen oder gar ihre Karriere beendet, nur Ann-Sophie „AnSo“ Greifenberg steht auch heute noch für die FCSP1FRN auf dem Platz und ist mit 175 Einsätzen Rekordspielerin.

Mit auf dem Bild: Rekordspielerin Ann-Sophie „AnSo“ Greifenberg“(links hinten), Rekordspielerin und bis heute aktiv,
sowie Verena Mannes (vorne mittig), die in diesem Sommer das Team verlassen hat. (Foto: Stefan Groenveld)
Saison 2016/2017: Beachtliche Aufsteigerinnen
Mit dem Aufstieg kam unter anderem Carlotta „Lotti“ Kuhnert ins Team, die bis heute dabei ist. Fans und Spielerinnen erlebten eine beachtliche Spielzeit: Als Aufsteigerinnen erreichte die 1. Frauen den dritten Platz, mit fünf Punkten Vorsprung vor Holstein Kiel, damals Absteigerinnen aus der zweiten Bundesliga. Als Trainerin übernahm Lina „Charlie“ Rosemann den Posten von Kai. Sie sollte bis Anfang 2019 bleiben.
Auch wenn man im Finale der Vorsaison gegen sie verloren hatte, so ist es doch eine bittere Randnotiz der Geschichte, dass der FC Bergedorf 85 im Dezember sein Frauenteam vom Spielbetrieb abmeldete und somit als erster Absteiger der Saison feststand. Kurz zuvor hatte man noch mit 5:0 in Bergedorf gewonnen. Mit auf dem Platz: Tara Zimmermann und Verena Mannes, die zuletzt ihren Abschied aus dem Team gefeiert haben. Und auch Kim Koschmieder, die später zunächst ein leistungsorientiertes Team neu gründen und anschließend Trainerin werden würde, hat damals noch die Fußballschuhe geschnürt. Ihr machte das aktuelle Team nach Abpfiff der letzten Partie der vergangenen Saison einen symbolischen „Heiratsantrag“, so dass sie „niemals so ganz gehen“ dürfte.
Saison 2017/2018: Heimstärke holt Klassenerhalt
Nach dem souveränen Klassenerhalt spielte man folgerichtig auch in dieser Saison in der Regionalliga. Kurze persönliche Note: Dies war damals meine erste Saison, die ich aktiv am Spielfeldrand verfolgte und um meinen Geburtstag im November herum Teil von „Die üblichen Verdächtigen“ – neben „Ey, die Hunde“ einer der beiden offiziellen Fanclubs – wurde. Aus dieser Zeit sind mir unter anderem Fahrten nach Celle und Meppen in Erinnerung geblieben. Möglicherweise habt ihr schon mal vom „Meppener Tenor“ (ich kenne mich mit musikalischen Stimmlagen nicht aus) gehört, der bei Spielen seines Vereins stets ein langgezogenes „Meeepen“ verlauten lässt. In Celle ging es nach Abpfiff noch in eine sehr angenehme Kneipe namens „Morlock“, wo wir von sehr netten einheimischen Fans in Empfang genommen wurden.
Überhaupt kann ich sagen, dass Auswärtsfahrten mit den 1. Frauen außerhalb Hamburgs in der Regel sehr angenehm sind. Man wird meist freundlich empfangen und es ist ein nettes Miteinander. Ausnahmen bilden manchmal (Pokal)Spiele innerhalb der Stadtgrenzen, wenn die Herrenteams – eher ausnahmsweise – zum Spiel der Frauen erscheinen, weil ja der FCSP zu Gast ist und man endlich mal „Scheiß St. Pauli“ grölen kann. Aber das sind wie gesagt eher Ausnahmen, welche die Regel bestätigen.
Faustpfand Feldarena und Pokalfinale gegen Bramfeld
Doch zurück zur Saison: Das Team beendet die Saison auf Platz 7 mit 31 Punkten, nur zwei Punkte weniger als der TSV Limmer auf Rang 6, aber dann doch deutliche acht Zähler hinter Holstein Kiel, die man ja im Jahr zuvor noch hinter sich gelassen hatte. Erwähnenswert ist hier vielleicht noch, dass man sechs Siege an der heimischen Feldarena feiern konnte, während man auswärts nur drei Mal als Siegerin vom Platz ging. Bis heute kann dieser Platz ein Faustpfand sein, wenn es gegen stärkere Gegnerinnen geht. Gleichzeitig tat sich das Team in der Vergangenheit auf fremdem Naturrasen oft schwer.
