FCSP vs. SVD – Zahlen und Einzelkritik

FCSP vs. SVD – Zahlen und Einzelkritik

Mich erreichte nun schon mehrfach das Anliegen, dass es die Analysen massiv aufwerten würde, wenn es eine Art Einzelkritik zu den Spielern geben würde. Das probiere ich mal aus. Daher gibt es nachfolgend zu jedem FCSP-Spieler daten-basierte Einschätzungen seiner Leistung aus dem Spiel gegen Darmstadt 98.
(Titelbild: Peter Böhmer)

Zusätzlich zu den Werten und Einschätzungen der Einzelspieler, gibt es auch einige Team-Statistiken, die ich präsentieren möchte. Diese dienen dann sicher auch als Erklärung dafür, warum das Spiel am Samstag aus meiner Sicht ein sehr gutes gewesen ist (hier die Analyse).

Zu den Einzelspielern gibt es neben einigen Kern-Statistiken auch noch zwei Ratings, von whoscored und sofascore. Beide Webseiten sind frei nutzbar und liefern automatische, daten-basierte Ratings zu den Spielern. Welche Daten den Ratings zugrunde liegen, ist nicht ganz klar. whoscored hat eine kleine Erklärung zum Rating, ohne aber zu sehr ins Detail zu gehen. Auch sofascore hat das mal dargestellt. Grundsätzlich gilt (Skala von 1 bis 10): Alle Werte unter 6 sind schlecht. Der Mittelwert liegt bei 6.6. Alles über 7 ist gut. Um ein Rating über 8 zu bekommen, muss es schon außergewöhnlich gut sein.

Daten-basierte Einschätzungen sind aus meiner Sicht besser, als rein subjektiv ermittelte Noten, die an Spieler verteilt werden. Das ist dann auch der Grund, warum ich mich bisher mit Einzelkritiken zurückgehalten habe: Ich möchte ganz ungern subjektive und schlecht unterfütterte Einschätzungen raushauen. Inzwischen ist die Datenlage rund um Fußballspiele aber vielfältig, sodass aus der Vielzahl an Daten eine einigermaßen aussagekräftige Einzelkritik gewonnen werden kann.

Team-Statistiken

Der FC St. Pauli hätte den Sieg verdient gehabt. Selten zeichnen die Statistiken eines Spiels ein so deutliches Bild, wie die des Spiels gegen Darmstadt. In allen relevanten Statistiken (abgesehen von den erzielten Toren natürlich) war der FCSP klar besser als die Lilien.

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expected Goals
Wyscout: 2.1 – 0.9
Bundesliga.de: 2.5 – 1.3
fivethirtyeight: 2.0 – 1.4

Nur fünf Ligaspiele gab es in dieser Saison, in denen der FC St. Pauli einen höheren eigenen xG-Wert vorzuweisen hatte. Die 23 Torschüsse, die das Team abgab sind sogar Rekord in dieser Saison. Gleiches gilt auch für eine ganze Reihe an Pass-Statistiken: Nie war die Anzahl an gespielten Pässen (671), an Pässen ins letzte Drittel (103; +Erfolgsquote von 77%) und an progressiven Pässen (119) höher als im Spiel gegen Darmstadt. Nur ein einziges Mal fuhr das Team mehr als die 60 Positionsangriffe von Samstagabend in einem Spiel.
Gemessen an diesen Daten ist ein eigener offensiver xG-Wert von etwas mehr als Zwei eigentlich schon deutlich zu wenig. Und das ist dann sicher auch der eine große Vorwurf (neben unzureichender Defensivarbeit vor dem 0:1), den sich das Team anhören muss: Aufwand und Ertrag standen nicht im Verhältnis zueinander.

Einzelkritik

Nikola Vasilj
whoscored: 6.2; sofascore: 6.4

Verbrachte einen eher ruhigen Abend und musste nur ganz selten eingreifen. Fing sich allerdings zwei Gegentore bei einem PSxG-Wert von 1.4 (wyscout). Was zur Hölle ist PSxG bitte?! xG-Werte werden ja auf Grundlage der Situation im Moment des Torschusses berechnet. Es kann aber auch nach dem Torschuss berechnet werden, dann handelt sich um einen „post-shot“ xG-Wert. Dieser berücksichtigt die Qualität des Torschusses und auch nur solche Torschüsse, die wirklich auf das Tor gehen.

