Vorbericht: FC St. Pauli – Karlsruher SC (7. Spieltag, 26/27)

Vorbericht: FC St. Pauli – Karlsruher SC (7. Spieltag, 26/27)

Der FC St. Pauli möchte den positiven Trend auch nach der Länderspielpause fortsetzen, muss dafür aber gegen einen intensiv agierenden Karlsruher SC Lösungen präsentieren.
(Titelfoto: Peter Boehmer)

Es war eine lange und ungewohnte Pause, die am Sonntag endet. Nach genau drei Wochen wird der FC St. Pauli mit der Partie gegen den KSC wieder den Ligabetrieb aufnehmen. Der FCSP nutzte diese lange Phase für eine Woche mit individuellen Trainingsplänen, sowie zwei intensiven Trainingswochen und mittendrin einem insgesamt überzeugendem Testspiel gegen Borussia Mönchengladbach. Dadurch wurde der Eindruck erweckt, dass diese Pause sehr gut genutzt wurde und es Grund zur Hoffnung gibt, dass der FC St. Pauli die gute Form vor der Pause nicht nur konserviert hat, sondern nun noch einen draufsetzt.

FC St. Pauli: Wer kann spielen, wer fehlt?

Marcel Rapp konnte auf der Pressekonferenz ein recht positives Update aus dem Kader liefern: Nachdem zu Wochenbeginn einige Spieler erkrankt fehlten, war der Trainingsplatz am Freitag wieder sehr gut gefüllt. Einzig die beiden langzeitverletzten Mathias Pereira Lage und Gísli Þórðarson, sowie Rony Jansson und Marcus Mathisen fehlen aufgrund von Blessuren. Zudem ist Tomoya Andō gesperrt. Alle anderen Spieler sind einsatzbereit für Sonntag, also auch Branimir Hrgota, der zuletzt zwei Spiele aussetzen musste.

Karlsruher SC: Wer kann spielen, wer fehlt?

Eigentlich ist die personelle Situation beim Karlsruher SC sehr gut. Mit Innenverteidiger Héliton und Angreifer Moritz Broschinski fehlen aktuell nur zwei Spieler. Allerdings könnte der Ausfall von Héliton die Pläne zerstören, auf eine Dreierkette umzustellen und Broschinski ist vom Rest des Teams aufgrund seiner Physis im Angriff nicht zu ersetzen.

Was hat der KSC zu bieten?

Diesen Sommer endete die Zeit von Christian Eichner als Trainer des Karlsruher SC. Dass der KSC seit Jahren eine gute (keine überragende) Rolle in der 2. Bundesliga spielt, wurde von vielen vor allem ihm angerechnet. Ob diese Einschätzung richtig ist, kann jetzt gerade, in der „Post-Eichner“-Ära beobachtet werden. Mit Maximilian Senft hat der KSC einen Nachfolger geholt, der als Fußballer im Profibereich keine Rolle spielte, dafür aber einige Jahre als Pokerspieler Erfolge feierte. Der 37-jährige hat sich in Österreich als Co-Trainer nach oben gearbeitet, war kurzzeitig auch in England bei Barnsley in dieser Funktion aktiv. Es folgte erste Cheftrainer-Stationen und letztlich beim SV Ried der Durchbruch, mit dem er zwar erst ab-, zwei Jahre später dann aber wieder aufstieg und in der letzten Saison die Play-offs für das internationale Geschäft erreichte.

Senft beendet „Eichner-Ära“ beim KSC

Nun folgte der berühmte nächste Schritt für Senft. Der Start beim KSC war verheißungsvoll. Das Team gewann die erste Partie (2:1 gegen Bielefeld). Doch seitdem wartet man in der Liga auf einen weiteren Dreier. Zuletzt gab es mit dem 0:3 gegen Cotttbus und dem 0:1 gegen Nürnberg zwei Niederlagen ohne eigenen Treffer. Der Karlsruher SC ist in der Tabelle inzwischen bis auf Platz 14 abgerutscht und beim Blick auf die xG-Werte (sowohl bei eigenen als auch zugelassenen Chancen ist das Team im unteren Mittelfeld platziert) scheint diese Position auch zu passen.

In einer anderen Statistik ist der KSC allerdings ganz vorne dabei: Das Team absolvierte bisher die meisten intensiven Läufe aller Zweitligisten. Dieser Wert ist wenig verwunderlich, wenn man sich der Spielidee von Maximilian Senft etwas nähert. Denn der 37-jährige fokussiert sich vor allem auf Pressingmomente. Gegnerische Teams werden oft sehr hoch (zweitniedrigster PPDA-Wert der Liga) und intensiv (Ballbesitz-bereinigt die drittmeisten Defensivaktionen der Liga) unter Druck gesetzt. Rapp: „Man sieht eine Mannschaft, die aggressiv anlaufen will, die intensiv spielt, die auch mit dem Ball schnell nach vorne spielt, gut im Gegenpressing sein will.“ Das ist gar kein so großer Bruch zu Eichner, unter dem das Team auch immer sehr aktiv gewesen ist. Aber der Fokus hat sich noch deutlicher in Richtung Pressing verschoben.

