„Wir müssen einfach besser aus der Halbzeit rauskommen“

„Wir müssen einfach besser aus der Halbzeit rauskommen“

Der FC St. Pauli scheidet verdient in der ersten DFB-Pokal-Runde aus und macht damit den Weg für Rot-Weiss Essen frei. Die Stimmen und Statistiken zum Spiel.
(Titelfoto: Christof Koepsel/Getty Images/via OneFootball)

Der FC St. Pauli schaffte es damit seit der Saison 2020/2021 zu ersten Mal nicht, über die erste Runde des DFB-Pokals hinaus zu kommen. Die Niederlage an der Hafenstraße war hochverdient und nun freuen sich die Essener auf die zweite Runde. St. Pauli hatte in der ersten Halbzeit zwar einige gute Chancen, konnte diese aber nicht nutzen. Rot-Weiss Essen zeigte sich dagegen effizient und ging durch Marek Janssen in der 36. Minute in Führung. Nach der Pause erhöhte Semir Telalovic auf 2:0. Auch danach fand der FCSP keine Mittel gegen die gut verteidigenden Essener, die den Sieg souverän über die Zeit brachten. 

Trainerstimmen

Uwe Koschinat: „Was mir sehr, sehr imponiert hat, ist die Herangehensweise in der zweiten Halbzeit“

Der Trainer der Essener war nach dem Spiel berechtigterweise gut drauf und zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft. In seinem Statement erklärte er unter anderem allerdings auch, dass es ganz anders ausgesehen hätte, wenn der FCSP das erste Tor gemacht hätte: „Ich glaube, wir können uns nicht beschweren, wenn wir in der ersten Halbzeit 0:1 hinten liegen, hatten auf der anderen Seite aber auch die Möglichkeit, selbst in Führung zu gehen. Trotz alledem hatten wir da schon Probleme, den eigenen Strafraum zu verteidigen, wenn Pauli die Möglichkeit hatte, das Spiel zu beschleunigen. Sie haben auch von unseren Fehlern natürlich profitiert. Insofern haben wir da einfach großes Glück gehabt, nicht in Rückstand zu geraten„. Trotz alledem hat RWE das Spiel verdient für sich entscheiden können. Koschinat gefielen dabei besonders die Minuten nach der Pause: „Was mir sehr, sehr imponiert hat, ist die Herangehensweise in der zweiten Halbzeit.“ Er ergänzte noch: „Aus meiner Sicht haben wir in der zweiten Halbzeit wirklich ein Vorzeigespiel gemacht. Dann funktioniert das Zusammenspiel zwischen Mannschaft und Hafenstraße herausragend. Mit der Führung war es schon so, dass die Menschen jeden Zweikampf wirklich gefeiert haben.“ Insgesamt war er der Meinung, dass das Ergebnis des Aufeinandertreffens so dann auch in Ordnung sei, womit er natürlich Recht hat.

Rapp: „Wir haben es einfach nicht mehr geschafft, das Ruder rumzureißen

St. Paulis Cheftrainer Marcel Rapp beschrieb in seinem Statement zunächst die etwas bessere erste Hälfte und ging dabei auch auf die vergebenen Torschüsse ein: „Ich habe ein Spiel gesehen, wo die erste Halbzeit ein ausgeglichenes Spiel war, vielleicht mit sogar ein bisschen mehr Spielkontrolle von Rot-Weiss Essen. Aber ich glaube, unsere Mannschaft hatte drei, vier richtig gute Chancen, wo wir kein Tor schießen.“ Weiter erklärte er dann: „Kurz nach der Halbzeit kriegen wir das zweite Tor (…) und ich glaube dann ist der springende Punkt, den wir uns ankreiden müssen, dass wir einfach in der zweiten Halbzeit aus unserem Ballbesitz zu wenig Kapital geschlagen haben.“ Nach dem die Mannschaft mit 0:2 hinten lag und der Gegner auch nicht schlechter wurde „haben wir es einfach nicht mehr geschafft, das Ruder rumzureißen“ erklärte Rapp.

Kernstatistiken

Rot-Weiss EssenFC St. Pauli
19 (7)Torschüsse (auf das Tor)5 (2)
17Fouls16
39,86 %Ballbesitz60,14 %
251 (175)Pässe (erfolgreich)413 (316)
44 (19)… davon ins letzte Drittel63 (36)
56 (25)… davon lange Pässe44 (19)
23Ballkontakte im gegn. Strafraum15
40 (24)Defensivduelle (erfolgreich)47 (23)
50 (14)Kopfballduelle (erfolgreich)50 (36)
9,86PPDA6.09