So verändert sich dann der Wert für Darmstadt auch ein wenig: Der PSxG-Wert liegt bei 1.4 und ist höher als die 0.9, die wyscout als xG-Wert ausgibt. Das passiert deshalb, weil die Qualität der Torschüsse höher gewesen ist. Vier Torschüsse gab es auf das Tor von Vasilj. Die ersten beiden saßen. Beim ersten Gegentor war er machtlos, beim zweiten vielleicht etwas unglücklich (Tor-Wahrscheinlichkeit 2%), in der zweiten Halbzeit reagierte er zweimal gut. Ansonsten war er nahezu beschäftigungslos.

Deutschland, Hamburg, 23.04.2022, Fussball 2. Bundesliga 31. Spieltag, FC St. Pauli - SV Darmstadt 98 im Millerntor-Stadion Leart Paqarada (FC St. Pauli) nach dem Spiel enttaeuscht
Leart Paqarada war auch gegen Darmstadt 98 einer der besten Spieler im Trikot des FC St. Pauli.
(c) Peter Böhmer

Leart Paqarada
whoscored: 7.6; sofascore: 7.9 134(!) Ballkontakte

Man misst Paqarada ja gerne an Offensivaktionen, aber dabei wird oft vergessen, wie wichtig er auch in der Defensive ist. Zehn von 13 Defensivduellen hat er gewonnen und auch deshalb wird er sowohl von whoscored, als auch von sofascore als bester FCSP-Spieler geführt.
Offensiv stand er aber sinnbildlich für den vielen Aufwand, der wenig Ertragreiches brachte: 13 Flanken schlug Paqarada in diesem Spiel (Rekord in dieser Saison). Gute sechs davon kamen beim Mitspieler an. Direkte Torschuss-Vorlagen gab er drei (was dann für ihn durchschnittlich ist – expectedAssist-Wert: 0.5) und nur beim Rückspiel gegen Erzgebirge Aue hatte er mehr Ballaktionen als Samstagabend. Ein gewohnt starker Leart Paqarada.

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Jakov Medić
whoscored: 6.3; sofascore: 6.9 – Pass-Rekorde

Tja, und da stehe ich nun zwischen den Stühlen. Zwischen guten Statistiken und einem Gegentor, dessen initialer Fehler aus meiner Sicht bei Jakov Medić liegt. Statistiken sind und bleiben halt nicht alles. Aber sie helfen sicher dabei, die Leistung von Medić objektiver zu bewerten, als ihn nur an der Situation vor dem 0:1 zu bemessen. Defensiv trat er wenig in Erscheinung, gewann aber alle seine Duelle, sowohl in der Luft (sogar das Kopfballduell vor dem 0:1 gewann er…), als auch am Boden und konnte einige Bälle klären und abfangen.

Richtig gute Statistiken legte Medić im Passspiel hin: 20 von 22 Pässen im letzten Drittel erreichten einen Mitspieler. Sowohl die Anzahl, aber auch die Quote bedeuten Saison-Rekord für ihn. Zudem suchte Medić bei fehlenden Anspielstation auch nicht selten selbst den Weg nach vorne, was die sechs progressiven Läufe zeigen (ebenfalls Saison-Rekord). Mit einem Wert von +2.7 war er der Spieler mit der höchsten Pass-Effizienz (Bundesliga.de) auf dem Platz (was ist Pass-Effizienz?).

Philipp Ziereis
whoscored: 6.8; sofascore: 7.1 – Defensiv stabil

Viel aktiver als sein Innenverteidiger-Kollege war Philipp Ziereis in der Defensive: 18 direkte Duelle, 12 gewonnen, dazu je neun Bälle abgefangen und geklärt – ein wirklich guter Arbeitsnachweis eines Innenverteidigers. Blieb dafür offensiv wesentlich blasser als Medić. Zusammen würde ich das als gelungene Arbeitsteilung in der Innenverteidigung bewerten.