Im Mai 2018 stand man zudem erneut im Hamburger Pokalfinale. Gegen Bramfeld ging man leider erneut als Verliererin vom Platz, im Stadion an der Hoheluft stand es nach 90 Minuten 2:1 für die Gegnerinnen. Damals war es noch möglich, nach Abpfiff das Spielfeld zu betreten und die Spielerinnen zu trösten, was ich bei aller Enttäuschung über die erneute Finalniederlage als positiv in Erinnerung habe.
Saison 2018/2019: Zitterpartie bis zum letzten Spieltag
Kommen wir zu Beginn dieser Spielzeit nochmal auf Kim Koschmieder zu sprechen: Zu Beginn dieser Saison nahm sie ihren Abschied und gründete die 3. Frauen, um wie erwähnt einen leistungsorientierten Unterbau für das Regionalliga-Team zu formieren. Jenes feierte – vor allem fanseitig – ein Wiedersehen mit TuS Schwachhausen. In guter Erinnerung sind bis heute die Wechselgesänge beim Auswärtsspiel in Bremen, wo sich mit „Hallo St. Pauli – Hallo Schwachhausen“ gegenseitig gegrüßt wurde und die Spielerinnen nach Abpfiff bekundeten, sonst kämen ja immer „nur“ ihre Eltern zu den Spielen.
Neu in der Liga war auch TuS Büppel. Damals fuhr man noch auf einen Rasenplatz, der nicht immer optimal bespielbar war. Der Gastfreundschaft uns Fans gegenüber tat das aber keinen Abbruch, so dass wir den Gastgeber:innen das Eintrittsgeld teilweise sogar aufdrängen mussten. Jahre später war die Begegnung sogar das Eröffnungsspiel der neu eröffneten und wesentlich schickeren Anlage, bei meiner Groundhopping-App „Futbology“ habe ich dafür sogar einen Badge bekommen.
Kantersieg gegen Meppen II lässt Schwachhausen keine Chance
Sportlich gesehen wurde es eine Saison zum Zittern. Punktgleich mit den Freund:innen aus Schwachhausen schloss man auf Rang zehn ab, nur das Torverhältnis verhinderte die Rückkehr in die Oberliga. Zwei Spieltage vor Schluss hatte man noch einen Zähler Vorsprung, verlor dann jedoch mit 3:2 bei Bremen II, während Schwachhausen bei Meppen II punktete. Vielleicht kam dann wieder die Magie der Feldarena zum Tragen: Die FCSP1FRN gewannen im Schatten der Nordkurve das letzte Spiel gegen Meppen II mit 7:2. Da half es auch nicht, dass das Heimspiel von Schwachhausen durch Nichtantritt der Gegnerinnen aus Limmer mit 2:0 für die Gastgeberinnen gewertet wurde. Es sollte nicht das letzte Mal gewesen sein, dass der Klassenerhalt erst am letzten Spieltag gesichert wurde.
Eine Woche später stand aber noch ein besonderes Highlight an: Es ging zum Wiener Sport-Club, wo ein Freundschaftsspiel ausgetragen werden sollte. Fans und Team erlebten ein schönes Wochenende in Wien, vor über 3.500 Zuschauer:innen trennte man sich mit einem 3:3 Unentschieden. Weitere Eindrücke – auch zur dritten Halbzeit in der Wiener Bar „Jetzt“ – hat Organisator Christian Hetterich im Blog der Sportclubfrauen festgehalten.
Saison 2019/2020: Abbruch des Ligabetriebs
Inzwischen ist es schon sechs Jahre her, dass Corona sowohl unser Leben als auch den Fußball eine Zeit lang fest im Griff hatte. Und so wurde die Saison 19/20 abgebrochen, nachdem die teilnehmenden Teams zwischen zwölf und vierzehn Spielen absolviert hatten. Sowohl der SV Henstedt-Ulzburg, mit 40 Punkten deutlich an der Tabellenspitze, als auch Hannover 96 auf Rang zwei. verzichteten aus finanziellen Gründen auf den Aufstieg in die zweite Bundesliga. Die 1. Frauen landete nach dreizehn absolvierten Partien mit 19 Punkten auf Rang sechs. Der Abstieg wurde ausgesetzt, hätte zu diesem Zeitpunkt der Spielzeit aber tatsächlich die amtierenden Meister:innen vom SV Werder Bremen II betroffen.
