Buchrezension: „Suche Stehplatz Nord“ von Ina Bruchlos

Buchrezension: „Suche Stehplatz Nord“ von Ina Bruchlos

Wir erweitern unsere Serviceecke nützlicher Weihnachtsgeschenke – und verlosen dann auch noch zwei Exemplare, die ganz vielleicht auch noch rechtzeitig vor Weihnachten ankommen. Mehr dazu weiter unten.

Fangen wir kurz mit nützlichen, kleinen Geschenken an, die wir bereits empfohlen hatten:

Während Ihr bei Guido direkt bestellen könnt, empfehlen wir für die beiden eben genannten Bücher und das heute Folgende natürlich den Buchladen um die Ecke. Der darf wahrscheinlich nur noch heute (Dienstag) auf haben und vielleicht stapeln sich dann da die Leute, aber die meisten dieser Läden bieten auch weiterhin einen Versand oder gar eine Abholung vor Ort nach Absprache an.

Womit wir beim heutigen Buch wären: „Suche Stehplatz Nord“ von Ina Bruchlos, MTA (Minimal Trash Art).

Vor einigen Wochen telefonierte ich mit unserer Stadionsprecherin Daggie und sie erwähnte dieses Buch und die Autorin. Ich bin ganz ehrlich, ich hatte von Ina bisher noch nie gehört bzw. es halt auch noch nie geschafft, zu einer der Lesungen mit unseren Stadionsprecher*innen in der Mathilde Bar zu gehen, an denen neben Rainer Wulff und Dagmar Hansen eben auch Ina Bruchlos häufiger teilnahm.

Dementsprechend unvorbelastet hielt ich also jetzt das Taschenbuch in der Hand und hatte auch wirklich keinen Schimmer, in welche Richtung es gehen würde. Ein Kriminalroman mit Polizisten, die die Namen ehemaliger Spieler tragen? Ach nee, das war jemand anderes.

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Das Buch von Ina Bruchlos ist weder ein Roman mit einer durchgehenden Geschichte, noch ein Sachinformationen lieferndes Nachschlagewerk. Ich habe nach der Lektüre lange nach einem passenden Vergleich gesucht und bin am Ende am ehesten bei der FC St.Pauli Fußballfibel gelandet, die anhand von lauter Einzelgeschichten von diversen Personen aus der Fanszene auf eine sehr schöne Art und Weise versucht, „neuen“ Fans unseres Vereins diesen näher zu bringen.

Ina Bruchlos macht das anders, noch persönlicher natürlich – und mit einem herrlichen Blick von außen. Zumindest gibt sie vor diesen Blick zu haben und kokettiert regelmäßig damit, ja nur aus Hessen zugereist und sowieso ganz ohne Fußballsozialisation in der Familie aufgewachsen zu sein, was ihre komplette Fußballahnungslosigkeit erklärt.

Tatsächlich aber ist sie natürlich tief drin in der Materie, und das seit vielen Jahren in der Nordkurve. Sie hantiert mit Spielernamen wie Macao und Inceman, sie hat das Fan-Dasein also auch auf die harte Art kennengelernt. Im Buch nimmt sie uns mit in 25 Kurzgeschichten, die trotzdem lose miteinander verbunden sind – daher der Vergleich oben zur Fußballfibel.

Es sind Alltagsgeschichten, die alle dann doch immer wieder mit dem FCSP zu tun haben. Sei es, dass sie im Urlaub von wildfremden Menschen mit „Evil!“ angesprochen wird, weil sie eine Totenkopf-Mütze trägt, sie in einem anderen Urlaub freudig am Handyticker verfolgt, wie wir in Kaiserslautern gewinnen – während nur wenige Meter entfernt von ihr ein anderer Urlauber wutentbrannt auf sein Handy einschimpft, weil man gegen die scheiß Zecken verloren habe. Es geht um (fehlende) Fußballaffinität im Kollegenkreis, feste Rituale mit denen man als Fan über Sieg und Niederlage des Herzensvereins ganz alleine entscheidet, die Merkwürdigkeiten in Texten von Fangesängen und vieles mehr.