Adam Dźwigała (bis 45. Minute)
whoscored: 5.8; sofascore: 6.1

So richtig einfach war das nicht für Adam Dźwigała gegen Darmstadt. Denn es war genau seine Abwehrseite, welche die Lilien als Schwachpunkt ausgemacht hatten. Da der FCSP meist über links spielt (gegen die Lilien waren es 43% der Angriffe, was sogar eher unterdurchschnittlich ist (36% Mitte, 20% rechts)), war es die rechte Abwehrseite, auf die der Gegner schnell nach Ballgewinn kommen wollte, wie SVD-Trainer Lieberknecht nach dem Spiel erzählte.

Es war also ein eher schwieriger Tag für Adam Dźwigała, was auch durchschnittliche Statistiken anzeigen (3 von 7 Duellen gewonnen, keine Interception, keine Ballklärung). Auch offensiv konnte er wenig Akzente setzen (vier Pässe ins Angriffsdrittel, ein Torschuss, ein Offensivduell). Nach 45 Minuten war Schluss für ihn.

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Luca Zander (ab 46. Minute)
whoscored: 6.6; sofascore: 6.5 – offensiver positioniert

Mit Luca Zander kam ein Rechtsverteidiger für Dźwigała ins Spiel, der offensiver agieren sollte. Den Wechsel erklärte Timo Schultz mit dem Gegenspieler: Denn es war Stürmer Luca Pfeiffer, der auf der linken Darmstädter Seite startete. Ein offensiver Rechtsverteidiger sollte ihn mehr unter Druck setzen.
Mehr Offensivaktionen als Dźwigała hatte Zander auf jeden Fall (das bessere Rating dürfte vor allem dadurch entstanden sein, weil er mehr Aktionen im gegnerischen Drittel hatte). Ob diese aber immer so gelungen sind, ist eine andere Frage. Den 13 Flanken von Paqarada stehen Null von Dźwigała und eine von Zander gegenüber. Ohne hier das ganz große Fass aufmachen zu wollen, muss ich trotzdem loswerden: Diese Position ist und bleibt einer der Schwachpunkte beim FC St. Pauli.

Deutschland, Hamburg, 23.04.2022, Fussball 2. Bundesliga 31. Spieltag, FC St. Pauli - SV Darmstadt 98 im Millerntor-Stadion Luca-Milan Zander (FC St. Pauli)
Luca Zander sollte nach seiner Einwechslung die Offensive auf rechts beleben, was aber nur bedingt gelang.
(c) Peter Böhmer

Jackson Irvine (bis 83. Minute)
whoscored: 6.5; sofascore: 6.7 – ball-winning midfielder

Fing zusammen mit Ziereis die meisten gegnerischen Pässe ab (neun) und verzeichnete insgesamt die meisten Ballgewinne für den FC St. Pauli (19). Keine Frage, Irvine füllt die Rolle auf der Sechs defensiv sehr gut aus, wenn er dort benötigt wird. Das ist schon richtig stark.
Schaltete sich aus Gründen der Rückraum-Sicherung äußerst selten in die Offensive ein und holte sich leider seine fünfte Gelbe Karte ab, sodass die Sechser-Position beim Spiel gegen Nürnberg äußerst kritisch werden könnte.

Marcel Hartel (bis 75. Minute)
whoscored: 6.3; sofascore: 6.3 – Achter-Zwilling #1

Ebenfalls in dieser Saison das fünfte Mal mit Gelb verwarnt und daher auch gegen Nürnberg gesperrt. Hatte vor allem in den direkten Duellen einen schweren Stand und gewann ungewohnt wenige (nur 32%). Im Passspiel jedoch gewohnt sicher und ebenso wie Medić mit Pass-Rekord ins letzte Drittel.
Grundsätzlich bot das 4-1-4-1 von Darmstadt viele Möglichkeiten zum Einlaufen in die Tiefe für die beiden Achter des FCSP. Genutzt wurde das relativ selten, was ja aber so etwas wie das Kern-Thema von Hartel und Becker ist.