Stark angefangen, stark nachgelassen

Besonders spannend an den Statistiken ist der gravierende Unterschiede zwischen der ersten und der zweiten Halbzeit. Zum Beispiel gab der FC St. Pauli vier der (extrem wenigen!) fünf Torschüsse in den ersten 45 Minuten ab. Den fünften Torschuss gab es in der 80. Minute, was ja schon mal bedeutet, dass eine gute halbe Stunde so gut wie nichts vor dem RWE-Tor passierte. Auch zeigen die Zahlen, dass die erste Hälfte deutlich ausgeglichener war: Der Ballbesitz teilte sich quasi 50/50 auf und auch die Passgenauigkeiten der Mannschaften lagen näher aneinander. Was das Team von Rot-Weiss Essen besser machte als der FC St. Pauli: Es legte in der zweiten Hälfte eher noch einen oben drauf und spielte insgesamt eine wirklich gute Partie.

Expected Goals

Rot-Weiss EssenFC St. Pauli
(1,59 / 1,92) = 1,75(Wyscout / FotMob) = Expected Goals(0,92 / 1,41) = 1,16
1,69xG herausgespielt1,32
0,23xG Standard0,08
2,07xGOT0,75

Den hätte man auch machen können

Auch was die xG-Werte angeht, ist ein deutlicher Unterschied zwischen den beiden Halbzeiten zu erkennen. In der ersten Halbzeit lag der FC St. Pauli sogar mit 1,01 xG vorne (die Chance von Kaars in der 19. Minute hatte laut FotMob übrigens einen xG-Wert von 0,64), der Wert ist insgesamt nur aus herausgespielten Torschüssen entstanden. In der zweiten Hälfte dagegen sieht man dann die xG-Werte, die auch das Endergebnis widerspiegeln. St. Pauli kam nur noch auf 0,26 xG, während Rot-Weiss Essen so richtig aufblühte. Dabei sticht besonders der xGOT-Wert heraus, der mehr als das doppelte von dem des FCSP ist. Allein Telalovics Treffer zum 2:0 kommt auf ein xGOT von 0,98, es gab also nahezu keine Abwehrchance für FCSP-Torhüter Ben Voll. Doch insgesamt weisen die Statistiken darauf hin, dass das Team des FC St. Pauli mindestens den ein oder anderen Torschuss auch hätte in etwas Zählbares hätte ummünzen können.

Spielerstimmen: „Wir müssen einfach besser aus der Halbzeit rauskommen, mit viel breiterer Brust“

David Nemeth antwortete auf die Frage, was denn beim Spiel gefehlt hätte: „Der Kampf und in wichtigen Situationen die richtigen Entscheidungen zu treffen, das Tor zu verteidigen und einfach das Selbstvertrauen.“ Weiter erklärte der FCSP-Kapitän: „Wir müssen einfach besser aus der Halbzeit rauskommen, mit viel breiterer Brust und dann einfach den Kampf annehmen.“ Sein Teamkollege Martijn Kaars stimmte dem zu und erklärte zur zweiten Hälfte ganz einfach: „Es war zu wenig.“ Er wirkte nach dem Spiel ganz besonders bedrückt und nahm die Niederlage auf seine Kappe: „Ich kann eine ganze Geschichte erzählen, aber wir verlieren wegen mir. Wenn ich ein, zwei Tore in der ersten Halbzeit mache, gewinnen wir.“

Hier möchte ich trotz Spielerstimmen-Abschnitt noch ein Zitat von Rapp einbringen, der wie ich finde ganz richtig erklärte: „Fußball ist ein Mannschaftssport. Natürlich hat er (Martijn Kaars) große Chancen, wenn er eine von denen reinmacht, dann wird es wahrscheinlich ein anderes Spiel. Aber es ist ja schon mal gut, dass er die Chancen hat.“ Dazu ergänzte der Cheftrainer noch: „Zum Schluss haben wir das Spiel zusammen verloren und nicht nur er (Kaars).“ Auch Branimir Hrgota stellte sich an die Seite seines Teamkollegen: „Wir werden die Tore als Mannschaft schießen und wir werden die Tore auch zusammen kassieren. Es gibt keine einzige Person, die das auf sich nehmen muss. Wir müssen es also als Mannschaft besser machen.“ Also Martijn, Kopf hoch, nächstes Mal gehen deine Chancen rein.

Ein Euro ins Phrasenschwein

Dazu hat er gleich am Sonntag die Möglichkeit, denn da geht es um 13:30 Uhr zu Hause gegen Kaiserslautern. Ich möchte jetzt nicht die Person sein, die sagt „dann können wir uns wenigstens auf die Liga konzentrieren“, denn das Pokal-Aus ist natürlich trotzdem total doof, aber… wo der Spruch Recht hat, hat er Recht. Also: Das DFB-Pokalspiel abhaken und den Fokus wie immer auf das nächste Spiel legen.

// Nike

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