Vorbericht: Holstein Kiel – FC St. Pauli (18.Spieltag, 21/22)

Vorbericht: Holstein Kiel – FC St. Pauli (18.Spieltag, 21/22)

Am Freitag beendet der FC St. Pauli sein wirklich erfolgreiches Fußballjahr 2021 mit dem Auswärtsspiel bei Holstein Kiel. Tabellarisch sieht das nach einer deutlichen Angelegenheit aus. Aber das ist es nicht. Denn Holstein Kiel steht zu Unrecht da unten. Und der FC St. Pauli wohl auch ein bisschen besser, als es zu erwarten wäre.
(Titelbild: Peter Böhmer)

Hört gerne zur Vorbereitung in das „Vor dem Spiel“-Gespräch von Yannick mit mit Marc von 1912FM rein.

FC St. Pauli: Wer kann spielen, wer fehlt?

Es hat sich nichts getan im Vergleich zum letzten Spiel gegen Düsseldorf in der Kader-Zusammensetzung. Alle Spieler, die gegen Düsseldorf einsatzfähig waren, werden es aller Voraussicht nach auch gegen Kiel sein, so berichtet es Timo Schultz auf der Pressekonferenz vor dem Spiel.
Das bedeutet leider auch, dass Simon Makienok weiter ausfallen wird, da er sich weiterhin in Quarantäne befindet. Auch für Lukas Daschner kommt das Spiel noch zu früh. Schultz betonte zwar, dass Daschner große Fortschritte im Training macht, aber er sei noch keine Option für das Spiel in Kiel. Zudem werden Christopher Avevor und Jannes Wieckhoff noch einige Zeit ausfallen.

Vier verletzte Spieler und das schon über einen längeren Zeitraum. Das ist eine wirklich gute Ausgangslage, um den Konkurrenzkampf um die Kaderplätze hoch zu halten. Timo Schultz hebt genau das hervor und betont, dass es „einige Jungs gibt, die mit den Hufen scharren„. Das lichte Lazarett führt sogar zu absoluten Härtefällen: Schultz nennt das Beispiel Adam Dźwigała, der gegen Nürnberg nach Einwechslung zum 3:1 traf, im folgenden Spiel gegen Düsseldorf jedoch nicht einmal zum Kader zählte. Das zu moderieren ist sicher nicht ganz einfach, aber so ein Konkurrenz-Kampf dürfte auch zu Höchstleistungen auf dem Platz führen.

Timo Schultz hat einige „Härtefälle“ im Kader zu moderieren.
(c) Peter Böhmer

Holstein Kiel: Wer kann spielen, wer fehlt?

Die Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den FC St. Pauli fand am heutigen Donnerstag mit Trainer Marcel Rapp statt.
Innenverteidiger Marco Komenda wird ausfallen, nachdem er sich im Hinspiel gegen den FC St. Pauli den Mittelfuß brach. Auch Ahmed Arslan fällt bereits längere Zeit aus, da er sich im Saisonfinale 20/21 das Kreuzband gerissen hat. Beide trainieren zwar bereits wieder mit, sind aber noch keine Option für das morgige Spiel. Letzte Woche fehlte auch Außenverteidiger Johannes van den Bergh, der sich die Hand gebrochen hat. Er wird ebenfalls erst wieder im nächsten Jahr einsatzfähig sein. Ansonsten sind aber alle Spieler einsatzbereit. Das bedeutet, dass auch Joshua Mees, der auf der offensiven Außenbahn spielt und bereits vier Saisontore erzielt hat und mit Oberschenkelproblemen letzte Woche gegen Sandhausen fehlte, wieder eine Option ist.

Was hat Holstein Kiel zu bieten?

Mehr als es die aktuelle Tabellen-Situation vermuten lässt. Holstein Kiel ist brutal schlecht in die Saison gestartet, hat die ersten drei Spiele mit 0:3 verloren. Im Anschluss konnte sich das Team ein wenig stabilisieren, holte aber im Vergleich zu den Vorjahren deutlich weniger Punkte.
Etwas überraschend folgte dann der Paukenschlag Ende September: Nach einem erneuten 0:3 (gegen Hannover) trat Ole Werner als Trainer zurück. Mit ihm verließ auch wenige Wochen später Co-Trainer Patrick Kohlmann den Klub. Was anfangs noch Fragen aufwarf, wurde dann Ende November klar: Kohlmann wurde Co-Trainer von Ole Werner bei Werder Bremen. Fabian Boll blieb Kiel als Co-Trainer erhalten.