Jede Geschichte lässt sich über ein paar Seiten hinweg schnell weg lesen und hinterlässt am Ende jedes Kapitels gerade in Pandemiezeiten ohne eigenes Stadionerlebnis dieses wohlige Gefühl, zu wissen, dass da etwas ist, auf das man sich freut, wenn diese ganze Scheiße irgendwann endlich vorbei ist. Das da ein Haufen Menschen am Millerntor sein wird, der genau so bescheuert ist, wie man selbst. Und das man genau diese Eigenarten oftmals gegenüber Menschen, die man von „woanders her“ kennt, nicht so gut erklären kann – und vor allem auch gar nicht erklären will.

Und das Spezielle an der Erzählweise von Ina Bruchlos und damit der wirkliche Punkt, der dieses Buch von anderen Büchern über Fußball oder den FCSP abhebt, ist ihre Art, mit der Sprache umzugehen und zu spielen. Ich kann das hier gar nicht so richtig mit Beispielen belegen, ohne ganze Passagen zu zitieren – aber Ihr werdet es sehr schnell verstehen, wenn Ihr es lest. Wenn Satzbau und Wortwahl nicht Mittel zum Zweck sind, sondern eine eigene Kunstform und den Spaß am Zusammenstellen der Passagen vermitteln – dann liest man offensichtlich ein Buch von Ina.

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Vielleicht helfen Euch beim Verständnis, was ich damit meine, die beiden Leseproben, die Ihr auf der Seite des Verlags findet.

Verlosung

Womit wir beim einzigen Kritikpunkt und gleichzeitig der Chance für Euch sind, zwei Exemplare zu gewinnen: Ina vertritt die Ansicht, dass man auch Pauli ohne Sankt sagen darf, was (wie wir hier alle wissen) natürlich kompletter Quatsch ist, wenn man nicht gerade den Maulwurf meint. Vielleicht meint sie das auch gar nicht so wirklich ernst, sondern spielt nur mit der gekünstelten Aufregung (wh0000t?), aber wir nehmen das mal zum Anlass der Verlosung.
Also: Schreibt in die Kommentare, warum Pauli ohne Sankt natürlich gar nicht geht. Ihr könnt natürlich auch Inas Argumentation folgen und es andersrum versuchen, aber ob unsere streng neutrale Jury dem dann folgen kann, wissen wir nicht. Die Kommentare sind bis morgen, Mittwoch, 16.12.2020, 18.30h geöffnet (Anstoß in Würzburg) und der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Bitte gebt beim Kommentar eine korrekte e-mail Adresse an, damit wir Euch im Gewinnfall erreichen können.

„Suche Stehplatz Nord“ von Ina Bruchlos, Verlag Minimal Trash Art, Taschenbuch, 182 Seiten, 12,50€, ISBN 978-3-9814175-4-8

Update 17.12.: Danke für die vielen Kommentare, vielleicht überlegt Ina sich das ja jetzt auch nochmal 🙂
Wir haben dann doch keine Jury installiert, sondern gelost. Gewonnen haben Dani und Rummswiddel, e-mail ist raus, viel Spaß!

// Maik

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32 thoughts on “Buchrezension: „Suche Stehplatz Nord“ von Ina Bruchlos

  1. Hi Maik,
    erstmal danke für die tolle Arbeit, die ihr beim MillernTon macht. Ich besuche jeden Tag Eure Seite.
    Sankt Pauli ohne das Sankt geht gar nicht. Oder sagt man etwas Georg zu Sankt Georg? Petersburg? Peter-Ording? Patrick’s Day?!

  2. Moin und danke für eure Arbeit und auch für die tolle Gewinnchance.
    Ich habe kein Argument parat. Aber ich sing einfach ganz laut, dann lasst ihr mich bestimmt gewinnen, damit ich endlich aufhöre 😉
    „Pauli ohne Sankt ist nicht erlaubt. Pauli ohne Sankt ist nicht erlaubt. Pauli ohne Sankt ist nicht erlaubt. usw“

  3. Moin,

    eigentlich ist es ganz einfach: Was soll denn aus all` unseren Fangesängen werden (Saaaankt Pauli)?
    Aber der eigentliche Grund ist, dass wir bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag den Totenkopf durch die Stadien tragen und für das, was uns wichtig ist, einstehen werden (ich vermisse es so sehr…). Deswegen muss es auch Sankt Pauli heißen. Ganz klar!
    Macht weiter so und danke für meine tägliche Bürolektüre!

