Bericht von der Kollaustraße – 16.11.21

Bericht von der Kollaustraße – 16.11.21

Endlich war der MillernTon mal wieder beim Training des FC St. Pauli. Nach anderen beruflichen Verpflichtungen, einem ausgedehnten Urlaub und der ersten Welle an verschiedensten Krankheitserregern aus dem Kindergarten, war beim gestrigen Training mal wieder ein Besuch möglich. Und dieser hat sich gelohnt.

Da ich das letzte Mal im September an der Kollaustraße zu Gast war, hatte ich komplett vergessen, mich angemessen einzukleiden. Man kann nicht behaupten, dass es kalt war. Ich würde es eher arschkalt nennen. So verbrachte ich dann die guten zwei Stunden Training damit die Linie auf- und abzutigern, während ich dem Treiben auf dem Trainingsplatz folgte. Das nächste Mal erscheine ich da als Mumie aus Winter-Klamotten.

Erfreulicherweise war der Trainingsplatz richtig voll. Es fehlten nur vier der fünf Nationalspieler (Vasilj, Becker, Irvine und Lawrence). Daniel-Kofi Kyereh war bereits wieder beim Training, da Ghana schon am Sonntag gegen Südafrika gespielt hatte. Zudem fehlten nur noch zwei weitere Spieler: Christopher Avevor und Jannes Wieckhoff, beide bekanntlich mit langfristigen Verletzungen. Alle (!) anderen Spieler waren mit auf dem Trainingsplatz. Es war richtig voll.

Lukas Daschner und Franz Roggow machten das Aufwärmprogramm mit dem Team mit, spulten danach aber ein individuelles Programm ab. Dabei handelte es sich bereits um eine erheblich intensivere Form des Trainings, als die „leichten Läufe“, die kurz nach der Rückkehr von Verletzungen abgespult werden. Es gab mit dem Athletik-Trainer Sprint- und Kraftübungen und zudem noch einige Passübungen. Zum Abschluss knallten sie dann noch Bälle quer über den Platz und übten auch noch ein paar Torschüsse. Die Schritte bis zum Team-Training scheinen nicht mehr ganz so weit entfernt.
Falls ihr mal etwas genauer wissen möchtet, wie der Aufbau nach Verletzungen beim FC St. Pauli aussieht, könnt Ihr beim Abendblatt (€) vorbeischauen. Dort wird beschrieben, wie das Aufbautraining nach Verletzungen aussieht: Es sind sowohl klinische und objektive Tests notwendig, aber auch ein Test in „sportspezifischen Bewegungsmustern“, die es zu bestehen gilt, bevor ein Spieler wieder ins Team-Training einsteigen kann. Bei Daschner und Roggow scheinen aktuell noch die Zweikämpfe zu fehlen, ansonsten sah das bei den beiden schon wieder sehr nach Fußball aus.

Nach dem üblichen Aufwärmprogramm von etwa einer halben Stunde (Kyereh absolvierte nur das Aufwärmprogramm und drehte danach mit Daschner und Roggow ein paar Runden), teilte sich das Team der Feldspieler dann auf und absolvierte zwei unterschiedliche Übungen: Eine Gruppe wurde von Loïc Favé betreut, die andere von Fabian Hürzeler. Wie eigentlich immer, wenn ich beim Training zuschauen konnte, lag der Fokus auf dem Passspiel und den Umschaltmomenten. Unter Anleitung von Favé traten zehn Spieler im 4-gegen-4 plus zwei neutrale Spieler an, die zwar mitkombinieren durften, aber den Ball immer nur mit einem Kontakt weiterleiten mussten. Auf einem kleinen Feld versuchte sich das ballführende Team durchzukombinieren. Sobald der Ball verloren ging, konnte das andere Team versuchen den Ball auf dem kleinen Feld in eines der vier kleinen Tore zu schießen. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass es da ordentlich zur Sache ging, vor allem nach Ballverlusten.
Unter Anleitung von Fabian Hürzeler wurden neun Spieler in 3er-Gruppen aufgeteilt. Ich würde die Übung als eine fortgeschrittene Form von „Schweinchen in der Mitte“ bezeichnen. Ein 3er-Team war in der Feldmitte und konnte mit einem Spieler das ballführende 3er-Team in einer Zone angreifen. Dieses 3er-Team musste eine gewisse Anzahl von Pässen miteinander spielen, bevor es den Ball auf die andere Seite des Spielfelds verlagern konnte (flach durch den Bereich, in dem zwei Gegenspieler versuchten den Ball abzufangen), wo das dritte Team wartete, den Ball entgegennahm und wieder Pässe zählte, bis es wieder den Ball rüber spielen durfte. Für das Team im Zentrum war das eine sehr laufintensive Angelegenheit.

