{:de}Ich hasse Länderspielpausen?{:}{:en}I hate international breaks?{:}

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Keine Frage, ja, definitiv: Es gibt im Profifußball kaum etwas Unnötigeres als Länderspielpausen. Einen nicht unerheblichen Teil zu dieser Abneigung trägt es immer bei, wenn der FC St. Pauli gut in Form ist und dann von solch einer Pause aufgehalten wird. Auf der Suche nach den Schuldigen für die Niederlage in Hannover habe ich also die Länderspielpause ausgemacht. Die hat den FCSP, mal wieder, die gute Form genommen, möchte ich doch bitte meinen! Aber ist das wirklich so? Es ist mal wieder Zeit für wirre Statistiken.
(Titelbild: Peter Böhmer)

Die Rechnung ist einfach: Vor der Länderspielpause hat der FC St. Pauli ein wirklich berauschendes Spiel gegen Regensburg gezeigt und nach der Pause war es die doch recht blutleere Vorstellung in Hannover. Hat die Länderspielpause also den Wind aus den Segeln genommen? Und ist das ein wiederkehrendes Problem? Schauen wir uns mal die Fakten an:

Die Bilanz der letzten 14 Länderspielpausen zeigt, dass es so einfach nicht ist (schade eigentlich). Denn die Kombination „Sieg davor/Niederlage danach“ gab es nundas erste Mal mindestens innerhalb der letzten 14 Länderspielpausen (weiter habe ich nicht geschaut, da mir die Sinnlosigkeit dieser Tätigkeit mehr uns mehr bewusst wurde).
Die letzte Pause im März 2021 unterbrach die Siegesserie des FCSP nicht (davor: Sieg in Osnabrück; danach: Sieg gegen Braunschweig). Anders war es im November 2020, als vorher gegen den KSC und danach in Paderborn verloren wurde. Zur Ehrenrettung des Gefühls „Länderspielpausen zerstören den FC St. Pauli“ (was ich zu gerne als Titel genommen hätte) sei gesagt, dass gerade die Pause im November 2020 zu einem doch recht deutlichen Bruch in der Spielkultur sorgte. Gegen den KSC zeigte der FCSP, wie auch in den Spielen davor, eine ansprechende Leistung, während es danach bekanntlich steil bergab ging. Im Oktober 2020 gab es aber sogar eine Verbesserung: Der FCSP verlor in Sandhausen, es kam die Länderspielpause und danach holte man einen Punkt zuhause gegen Nürnberg.

Davor gab es corona-bedingt lange Zeit keine Länderspielpause. Die letzte war im November 2019. Da holte der FCSP vorher gegen Bochum einen Punkt und dann, nach der Länderspielpause, verlor das Team in Aue. Stimmt also, der FC St. Pauli holte nach der Länderspielpause weniger Punkte als vorher. Aber ob das auch so gewesen wäre, wenn wir vorher in Aue gespielt hätten? Also dort, wo wir bis zur Vorsaison immer einen auf den Deckel bekommen haben? Mmh, es scheint alles also nicht auf die Pause an sich bezogen werden zu können.

Aber man sollte das natürlich auch nicht einfach auf die Ergebnisse reduzieren. Denn im Oktober 2019 holte der FCSP einen Punkt gegen Nürnberg vor der Länderspielpause. Dieser Punkt war das sechste Spiel in Serie, welches nicht verloren wurde (3 Siege, 3 Unentschieden). Es folgte eine Niederlage gegen Darmstadt nach der Pause. Das war der Start in eine Serie von sieben sieglosen Spielen (3 Unentschieden, 4 Niederlagen). Gibt es also doch einen Zusammenhang?

Der Blick in die noch tiefere Vergangenheit zeigt, dass es sich nur um ein Gefühl handelt. Im März 2019 setzte es zwei herbe 0:4-Niederlagen (eine in Sandhausen) und dann, nach der Länderspielpause holte man einen Punkt gegen Duisburg.
In den vier Pausen davor war das Ergebnis vor und nach der Länderspielpause identisch: Zwei Unentschieden im November 2018, zwei Siege im Oktober 2018, zwei Niederlagen im September 2018. Nein, es lässt sich kein Trend in den Daten erkennen, überhaupt nicht. Bezeichnend sind da die Länderspielpausen im März 2018 und Oktober 2017. Da spielte der FC St. Pauli beide Male zuerst 1:1 gegen Kaiserslautern und nach der Pause folgte jeweils ein 1:1 gegen den SV Sandhausen. Einen Zusammenhang zwischen Länderspielpausen und der Leistung des FC St. Pauli ist da nicht auszumachen.