Saison 2020/2021: Spielzeit in zwei Staffeln – und nur drei Spiele
Im September 2020 kam es zu einem besonderen Aufeinandertreffen im Verbandspokal: An der Feldarena empfingen die 3. Frauen die FCSP1FRN. Wir Fans teilten uns in zwei „Lager“ auf, um beiden Teams das Gefühl von Support zu geben. Am Ende fielen 14 Tore, allesamt auf Seiten der 1. Frauen. Es sollte eines der wenigen Spiele sein, die wir in diesem Jahr besuchten. Denn noch immer hatte die Corona-Pandemie die Welt fest im Griff. So wurde die Regionalliga Nord in zwei Staffeln gestartet, der FCSP landete mit sechs weiteren Teams in Gruppe B, darunter die Aufsteiger:innen vom TSC Wellingsbüttel und die bereits häufiger erwähnten Frauen von Meppen II.
Dies sollten auch die einzigen Gegnerinnen sein, gegen die man in dieser Saison überhaupt spielte. In Meppen ging das Spiel verloren, an der Feldarena gewann man das Spiel gegen Wellingsbüttel. Auch im Pokal kam keine weitere Begegnung hinzu. Nach einer Quotientenwertung spielten Hannover 96 und Henstedt-Ulzburg den Platz in der Aufstiegsrunde gegen Viktoria Berlin aus. Am Ende stieg HU in die zweite Bundesliga auf.
Eine Spielerin, die bis heute noch für das Team auf dem Platz steht, hatte also leider nicht viele Möglichkeiten, nach dem Wechsel aus der eigenen U17 in der Liga Fuß zu fassen: Midou Loubongo-Mboungou. In den beiden gespielten Partien kam sie nicht zum Einsatz und sollte erst im August 2021 ihr Debüt geben und insgesamt 19 Spiele absolvieren. Zu Kurzeinsätzen kam hingegen Emma Forchel, die ebenfalls zu dieser Saison das Team aus Karlsruhe kommend ergänzt hatte. Seit 2024 ist sie jedoch nicht mehr dabei, stattdessen verfolgt sie eine Schauspielkarriere und war unter anderem bereits im „Polizeiruf 110“ zu sehen.
Saison 2021/2022: Wechsel auf der Trainerbank
In den Coronajahren wurde das Team von Thomas Mucha trainiert. Im Januar 2022 trennten sich die Wege und das Trainergespann Kim Koschmieder und Jan-Philipp „Schnecke“ Kalla – von den Spielerinnen eher „Kalli“ genannt – übernahm. Zuvor hatte man im Dezember das Heimspiel gegen Holstein Kiel mit 1:3 verloren. Doch nicht nur an der Seitenlinie ändert sich etwas: Am 14. Spieltag debütierte außerdem Emma Lisa „Thorsten“ Frings, die aus Bramfeld an die Feldarena gewechselt war. Zum 5:1 Auswärtssieg steuerte sie direkt mal zwei Treffer bei und sollte in den nächsten Spielen noch neun weitere folgen lassen.
Im Sommer 2021 war bereits Lina Jubel von Wolfsburg II gewechselt. Sie kam auf 21 Einsätze und erzielte fünf Tore. Insgesamt zappelte der Ball 49 Mal im Netz, Frings und Jubel steuerten also fast ein Drittel aller Treffer bei. Leider fing man sich aber auch bis zum 25. Spieltag 63 Gegentore und kassierte 13 Niederlagen, so dass es im Mai 2022 wieder zu einem entscheidenden letzten Spiel kam. Mein Kollege Maik hat damals die Situation skizziert und mit einem Aufruf verbunden: „Am Sonntag alle nach Kiel“. Letztendlich hielt man dennoch die Klasse, da der Walddörfer SV nur ein torloses Unentschieden gegen Wellingsbüttel holte. Ich erinnere mich noch, wie die Spielerinnen sich direkt nach Abpfiff bei uns erkundigten, ob es trotz Niederlage in Kiel gereicht hatte.
