Vorbericht: Hamburger SV – FC St. Pauli

Das Derby steht an: Der Hamburger SV trifft auf den FC St. Pauli. Wieder mal. Wir hatten ja gedacht, dass der HSV aufsteigt, damit der Titel des Stadtmeisters nicht verteidigt werden muss. Welch lästige Pflicht für den FCSP! Machen wir es halt nochmal. Aber wenn wir ganz ehrlich sind, dann ist eine Titelverteidigung keine Sache, die wir im Vorbeigehen mit der linken Arschbacke erledigen. Das wird ein richtig schweres Unterfangen.
(Titelbild: Peter Boehmer)

FC St. Pauli: wer kann spielen, wer fehlt?

Schauen wir uns erst einmal an, wer bei diesem Derby leider nicht dabei sein kann: Ryo Miyaichi, Christopher Buchtmann, Guido Burgstaller, Jannes Wieckhoff und Luis Coordes fehlten bereits länger und werden auch bei der Stadtmeisterschaft nicht dabei sein. Im Training fehlte diese Woche auch Philipp Ziereis, der, sichtbar bereits im Darmstadt-Spiel, Probleme im Oberschenkel hat. Timo Schultz sagte hierzu auf der PK, dass „strukturell nichts kaputt [ist], aber es ist schon so, dass dort ordentlich Zug auf dem Muskel ist„. Das wäre schon ein herber Ausfall angesichts der nötigen Physis, die gegen einen Stürmer wie Simon Terodde nötig ist. Immerhin ist Christopher Avevor wieder fit, der womöglich direkt die Position von Ziereis einnehmen könnte. Mit jeder weiteren Woche Training wird auch James Lawrence immer mehr eine Option, allerdings ist das mit einiger Unsicherheit verbunden, da ihm komplett die Spielpraxis fehlt. Trotzdem wäre James aufgrund seiner Physis und auch seiner Führungsqualitäten in Sachen Organisation des Teams enorm wichtig.

James Lawrence – Im Derby eine Option?
(Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images/via OneFootball)

Hamburger SV: Wer kann spielen, wer fehlt?

Die personelle Situation beim HSV ist weit entspannter: Einzig Rick van Drongelen und Bakery Jatta werden sicher für das Derby ausfallen. Bakery Jatta war gerade erst nach einem Muskelfaserriss wieder genesen, nun sind es Adduktorenbeschwerden die einen Einsatz bereits gegen Würzburg unmöglich machten. Ich bin kein Mediziner oder Physiotherapeut, aber Adduktorenbeschwerden nach einem Muskelfaserriss sind der Klassiker von „zu früh wieder angefangen„. Rick van Drongelen fehlt seit seinem Kreuzbandriss, den er sich im letzten Saisonspiel 19/20 zuzog (ich muss euch gestehen, dass ich ernsthaft überlegt habe, ob ich den Ausfall von van Drongelen beim FCSP aufliste, nach seinen letzten Derby-Auftritten…).
Wieder fit sind Jeremy Dudziak und Amadou Onana. Bei beiden sagte HSV-Trainer Daniel Thioune auf der PK, dass sie eine Option für Freitag darstellen könnten. Nach Startelf-Einsatz klingt das nicht unbedingt, aber ich denke es bei Dudziak trotzdem. Auch Toni Leistner könnte nach Ende seiner 2-Spiele-Sperre wieder eine Rolle spielen.

Hat einen bemerkenswerten Saisonstart mit dem HSV hingelegt: Daniel Thioune.
(Photo by Cathrin Mueller/Getty Images/via OneFootball)

Was hat der HSV zu bieten?