Fabian Hürzeler lässt sich nicht nur intensive Übungen einfallen, er begleitet diese auch intensiv. Er zählt immer zu den lautesten Personen auf dem Trainingsplatz.
(c) Peter Böhmer

Der Fokus beider Übungen lag klar auf dem Kombinationsspiel und den Umschaltmomenten. So langsam aber sicher erklärt sich mir immer mehr, warum es dem FC St. Pauli offensiv gelingt, ein so atemberaubendes Passspiel aufzuziehen. Denn es wird eigentlich immer in verschiedensten Trainingsformen trainiert. Zudem wird bei allen Übungen immer irgendwie umgeschaltet. Es geht jedes Mal irgendwann darum, im Vollsprint über den Platz zu wetzen. In den Übungen war die Intensität schon echt richtig hoch und der Ehrgeiz spür- und sichtbar (etwa wenn Eric Smith nach verpatztem Pass gleich mal wutentbrannt einen Ball mit 200 Sachen über den Trainingsplatz drosch).

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Im Anschluss folgte eine gemeinsame Spielform (allerdings ohne Leart Paqarada, der noch zwei Runden drehte und dann Feierabend hatte). Wieder ging es ums Umschalten: In zwei Spielfeldern gab es Unterzahl-Situationen für das eine oder andere Team. Wurde der Ball vom Überzahl-Team verloren, brachte ihn das andere Team in das zweite Spielfeld, wo sie selbst eine Überzahl hatten und versuchten ein Tor zu erzielen (auf ein großes Tor). Auch diese Übung beinhaltete das Element des „Zwischensprints“ nach Ballverlust/-gewinn.
Nach rund 90 Minuten gab es dann noch ein paar Steigerungsläufe, ehe sich die Spieler zur zweiten Einheit in den Kraftraum verzogen.

Ich muss gestehen, dass ich die genauen Regeln der Übungen nur erahnen konnte bzw. sie mir beim Anblick der Übung zusammenreimte. Denn einmal mehr befand sich das Team auf dem hinteren Teil des Rasenplatzes an der Kollaustraße. Da sind es dann doch immer noch einige Meter, die zwischen Medien und Spielern liegen und entsprechend schemenhaft sind manchmal die Einblicke, die man bekommt.
Während des Trainings konnte ich aber mit einem der Greenkeeper sprechen, der am vorderen Teil des Rasens werkelte und einige kahle Stellen im Rasen durch frisches Grün ersetzte. Warum er den Platz gerade jetzt bearbeitet? Weil es sein könnte, dass im Winter auf dem vorderen Teil des Rasens trainiert wird. Da wurde mir trotz nahendem Gefrierbrand an den Füßen plötzlich ganz warm ums Herz…

//Tim

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7 thoughts on “Bericht von der Kollaustraße – 16.11.21

  1. In Niendorf ist es also offenbar bedeutend kälter wie im restlichen Teil Hamburgs. 😉 Und verstehe ich deinen letzten Absatz richtig, dass bisher ausschließlich Medien beim Training zugelassen sind?
    Geniales Titelfoto btw. Da haben sicherlich einige Regen – und Sonnentage aufs Schild eingewirkt, dass es zu so einem Kunstwerk heran reifen durfte. 🙂

  2. Vielen Dank für den Bericht. Spannend wäre jetzt mal eine komplette Trainingswoche 😉 um die Zusammenstellung der Schwerpunkte bewerten zu können.

    1. Ja, wir auch. Zugang zum Training gibt es wöchentlich aber nur an zwei Tagen durchschnittlich. Wenn der SPieltag näher rückt, wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert.

  3. Ahoi!
    Vielen Dank für Deinen Einsatz und den Bericht!
    Besonders hat mich beim Lesen gefreut, mal wieder das Wort „wetzen“ in dieser Bedeutung zu lesen 😎
    („Es geht jedes Mal irgendwann darum, im Vollsprint über den Platz zu wetzen.“)
    Sehr schön!
    Freue mich au viele weitere Beiträge!
    Forza FCSP & Millernton 💪

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