Noch eine persönliche Anekdote aus dem Dezember 2021: Die 1. Frauen gastierte in Norderstedt beim HSV, Zuschauer:innen waren noch nicht wieder zugelassen. Eine kleine Gruppe Fans machte sich dennoch auf den Weg, um bei nasskalter Witterung dem Spiel hinter dem Zaun beizuwohnen. Unvergessen der Moment, als die Spielerinnen uns bemerkten und sich sichtlich über den unerwarteten Support freuten.

Saison 2022/2023: Endlich Pokalsiegerinnen
Zur neuen Saison stießen Janice Hauschild und Julia Hechtenberg dazu, Vivian Joy Kellner hingegen verließ das Team. Sie war seit der ersten Spielzeit in der Regionalliga dabei gewesen. Hauschild war gerade mal 17 Jahre alt, kam aus der U17 von Werder Bremen und hatte bereits etwas über 100 Spielminuten für Bremen II in der Regionalliga gesammelt. Für den FC St. Pauli kam sie bereits in ihrer ersten Saison auf 23 Einsätze und erzielte vier Tore. Julia Hechtenberg hingegen kam vom TV Jahn Delmenhorst und erzielte in der Liga 16 Treffer.
Vielleicht noch wichtiger als ihre Tore im Ligabetrieb waren aber jene im Pokalfinale im Mai, zu dem ich damals auch einen recht ausführlichen Vorbericht verfasst hatte. wo beide jeweils kurz und nach dem Halbzeitpfiff Treffer gegen Union Tornesch erzielten. Janice legte dann in der 79. Minute sogar noch ein Tor nach, am Ende gewann das Team deutlich mit 6:1, holte vor einer Rekordkulisse den Pokal und zog damit gleichzeitig in den DFB-Pokal ein. Zu diesem historischen Ereignis später mehr. Aus persönlicher Erinnerung ist mir noch die von unserem Fanclub mit organisierte Choreo mit Blockfahne und Pyrotechnik im Gedächtnis geblieben sowie der amüsante Gesang „Aha, soso – Tornesch ist – angepisst“.
Klassenerhalt und Ausflug auf die Insel
Die Gegnerinnen aus Tornesch bieten einen guten Übergang, um auch die Liga noch kurz abzuhandeln: Um ins Finale einzuziehen, hatten sie den HSV nach 0:3 Rückstand noch im Elfmeterschießen geschlagen. Der HSV wiederum wurde Meister und stieg in die zweite Bundesliga auf. Beim FC St. Pauli hatte man immerhin am vorletzten Spieltag Klarheit, dass man nicht auf einem der vier Abstiegsplätze landen würde, nachdem der Eimsbütteler TV sein Auswärtsspiel in Kiel verloren und man selbst sein Heimspiel gegen die TSG Burg Gretesch gewonnen hatte. So blickte man auf eine ungewohnte Situation für die kommende Spielzeit: Mit Regionalliga, Verbandspokal und DFB-Pokal sah man sich erstmals mit einer Dreifachbelastung konfrontiert.
In der Sommerpause ging es jedoch zunächst auf Reisen. Das Team sowie eine kleine Delegation an Fans machte sich auf den Weg nach England. Die 1. Frauen absolvierte ein Testspiel beim Clapton Football Club, einem Londoner Fußballverein, der tatsächlich den Mitgliedern gehört. Vor toller Kulisse inklusive Pyrotechnik endete die Begegnung mit 1:8.

Saison 2023/204: Historisches Spiel im DFB-Pokal
Im Sommer gab es einige Veränderungen im Team: Nina Philipp (ihr erinnert euch, damals Torschützenkönigin in der Oberliga) verließ das Team und auch die Stadt Hamburg. Francis Wernecke, die seit 2010 dabei war, und Ilijana Kljajic Gavric (kam 2016 von Einigkeit Wilhelmsburg) hängten die Fußballschuhe an den Nagel. Wernecke ist heute Leiterin der Abteilung „Fußball Frauen und Mädchen“ beim FCSP. Gleichzeitig verstärkte man sich unter anderem mit Gianna Nicoleit vom TSV Siems. Mit Rachel „Ray“ Rinast kam zudem eine Spielerin mit Bundesligaerfahrung dazu. In der Winterpause folgte zudem Linnea „Linny“ Taube ihrer ehemaligen Mitspielerin Gianna und bildet seitdem mit ihr die großartige Innenverteidigung „Ginny“ bei den 1. Frauen.