FCSP wird beide Offensivvarianten benötigen

Wie erfolgreich dieser Fokus ist, lässt sich anhand der Ergebnisse allerdings noch nicht abschätzen. Die ersten Ergebnisse waren vielversprechend, doch zuletzt zeigte sich der 1. FC Nürnberg extrem gut auf das Karslruher Pressingverhalten eingestellt, überspielte es oft sehr erfolgreich. Für Marcel Rapp ist klar, dass dieses intensive Lauf- und Pressingverhalten des KSC einen starken Einfluss auch auf die eigene Spielweise haben wird, zumal sich der FC St. Pauli vermutlich wie gewohnt mit seiner Spielweise auf den Gegner einstellen wird: „Beim KSC wird es so sein, dass sie uns anlaufen werden, dass wir nicht 25 Ballkontakte haben werden, bevor wir einen Angriff spielen, wir brauchen wir wahrscheinlich nicht so viele Kontakte, um nach vorne zu spielen.“ Klingt ganz so, als wenn Rapp sich am FCN orientiert, doch der FCSP-Chefcoach betont auch: „Es gibt aber auch, wenn wir es gut machen, auch mal Phasen, wo der KSC ein bisschen tiefer steht.“ Der FC St. Pauli wird also am Sonntag beide bisher gezeigten Spielphilosophien benötigen: das schnelle vertikale und das ruhig aufbauende Spiel.

Hamburg, Deutschland, 30.08.2026, Millerntor-Stadion, 2. Bundesliga, FC St. Pauli - 1. FC Kaiserslautern Eric Smith (FC St. Pauli) führt den Ball im Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern. Copyright: Stefan Groenveld
Auch gegen den Karlsruher SC wird Eric Smith das Spieltempo des FC St. Pauli diktieren. Doch welches Tempo er vorgibt, ist auch vom Gegner abhängig.
// (c) Stefan Groenveld

Mögliche Aufstellung

Der Karlsruher SC hat unter der Leitung von Senft zuletzt recht flexibel agiert. Mal in einem 4-4-2 mit Mittelfeldraute. Mal in einem 4-2-3-1. Gegen Nürnberg deutete sich zuletzt auch eine Dreierkette an. Es ist also nicht klar, wie sich das Team gegen den FC St. Pauli formieren wird. Sicher ist aber, dass der „ewige“ Marvin Wanitzek auch weiterhin das Herz dieses Teams in der Offensive ist (bei dem ich mir aber unsicher bin, ob der Pressing-intensive Fußball zu ihm passt). In der Defensive ist das Innenverteidiger-Duo Kobald und Franke hervorzuheben, welches allerdings auch durchaus Probleme damit hat, wenn das eigene Team zu hoch steht beziehungsweise der Gegner das eigene Pressing schnell überspielt.

Ritzka für Andō – und Hrgota in der Startelf?

Auf Seiten des FC St. Pauli wird der gesperrte Tomoya Andō aller Voraussicht nach durch Lars Ritzka ersetzt werden, da Mathisen nicht zur Verfügung steht. Ansonsten deutet vieles darauf hin, dass sich im Vergleich zur Startaufstellung vor der Länderspielpause nichts verändern wird. Rapp betonte, dass mit vertikalem Spiel zu rechnen sein wird. Entsprechend scheint das Duo Ceesay-Niang vorne gesetzt zu sein, Testspiel-Torschütze Ricky-Jade Jones dürfte eher auch weiterhin eine Option für spätere Phasen im Spiel sein. Das zentrale Mittelfeld ist mit Rasmussen, Fujita und dem modernen Libero Smith ebenfalls gesetzt. Und das, obwohl Sam Klein im Testspiel gegen Mönchengladbach überzeugen konnte. Auf den Außenverteidiger-Positionen dürfte es ebenfalls keine Veränderungen geben.

Einzig auf der zentralen offensiven Mittelfeldposition ist zumindest vorstellbar, dass es eine Veränderung geben könnten. denn Branimir Hrgota ist wieder fit, könnte also wieder ins Team zurückkehren. Allerdings müsste er dazu Connor Metcalfe aus der Startelf verdrängen. Könnt Ihr euch das vorstellen? Nee, ich auch nicht. Marcel Rapp erklärt allerdings, dass es nicht zwingend nur einer der beiden in die Startelf schaffen könnte und nannte ihre Stärken: „Sie können sich gut zwischen den Linien bewegen, haben beide einen guten Abschluss. Connor vielleicht noch ein bisschen mehr mit rechts, Brane spielt den letzten Ball aber vielleicht noch etwas filigraner, wobei Connor das auch kann. Daher sind beide auch spielintelligent und wir sind froh, dass wir beide haben. Es ist auch keine „Entweder-Oder“-Entscheidung, die können auch beide zusammen spielen.“ Ich rechne trotzdem mit Metcalfe – und mit Tempo in Form von Niang.

Selbstbewusst den Trend bestätigen

Wer sich die PK angeschaut hat, dürfte ebenfalls vernommen haben, dass Marcel Rapp einen sehr selbstbewussten Eindruck hinterlassen hat, der glaubhaft versicherte „Wir freuen uns brutal auf dieses Spiel.“. Der Cheftrainer scheint überzeugt zu sein von seinem Team, scheint fest daran zu glauben, dass die Chancen für einen Erfolg am Sonntag ganz gut stehen. Nach den letzten Partien und den guten Trainingswochen, von denen der Coach berichtete, ist dieses Selbstbewusstsein durchaus verständlich („Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg.“). Hoffentlich zeigt sich dann am Sonntag auf dem Rasen dann, dass es auch angebracht ist.
Forza!
// Tim

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