Finn Ole Becker (bis 83. Minute)
whoscored: 6.2; sofascore: 6.7 – Achter-Zwilling #2

Abgesehen von der fünften gelben Karte, kann der Text über Hartel auch direkt für Finn Ole Becker übernommen werden. Probleme in direkten Duellen (und für Becker ungewohnt auch bei Dribblings – nur eines von sechs Duellen gewonnen), Rekord im Passspiel. Allerdings findet das alles auf einem niedrigeren Level als bei Hartel statt. So wirklich überzeugt hat mich das leider nicht.

Daniel-Kofi Kyereh
whoscored: 6.5; sofascore: 6.7 – same, same, but different

Daniel-Kofi Kyereh spielte in dieser Saison nie mehr erfolgreiche Pässe als im Rückspiel gegen Darmstadt (46) und wurde auch noch nie so häufig angespielt (36x). Das ist auch Ausdruck einer doch eher veränderten Spielweise. Denn Kyereh agierte ein gutes Stück tiefer als sonst. „Nur“ drei Ballkontakte im gegnerischen Strafraum (im Schnitt deutlich mehr als vier) bestätigen das. Was ebenfalls eher ungewohnt war: Kyereh ging nur ein einziges Mal ins Dribbling (Schnitt: sechs). So kam dann auch „nur“ eine Torschussvorlage und zwar vier Torschüsse, aber aus schlechteren Positionen (xG: 0.2 – Saisonschnitt: 0.4) zustande. Mir gefällt es besser, wenn Kyereh häufiger den Weg in die Tiefe sucht.

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Etienne Amenyido (bis 45. Minute)
whoscored: 6.1; sofascore: 6.7 – Warten auf die Besonderheit

Ich geb’s zu: Ich tue mich ganz schwer mit der Spielweise von Etienne Amenyido. An guten Tagen, wie zu Beginn der Rückrunde, legt er Tore auf und erzielt welche. An nicht so guten Tagen, wird er zur Halbzeit ausgewechselt, wie jetzt gegen Darmstadt. Nur 40% seiner Ballaktionen waren erfolgreich. Klingt nach wenig, ist aber die Regel bei ihm (bei seinen starken Spielen Anfang des Winters war es sogar immer nur ein Drittel an erfolgreichen Aktionen). Genauso, wie weniger als 30% gewonnene Zweikämpfe und neun Ballverluste in 45 Minuten. Wie soll so eine Leistung also bewertet werden? Wenn er trifft, wäre alles gut und wenn nicht, dann halt nicht? Schwierig. Sicher ist aber, dass ein Team auf dem Platz nur einen Risikospieler wie Amenyido verträgt.

Lukas Daschner (ab 46. Minute)
whoscored: 7.5; sofascore: 7.1 – der Durchbruch?

Und so kommen wir zu einem anderen Spieler, der ebenfalls in die Kategorie Risikospieler zu zählen ist. Lukas Daschner hat 14 Bälle verloren, also mehr als Amenyido, aber Daschner war auch wesentlich aktiver. 30 direkte Duelle hat er geführt. Das sind mehr als alle anderen Spieler auf dem Feld. Und das in nur 45 Minuten. Satte 18 dieser Duelle hat er gewonnen, was für einen Offensivspieler ein sehr guter Wert ist. Acht Ballkontakte im Strafraum, mehr als 70% Erfolgsquote bei Dribblings, 78% bei Offensivzweikämpfen, dazu auch richtig griffig im Gegenpressing und letztlich mit seinem ersten Pflichtspieltreffer für den FC St. Pauli.

Im Vorbericht auf das Spiel stand: „Ich persönlich würde mir wünschen, dass wir nach dem Spiel noch freudig daran denken, dass dieser 31. Spieltag 2022 der lang ersehnte Durchbruch von Lukas Daschner gewesen ist.“ – Ich denke, dass dieser Wunsch wahr geworden sein könnte.