Blicken wir nun zunächst auf die Spielzeit 23/24, bevor wir auf die anderen Saisonhighlights zu sprechen kommen. Nach einem Fehlstart mit deutlichen Niederlagen gegen Henstedt-Ulzburg und bei der U20 des HSV holte man gute acht Punkte aus den nächsten Spielen. Am Ende der Saison stand der FCSP im oberen Mittelfeld auf Rang fünf, holte neun Siege, sechs Unentschieden und kassierte sieben Niederlagen. Im Unterschied zu 22/23 waren dabei nur zwölf Teams in der Liga. Da es nur zwei Absteigerinnen gab, war bereits drei Spieltage vor Schluss mit neun Punkten Vorsprung auf die Abstiegsplätze relativ klar, dass mit einem weiteren Jahr Regionalliga geplant werden konnte.
Erst Krimi gegen Magdeburg, dann Stadtderby am Millerntor
Wenn man an diese Saison zurückdenkt, ist es wohl weniger der Ligabetrieb als die erstmalige Teilnahme am DFB-Pokal, die in Erinnerung geblieben ist. In der ersten Runde empfing man den Magdeburger FFC an der Adolf-Jäger-Kampfbahn. In einem absoluten Pokalkrimi zog man letztendlich im Elfmeterschießen in die nächste Runde ein. Zuvor hatten erst Paula Bodenstedt in der 90. Minute (Ausgleich zum 3:3) und Tabea Schütt in der 133. Minute (4:4) dafür gesorgt, dass es überhaupt zur Entscheidung vom Punkt kam. Mit dem Nerven am Ende, aber überglücklich erwartete man also die Auslosung der zweiten Runde.
Und die hielt ein absolutes Highlight parat: Es kam zum Stadtderby! Ich habe damals mit Julia Hechtenberg ein „VdS/NdS Spezial“ zu dieser Begegnung aufgenommen. Diese wurde am Millerntor vor 19.710 Menschen ausgetragen. Wahnsinn. Zwar ließen das Geschehen auf dem Platz und der Endstand von 1:7 zu keiner Zeit Zweifel daran, wer das bessere Team war. Aber der Torjubel, als Joline Floeter kurz vor dem Abpfiff das einzige Tor für die FCSP1FRN erzielte, war wohl der lauteste, den ich jemals am Millerntor gehört habe.

Und dann war da ja noch die erneute Teilnahme am Hamburger Pokalfinale. Mit einem deutlichen 6:0 schlugen die 1. Frauen den SC Victoria. Bereits nach 25 Minuten stand es 3:0. Schon in der 5. Minute hatte „AnSo“ Greifenberg den FCSP in Führung gebracht. Den ausführlichen Spielbericht zur Titelverteidigung findet ihr hier.
Saison 2024/2025: Abschiede, Neuzugänge und Dreifachbelastung
Im Sommer hieß es wieder Abschied nehmen. Zwei Torschützinnen aus dem Pokalfinale der Vorsaison verließen das Team: Vanessa „Zawadi“ Zawada folgte Francis Wernecke in die Abteilungsleitung und Tabea Schütt zog es in die USA. Die bereits erwähnte Emma Forchel wandte sich ihrer Schauspielkarriere zu. Auf der Zugangsseite kamen Namen hinzu, die ihr heute regelmäßig auf den Spielberichtsbögen der FCSP1FRN findet, wie etwa Josefin Lutz, Neele Nordhausen oder Merle Oppenheim.
Und auch die Dreifachbelastung war wieder da. Im DFB-Pokal war diesmal allerdings in der ersten Runde Schluss. An altbekannter Stätte – der AJK – verlor man gegen Arminia Bielefeld mit 0:2. Im Verbandspokal hingegen zog man erneut ins Finale ein, der SC Victoria nutzte die Möglichkeit zur Wiedergutmachung der Schmach aus dem Vorjahr und siegte mit 3:2. Dabei hatten Merle Oppenheim und Lina Jubel mit einem Doppelschlag in der 16. und 18. Minute bereits in Führung gebracht, am Ende schenkte man diese aber komplett her.
