Der FCSP an Ostern

Der FCSP an Ostern

Wir können hier ja nicht jeden Tag die Premium-Statistiken raushauen, manchmal muss es auch einfach mal 08/15-Quatsch sein. Nach all den Mühen um sinnvolle Statistiken, liefern wir heute mal wieder eine, die wirklich gar keine Aussagekraft hat, aber für die eine oder den anderen sicher eine schöne oder nicht so schöne Erinnerung hervorruft. Daher sei, vor der Partie am Ostermontag gegen Braunschweig, die Frage erlaubt wie der FC St. Pauli in den letzten Jahren an Ostern eigentlich so gespielt hat.
(Titelbild: Ostermontag 2013, Stefan Groenveld)

Ostermontag 2010: Fortuna Düsseldorf – FC St.Pauli 1:0

Das Aufstiegsjahr hatte viele schöne Auswärtsfahrten parat. Das berauschende 4:0 in Karlsruhe, das 5:1 in Koblenz, Naki und die Fahne in Rostock und nicht zuletzt der fixe Aufstieg in Fürth (das 5:0 in Aachen habe ich bewusst aus dieser Aufzählung gelassen). Insgesamt zehn Siege gab es auswärts, bei nur sieben Niederlagen. Ich (Tim) habe vier Auswärtsfahrten in dem Jahr gemacht. Die Bilanz? Vier Niederlagen. (Anm. Maik: Ich hab immerhin vier der sieben Auswärtssiege gesehen. Denk mal drüber nach, Tim…)
Am Ostermontag ging die Reise ins Kaufhaus, in dem Fortuna Düsseldorf seine Spiele bestreitet. Wir waren Tabellenzweiter (hinter der „Region“) mit zwei Punkten vor Augsburg auf dem Relegationsrang und neun Punkten vor der Fortuna auf Rang 4. Der FC Augsburg hatte am Wochenende nur 1:1 gegen Fürth gespielt und war so auf einen Punkt herangekommen, aber jetzt ein Sieg und es wären vier Punkte auf den FCA und zehn Punkte auf den dann neuen Tabellenvierten aus Duisburg.
Aber hey, wir sind der FCSP, solche Chancen nutzen wir natürlich nicht, es wäre zu langweilig. Ein müdes 0:0 zur Pause und dann ein kollektiver Defensiv-Tiefschlaf nach Wiederanpfiff, zack, 1:0 verloren, Vorarbeit Harnik.
Wie wir alle wissen gab es trotzdem ein Happy End, am nächsten Spieltag reiste der FCA an und Andreas Rettig ist sich bis heute sicher, dass der damals bei unserem 3:0-Sieg betrogen wurde. Am Saisonende feierten wir in Fürth den Aufstieg in die 1.Liga.

Ostersamstag 2011: FC St.Pauli – Werder Bremen 1:3

Die letzte Erstligasaison. Wir hatten im Februar das Derby gewonnen (Asamoah) und danach eine derart beschissene Serie hingelegt, dass seitdem das Wort „Derbyfluch“ in direktem Bezug zu Hamburg und Fußball steht. Es folgten sieben Niederlagen in Serie und dann ein Spiel beim VfL Wolfsburg mit dem „Retter“ Felix Magath, der die VW-Truppe noch vor dem Abstieg retten sollte. Ein voller Gästeblock feierte nach Halbzeitrückstand die Führung durch Naki und Lehmann und wähnte sich zurück im Rennen um den Klassenerhalt – um in der 89.Minute ein Gegentor nach Ecke zum Ausgleich zu kassieren. Fuuuuck!

