„Sinnvoller Baustein, wenn man Stabilität, Erfahrung und Aufstiegsfähigkeit verbinden will“

„Sinnvoller Baustein, wenn man Stabilität, Erfahrung und Aufstiegsfähigkeit verbinden will“

Mit Branimir Hrgota holt sich der FC St. Pauli Qualität und Erfahrung in den Kader. Wie er dem FCSP helfen kann und wie nicht, erklärt das Global Soccer Network.
(Titelfoto: Adam Pretty/Getty Images/via OneFootball)

Es ist erneut ein Transfer mit Signalwirkung. Nachdem der FC St. Pauli bereits mit Marcus Mathisen einen Spieler verpflichten konnte, den auch einige andere Zweitligisten gerne in ihren Reihen wüssten, gelang das nun auch mit Branimir Hrgota. Beide, Hrgota und Mathisen, sind als Soforthilfen eingeplant. Sie sollen den FCSP in dieser Saison möglichst zu Erfolgen führen und mit guten Leistungen vorangehen. Ob das im Fall vom 33-jährigen Hrgota gelingen kann, haben wir den Fürth-Experten Michael Fischer bereits gefragt. Nun teilt auch das Global Soccer Network mit uns eine Einschätzung zum Neuzugang des FC St. Pauli.

Positionsprofil: Offensiver Mittelfelspieler, kein Strafraumstürmer

Branimir Hrgota ist ein Spieler, der in einer Offensive auf vielen Positionen zum Einsatz kommen kann. In seiner Karriere hat er auch bereits viele verschiedene Positionen bekleidet. Aber er ist laut GSN weder klassicher Strafraumstürmer, noch versierter Tempodribbler. Vielmehr sei Hrgota jemand, der „zwischen den Linien Verbindung herstellt, Bälle sauber verarbeitet und Angriffe über Passspiel, Standards und letzte Entscheidungen strukturieren kann“. Dank seiner technischen Fertigkeiten, seiner Kreativität und seines guten Raumgefühls ist er vielmehr ein Offensivspieler, der sich in den Zwischenräumen wohlfühlt, diese aktiv sucht. Zudem könne er aber auch als zentraler Stürmer spielen, dort allerdings nicht als klassicher Wandspieler sondern als ausweichender, mitspielender Angreifer.

Mit dem Ball könne Branimir Hrgota besonders dann für Teams wertvoll sein, wenn er nicht in Sprintduelle gezwungen wird, sondern in Räumen aktiv ist, wo Technik, Übersicht und Entscheidungsqualität von höherer Bedeutung sind als physische Parameter. Dort in den Zwischenräumen könne er Zuspiele unter Druck kontrollieren und mit seinem starken linken Fuß entweder das Kombinationsspiel antreiben oder aber selbst den Torabschluss suchen, erklären die Scouting-Experten vom Global Soccer Network.
Gegen den Ball verhält es sich ähnlich: Hrgota ist für das Team besonders dann hilfreich, wenn er eher mit dem Kopf als mit dem Körper gefordert wird: Er könne „Pressingwege anlaufen, Passwege lenken und nach Ballgewinnen sofort in freie Räume ausweichen.“ Weniger liege ihm ein Defensivspiel, in dem er in Zweikämpfe gezwungen wird.

Stärken, Entwicklungsfelder & Spielstil

Zwar ist Branimir Hrgota kein Tempodribbler und auch nicht so stabil, wenn es um physische Zweikämpfe gehe, aber trotzdem zählt das Global Soccer Network sein offensives 1vs1 zu den Stärken. Weil er diese „über Timing, Fußstellung und den passenden Moment für den nächsten Kontakt“ löse. Das ist nur möglich, weil Hrgota einen sehr guten ersten Kontakt und ganz allgemein eine sehr gute technische Basis besitze. GSN: „Hrgota wirkt am Ball ruhig, kontrolliert und erfahren. Er braucht keine spektakulären Aktionen, um Wirkung zu erzeugen, sondern löst viele Situationen über saubere Details.“
Entsprechend der starken Technik zählt das Global Soccer Network auch Standards („Klarer Mehrwert bei ruhenden Bällen. Hrgota kann Freistöße, Ecken und Halbfeldsituationen mit Qualität bringen.“) und das Passspiel („Er kann den Rhythmus einer Offensivphase bestimmen und Mitspieler in bessere Situationen bringen.“) zu seinen Stärken.