Deutschland, Hamburg, 23.04.2022, Fussball 2. Bundesliga 31. Spieltag, FC St. Pauli - SV Darmstadt 98 im Millerntor-Stadion Jubel bei Lukas Daschner (FC St. Pauli) nach seinem Tor zum 1:2
Könnte dieser 31. Spieltag 21/22 endlich der lang ersehnte Durchbruch von Lukas Daschner gewesen sein?
(c) Peter Böhmer

Guido Burgstaller
whoscored: 6.9; sofascore: 7.7

Ja, wäre besser und vor allem einfacher, wenn er treffen würde. Aber Guido Burgstaller darf nicht (nur) an Toren gemessen werden. Vor allem bei so einem Spiel wie gegen Darmstadt nicht. 88 Ballaktionen bedeuten persönlichen Rekord diese Saison. Gleiches gilt für die 41 Pässe, die er spielte. Drei Torschussvorlagen sind es ebenfalls. Die vielen Tore aus der Hinrunde fehlen trotzdem.

Die drei Einwechselspieler, die nach der 75. Minute reingekommen sind, habe ich mal ausgeklammert, weil da die Datenlage natürlich ziemlich dünn ist. Interessant ist übrigens, dass whoscored die Spieler von Darmstadt 98 etwas besser bewertet als die des FCSP. Der Mittelwert liegt bei 6.9, während der des FCSP 6.5 beträgt – da dürfte die einzige Statistik in die Bewertung mit eingeflossen sein, die nicht zu Gunsten des FC St. Pauli ausgegangen ist: Das Torverhältnis.
// Tim

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Sofern nicht anders markiert, stammen sämtliche Statistiken von Wyscout.

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16 thoughts on “FCSP vs. SVD – Zahlen und Einzelkritik

  1. Interessante Einschätzungen, gelungenes Format, wie ich finde.

    Zur Einschätzung, dass Darmstadt nur in einer einzigen relevanten Statistik vorne gelegen habe, nämlich bei den Toren, dann aber ohne Wertung hier noch die Ergänzung aus dem „Abendblatt“, dass die gewonnenen Zweikämpfe mit 121:149 an Darmstadt gegangen sind. Fand ich nicht uninteressant und auch nicht irrelevant.

  2. Toller Bericht, mein Bauch rumort dabei aber ordentlich mit meiner Wahrnehmung im Stadion…

    Vor allem bei beiden IV’s. Medic war bei seinen Ballannahmen unsicher, gerade zweite Halbzeit hat D98 ihm ja bewusst die Räume um die Mittellinie gegeben, a la wir gegen Drongelen damals. Medic suchte da händeringend einen Abnehmer, weil er in dem Raum sonst nur den hohen Ball in den Strafraum brachte. Genau das wollte D98 ja, weil sie im Zentrum gut standen. Auch die hohen Halbfeldbälle von Ziereis waren nicht wirklich fordernd für deren Abwehr. Und das Medic zu Ziereis und zurück wirkte auf mich wie ’nimm ihn, ich bin ihn los‘.

    Defensiv. Viele lange Bälle gingen auf Pfeiffer, damit hat der viele Kopfballduelle gegen Dzwigala und alle gegen Zander gewonnen. Gut für die IV-Statistiken 😉. Die Kopfballklärungen von Medic und vor allem Ziereis sind aber sehr häufig nicht bei uns gelandet, sondern beim Gegner nah unseres Strafraumes. Das auch, wenn wir genug Mann in der Nähe hatten. Damit sieht dann auch Irvine schlecht aus, weil er als Sechser sich dann in erster Linie darum kümmern muss, das wieder dichtzumachen. D98 hat den Ball bei deren Klärungen viel besser kontrolliert und zum eigenen Mann gebracht.

