Rot-Weiss Essen: Verein und Fanszene

Rot-Weiss Essen: Verein und Fanszene

Morgen geht es für den FC St. Pauli in der ersten Pokalrunde zu Rot-Weiss Essen. Schauen wir genauer auf die Fanszene und den Verein.
Titelfoto: Leonhard Simon / Getty Images via OneFootball

Am Sonntag steht für den FC St. Pauli die erste Runde im DFB-Pokal der Saison 2026/27 an. Um 18:30 geht es gegen Rot-Weiss Essen, einen Gegner, auf den der FC St. Pauli lange nicht mehr gestoßen ist. In der Regionalliga im Jahr 2006 trafen der FC St. Pauli und RWE zum letzten Mal aufeinander. Dabei musste sich der FC St. Pauli mit 0:2 geschlagen geben. Haarscharf hätten wir uns auch in der Liga mit Rot-Weiss Essen rumschlagen müssen, denn letzte Saison schafften sie es in die Relegation. Am Ende konnten sie sich aber gegen die Spielvereinigung Fürth nicht mehr durchsetzen. Jetzt müssen wir im Pokal gegen sie ran.

Mit RWE treffen wir auf einen nicht besonders angenehmen Gegner, zumindest auf den Rängen. Denn Fans von RWE sind bereits durch Rassismus, Sexismus und Rechtsextremismus aufgefallen. Tim hat dies in seinem Artikel „RWE, Rechtsextremismus & Widerstand“ bereits ausgearbeitet. Wir gucken hier genauer auf die Vereinsgeschichte und wer sich sonst so auf den Rängen in Essen rumtreibt.

Geschichte Rot-Weiss Essen

Die Anfänge und Wiederaufbau

Wie bei vielen traditionsreichen Vereinen gab es auch hier viele Vorgänger-Vereine, bevor aus ihnen Rot-Weiss Essen entstand. So gründete sich 1907 der „Sportverein Vogelheim“ als Fusion der Vereine „SC Preussen“ und „Deutsche Eiche“. 1910 gab es eine Fusion mit dem „Turnerbund Bergeborbeck“ und man gründete eine Fußballabteilung und nahm an Spielen teil, trennte sich 1913 allerdings wieder. So gründete man sich unter dem Namen „Spiel- und Sportverein Emscher-Vogelheim“ neu. Nach dem ersten Weltkrieg änderte man seinen Namen in „Spiel und Sport 1912“. 1923 fusionierte man erneut mit „Turnerbund Bergeborbeck“ und „Rot-Weiss Essen“ entstand. 1939 weihte man mit 30.000 Zuschauenden den Sportplatz an der Hafenstraße ein.

Die Sportanlage wurde im zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört. Nach Kriegsende baute man mit freiwilligen Helfer*innen die Anlage wieder auf. Kaum zehn Jahre später feierte RWE seine größten Erfolge der Vereinsgeschichte: Gegen Alemannia Aachen gelang 1953 der DFB-Pokalsieg mit einem 2:1. Zwei Jahre später, 1955, gewann RWE die Deutsche Meisterschaft mit einem 4:3 gegen den 1. FC Kaiserslautern.

Aufstiege, Abstiege, Pokalfinale, Insolvenz

Die Bundesliga startete 1963 ohne RWE, die zunächst in der Regionalliga West starteten. 1966 feierte man seine Premiere in der Bundesliga. Bis 1977 war RWE ein klassischer Fahrstuhlverein mit etlichen Auf- und Abstiegen zwischen der 1. und 2. Bundesliga. In den 80er Jahren folgte eine weitere Abwärtsspirale und man sprang hin und her zwischen Zweit- und Drittklassigkeit. 1994 schaffte man trotz Lizenzentzug und Abstieg in die Regionalliga den Einzug ins DFB-Pokalfinale gegen SV Werder Bremen. Der Pokal ging mit 1:3 an Werder Bremen. Auf dem Weg Richtung Finale spielte RWE im Achtelfinale auch gegen FC St. Pauli und gewann mit 3:2.

Die 90er waren weiter geprägt von Auf- und Abstiegen und einem weiteren Lizenzentzug. 1998 stieg man sogar in die Oberliga Nordrhein ab, bis man 2004 wieder die Zweitklassigkeit erreichte. Nach weiterem Fahrstuhlfahren folgte daraufhin die nächste Abwärtsspirale, die den Verein 2010 bis in die Insolvenz und Fünftklassigkeit führte. Mit einem Insolvenzplanverfahren konnte man sich allerdings erneut retten und wieder in die Regionalliga hochspielen. Bis 2022 war man fester Bestandteil der Regionalliga West. 2021 kam man sogar ins DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Holstein Kiel, denen man 0:3 unterlag. Im Achtelfinale kickte man Bayer Leverkusen mit 2:1 aus dem Pokal. Seit 2022 spielt RWE wieder in der dritten Liga mit, letzte Saison unterlagen sie knapp in der Relegation der Spielvereinigung Fürth. Wer sich in die Vereinsgeschichte detaillierter einlesen will, kann das hier auf der Webseite von RWE tun.