Copyright: imago/Oliver Hardt via OneFootball

Das Spiel gegen Werder startete man also auf Platz 17, allerdings punktgleich mit dem VfL Wolfsburg auf Relegationsrang 16. Und durch das 1:0 von Fin Bartels nach einer knappen halben Stunde (Vorarbeit: Ralph Gunesch!) keimte Hoffnung auf – die dann durch ein Eigentor von Markus Thorandt (der heute am 1.April übrigens Geburtstag hat, alles Gute!) allerdings einen Dämpfer erhielt und durch zwei Tore von Claudio Pizarro innerhalb einer Minute dann gänzlich zum Erliegen kam.
Am Saisonende stand der Gang in die 2.Liga, die wir dann bis heute nicht mehr verlassen haben.

Ostersamstag 2012: FSV Frankfurt – FC St.Pauli 3:3

Dabei hätten wir den direkten Wiederaufstieg durchaus realisieren können, wenn… ja, wenn solche Spiele wie in Frankfurt nicht gewesen wären. Nach einem 0:0 in Düsseldorf am 28.Spieltag lagen wir zwei Punkte hinter der Fortuna auf Rang 4, davor marschierten die Frankfurter Eintracht und Fürth schon mit einigem Vorsprung, den sie auch nicht mehr hergeben sollten. Düsseldorf verlor am Gründonnerstag bei unseren Freunden von der Hansa-Kogge, die damit Alemannia Aachen zum Tabellenletzten machten. Das waren noch Zeiten.
Gut gelaunt und mit Aussicht auf Platz 3 flutete Braun-Weiß also den Bornheimer Hang beim FSV, der mit Tabellenplatz 15 auch noch ängstlich hinter sich blickte – und nach 20 Minuten stand es 3:0! Allerdings für den FSV. Carlos Zambrano hatte sich in Düsseldorf eine Rote Karte eingefangen und ohne ihn fehlte wohl die Ordnung. Immerhin nur ein Gegentor nach Ecke…
Marius Ebbers verkürzte nur drei Minuten später und kurz vor der Pause dezimierte sich der FSV per Notbremse. Den damit auch noch verbundenen Elfer verwandelte Max Kruse zum 2:3.
Halbzeit. Wiederanpfiff. Ausgleich! Fin Bartels erzielt in der 46.Minute das 3:3, also jetzt noch eine komplette Halbzeit, in Überzahl! Mit dem „Momentum“ soeben einen drei Tore Rückstand aufgeholt zu haben und eben jenem Blick auf den Relegationsrang – es ist auch hier mal wieder typisch St.Pauli, solche Vorlagen verwandeln wir einfach nicht, es blieb beim 3:3.
Und am Saisonende? Tja, da stand Fortuna auf Platz 3 – punktgleich mit dem FCSP, der als Vierter dann zuschauen durfte, wie die Düsseldorfer die Berliner Hertha in der Relegation bezwangen.
Was für eine Kacke….

Ostermontag 2013: FC St.Pauli – SC Paderborn 2:2

Wirklich geschichtsträchtig war das, was am Ostermontag anno 2013 am Millerntor passierte: Der FC St. Pauli dümpelte tabellarisch irgendwo im Nirgendwo an diesem 27. Spieltag. Nach einer ereignisarmen ersten Halbzeit ging der FCSP in der 53.Minute durch Ebbers mit 1:0 in Führung. Der SC Paderborn glich drei Minuten später aus und erzielte in der 84. Minute durch zwei auf St. Pauli nicht ganz unbekannte Spieler (Mahir Saglik nach Vorlage durch Deniz Naki) die Führung.
Und als es dann bereits in der Nachspielzeit nochmal eine Ecke(!) für den FCSP gab, hielt es auch den Torwart nicht mehr hinten

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Gründonnerstag 2014: Energie Cottbus – FC St.Pauli 1:1