    Becker, Härtel… D98 war griffiger und bissiger, daher ja auch deren viele gewonnene Zweikämpfe. So attackiert man als Gegner ja auch spielerische Ansätze. Und wenn wir uns da nicht mit mehr Bewegung ohne Ball und Hilfe der Mitspieler in der Nähe zeigen, wird das ein unangenehmer Abend für unser Mittelfeld, weil wir da aber auch nicht so robust aufgestellt sind und gegenhalten. Wir müssen Gegner zum Reagieren bringen, dann haben wir auch im MF die Räume, leider auch schwer, wenn man keine langen Verlagerungen auf die rechte Seite mehr spielt.

    Kurzum, bei allen guten Statistiken hat D98 sich exellent auf uns eingestellt und unsere Schwachstellen attackiert.
    Natürlich haben sie auch das Glück, dass eben ein Burgstaller nix trifft.

  3. Einstellung schlägt Talent. *pling*

    Letztendlich sind diese ganzen Statistiken immer nur eine Randnotiz. Einstellung, Körpersprache, „zulaufen“ von Passwegen etc. lässt sich dort nur bedingt ablesen. Darmstadt hatte richtig Bock zu verteidigen. Sieht man bei uns (subjektiv?) nicht bzw. viel zu wenig. Oder sagen wir: Es kommt nicht rüber. Überhaupt nicht.
    Dazu kommt die o.g. Zweikampfstatistik. Mein Trainerkollege sagt immer: „Wer die Zweikämpfe gewinnt, gewinnt das Spiel.“ Klingt einfach und nach Floskel, ist aber zumeist zutreffend.
    V.a. wenn die Zweikämpfe an richtiger Stelle (und zum richtigen Zeitpunkt) gewonnen werden. Und genau da kranken Statistiken dann und wann.

    Ob jetzt in der Mannschaft etwas nicht stimmt (Stichwort: ungeklärte Zukunftsperspektiven etc.) oder ob der Charakter des Teams einfach „so“ ist, weiß ich nicht.
    Was ich weiß: Bleiben wir diese Saison hinter dem hsv, wird 2021/22 sportlich im Mülleimer der Vereinshistorie landen und im Grunde war dann alles wertlos.

  4. Gerne regelmäßig diese Einzelkritiken. Danke auch an @Kanne.

    Die Ausfälle von Hartel und Irvine eröffnen auch Chancen, die erfolglose Truppe aufzubrechen. Vielleicht kommt jetzt der große Moment von Daschner und Buchti? Und ich kann mir nicht vorstellen, dass Schulle noch mal Dzwigala und Amenyido aufstellt. Insofern mind. 4 Wechsel, die hoffentlich die Wende bringen.

  5. Ich schließe mich an, lese ähnliches gerne wieder. Ich empfand den Text wertschätzend und trotzdem kritisch den Spielern gegenüber, die einen schwierigeren Abend hatten. Und gerade deswegen angenehm.

    Gute Besserung dir und deiner Familie, Tim!

  6. Danke für diese Fleißarbeit. Ich finde es super, da endlich fundierte Einzelkritiken zur Einsicht zu bekommen. Großartig. Bitte weitermachen!

  7. Ich sehe die 88 Ballaktionen von GB9 sehr kritisch! Wie kommt dieser „gute“ Wert zustande? Weil wir trotz 0:2 Rückstand in der zweiten Hälfte ohne Mittelstürmer, ich würde sogar sagen ohne Stürmer gespielt haben. GB9 war in der zweiten Halbzeit bestimmt häufiger auf der 6 als auf der 9 zu finden.

    Daschner war zwei Mal schön als Mittelstürmer im Zentrum. Und sonst? Im Kicker liest sich das so: „aus der zweiten Reihe“, „einen Schuss aus knapp 30 Metern“, „Hartel versucht es aus der Distanz“, „Kyereh versucht es aus der zweiten Reihe“ usw. Und die letzten 15 Minuten bleiben wir ohne (!!!) Tormöglichkeit. Zum Gruseln!

  8. Topp Artikel mal wieder!

    Statistiken fehlen leider die für das Spielergebnis entscheidende Kontext Einordnung.