Fanszene

Rot-Weiss Essen konnte vor kurzem die 16.000-Mitglieder-Marke knacken. Die Zahl der eingetragene Fanclubs liegt bei etwa 50. Im Stadion an der Hafenstraße findet sich die aktive Fanszene auf der Westtribüne wieder. Dort sind unter anderem die Gruppierungen Rude Fans, Northside Crew, Vandalz RWE, Freaks Essen und Junge Essener vertreten.

Westtribüne Essen

Aber auch die Essener Fanszene machte viele Veränderungen durch. Von 2002 bis 2015 waren die Ultras Essen die führende Gruppe auf der Westtribüne. Im Jahre 2013 machte auch die Hooligan-Gruppe „Alte Garde Essen“ Schlagzeilen, unter anderem mit Androhung von Schlägen gegen das eigene Fanprojekt – sie übten großen Einfluss auf das Klima innerhalb der Fanszene aus. Die Alte Garde Essen ist bis heute Teil der Fanszene in Essen. Ihre Zaunfahnen sind bei jedem Spiel in der Kurve zu sehen. In der Hooligan-Gruppe bestehen enge Verknüpfungen in die Rocker- und Neonazi-Szene in Essen und Dortmund. Auch für Ultras Essen habe Politik im Stadion „nichts zu suchen“ gehabt, was den Einfluss rechter Ideologien helfen konnte. Im Jahre 2015 löste sich die Gruppe wegen interner Konflikte auf.

Die 2008 gegründete Gruppe Rude Fans, die 2011 gegründete Northside Crew und die Gruppe Vandalz, die sich 2015 gründeten, nahmen sich daraufhin der Aufgabe an, den Support in der Westtribüne zu organisieren. Auch der Dachverband „Westtribüne Essen“ wurde ins Leben gerufen, um mit den Gruppen der Westtribüne gemeinsam zu agieren, um zum Beispiel Choreos zu finanzieren oder Spendensammlungen zu organisieren. 2015 gründeten sich außerdem die Gruppen Freaks Essen und Junge Essener. Die Gruppen Vandalz und Junge Essener war zunächst nicht Teil des Dachverbandes. In der Saison 2017/18 kam es aufgrund der schlechten Leistungen der Mannschaft zu einem Stimmungsboykott, der bis zum Saisonende bestand hatte. In einem Interview gingen die Rude Fans genauer darauf ein.

Freundschaften pflegt die Essener Fanszene mit Borussia Dortmund, FC Köln und zu Austria Wien. Rivalitäten gibt es zu Schalke 04, was natürlich mit den Dortmundern besonders zusammenschweißt, zu Rot-Weiß Oberhausen und zum MSV Duisburg, wo die Abneigung in aller Stumpfheit zur Schau gestellt wird (siehe Doppelhalter im unteren Abschnitt der Spieltagsfotos). Im Relegations-Heimspiel gegen Fürth füllte sich die Westtribüne ganz in rot, vorne am Zaun der Spruch „Auf geht’s Essen – kämpfen und siegen“. Im Rückspiel in Fürth gab es eine Blockfahne mit dem Vereinslogo sowie dem Spruch „Der Traum lebt weiter“.

Schlussworte

Wie in Tims Artikel beschrieben: bis heute hat rechtes Gedankengut großen Einfluss auf die Essener Fanszene. Das zeigt sich an unzähligen Beispielen. Daher gilt hier nochmal der Respekt allen Essener Fans, die sich diesem entgegenstellen. Mit Sicherheit ist in diesem Artikel auch noch lange nicht alles über die Fanszene erzählt, das würde aber den Rahmen etwas sprengen. Ich hoffe trotzdem, euch einen groben Überblick verschafft zu haben.
Das Spiel am Sonntag wird weder auf dem Platz noch auch den Rängen ein leichtes, wenn zwei so unterschiedliche Fanszenen aufeinandertreffen. Allen, die hinfahren, wünsche ich ein gutes Spiel und passt gut auf euch auf! Wir werden lautstark sein und Essen mit voller Wucht aus dem Pokal werfen!

Immer weiter vor!
// Nina

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