Neben seinen technischen Fertigkeiten zählt auch der Kopf zu seinen Stärken. Nicht allerdings das Kopfballspiel an sich. Trotz seiner Körpergröße von 1,85m ist Branimir Hrgota kein guter Kopfballspieler. Aber er könne gut antizipieren, erkenne früh, wo sich Räume öffnen und sei daher, trotz Temponachteilen, auch für das Umschaltspiel eine Verstärkung. Zudem zählt GSN auch seine Kreativität zu den Stärken. Er könne mit Pässen, Verzögerungen und Ablagen gegnerische Strukturen aufbrechen. Dabei hilft ihm ein sehr gutes Raumgefühl: „Hrgota scannt Mitspieler, freie Zonen und Gegenspielerpositionen, bevor er den Ball erhält. Dadurch kann er oft mit wenigen Kontakten die richtige Anschlussaktion wählen.“

Kopf & Technik sind Hrgotas Stärken, aber nicht das Kopfballspiel

Zwei ganz wichtige Faktoren bei der Einschätzung eines 33-jährigen Spielers, dem eine größere Rolle im Team zugedacht ist, sind das Fitnesslevel und die Verletzungsanfälligkeit. Zwar ist Hrgota physisch nicht auf einem Niveau, mit dem er Gegenspieler in Tempodribblings stehen lasse oder diese an ihm abprallen, aber das Global Soccer Network bescheinigt ihm eine gute Fitness: „Er ist kein Spieler, der nur für kurze Spezialrollen eingeplant werden muss, sondern kann bei sauberer Belastungssteuerung weiterhin ein relevanter Offensivfaktor sein.“ Positiv wird zudem bewertet, was anhand seiner Leistungsdaten klar erkennbar ist: Branimir Hrgota ist nicht sonderlich verletzungsanfällig. In den letzten vier Saisons verpasste er insgesamt nur vier Ligaspiele, keines davon aufgrund einer Verletzung. So darf es gerne weitergehen.

Was man von Branimir Hrgota nicht erwarten kann, ist Zweikampfstabilität, besonders in Defensivduellen. Das Global Soccer Network erklärt: „Hrgota geht nicht mit maximaler Schärfe in Tacklings und sollte nicht als erster Zugriffsspieler in einer aggressiven Pressingstruktur eingeplant werden.“ Er sei eher der Lenker des Pressings, weniger derjenige, der die Bälle dann in direkten Duellen gewinnt.
Zudem merke man, dass Hrgota „offensiv ausgebildet“ sei und er oft an die Anschlussräume nach Ballgewinn denke. Entsprechend können sich in seinem Rücken Räume öffnen. Das dürfte etwas sein, was der Rest des Teams ausgleichen muss, es braucht Absicherung im Rücken Hrgotas.

„Profil, das St. Pauli im letzten Drittel sofort helfen kann.“

Der aktuelle GSN-Index von Branimir Hrgota liegt bei 62,8. Trotz des für einen Profifußballer gehobenen Alters sieht das Global Soccer Network noch etwas Potenzial zur positiven Entwicklung, der Index könne bei optimalem Verlauf noch auf 63,1 anwachsen. Das ist nicht viel, aber zeige laut GSN vor allem, dass Hrgota sich auch in naher Zukunft auf einem stabilen Leistungsniveau bewegen könne. Entsprechend wird der Transfer auch so eingeordnet: Branimir Hrgota ist ein Spieler, der dem Team sofort auf dem Rasen weiterhelfen soll und das aktuell auch (noch) kann: „Setzt man ihn als verbindenden, kreativen Offensivspieler mit Standards und Ruhe im letzten Drittel ein, ist Hrgota ein sehr sinnvoller Baustein für eine Mannschaft, die in der 2. Liga Stabilität, Erfahrung und Aufstiegsfähigkeit verbinden will.“

Wie passt Hrgota zum FC St. Pauli?