Durch den Treffer von Johannes Flum gewann der FCSP vor der Länderspielpause gegen Heidenheim mit 1:0 – auch nach der Pause konnte der FCSP gewinnen: Waldemar Sobota sorgte für den 1:0-Auswärtserfolg in Nürnberg. Ein Trend ist also nicht zu erkennen.

Die Bilanz der letzten 14 Spiele liest sich dann auch entsprechend: Vor den Länderspielpausen hat der FC St. Pauli 4x gewonnen, 5x remis gespielt und 5x verloren. Nach Länderspielpausen gab es drei Siege, sechs Unentschieden und vier Niederlagen. Kein Trend zu erkennen.

Aber woher kommt das Gefühl, dass uns Länderspielpausen immer die Form zu nehmen scheinen. Immerhin bin ich nicht die einzige Person, die dieses Gefühl schon mehrfach geäußert hat. Ich habe da eine Idee:
Länderspiele finden seit Jahren in recht starren Korridoren statt. Es gibt eine Phase Ende März, dann im Sommer während der Turniere, eine Phase Anfang September, eine Mitte Oktober und eine Ende November. Gerade die letzten drei Abstellungsperioden fallen in Phasen, in denen der FC St. Pauli seit Jahren nicht wirklich gut spielt. Ich könnte nun Punkteschnitte der einzelnen Monate ausrechnen, aber ich kann auch einfach auf diesen Artikel verweisen. Der zeigt nämlich, dass seit Jahren im Herbst ein eigenartiger Blues einsetzt rund ums Millerntor. So entsteht dann vermutlich das Gefühl, dass da irgendwie ein Zusammenhang mit den Länderspielpausen besteht.

Ich kann Länderspielpausen auch weiterhin nicht ausstehen. Selbst dann noch, wenn sie nicht als Kryptonit für den FCSP taugen. Eigentlich kann ich sie nun sogar noch viel weniger leiden, jetzt, wo ich sie noch nicht einmal für Niederlagen des FC St. Pauli verantwortlich machen kann.

//Tim

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No question, yes, definitely: there is hardly anything more unnecessary in professional football than international match breaks. A not inconsiderable part of this dislike is always contributed when FC St. Pauli is in good form and they are held back by such a break. So, in my search for the culprits for the defeat in Hannover, I pinpointed the international break. It took away FCSP’s good form, once again, I would like to think! But is that really the case? It’s time for some confused statistics again.
(Cover picture: Peter Böhmer)

The calculation is simple: Before the international break, FC St. Pauli showed a really exhilarating game against Regensburg and after the break, it was the rather anaemic performance in Hannover. So did the international break take the wind out of the sails? And is this a recurring problem? Let’s take a look at the facts:

The balance of the last 14 international breaks shows that it is not that simple (a pity actually). Because the combination „win before/lose after“ occurred for the first time at least during the last 14 international breaks (I didn’t look any further because I became more and more aware of the futility of this activity).
The last break in March 2021 did not interrupt FCSP’s winning streak (before that: win at Osnabrück; after that: win against Braunschweig). It was different in November 2020, when they lost beforehand against KSC and afterwards in Paderborn. In defence of the sentiment „international breaks destroy FC St. Pauli“ (which I would have loved to have taken as a title), it should be said that the break in November 2020 caused quite a clear break in the culture of the game. Against KSC, as in the games before, FCSP showed an appealing performance, while after that, as is well known, things went steeply downhill. In October 2020, however, there was even an improvement: FCSP lost at Sandhausen, the international break came and then they picked up a point at home against Nuremberg.

