Vorbericht: FC St. Pauli – SSV Jahn Regensburg (5.Spieltag, 21/22)

Vorbericht: FC St. Pauli – SSV Jahn Regensburg (5.Spieltag, 21/22)

Am Sonntag empfängt der FC St. Pauli den aktuellen Spitzenreiter der 2.Liga am Millerntor. Das damit der SSV Jahn Regensburg gemeint ist, ist sicher etwas ungewohnt, aber evtl. etwas an das wir uns in dieser Saison gewöhnen müssen. Den FCSP erwartet ein richtig schweres Spiel, da Regensburg seine Stärken genau in den Bereichen hat, die dem FC St. Pauli in seiner aktuellen Form weh tun können. Aber natürlich gibt es auch Wege, wie Regensburg zu schlagen ist.
(Titelbild: Peter Böhmer)

(hört euch zur weiteren Vorbereitung auch gerne das das Vor-dem-Spiel – Gespräch von Bobby mit Florian vom Turmfunk und 1889fm an)

FC St. Pauli: Wer kann spielen, wer fehlt?

Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel (bisher noch kein Link verfügbar) berichtete Timo Schultz nicht viel Neues aus dem Lazarett:
Christopher Avevor und Igor Matanović sind noch weit weg von Einsätzen, da sie sich noch gar nicht wieder im Training befinden. Näher dran sind da bereits Etienne Amenyido und Luca Zander, die zumindest am Mittwoch wieder das Lauftraining aufgenommen haben, aber für Sonntag noch keine Option sind.
Etwas anders ist die Sachlage bei Jannes Wieckhoff und Sebastian Ohlsson. Beide sind bereits letzte Woche wieder ins Training eingestiegen, Wieckhoff war sogar im Kader gegen Paderborn. Aber sind beide eine Option für die Startelf? Schultz ist nicht sicher: „Das ist die Frage, die ich bis Sonntag beantworten muss“ – Er zählt daher auch noch Christian Viet und Adam Dźwigała als mögliche Optionen auf.
In der Innenverteidigung wird James Lawrence zum Einsatz kommen. Und das obwohl dieser laut Timo Schultz „noch nicht bei 100% ist„. Damit bricht Schultz ein wenig mit seinem Grundsatz nur komplett fitte Spieler spielen zu lassen, was aber in diesem Fall sinnvoll erscheint.

Timo Schultz gibt Anweisungen im Training. Er muss sein Team ein wenig umstellen.
(c) Peter Böhmer

SSV Jahn Regensburg: Wer kann spielen, wer fehlt?

Tja, hier bleibt es dieses Mal leider leer. Denn die Pressekonferenz findet vermutlich erst im Laufe des Freitags statt und ich bin gezwungen diesen Artikel bereits vormittags zu veröffentlichen. Allerdings: Die Liste der verletzten Spieler ist ohnehin kurz. Vor dem letzten Spiel gegen Schalke fehlte nur Aygün Yildirim, der vor der Saison neu aus Verl nach Regensburg gekommen ist. Ansonsten scheinen alle Spieler fit zu sein. Das ist gerade bei dem körperlich sehr fordernden Fußball, den Regensbrug spielt bemerkenswert.

Was hat Regensburg zu bieten?

Ich hatte diese Woche bereits einen Artikel veröffentlicht, den ich euch an dieser Stelle empfehlen möchte. Da habe ich beschrieben, warum Jahn Regensburg momentan mit 12 Punkten aus vier Spielen ganz oben steht. Nur so viel: Es gibt gute Gründe dafür und es ist sicher alles andere als ein Zufall.
Ein eingespieltes Team, das physisch stark ist und erstklassig im Pressing. Da fragte ich mich: Wo sind die Schwächen? Timo Schultz gibt die Antwort: „Gerade im klassischen 4-4-2, wenn sie nach vorne verteidigen, bieten sie Räume auf den Seiten, aber vor allem hinter der letzten Kette. Ich denke, wenn man die erste Pressinglinie überspielt hat, das man dann mit Tiefgang einiges bewirken kann.