  4. Moin! Ich danke auch für Eure Arbeit und lese Euch gern und oft.
    Einfach nur Pauli ohne Sankt ist halt das, was die BLÖD „Zeitung“ jahrelang gemacht hat. Von der sollten wir uns immer und so offensichtlich wie nur möglich distanzieren. (Auch wenn natürlich nicht jeder, der nur Pauli sagt, direkt ein BLÖD Leser ist!)

  5. Sankt Pauli ist meiner Erfahrung nach eine gute Abgrenzung von wirklichen Sankt Pauli Fans zu den Leuten die beide Hamburger Vereine mögen oder den anderen Verein sogar ein wenig mehr. Außerdem wird „Pauli“ gerne von den Boulevard Medien benutzt, mit denen wir nun wirklich nichts zu tun haben möchten.
    Daher bitte Sankt Pauli, damit man gleich weiß mit wem man es zu tun hat.

  6. Hallo! Danke für die interessante Buchrezension. Macht auf jeden Fall sehr neugierig auf das Buch. Und ist einer von vielen Gründen, warum ich regelmäßig den Millernton höre und lese, da hier alles rund um den Verein einen Platz findet. Die heilige Sankt Frage führt in meinem weiteren Umfeld immer mal wieder zu Diskussionen. Das Argument, dass keiner sagt „lass mal Georg gehen“ und „Ich war im Urlaub in Gallen“ liegen mir dabei auch sehr nah, wurden allerdings schon durch ein „…sagte sie/er, und ging in die Schanze“ versucht zu entkräften. Oft habe ich diesbezüglich auch schon gehört, man hätte im Punk Umfeld der 90er Jahre auch „Pauli“ gesagt. In der Sammlung an Argumenten, die ich bisher gehört habe, ist der trivialste Beitrag wohl: „Diese Diskussion gehört genauso zu Pauli, wie das Sankt“. Ich persönlich beobachte am liebsten als schweigender Genießer.

  7. Ich las mal von einer Person, die aufgrund des „Sankt“ felsenfest der Meinung war, unser Fußballclub gehöre zur katholischen Kirche. Köstlich, diese Anekdote hätte ich ungern vermisst.

  8. Ich hab mich schließlich weiland nicht im Pauli Bad verschluckt und dann freigeschwommen. Zudem ist der Maulwurf seit Kindheitstagen sakrosankt. Also, schon zu Unterscheidungszwecken ist das Sankt vonnöten und – ganz ehrlich – gefühlt, einfach eine Form des Respekts, mal so.

    Hab ich jetzt gewonnen? ?

  9. Ich stell mich mal vor die Nord und schreie ganz laut: SAAAAANKT PAULIIII ! Und jetzt nochmal ohne Sankt: PAULIII ! Wie hört sich das denn ohne Sankt an? Genau… Völlig Beschissen! Deshalb: Pauli ohne Sankt geht gar nicht!

    Forza

  10. Moinsen,
    Also Pauli ohne Sankt, das ist wie Nachname ohne Vorname, das ist nix halbes und nix ganzes, wie wenn ein Hamburger Samstag statt Sonnabend (gesprochen: Sonnampt!!!) sagt, wie Markt ohne Fisch, wie semiprofessionelle Zahnpflege (nur Aronal oder Elmex verwenden), wie Halbzeit ohne Bier, wie ein Tor ohne Song 2, wie Spaghetti Bollo ohne Parmesan, wie Heimspiel ohne Fans, wie Laden ohne Fans, wie AFM ohne Förderer, wie Strand ohne Sand, wie Millern ohne Tor, wie Punk ohne Sauli, wie Hafen ohne Lichter, wie Roger ohne Jolly, wie Millern ohne TON!!!

    Ich gehöre eindeutig zu den sanktpaulianischen Menschen, denen das Sankt sehr wichtig bzw, im wahrsten Wortsinn heilig ist – nicht umsonst heißt unser Wahlspruch SANKT PAULI ist die einzige Möglichkeit!

    Auf der anderen Seite mag ich es auch nicht, wenn Menschen zu dogmatisch unterwegs sind.