Before that, there was no international break for a long time due to Corona. The last one was in November 2019, when FC St. Pauli got a point against Bochum and then lost at Aue after the international break. So it’s true, FC St. Pauli picked up fewer points after the international break than before. But would that have been the case if we had played in Aue before? That is, where we always got our asses kicked until pre-season? Mmh, so it doesn’t seem that everything can be related to the break itself.

But of course, you shouldn’t just reduce it to the results either. Because in October 2019, FCSP picked up a point against Nuremberg before the international break. This point was the sixth match in a row that was not lost (3 wins, 3 draws). This was followed by a defeat against Darmstadt after the break. That was the start of a series of seven winless games (3 draws, 4 defeats). So is there a connection after all?

A look into the even deeper past shows that it is only a feeling. In March 2019, there were two bitter 0:4 defeats (one at Sandhausen) and then, after the international break, they picked up a point against Duisburg.
In the four breaks before that, the results before and after the international break were identical: two draws in November 2018, two wins in October 2018, two defeats in September 2018. No, there is no trend to be seen in the data, not at all. Significant here are the international breaks in March 2018 and October 2017, when FC St. Pauli first played 1-1 against Kaiserslautern both times, followed by a 1-1 draw against SV Sandhausen after the break in each case. A connection between international breaks and the performance of FC St. Pauli is not discernible.

Johannes Flum’s goal gave FCSP a 1-0 win over Heidenheim before the international break – FCSP also won after the break: Waldemar Sobota ensured the 1:0 away win in Nürnberg. So there is no trend to be seen.

The record of the last 14 matches reads accordingly: Before the international breaks, FC St. Pauli won 4x, drew 5x and lost 5x. After the international breaks, there were three wins, six draws and four defeats. No trend to be seen.

But where does the feeling come from that international breaks always seem to take away our form? After all, I’m not the only person who has expressed this feeling several times. I have an idea:
International matches have taken place in fairly rigid corridors for years. There is a phase at the end of March, then in the summer during the tournaments, a phase at the beginning of September, one in mid-October and one at the end of November. Especially the last three set-aside periods fall in phases in which FC St. Pauli has not really played well for years. I could now calculate point averages for the individual months, but I can also simply refer to this article. It shows that for years there has been a strange blues around the Millerntor in autumn. This probably creates the feeling that there is somehow a connection with the international breaks.

I still can’t stand international breaks. Even when they’re no good as kryptonite for FCSP. Actually, I like them even less now that I can’t even blame them for FC St. Pauli’s defeats.

//Tim (translation by Arne)

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6 thoughts on “{:de}Ich hasse Länderspielpausen?{:}{:en}I hate international breaks?{:}

  1. Moin, jetzt müsstest Du aber noch schauen, wann denn wie viele Spieler von uns bei den Länderspielen in Einsatz bzw. zumindest bei ihren Nationalmannschaften waren 🙂
    Wie vorhin schon beschrieben, hatte ich nicht den Eindruck, das Kofi & Becker bei 100% waren …

  2. Nu komm bitte nicht mit Fakten und Punkten und so.
    Nach Länderspielpausen ist immer alles schlechter als vorher 🙂

    Im Ernst – vielleicht ist es das Gefühl, die Hoffnung, dass es nach der Länderspielpause doch besser werden müsste, weil z.B. Neuzugänge integriert werden können, Verletzte zurückkommen, neue Trainer ihre Philosopie weiter vertiefen können usw. usf,, die in der Vergangenheit zu oft enttäuscht wurden und dadurch der Eindruck entstanden ist, dass die Pausen an sich für uns schlecht sind. Wo es danach „normal“ läuft, nimmt man es nicht wahr.
    Aber, wenn vorher irgendwelche Sachen nicht liefen, von denen man vergebens hoffte, dass sie danach besser werden oder wenn – wie jetzt – gute „Läufe“ negativ fortgesetzt werden, dann verfestigt sich die „böse Länderspielpause“.

    Und unabhängig von allem sind diese Pausen einfach Mist. 🙂

  3. Danke für diese mal wieder sehr gelungene Analyse.
    Gefühlt waren diese leidigen Länderspielpausen nämlich für mich ebenso zumindest mit ursächlich für den Leistungsabfall. Tja, was kann nun mensch davon mitnehmen? Selektive Wahrnehmung ist ein schlechte Beraterin.

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