Schauen wir aber noch etwas genauer auf das Personal. Denn endlich kann ich Blog-Kollege Maik mal diesen Begriff um die Ohren knallen: Inverted Winger, Digga! Das ist einer der Kniffe mit dem Jahn Regensburg versucht die Gegner auszuspielen. Mit Linksfuß Jan-Niklas Beste auf der rechten Seite haben sie einen Spieler, der immer wieder gefährlich nach innen zieht. Beste ist eigentlich gelernter Linksverteidiger, kommt aber diese Saison auf rechts sehr gut zurecht und hat zuletzt gegen Schalke mit einem Tor und einer Vorlage geglänzt. Das ein Linksfuß auf rechts spielt ist sicher in Sachen Verteidigung recht ungewohnt, aber beim FC St. Pauli bestens bekannt. Denn mit Finn Ole Becker (Linksfuß, spielt rechte Halbposition) und Marcel Hartel (beidfüßig) spielt der FCSP mit ähnlichem Muster, wenngleich aus einer ganz anderen Position.

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Ich habe Timo Schultz mal gefragt, wie man auf so eine Spielweise reagiert. Sehr zu meiner Freude holte er etwas länger aus: „Grundsätzlich werden wir da nicht so viel verändern müssen. Aber es ist schon so, dass sie den Ball schnell hinter die Kette spielen können und in Abschlussposition kommen, wenn sie nach innen ziehen. Das verändert vielleicht das individuelle Anlaufverhalten unserer Außenverteidiger, um sie noch mehr nach außen zu lenken. Wenn du aber die Räume verdichtet hast und kompakt stehst, wenn Rautenspieler in den Halbräumen anwesend sind und der Sechser auf der Seite unterstützen kann, dann ist auch gar nicht der Raum da, um nach innen zu ziehen. Es sind also eher Sachen auf die sich unsere Außenverteidiger individuell einstellen müssen.“

Jan-Niklas Beste, gelernter Linksverteidiger, hat sich zuletzt auf der rechten Offensivseite in den Vordergrund gespielt.
(imago images/via OneFootball)

Auf der anderen Seite im Mittelfeld spielt mit Sarpreet Singh sicher einer der aufregendsten und talentiertesten Spieler der 2.Liga. Die Leihgabe von Bayern München hatte bereits letzte Saison versucht in der 2.Liga Fuß zu fassen. Aber irgendwie war das Engagement in Nürnberg für alle Seiten unglücklich, sodass er bereits vor Ablauf der Saison wieder in die U23 des FC Bayern zurückkehrte. Er ist enorm schnell und technisch richtig stark, wie bereits geschrieben ein Spieler, der von außen gerne nach innen zieht und mit bereits fünf Scorerpunkten Ligaspitze ist.

Das Herz des Spiels von Jahn Regensburg befindet sich aber im zentralen Mittelfeld: Benedikt Gimber und Max Besuschkow spielen auch diese Saison gemeinsam bei Jahn Regensburg. Das wundert mich ehrlich gesagt ein wenig. Ich hatte erwartet, dass einige Klubs im Sommer Interesse an diesen Spielern haben und auch bereit gewesen wären ein wenig Geld in die Hand zu nehmen. Vielleicht war das auch der Fall, keine Ahnung. Für mich ist dieses Duo auf jeden Fall wohl das beste der Liga. Vor allem deshalb, da sie sich mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten perfekt ergänzen. Schauen wir uns die Radar-Daten der beiden einmal an:

Performance-Daten von Benedikt Gimber (links) und Max Besuschkow (rechts) im Vergleich zum Ligadurschnitt.

Benedikt Gimber würde ich eher als Typ „klassischer Sechser“ bezeichnen. Er hat klar seine Stärken im Defensivverhalten, fängt enorm viele Bälle ab, bestreitet viele Boden- und Luftzweikämpfe. Max Besuschkow hingegen ist eher für die kreativen Momente im Spiel aus der Mittelfeldzentrale zuständig. Er hat deutlich weniger defensive Aktionen als Gimber, spielt dafür aber im Schnitt doppelt so viele Pässe, legt Torschüsse auf und geht selbst gerne mit in den Strafraum. Interessant: Beide Spieler haben gleich viele Torschüsse abgefeuert. Gimber allerdings fast alle (wenn nicht im Rahmen einer Standardsituation) außerhalb des Strafraums, was den erheblich schlechteren xG-Wert erklärt.

Ich habe bei der PK auch explizit nach diesen Spielern gefragt (und da ich ein Fan von Max Besuschkow bin, wollte ich auch wissen, ob Timo Schultz den auch gerne in seinem Team hätte. Aber dabei holte ich mir eine blutige Nase…). Timo Schultz nennt die Doppel-Sechs „zwei sehr gute Spieler, die sich über die letzten Jahre in der 2.Liga zu absoluten Top-Spielern entwickelt haben„. Er hebt ihre Stärken in der Defensive hervor, aber eben auch, wie die Daten es ebenfalls zeigen, die Pässe von Besuschkow in das letzte Drittel.