Dieses Spiel war so etwas wie der Sargnagel auf sämtliche Aufstiegshoffnungen, die sich der FCSP in der Saison teilweise zurecht gemacht hatte. Der FC St. Pauli verlor am Wochenende zuvor derart dramatisch, dass die Niederlage gegen den 1. FC Kaiserlautern es sogar in unseren Artikel zu den größten Niederlagen aller Zeiten schaffte. Doch selbst nach dieser Niederlage gab es noch vage Hoffnungen auf den Aufstieg, da am folgenden Spieltag die Nr. 2 und 3 der Tabelle (Fürth und Paderborn) im direkten Duell aufeinandertrafen.
An diesem Gründonnerstag hätte der FCSP in Cottbus also vorlegen und den Rückstand auf beide Teams verkürzen können. Bis zur 87. Minute sah es aufgrund eines Tores von Lennart Thy auch danach aus. Aber ein gewisser Sven Michel, der vor wenigen Wochen für Paderborn einen vermeintlichen Elfmeter gegen den FCSP rausholte, der dann wieder vom VAR kassiert wurde, wurde damals elfmeterreif im FCSP-Strafraum gelegt – Elfmeter. Der gewohnt massiv unsympathische Ivica Banovic verwandelte spät zum Ausgleich. Fürth und Paderborn trennten sich unentschieden, Kaiserslautern und der KSC gewannen. Drei Spiele, sechs Punkte Rückstand und nur noch der sechste Tabellenrang bedeuteten den Sargnagel für die Aufstiegshoffnungen. Aus den folgenden drei Spielen gab es nur noch einen Punkt.

Ostermontag 2015: FC St.Pauli – Fortuna Düsseldorf 4:0

Hatten wir uns damals noch über vergebene Chancen im Aufstiegsrennen geärgert, sah die FCSP-Welt knappe zwölf Monate später ungleich beschissener aus. Zwar holte das inzwischen von Ewald Lienen trainierte Team in der Rückrunde bis zu diesem Ostermontag (27. Spieltag) bereits neun Punkte, allerdings bedeutete das nach einer grauenvollen Hinrunde immer noch Platz 18 (auf den sie nach der Niederlage am Spieltag zuvor gegen Union Berlin wieder gefallen waren).
Und was macht Lienen? Er lässt einen gewissen Kyoung-rok Choi direkt von Beginn an im Sturm neben John Verhoek starten. Choi hatte bis dahin noch nicht einmal eine Minute Zweitliga-Erfahrung gesammelt. Nach 16 Spielminuten in der zweiten Liga hatte er bereits zwei Tore auf der Haben-Seite, am Spielende stand noch eine Torvorlage in seiner Vita (er bereitete eines der seltenen Tore von Daniel Buballa vor). Was für ein Debüt!

Torjubel nach dem 3:0 durch Lennart Thy, auch im Hintergrund ein fröhliches und bekanntes Gesicht
(c) Imago via OneFootball

Was damals, auch durch den Rausch diesen fulminanten Debüts, niemand wissen konnte und wollte: Auf die zwei Tore zum Auftakt folgten in den drei Saisons darauf nur noch insgesamt zwei weitere – ehe Choi beim KSC landete. Nach einer Saison in der dritten Liga ist Choi nun bereits im zweiten Jahr mit dem KSC Zweitligist, überstand einen Kreuzbandriss und hat diese Saison bereits so häufig getroffen, wie in seiner gesamten Schaffenszeit für den FCSP in der 2.Liga. Da ist gar nix Böswilliges in diesen Zeilen. Vielmehr freuen wir uns, dass Choi in Karlsruhe anscheinend endlich sein sportliches Glück gefunden hat. Trotzdem vermuten wir, dass der Ostermontag 2015 in seiner Karriere nur schwer zu toppen sein wird.

Ostern 2016

Da war Länderspielpause. In diese gingen wir mit einem 2:0 in Sandhausen, heraus kamen wir mit einem 0:0 gegen Union Berlin. Wir spielten zwar gut oben mit, aber für ganz oben reichte es halt nicht, da marschierten der SC Freiburg, RaBa Leipzig und der 1.FC Nürnberg dann doch mit Abstand vorweg.