Branimir Hrgota ist primär ein Zehner. Aber wird er diese Rolle auch beim FC St. Pauli einnehmen? Oder ist geplant, dass er doch eher als bewegliche zweite Spitze agiert? Die Vergangenheit von Marcel Rapp hat gezeigt, dass er sehr gerne mit einer fast klassischen Zehn hinter zwei Spitzen spielen lässt. Steven Skrzybski hat diese Rolle in Kiel lange Zeit sehr erfolgreich eingenommen. Nun deutet mit der Verpflichtung Hrgotas einiges darauf hin, dass auch der FC St. Pauli in der kommenden Saison wieder mit einem Zehner agieren wird. Das Global Soccer Network sieht ebenfalls einen guten Fit: „Für St. Pauli passt Hrgota vor allem dann, wenn die Mannschaft im letzten Drittel mehr Struktur und Qualität braucht. In einem 3-4-3 kann er als einer der beiden Halbraumspieler agieren, Bälle zwischen den Linien sichern und den letzten Pass vorbereiten. In einem 3-4-1-2 oder 3-4-2-1 kann er als zentraler oder halbrechter Zehner funktionieren, der nach Ballgewinnen ausweicht und Umschaltaktionen verbindet.“
Besonders die Tatsache, dass der FCSP in der kommenden Saison damit rechnen muss viel öfter gegen tiefstehende Gegner zu spielen, dürfte ein gewichtiges Argument für einen Transfer von Hrgota gewesen sein. Denn genau für dieses Spiel scheint er extrem gut zu passen. Das Global Soccer Network betont jedenfalls, dass der 33-jährige dank Ruhe, Kreativität und Präzision dem FC St. Pauli helfen könne, wenn der Gegner tiefer steht oder das Spiel im letzten Drittel kontrollierter werden muss.

Ich denke, dass es nicht nur mir so geht: Der Name Branimir Hrgota ist einer, der schon lange in meinem Kopf herumschwirrt, wenn ich an den möglichen Kader des FC St. Pauli gedacht habe. Etliche Male hat Hrgota in Spielen gegen den FCSP einen starken Eindruck hinterlassen, neidisch war der Blick gen Fürth, als er das Team 2021 zum Aufstieg schoss. Nach dem Aufstieg des FC St. Pauli, als Marcel Hartel den Club verließ, hatte ich ganz stark darauf gehofft, dass Hrgota kommen würde. Doch es dauerte noch zwei Jahre. Nun ist er endlich da, aber das Fragezeichen bezüglich der Leistungsfähigkeit ist etwas größer als vor zwei Jahren. Schließlich ist Branimir Hrgota mit 33 Jahren kein Spieler mehr, von dem noch große Entwicklungssprünge zu erwarten sind. Vielmehr dürfte mit dem Transfer die Hoffnung verbunden sein, dass er möglicht lange und oft noch das Level erreicht, was ihn zu einer Legende in Fürth hat werden lassen.

// Tim

Alle Beiträge beim MillernTon sind gratis. Wir freuen uns aber sehr, wenn Du uns unterstützt.

Das Verfassen von Kommentaren ist nur nach Registrierung möglich. Bitte bei Bedarf eine E-Mail mit Klarnamen und gewünschtem Username an Maik@MillernTon.de schicken.

MillernTon auf BlueSky // Mastodon // Facebook // Instagram // Threads // WhatsApp // YouTube

Schreibe einen Kommentar