Mögliche Aufstellung

Eine Veränderung der Formation beim FC St. Pauli ist gegen Jahn Regensburg nicht zu erwarten. Auch personell dürfte sich nur dort was ändern, wo es durch Sperren oder Verletzungen notwendig ist. James Lawrence wird den gesperrten Philipp Ziereis ersetzen, trotz Fitnessrückstand. Auf der rechten Abwehrseite setze ich auf Sebastian Ohlsson. Der ist zwar im Training ein paar Schritte hinter Wieckhoff zurück, aber dürfte gegen Singh die bessere Wahl sein. Es gibt also Gründe für beide, Ohlsson und Wieckhoff, in der Startelf zu stehen.

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Im Angriff dürfte neben Guido Burgstaller Doppel-Derby-Torschütze Simon Makienok starten. Der FC St. Pauli benötigt ihn um das Pressing von Regensburg auch mal (oder ganz häufig?) überspielen können. Allerdings: Aufgrund seiner Geschwindigkeit dürfte Maximilian Dittgen körperliche Vorteile gegen das Innenverteidiger-Duo Breitkreuz und Kennedy sowie Sechser Gimber haben.

Auf Seiten von Jahn Regensburg stellt sich die Frage nach der Formation. Sowohl im 4-2-3-1, aber auch im 4-4-2 mit zwei Sechsern wurden in dieser Saison schon Spiele bestritten. Und da bisher alle Partien gewonnen wurden, wurden diese Partien auch erfolgreich bestritten. Der Unterschied der Formationen ist aber auch gar nicht mal so groß. Es kommt darauf an, ob sich Andreas Albers im Sturmzentrum orientiert oder aus einer etwas tieferen Position als Zehner agiert. Defensiv dürfte Regensburg ohnehin im bereits bekannten 4-4-2 stehen.

Was soll ich sagen: Ich habe ein ganz mieses Gefühl. Aber das hatte ich zum Abschluss der Hinrunde 20/21 auch und der FC St. Pauli zeigte damals, dass sie der unangenehmen Spielweise von Regensburg etwas entgegen setzen können. Dazu muss der FCSP aber an seine absolute Schmerzgrenze gehen, darf sich nur ganz wenige Fehler im Aufbau erlauben und muss irgendwie das massive 4-4-2 von Regensburg knacken. Das ist allein schon aufgrund der physischen Stärke der Regensburger eine schwere Aufgabe. Der FC St. Pauli hat aber vor allem in der Vorsaison gezeigt, dass er auch gegen solche Teams bestehen kann. Sicher ist: Es wird ein unfassbar intensives Fußballspiel am Millerntor.

Forza!

//Tim

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(Sofern nicht anderweitig markiert, stammen sämtliche Statistiken von Wyscout)

4 thoughts on “Vorbericht: FC St. Pauli – SSV Jahn Regensburg (5.Spieltag, 21/22)

  1. Eine Frage stelle ich mir: Wie wäre es mit Benatelli anstelle von Smith. Klar, Smith ist eine absolute Bank in der Defensive, aber Benatelli hat in der letzten Saison oft gezeigt, dass er auch unter hohem (Pressing)Druck die Situation spielerisch lösen kann.

    1. Ja, das stimmt und eine Doppel-Sechs bestehend aus Smith und Benatelli wäre auch echt der Hammer. Da Albers sich aber auch gerne auf die 10 fallen lässt (der bestreitet die meisten Kopfballduelle der gesamten Liga), bracuhst Du da besonders gegen Regensburg einen kopballstärkeren Spieler als Benatelli.

  2. Hallo zusammen,
    ich wollte einfach mal ein ganz dickes Kompliment loswerden für die professionelle, sachliche und hoch kompetente Analyse unseres SSV Jahn. Respekt. Der FC St. Pauli ist ein super sympathischer Verein, dem ich auch den Aufstieg gönne. Wenn euer Trainerteam uns genau so gut analysiert wie ihr machen sie schon einmal den größten Fehler der anderen Vereine nicht – nämlich uns in der momentanen Form zu unterschätzen. Ich freue mich riesig darauf, am Sonntag endlich mal live im Millerntor-Stadion zu sein. Auf ein super Spiel.
    Herzliche Grüße aus Regensburg
    Martin

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