Positive Corona-Fälle – Wann kommt es zu Quarantäne & Spielabsetzung?

Wie der 1. FC Nürnberg vermeldet, wurden nach dem Mittwoch aufgetretenden positivem COVID19-Fall beim FCN bei der Testung am Donnerstag Spieler und Staff negativ getestet.
Es wurde auch vermeldet, dass kein Spieler, abgesehen vom positiv getesteten Hanno Behrens, in Quarantäne muss. Das kann durchaus verwundern, da im Fall von Osnabrück anders entschieden wurde. Aber wann müssen Spieler in Quarantäne? Und wann kann es dadurch zu einer Spielverlegung kommen?

(Titelbild: Peter Böhmer)

Der Fall ist relativ ähnlich zu dem in Osnabrück: Dort wurden zwei Spieler positiv getestet, weshalb insgesamt 19 Spieler in Quarantäne mussten und dadurch nur noch 10 Spieler am Trainingsbetrieb teilnehmen dürfen.

Laut DFL-Regularien gelten Spieler in Quarantäne als “krank”. Ein Klub kann eine Spielverlegung beantragen, wenn weniger als 15 Spieler zur Verfügung stehen. Das ist in Osnabrück der Fall. Auch die Auffüllung des Kaders mit z.B. Spielern aus der U23 ist unter corona-Bedingungen nicht mehr so trivial. Daher wurde im Fall von Osnabrück der Spielverlegung zugestimmt.

Es stellt sich unweigerlich die Frage: Warum darf in Nürnberg weiter ein Team-Training stattfinden, wenn in Osnabrück die Spieler in Quarantäne müssen. Beide Teams hatten in den Tagen vor Auftreten der positiven Fälle Team-Training. Sind es Unterschiede in der Auslegung der Quarantäne-Regularien der Gesundheitsämter? Das wäre ein fatales Signal und damit würde das Thema Wettbewerbsverzerrung auch ziemlich schnell wieder auf den Plan gerufen werden. Denn natürlich ist es für den VfL Osnabrück schon bereits ein massiver Nachteil, wenn große Teile des Teams in 14-tägige Quarantäne geschickt werden. Wenn andere Teams aber, obwohl ebenfalls positive Fälle innerhalb des Teams auftreten, nicht in Quarantäne müssen, die Regularien trotz identischer (?) Sachlage also unterschiedlich ausgelegt werden, dann wird es unfair und der Wettbewerb verzerrt.

Werbung

Ab wann wird eine Quarantäne verpflichtend?

Hierzu werfen wir einen Blick in die FAQ’s des RKI zu dem Thema:

Eine Quarantäne wird dann behördlich angeordnet, wenn ein hohes Risiko besteht, dass man sich angesteckt hat:
– wenn man innerhalb der letzten zwei Wochen engen Kontakt zu einem Erkrankten mit einer laborbestätigten COVID-19-Diagnose hatte. Ein enger Kontakt bedeutet entweder, dass man mindestens 15 Minuten mit dem Erkrankten gesprochen hat bzw. angehustet oder angeniest worden ist, während dieser ansteckend gewesen ist.
– immer, wenn das Gesundheitsamt dies anordnet.

Robert Koch Institut

Und aus dieser Erklärung sind wir nicht wirklich schlauer als vorher. Denn es ist wohl eine Frage der Definition, ob ein Team-Training als enger Kontakt gewertet wird. wenn dem so ist, dann ist die verpflichtende Quarantäne samt Testung am 1. und 5.-7. Tag nach dem Kontakt für alle Kontaktpersonen angesagt. So zumindest deute ich die Ausführungen vom Gesundheitsamt Hannover, die das mal auf Anfrage aus dem Amateurfußball-Bereich beantwortete. Allerdings wird auch darauf verwiesen, dass “jeweils im Einzelfall entschieden” wird. Also werden wir auch daraus nicht wirklich schlauer. Ebenfalls mit dieser Thematik hat sich die WAZ beschäftigt. Und daraus wird deutlich, dass die Wahrscheinlichkeit als Team während des Trainings engen Kontakt (also Kategorie 1 und damit quarantänepflichtig) mit einer infizierten Person zu haben sehr hoch ist, denn:

Kategorie I bedeutet: 15 Minuten Gesichtskontakt (face-to-face), Kontakt mit Körperflüssigkeiten oder eine hohe Wahrscheinlichkeit, mit einer hohen Aerosol-Konzentration in Kontakt gekommen zu sein. Diese Kriterien dürften bei Zweikämpfen oder auch der gemeinsamen Kabinennutzung erfüllt sein.“.

Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Aber das Gesundheitsamt Bochum (welches der WAZ die Fragen beantwortete) verweist ebenfalls darauf “Sollte es zu einem positiven Fall innerhalb einer Mannschaft kommen, wird dieser wie immer einzelfallbezogen geprüft.“.

Es scheint also einen Unterschied in der Einzelfallbewertung des Team-Training zwischen Nürnberg und Osnabrück zu geben. Nach meinem Empfinden sollte dieser schon erheblich sein, denn nach der Definition dürfte in einem Team, welches gemeinsam trainiert, jede*r (z.B. durch die Aerosolbelastung in der Team-Kabine) als Kontaktperson der Kategorie 1 gelten.
Das ist aber anscheinend nicht der Fall. Auch nicht beim VfL Osnabrück, wo ja 10 Spieler nicht von der Quarantäne betroffen sind. Da Hanno Behrens nach unseren Informationen in den Tagen vor dem positivem Test mit dem Team trainiert hat, ist es schon verwunderlich, warum, wie in Osnabrück, nicht auch in Nürnberg weitere Spieler in Quarantäne müssen. Denn sicher ist, dass Hanno Behrens in den letzten Tagen dem Team trainiert hat (wie auf diesen Bildern zu sehen ist). Florian Zenger, der u.a. für clubfans united den FCN beleuchtet, verwies auch darauf, dass die Spieler sich nicht alle im gleichen Raum umziehen. Das könnte natürlich ein Faktor sein. Fraglich ist aber, ob diese räumliche Trennung ausreicht, um nicht als Kontaktperson 1 zu gelten. Denn beim gemeinsamen Training ist der Kontakt vermutlich auch weiterhin sehr eng.

Was genau nun den Ausschlag gab, dass beim FCN niemand sonst isoliert werden muss, bleibt vermutlich nicht-öffentlich. Dabei wäre es wichtig zu wissen, damit Fans die Maßnahmen besser nachvollziehen können. So bleibt nur zu hoffen, dass bei der “Einzelfallbewertung” die verschiedenen Gesundheitsämter nicht zu gänzlich unterschiedlichen Maßnahmen greifen. Das wäre für einzelne Teams nämlich hochgradig unfair.

Was bedeutet das für den weiteren Spielbetrieb?

Klar ist, dass sich aufgrund der steigenden Fallzahlen in der Gesamtbevölkerung auch die Fälle in den Klubs häufen werden. Und so wird es dann auch in naher Zukunft sehr viel häufiger zu dem Fall kommen, dass einzelne Teams nicht zu Spielen antreten können, da sich die Spieler in Quarantäne befinden.

Das wird dann zu einer mächtigen Durchwirbelung des ohnehin eng getakteten Spielplans führen. Vor dem Hintergrund, dass die kalte Jahreszeit gerade erst beginnt und die Fallzahlen insgesamt vermutlich noch weiter steigen werden, ist es absolut nicht ausgeschlossen, dass der Spielbetrieb in nicht allzu ferner Zukunft auch wieder für einen längeren Zeitraum ruhen muss.

Im aktuellen Fall beim FCN werden unweigerlich Erinnerungen an den März diesen Jahres wach. Denn auch damals stand eigentlich das Auswärtsspiel beim FCSP an, als zuerst FCN-Profi Fabian Nürnberger positiv getestet wurde und das Spiel bereits an den Rand einer Absage brachte, ehe der gesamte Spielbetrieb für rund zwei Monate eingestellt wurde.

Wollen wir hoffen, dass sich dieses Deja-vu nicht fortsetzt.

// Tim

MillernTon auf Twitter //
MillernTon auf YouTube //
MillernTon auf Facebook //
MillernTon auf Instagram //

Wenn Dir gefällt was wir hier tun, findest Du hier die Infos dazu, wie Du uns unterstützen kannst.