    In meinen Augen wurde die erste Halbzeit voll vercoacht… Darmstadt mit 4141 gg unser 41212 hatte immer Überzahl gg unseren 6er und unsere AVs zu großen Abstand zu deren Außen Mittelfeld.
    Und dann noch Amenyido in einem Spiel zu bringen bei dem es auf Passqualität ankommt…

    Warum wechseln Fußball Trainer nicht schon nach 20/25/30min wenn die Taktik/Tagesform nicht stimmt?!

    Fragen:
    Haben wir ein zu Unerfahrenes Trainerteam?

    Warum spielen Spieler, die nächste Saison nicht mehr beim FCSP sind?

    Und was war mit Benatelli?

    Puh, teures Lehrgeld und für die Fanseele nach so guter Fußball zeitweise echt schade anzusehen

  9. Leider zieht sich das durch die nun fast beendete Saison- die Defensive ist bei Pauli die Schwachstelle.Es werden m.E. viel zu viele individuelleFehler gemacht und das Trainerteam hat es leider nicht verstanden hier Abhilfe zu schaffen.Mit Absicht wird ja kein Spieler diese Fehler machen,aber eine gute Defensive sieht anders aus.Mir tut es auch ein bischen leid, das gerade jetzt diese Fehler brutal zu Tage treten,die sich aber schon länger angekündigt haben.

  10. Also bei dem Kommentar bei Burgstaller Krieg ich Kopfschmerzen, klingt jetzt vielleicht ein bisschen Frust mit.
    Aber was der die letzten Spiele abliefert ich weiß ja nicht.
    Ich persönlich finde die Körpersprache ist eine andere. Aber sorry einen Stürmer misst du nun Mal an Toren. Vor allem wenn er die Möglichkeit dazu hat und die hatte Burgstaller dieses Spiel und hat sie verhauen.
    Würde gerne mehr dazu schrieben, aber die Arbeit ruft.
    Ich hoffe ihr nimmt mir das bisschen Frust ablassen nicht übel.
    Aber sonst gefällt mir die Einzelkritik
    Grüße

  11. Erst einmal: Gute Besserung & halte durch… geht irgendwann auch wieder vorbei!

    Das Format finde ich prima und sollte dringend beibehalten werden – wenn es denn für euch zeitlich machbar ist. Ist ja schon ein gewisser Aufwand, all die Zahlen nachzuschauen und ins Verhältnis zu setzen.

    Ansonsten ist und bleibt Fußball aufgrund der wenigen „zählbaren“ Ereignisse einfach ein ungerechter Sport: Wenn man sich mit der 2. halbwegs brauchbaren Offensivaktion des Gegners das 2:0 fängt, bei einer Torwahrscheinlichkeit von 2% (!), dann hat das mit „Bock“, „Einstellung“ usw. in meinen Augen nicht so viel zu tun. Die xG-Werte belegen ja durchaus auch, dass wir trotz der reinen Defensivtaktik, in der sich die Darmstädter nach dem 1:0 über fast die gesamte Restspielzeit eingeübt haben, letzten Endes genügend Möglichkeiten auf einen Punkt gehabt haben – und selbst der wäre für D98 noch glücklich zu nennen gewesen. Sooo gut verteidigt haben sie offenbar dann doch nicht, obwohl sie teils mit 7, 8 Mann im eigenen Drittel positioniert waren. Trotzdem hatten wir genügend Chancen für zwei Tore.

    P.S.
    Zu „whoscored“: Schaue dort seit Jahren, weil sie auch eine Reihe von interessanten Einzelstatistiken liefern, die man sonst oftmals nicht kostenfrei bekommt (ergänzt z.B. den „Kicker“ ganz gut). Ich kann mich aber nicht daran erinnern, dass eine Verlierermannschaft jemals höhere Werte als die Siegermannschaft hatte; bestenfalls lagen beide Teams in etwa gleichauf. Die bessere Wertung liegt also mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit am Wertungssystem.

    1. Danke für den Hinweis zu whoscored. Ich arbeite nicht so häufig mit den Daten (ab jetzt ja aber häufiger) und hätte mich auch gewundert.

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