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Neuer Trainer in Kiel wurde Marcel Rapp, der zuvor die Jugend-Abteilungen in Hoffenheim durchtrainierte und auch für einige Spiele das Bundesliga-Team coachte. So richtig viel geändert hat sich zumindest in den Ergebnissen nicht. Holstein Kiel ist zwar in den Spielen stabiler geworden und kann vor allem offensiv mehr liefern: Unter Rapp hat das Team in jedem Spiel mindestens einmal getroffen. Zuvor erzielte das Team in neun Spielen fünfmal keinen Treffer. Trotzdem hängt das Team weiter auf Platz 15 in der Tabelle fest.

Die Statistiken lesen sich sogar noch etwas besser als die ersten Ergebnisse von Rapp als neuer Trainer. Holstein Kiel ist ein echter Underperformer. Sowohl die eigenen als auch die gegnerischen xG-Werte zeigen, dass Kiel durchaus fünf Tore mehr erzielt und fünf weniger gefangen haben könnte.
Überraschend überzeugend sind vor allem die Offensiv-Statistiken. Die lesen sich eher wie die eines Spitzenteams: Siebtmeiste Torschüsse, zweitmeister Ballbesitz, viertmeiste Pässe ins Angriffsdrittel mit zweitbester Quote, dazu das zweikampfstärkste Team der Liga. Das allein zeigt bereits, dass wir hier nicht das übliche Duell von Platz 15 gegen Platz 1 erleben werden. Holstein Kiel ist viel stärker, als es der Tabellenplatz vermuten lässt.
Das hebt auch Timo Schultz auf der PK hervor. Er betont, dass Holstein Kiel „sicher etwas underperformed“ hat und ist der Überzeugung, dass sich die Diskrepanz zwischen den xG-Werten und den real erzielten Toren „einpendeln“ wird und Kiel sich entsprechend ins Mittelfeld der Liga absetzen dürfte.

Holstein Kiel wird nominell in einem 4-1-4-1 auflaufen. Das spielen sie bereits längere Zeit so und da hat auch der Trainerwechsel nichts dran geändert. Diese Formation passt gegen das Spiel des FC St. Pauli eigentlich so gar nicht. Das hat z.B. das Hinspiel gezeigt, aber auch Sandhausen ist gegen den FCSP so ins Spiel gestartet und zuletzt stellte Düsseldorf, warum auch immer, mitten im Spiel auf diese Formation um und bekam erheblich Probleme. Angesprochen darauf sagte Timo Schultz, dass Kiel zwar nominell in einem 4-1-4-1 spiele, diese Formation aber, wie im letzten Spiel gegen Nürnberg, gerne in ein 4-2-3-1 umgewandelt werde. Es dürfte Alexander Mühling sein, der dann die Position neben Lewis Holtby einnimmt. So richtig überzeugt mich diese Doppel-Sechs zwar nicht, aber mit Holtby auf der Position ist Kiel stabiler.

Zentral für die Kieler Spielweise ist seit Jahren Innenverteidiger Hauke Wahl. Der wird von Timo Schultz als einer der „besten Spieleröffner der Liga“ bezeichnet. Vor allem sein Andribblen, das Überspielen der Linien und dass er selbst teilweise nachgeht sei „außergewöhnlich„. Ich persönlich würde, wenn auch mit Abstrichen, auch Innenverteidiger-Kollege Stefan Thesker eine große Stärke im Spielaufbau attestieren. Die guten Pässe beider Spieler zu verhindern wird eine besondere Aufgabe in diesem Spiel sein für den FC St. Pauli. Timo Schultz betont aber auch, dass sein Team es in den letzten Spielen gegen Hauke Wahl gut verteidigt habe und sagte, dass sein Team eher woanders Probleme hatte. Trotzdem bleibt das Aufbauspiel aus der Innenverteidigung eines der Herzstücke von Holstein Kiel.