In die Regionalliga war mit der Zweitvertretung des VfL Wolfsburg ein ziemliches Schwergewicht abgestiegen, holte folgerichtig die Vizemeisterschaft und stieg auf, weil die Meisterinnen der U20 des Stadtnachbarn verzichteten. An der Feldarena gab es für die Wölfinnen jedoch nichts zu holen, der FC St. Pauli gewann am zweiten Spieltag mit 3:2. In der Woche darauf gewann man mit 7:0(!) aus eigener Sicht beim Aufsteiger und späteren Absteiger Kieler MTV. Überhaupt zeigte sich in dieser Saison, dass es nicht mehr zwingend auf die Feldarena als Faustpfand ankam: Sowohl in der Fremde als auch im Schatten des Millerntors holte man jeweils vier Siege und damit 24 der insgesamt 28 Punkte, die nach dem letzten Spieltag für Rang sechs reichten.
Saison 2025/2026: Entscheidung (mal wieder) am letzten Spieltag
Womit wir in der gerade abgelaufenen Spielzeit angekommen wären. Und die war mal wieder eine Zitterpartie. Zwar reichte im eingangs erwähnten Spiel gegen Barmke ein torloses Unentschieden, aber die Entscheidung um den zehnten Klassenerhalt fiel eben erst in dieser Partie. Das lag vor allem an einer schlechten Hinrunde. Aus den ersten fünf Begegnungen holte man nur zwei Punkte, verlor unter anderem bei den späteren deutlichen Absteigerinnen vom SV Hastenbeck, welche überhaupt nur zwei Siege in dieser Saison holten. Fun Fact: Auch die U20 des HSV hat ihr Auswärtsspiel in Hameln verloren.
Dass es überhaupt am Ende noch möglich war, auch ein elftes Jahr in der dritthöchsten Spielklasse anzutreten, dafür sorgte eine beeindruckende Rückrunde. Abgesehen von einer Auswärtsniederlage auf dem Trainingsgelände des HSV in Norderstedt blieb man im April und Mai wettbewerbsübergreifend ungeschlagen, was nicht nur zum Klassenerhalt, sondern auch zum erneuten Gewinn des Hamburger Pokalfinals führen sollte: „Champions, again!“.
Und so erwarten wir in diesen Tagen die Auslosung der Play-offs im DFB-Pokal der Frauen, wo erneut in einer Kugel das Logo des FC St. Pauli wartet. Übrigens: Im Unterschied zum Fußball der Männer sind hier die Bundesligisten noch nicht dabei. Noch nicht verkündet ist zum Erscheinen dieses Artikels das Ziehungsdatum, behaltet also am besten alle gängigen Kanäle im Blick.

Saison 2026/2027: Quo vadis, 1. Frauen?
Damit endet dieser Rückblick auf das vergangene Jahrzehnt in der Regionalliga. Wie bei Jubiläen üblich könnte man jetzt sagen: „Auf die nächsten zehn!“ Aber das wäre unpassend. Natürlich ist es jedes Mal schön, wenn das Team die Klasse hält. Doch nach so langer Zeit in der dritthöchsten Spielklasse darf man vielleicht auch die Frage nach Ambitionen stellen. Das Team und die Abteilung haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert und professionalisiert. Auch in Zukunft wird man sich damit befassen müssen, wie man sich für die nächsten Spielzeiten aufstellt und welche Ziele man erreichen möchte. Andere Vereine wie Union Berlin und nicht zuletzt der Hamburger SV haben gezeigt, dass erfolgreicher Fußball der Frauen in Clubs, die zuvor eher mit den männlichen Profis assoziiert wurden, möglich ist. Und so darf man sicher auch beim FCSP die Frage stellen: Wohin geht es mit dem Fußball der Frauen?
Zumal die deutschlandweiten Entwicklungen meiner Ansicht nach durchaus Handlungsbedarf signalisieren: Zur Saison 2027/2028 wird eine neue dritte Liga eingeführt, die dreigleisig laufen soll. Logische Konsequenz: Die kommende Saison dient zur Qualifikation für diese neue Spielklasse. Es wird spannend werden zu sehen, ob die 1. Frauen die sportlichen Voraussetzungen erreichen wird. Damit wir auch in Zukunft singen können: „… spielst ganz woanders, in Liga drei!“
// Yannick
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