Tschüss, Dittes!

Tschüss, Dittes!

Auch der Vertrag von Maximilian Dittgen wird beim FC St. Pauli nicht verlängert, dies gaben der Verein und der Spieler heute getrennt voneinander bekannt – mit unterschiedlichen Zwischentönen.
(Titelbild: Peter Böhmer)

Nachdem gestern Simon Makienok auf Instagram schneller war als der Verein, hielt sich Maximilian Dittgen heute an den „normalen Ablauf“ und verkündete seinen Abschied auf Instagram zur gleichen Zeit wie der Verein selbst.

Auch Verabschieden will gelernt sein

Wirkliche Freude will beim Lesen dieses Statements aber auch nicht aufkommen, denn wie schon beim Abschied von Makienok stellt sich auch hier die Frage, warum eine Verabschiedung denn nicht schon letzte Woche, nach dem Spiel gegen Fortuna Düsseldorf, möglich gewesen wäre.

Vor vollem Haus, am Millerntor – in einem angemessenen Rahmen. In den Pressegesprächen nach der Saison wurde gesagt, dass während der Rückrunde mit allen Spielern gesprochen und der jeweilige Stand der Dinge kommuniziert wurde. Und der konnte dann natürlich auch sein, dass man momentan noch nicht wisse, ob und wie es weitergeht. Zu tatsächlichen Vertragsgesprächen ist es unseres Wissens nach aber bis zum 34. Spieltag nicht gekommen.

Ein gutes Licht auf das Miteinander wirft dies alles eher nicht, Erinnerungen werden wach an die gelebte Nicht-Kommunikation damals unter Helmut Schulte. Damals hatte ich exakt das gleiche Gefühl, es ging um den wenig stilvollen Abschied, den man Marcel Eger und Florian Lechner bereitete.

Werbung

Bestätigt wird dieser Eindruck durch die Instagram-Story von Anette Dittgen (Screenshot liegt vor). Sie wirft dem Verein u.a. vor, dass anders gehandelt wurde, als es kommuniziert gewesen sei und äußert sich zutiefst enttäuscht.

Klar, das ist Profifußball, das ist knallhartes Business. Und die Sicht der Spielerseite ist nur die eine Seite der Medaille. Profis sind es gewohnt, dass Verträge nicht verlängert werden und man eventuell auch mal recht kurzfristig einen neuen Arbeitgeber und Wohnort suchen muss. Oke Göttlich sagte dazu kürzlich im Pressegespräch:

„Was der eine Spieler als gute Kommunikation ansieht, reicht dem anderen nicht. Das kann sehr unterschiedlich aufgefasst werden, genau wie das Feedback. Der Verein steht über dem Einzelnen. Wenn wir hier anfangen, über persönliche Befindlichkeiten zu sprechen hat das nichts mit Profisport zu tun.“

Oke Göttlich, fcstpauli.com

Puh… klare Worte, die ganz offensichtlich auch von Andreas Bornemann inhaltlich genau so mit Leben gefüllt werden. Ich persönlich würde mir hier einen anderen Umgang wünschen, vielleicht bin ich da aber auch zu romantisch. Erneut hierzu Anette Dittgen: „Fußball ist ein Geschäft, aber die Menschlichkeit sollte trotzdem nicht vergessen werden.“

In beiden Fällen (Makienok und Dittgen) fehlt mir natürlich von außen der Einblick, was sich genau in der kurzen Zeit seit dem letzten Spieltag ergeben hat, was man nicht vorher schon wusste oder hätte wissen können. Dies können Verhandlungen mit anderen Spielern sein, Gespräche über das neue Gehalt und vieles andere, was sich für Außenstehende nicht erschließt.

Maximilian Dittgen beim Jubel in Magdeburg // (c) Peter Böhmer

Danke, Maximilian Dittgen

2020/21: Jedes Spiel im Kader

Nachdem das nun gesagt wurde, wollen wir aber auch bei Maximilian Dittgen auf seine Zeit bei uns zurückblicken. Im Alter von 25 Jahren war er 2020 vom SV Wehen Wiesbaden zu uns gewechselt – und nachdem zunächst insbesondere der Instagram-Account seiner Frau Anette für Aufsehen sorgte, konnte auch er recht schnell seinen Mehrwert für das Team aufzeigen. Schon am zweiten Spieltag gegen Heidenheim sorgte er auf dem linken Flügel für gehörig viel Unruhe, mit dem Gegenpart Jannes Wieckhoff auf der anderen Seite träumte manch einer wohl schon von einer erfolgreichen Saison, die dann aber (noch) nicht kommen sollte.

Werbung

In dieser ersten Saison stand er an allen 34 Spieltagen im Kader und kam auch 32x zum Einsatz, häufig allerdings nur als Einwechselspieler. Insbesondere in dieser Funktion aber konnte er seine besondere Stärke, die Geschwindigkeit, nochmal besser ausspielen. Drei Tore und eine Vorlage waren aber wohl trotz allem nicht das, was er sich selbst erhofft hatte.

2021/22: Weniger Spielzeit, mehr Tore

Die jetzt abgelaufene Saison verlief nur bedingt besser: Zehn Spiele von Beginn an, dazu zwölf Einwechslungen. Und für ihn eher ungewohnt: Eine Muskelverletzung, die sich beim Pokalspiel bei Union im Dienste der dezimierten Mannschaft wohl auch noch verschlimmerte.

Aber immerhin vier Tore, wobei insbesondere sein Doppelpack beim 4:2-Sieg in Heidenheim in Erinnerung bleiben dürfte. Was für eine Schussstärke er besitzt, zeigte er auch am letzten Spieltag am Millerntor, als er gegen Düsseldorf einen Ball aus über 20 Metern ans Lattenkreuz setzte – da hatte der Schiedsrichter leider kurz zuvor unterbrochen.