Mögliche Aufstellung

Die Stärke des Kieler Kaders zeigt sich vor allem darin, dass verletzte Spieler qualitativ hochwertig ersetzt werden können. Johannes van den Bergh wird von Mikkel Kirkeskov ersetzt, der in der letzten Saison laut Statisitk einer der besten Linksverteidiger der Liga war. Sollte Joshua Mees ausfallen, dürfte er erneut von Fabian Reese ersetzt werden. Reese ist einer der produktivsten Spieler der Liga, ist enorm schnell und hat viel Zug zum Tor. Und er ist auch immer… wie soll ich das ausdrücken?… emotional bei der Sache. Sicher ein Spieler, an dem ich mich ziemlich aufreiben kann.

Das Offensivspiel von Holstein Kiel hat einen klaren Fokus auf Stürmer Benedikt Pichler. Der kam kurz vor Ende der Transferphase im Sommer für die Kieler Rekordablöse von 1Mio € von Austria Wien und hat nach den üblichen Anpassungsproblemen inzwischen richtig Fuß gefasst: In den letzten sieben Spielen hat Pichler fünf Tore erzielt. Er ist ganz sicher der Spieler, auf den es, aufgrund seiner Geschwindigkeit, in der Offensive zu achten gilt.

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Beim FC St. Pauli dürfte die Innenverteidigung wieder aus James Lawrence und Philipp Ziereis bestehen. Schultz hob hervor, dass die beiden in den letzten Spielen einen „astreinen Job hingelegt“ haben und erzählte, dass Jakov Medić von seiner Maske wohl doch etwas mehr beeinflusst war als gedacht. Angesichts der Leistungen von Ziereis und Lawrence sei es nun an Medić, der „nicht nur aufholen, sondern überholen muss„.
Ein ähnlich hochklassigen Konkurrenzkampf sieht Timo Schultz auf der Halbposition im Mittelfeld zwischen Jackson Irvine und Finn Ole Becker. Angesprochen auf mögliche Defizite von Becker betont er, dass Beckers Nicht-Nominierung nicht daran liege, dass dieser schlechte Leistungen zeige. Vielmehr sei es die gute Leistung von Irvine, seine physische Stärke und doch deutlich unterschiedliche Spielweise, die den Ausschlag gibt. Gerade gegen das zweikampfstärkste Team der Liga dürfte Irvine wichtig werden.

Die einzige Änderung mit der ich rechne, ist der Startelf-Einsatz von Maximilian Dittgen. Der passt einfach sehr gut auf das Kieler Spiel, insbesondere auf die Spielweise von Hauke Wahl, der gerne mal andribbelt und damit seine Position verlässt. Tiefe Läufe der Gegenspieler sind da ein probates Mittel, wenn es zu Umschaltmomenten kommt. Aber es erscheint ebenfalls möglich, dass der spielstarke Igor Matanović wieder in der Startelf stehen wird und damit ein wenig besser die Verbindungen zwischen den Mannschaftsteilen erschaffen werden. Ich weiß es nicht genau.
Marcel Rapp betont jedenfalls, dass sie ihre Art und Weise der Verteidigung auf den FC St. Pauli anpassen werden. Er spricht davon, dass sie sowohl mal hoch verteidigen werden, um den FCSP nicht ins Spiel kommen zu lassen, es aber auch mit tiefer Staffelung spielen, um die tiefen Läufe zu verhindern. Es dürfte daher erneut ein unruhiges Spiel werden.

Was ich aber weiß: Das wird am Freitag ein richtig schweres Spiel. Denn Holstein Kiel ist viel stärker als die jetzige Tabellen-Situation es vermuten lässt. Der FC St. Pauli tut gut daran diese Konstellation für die 90 Minuten zu vergessen und nicht davon auszugehen, dass allein spielerische Klasse reichen wird. Holstein Kiel ist, auch wenn ich einen Vorteil aufgrund der Kieler Formation beim FC St. Pauli sehe, ein ziemlich happiges Ende eines aufregenden Fußballjahres des FC St. Pauli.

Forza!
//Tim

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(Sofern nicht anderweitig markiert, stammen sämtliche Statistiken von Wyscout)

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