Puuuuh… einiges. Die fünf Siege zum Auftakt sprechen eine deutliche Sprache. Bemerkenswert war dabei, dass der HSV sowohl taktisch äußerst flexibel spielte, aber auch, dass das Spiel unabhängig von einzelnen Spielern zu funktionieren scheint. Einen Vorteil haben die Stadtduelle für mich persönlich: Ich kann zur Vorbereitung die Taktik-Analysen von Tobias Escher lesen (hier die aus den Spielen gegen Düsseldorf, Paderborn, Fürth, Aue & Würzburg). Daraus geht hervor, dass es diese Saison schon fast alles an Formationen gegeben hat. Gegen Düsseldorf ein 4-4-1-1 und 4-2-3-1, gegen Paderborn ein 4-4-1-1 (aber eigentlich nur Chaos), in Fürth ein 4-4-2 (flach), das im Mittelfeld ne verkappte Raute war und gegen Aue ein 3-4-3 und ein 5-2-3. Alles klar?! Merken wir uns mal das 3-4-3 (offensiv) und 5-2-3 (defensiv), da das auch im letzten Spiel gegen Würzburg so gespielt wurde.
Ganz im Gegensatz zum Spiel gegen Darmstadt, die ihre Formation diese Saison noch nie änderten, hat der HSV bereits einiges ausprobiert. Das liegt vermutlich daran, dass Daniel Thioune sein Team bestmöglich auf den jeweiligen Gegner einstellen möchte. Aber gerade nach dem überzeugenden 3-0 gegen Aue hat er im Spiel gegen Würzburg die gleiche Formation aufgeboten. Aus meiner Sicht denkbar, dass wir nun auch beim Derby dieses 3-4-3/5-2-3 sehen werden.
Timo Schultz sagte zu der möglichen Formation auf der PK: „Sie sind flexibel, können Dreier- und Viererkette spielen. Die Spieler bleiben aber meistens die gleichen, deswegen ist das für mich gar nicht das große Thema.“ und machte damit gleich mal deutlich, dass es mehr auf die Prinzipien und die individuelle Spielweise des HSV ankommt.
Also: Den Fokus im Spielaufbau legt der HSV auf Überladungen einer Seite. Gegen Würzburg war dies die rechte Seite, die meist mit drei Spielern überladen wurde. Gleichzeitig boten sich auf der anderen Seite für Tim Leibold immer wieder Optionen mittels Seitenverlagerungen. Allerdings zeigte der HSV auch immer wieder, dass der Fokus auf die Flügel nicht komplett durchgezogen wird und das es dann Probleme im Gegenpressing geben kann.
Fernab von der gewählten Formation muss dann aber eingesehen werden, dass da eine bemerkenswerte individuelle Qualität im Kader vorhanden ist. Klar, Simon Terodde im Angriff ist ein Brett für jede Abwehrreihe in der 2.Liga. Ich persönlich bin beeindruckt von Moritz Heyer, der Thioune aus Osnabrück nach Hamburg gefolgt ist und sofort eine zentrale defensive Rolle übernahm. Tim Leibold ist wohl der beste Linksverteidiger / Flügelverteidiger der Liga und, auch wenn er vermutlich nicht von Beginn an spielen wird, Amadou Onana bringt ein kreatives Element ins HSV-Spiel, das letzte Saison definitiv fehlte.

Mögliche Aufstellung

Beide Trainer haben im bisherigen Saisonverlauf gezeigt, dass sie ihre Teams gerne umstellen. Ein belastbarer Tipp, welche Aufstellung denkbar ist, ist dadurch quasi unmöglich (ich habe da trotzdem mal was entworfen). Wenn beide Teams ihr Spiel aus den letzten beiden Partien auch im Derby zeigen wollen, dann dürften zwei Dreierketten aufeinandertreffen. Der FCSP könnte seine Formation im Vergleich zum Darmstadt-Spiel etwas defensiver interpretieren, wenn er denn auf Narey reagieren möchte, der seine Rolle nicht als Flügelverteidiger sondern eher als Flügelstürmer interpretiert (da könnte dann auch Paqarada statt Dittgen starten).

Klar, basierend auf dem Tabellenstand und auf dem Gehaltsgefüge ist der HSV der Favorit bei diesem Spiel. Der FCSP hat aber in den letzten beiden Spielen vor allem zu Beginn gezeigt, dass er Spiele dominieren kann. Das wird der HSV auch wollen, muss sich aber dann zwangsläufig mit den Umschaltqualitäten des FCSP befassen. Aber was sagt sowas schon für ein Derby aus? Dieses Spiel wird sehr viel weniger aufgrund der besseren Spielanlage entschieden, als es bei anderen Spielen der Fall ist. Wenn der FCSP eines in den Spielen der Saison 20/21 gezeigt hat, dann, dass sie mit unglaublich viel Einsatz und Herzblut, Mut und Selbstvertrauen ihre Spiele bestreiten. Und wenn sie das auch im kommenden Spiel zeigen, dann werden auch bei diesem Derby wieder Helden ihren Platz in der Geschichte der Stadtmeisterschaft einnehmen. Und sie werden die Farben Braun & Weiß tragen.

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Die Nummer 1 der Stadt bleiben wir – Forza!

// Tim

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