Wohin die Reise nun für ihn geht, wird sich wahrscheinlich recht schnell zeigen. Ich persönlich gehe fest davon aus, dass er mit seinen Fähigkeiten einen neuen Verein in der 2. Bundesliga finden wird und wir ihn somit nächste Saison am Millerntor wiedersehen werden.
Und spätestens dann klappt das ja hoffentlich auch mit der Verabschiedung.

Alles Gute, Maximilian Dittgen, viel Erfolg auf Deinem weiteren Weg.
// Maik

Werbung

MillernTon auf Twitter // YouTube // Facebook // Instagram

Wenn Dir gefällt was wir hier tun, findest Du hier die Infos dazu, wie Du uns unterstützen kannst.

Print Friendly, PDF & Email

5 thoughts on “Tschüss, Dittes!

  1. Und der nächste . . .
    Wenn jetzt noch Burgstaller geht, haben wir nur noch Matanovic als nominellen Stürmer im Kader und der ist, freundlich ausgedrückt, noch schwer ausbaufähig in Sachen Tore und Stellungsspiel. Es gibt zwar noch Amenyido, aber der ist ja auch immer die halbe Saison verletzt und dazu gelernter Flügelspieler, kein Mittelstürmer. So langsam sehr ich echt schwarz und den Abstiegskampf kommen. Kann das denn angehen??
    Hab Herrn Bornemann vor nicht allzu langer Zeit noch gelobt für seine gute Transferpolitik, aber diese ganzen Abgänge und dann das ewige Geheule, wir hätten kein Geld (mittlerweile ist der FCSP einer der reichsten Zweitligisten), da seh ich nichts qualitativ gleichwertiges oder gar besseres nicht in naher Zukunft
    Alles gute Maxi, You’ll never Walk Alone

    1. Warte mal ab – die Saison ist doch gerade erst vorbei. Es ist doch ganz normal, dass zunächst die Abgänge feststehen, bevor Zugänge verkündet werden.
      Dass sowohl Dittgen als auch Makeniok (den ich persönlich behalten hätte) gehen, ist zwar in der Tat überraschend und bedeutet wohl auch, dass wir uns im Sturm mehr oder minder komplett neu aufstellen. Dittgen ebenso wie Makeniok haben aber beide nicht wirklich überzeugen können und gerade gegen tief- sowie kompaktstehende Gegner braucht man wohl auch andere Spielertypen als Dittgen (und gesundere als Makeniok). Da mir Burgstaller in der RR auch nicht gefallen hat, sehe ich die Neuausrichtung erst einmal gelassen und hebe mir mein (Vor-)Urteil über die Qualität des Kaders bis zum Saisonstart auf. Ich denke, wir können jedoch davon ausgehen, dass unsere Verantwortlichen Spieler, die an sich bei uns hätten bleiben wollen, nicht „einfach so“ gehen lassen, sondern dass sie bereits Alternativen an der Angel haben (Daferner?). Zudem ist Bornemann ja auch dafür bekannt, etwas Budget für die Schnäppchenjagd am Ende der Transferperiode einzuplanen 😉

  2. Schon heftig, was für ein Aderlass sich da grade abspielt, ich gehe davon aus, das Smarsch/Burgstaller/Kyereh noch gehen, dann ist das ein komplettes Team! Wir brauchen ne neue Innenverteidigung, einen richtigen v.a. torgefährlichen Ersatz für Kofi und Burgstaller und noch den ein oder anderen backup. Wie soll das gehen? Und selbst wenn, Schulle muss vom 11.06. was gefühlt gleich ist bis zum 29./30.06. ein nahezu neues Team bauen, ansonsten sind wir gleich wieder in der ersten Runde auswärts bei nem Drittligisten draussen und stehen von Anfang an in der Liga Unten drin. Von „Kontinuität“, von der die Verantwortlichen immer reden, ist äähh mal sagen nicht soo viel zu sehen…

  3. Ich verstehe wirklich nicht, warum Dittgen so sehr hinterhergetrauert wird. Wirklich nicht. Und dann das Genöle, flankiert von einer Instagram-Truller der beklopptesten Sorte. Winke Winke. Keine Tränen. Makienok war menschlich ein Verlust, sportlich gibt es keinen Grund ihn zu halten… Borne regelt das schon

  4. Was auf jeden Fall festzustehen scheint, ist, dass die Nummer des Mannschaftsrats nach dem 1:1 gegen Sandhausen keine Euphorie bei Bornemann und Göttlich und vermutlich auch nicht bei Schulle ausgelöst haben. Mit Ausnahme von Paqa, wo es wohl noch nicht entschieden ist, sind diese Teilnehmer wohl nicht mehr im Kader.

    Was Maxi angeht, fand ich die Entwicklung im letzten JAhr fussballerisch durchaus bemerkenswert. Er hat nicht nur die Geschwindigkeitskarte gezogen, sondern war auch im Passspiel und im Dribbling stärker als noch vor einem Jahr. Daher ärgert es mich ein wenig, wenn andere möglicherweise die gute Arbeit des Trainerteams ernten. Auf der anderen Seite hatte er auch über die Jahre viele kleinere Verletzungen. Aus einem Muskelpaket macht man halt keinen filigranen Dribbler. Bin gespannt, wie seine Entwicklung weitergeht. Was man bei ihm jedoch immer hervorheben muss, ist die Einsatzbereitschaft auf dem Platz. Da wurde immer der gesamte Acker vermessen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.