Ostersonntag 2017: FC St.Pauli – Würzburger Kickers 1:0

Zwei Jahre später befand sich der FCSP zu Ostern wieder in einer brenzligen Tabellensituation: Platz 17 nach 28 Spieltagen und erst der 2:0-Auswärtserfolg in Nürnberg zuvor eröffnete dem FCSP gegen die in der Rückrunde völlig desolaten Würzburger eine echte Option.
Die nutzte der FCSP, wenn auch spät. In der 87. Minute nahm sich Christopher Buchtmann ein Herz und erzielte das Siegtor. Das war so schön und wichtig, dass dieses Tor den Weg in einen anderen Artikel vom MillernTon schaffte.
Wer jetzt auf die Abschlusstabelle der Saison blickt und unten anfängt, wird uns lange vergeblich suchen – denn durch einen sagenhaften Schlussspurt standen wir am Ende auf Platz 7.
Absteigen mussten der KSC und Würzburg, während 1860 es noch in die Relegation schaffte… die wäre wiederum alleine schon einen Artikel wert.

Ostersonntag 2018: FC St.Pauli – SV Sandhausen 1:1

Am 28.Spieltag empfingen wir den SVS und beide Teams standen zwar im Mittelfeld – aber eben nur drei Punkte vorm Relegationsrang. Dies sollte auch nach dem Spiel so bleiben, denn die Halbzeitführung von Sami Allagui glich Gislason in der 54.Minute aus. Allagui bekam dann in der 66.Minute einen Strafstoß zugesprochen, den Bouhaddouz allerdings so kläglich vergab, wie man es selten am Millerntor gesehen hatte.

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Sami Allagui erzielt das 1:0.
Copyright: EIBNER/Selim Sudheimer via OneFootball

Auch am Saisonende waren beide punktgleich, mit 43 Punkten blieb es dann auch bei drei Punkten Vorsprung auf den Relegationsrang (Aue), wir durften Eintracht Braunschweig und „die Region“ in die 3.Liga verabschieden.

Ostersonntag 2019: 1.FC Heidenheim – FC St.Pauli 3:0

Man, das war ne Auswärtsfahrt nach Heidenheim. Nicht nur, dass wir uns dort wie fast üblich eine herbe Pleite abholten (der 4:3-Sieg diese Saison waren die ersten Punkte, die der FCSP überhaupt an der Brenz einfahren konnte), nein, die Fahrt selbst war auch ein „Erlebnis“.
Der Fanladen hat das sehr passend zusammengefasst. Schnell weg hier, die Saison beendeten wir mit 49 Punkten auf Platz 9.

Ostern 2020

Tja… da war schon Pandemie und die DFL hatte eine Pause verordnet.

Die Gesamtbilanz seit 2010

Neun Spiele, zwei Siege, vier Unentschieden, drei Niederlagen, 13:14 Tore seit 2010. Mit einem Sieg würden wir diese Waage dann ins Gleichgewicht bringen.
Im Gleichgewicht ist bereits die Bilanz am Ostermontag, denn da gab es bisher einen Sieg, ein Unentschieden und eine Niederlage – Sieg und Niederlage übrigens jeweils gegen Fortuna Düsseldorf, beide Male gewann das Heimteam.
Ach ja, die Heimbilanz: Fünf der neun Spiele über Ostern fanden am Millerntor statt – und in der zweiten Liga sind wir noch ungeschlagen, lediglich in der Erstligasaison gegen Werder verloren wir. In den vier Heimspielen der 2.Liga gab es zwei „zu Null“-Siege und zwei Unentschieden – wobei das Tor von Tschauner gegen Paderborn ja auch ein gefühlter Sieg war.
Um das Mal zusammenzufassen: An einem Ostermontag in der 2.Liga am Millerntor kann der Sieger eigentlich nur FC St.Pauli heißen, eh klar – wenn das Spiel denn stattfindet.

// Tim & Maik

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