    Von daher lasse ich lieben Leuten wie Ina auch gerne die Freiheit, Pauli zu sagen bzw. schreiben. Ich war des öfteren bei den Lesungen in der Mathilde Bar. Auch dort war das natürlich Thema. Nach meiner Wahrnehmung gehört Ina zu den Menschen, die das uns so schmerzhaft in den Ohren klingende „Pauli“ liebevoll wie einen Kosenamen (welch herrliches Oldschool-Wort!) verwenden. Die ständige Kritik daran lässt sich erst recht daran festhalten. Ina darf das! 😉

  11. Moin,
    als ich in den Achtzigern im Stadion war, gab es auch noch das „Pauli“, aber mittlerweile bin ich bekehrt und „Pauli“ ohne „St.“ geht gar nicht (mehr).
    Macht weiter so. Ihr macht das super.
    Forza
    Andreas

  12. Schwache(s) Bild / ST(arkes) Pauli

    Hey, danke für diesen tollen Tipp. Ich habe gleich drei Bücher und noch weitere von Ina beSTellt, aber laut meines Buchladens des Vertrauens dauert es 1-3 Monate, die Werke müssen nachgedruckt werden. Nachmacher!
    Da muss ich jetzt gewinnen.
    Also anders als Pauli, denn Pauli verliert und Pauli-Fans kommen nur wegen der Stimmung ; )
    Sankt Pauli ist hingegen DER magische Verein und ein lebenswerter Ort.
    Die Bezeichnung St. Pauli verhält sich Reziproke zur Benennung der Bild.
    Es gibt gute und entscheidende Zusätze. Ich lebe den Vorsatz, der zugleich anderen ein Ansatz sein soll:
    Nenne den Fußballclub St. Pauli und die Bild keinesfalls Zeitung!
    Entscheidend ist was mensch sagt und was mensch weglässt!
    Also ReSPekt! Das schaffen sogar die gegnerischen Fans mit Scheiß St. Pauli : ) wenn die schon spüren, dass Pauli eine komische Verniedlichung ist, die doof klingt und manche sich fragen, was denn diese(r) Pauli schon wieder ausgefressen hat.
    Dieses Pauli ist mehr als volljährig und hört auf den vollen Namen Sankt Pauli! Alles andere wäre lost oder endunfair (für die jüngere Zielgruppe).
    So dann magischer FC Sankt Pauli von 1910 mögest du ewig bestehen und dreifach Punkten!!!

    Anmerkung für spätere Generationen, dieser Text entstand, als St. Pauli noch nicht im Europapokal spielte, wie Petersburg : ). In der Zeit wurde viel weggelassen. So fragte sich der Autor noch, warum es außerhalb der Region so viele Kaiserslauternfans gibt und die sich auch noch als Nazis outen oder deren Partei. FCK NZS / FCK AFD

  13. Moin Maik,
    ach was wäre es langweilig ohne dich…jeden Tag zwischen den Zoom Konferenzen der Uni…ein kleiner Blick ins Millernton…und ich vermisse das Stadion .
    Pauli ohne Sankt geht einfach nicht …einfach gesagt Sankt Pauli dankt.

    Morgen wird das Auswärtsspiel gerockt…

    Bleibt gesund und genießt die etwas andere Weihnachtszeit.
    Magnus

  14. Sankt muss sein!!! Nur pauli geht ja gar nicht.Sankt pauli ist kult,ist traditionell.Tradition muss man halten und pflegen.
    Danke,toller Gewinn.würde mich freuen.)

  15. Moin Maik,
    sehr nette Rezension. Ich habe das Buch gar schon verschenkt, ohne vorher reinzublättern. Und mein letzter Gewinn war ein Fußball von Sankt Ellingen mit Unterschriften von Kevin Keegan und so Leuten. Hab ich irgendwann vor ebay weggeworfen. Von daher… Ja, also Pauli finde ich nur als Maulwurf gut und wir stellen uns mal vor, wenn wir bei unseren Liedern das Sankt weglassen würden: We love you Pauli, we do… oder We love Pauli, the fabulous Pauli, we hate the xxx oder Pauli go, Pauli go, Pauli go go go go go…Ich finde, das geht einfach nicht oder zu weit! Bleibt alle gesund und solidarisch!

  16. Warum Pauli nicht geht? Weil der gleichlautende Schiri, leicht anders geschrieben, uns beim entscheidenden Spiel um den Aufstieg Mitte der 80er verpfiffen hat. Darum!

  17. Sankt Pauli ohne Sankt ist wie Hamburger Berg ohne Hamburger. Immer noch zweckdienlich, aber keineswegs hintergründig.

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