Vorbericht: Hansa Rostock – FC St. Pauli (5. Spieltag, 22/23)

Vorbericht: Hansa Rostock – FC St. Pauli (5. Spieltag, 22/23)

Am Sonntag tritt der FC St. Pauli bei Hansa Rostock an. Klar, dieses Spiel ist nicht nur aus sportlicher Sicht interessant. Umso wichtiger, gerade nach der letzten Niederlage, wären drei Punkte für den FCSP Das wird aber ein hartes Stück Arbeit.
(Titelbild: Peter Böhmer)

Zur Vorbeitung auf das Spiel empfehle ich euch das „Vor dem Spiel“-Gespräch von Luca mit Uwe (Hanseator), welches inhaltlich sogar bis nach Indonesien abdriftet.
Ebenfalls empfehlen möchte ich unseren Text zur Historie dieses dann doch sehr besonderen Duells.

FC St. Pauli: Wer kann spielen, wer fehlt?

Das hört sich ziemlich gut an, was Timo Schultz da an Personal-Infos auf der Pressekonferenz vor dem Spiel raushaute: Abgesehen von Adam Dźwigała sind alle Feldspieler fit und einsatzbereit für das Spiel. Selbst Dźwigała sei bereits wesentlich weiter im Heilungsverlauf, als viele erwartet hatten, denn er befindet sich bereits im Lauftraining.

Auch Afeez Aremu und Betim Fazliji sind voll einsatzfähig. Beide hatten unter der Woche mit Trainingseinheiten ausgesetzt, welches laut Schultz aber nur aus Gründen der Belastungssteuerung geschehen sei. Ebenfalls wieder auf dem Trainingsplatz ist Nikola Vasilj, der zwar noch nicht voll mit dem Team trainiert, aber auch hier stehe ein Einstieg ins Team-Training unmittelbar bevor (Schultz sprach von nächster oder übernächster Woche).

Hansa Rostock: Wer kann spielen, wer fehlt?

Die Pressekonferenz des FC Hansa Rostock vor dem Spiel hat noch nicht stattgefunden oder wurde noch nicht veröffentlicht. Entsprechend muss ich mit den Personal-Infos der letzten Woche arbeiten: Langzeitverletzt und auch sicher nicht verfügbar für das Spiel gegen den FC St. Pauli ist Maurice Litka, der sich von einem Kreuzbandriss erholt und auch Neuzugang Frederic Ananou, der aufgrund eines Muskelfaserrisses fehlt, aber bereits wieder im Lauftraining ist.

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Vor dem Spiel letztes Wochenende gegen Darmstadt waren auch Innenverteidiger Thomas Meißner und Felix Ruschke nicht einsatzbereit, sind aber wieder ins Training eingestiegen. Eine weitere Trainingswoche dürfte die Einsatzbereitschaft dieser beiden Spieler erhöht haben. Gerade die Innenverteidiger-Position ist noch ein wenig unterbesetzt bei Hansa Rostock. Gerüchte über einen Spieler mit Stadtmeisterschafts-Erfahrung halten sich hartnäckig, aber leider scheint das nicht mehr vor Anpfiff am Sonntag zu passieren.

HAMBURG, GERMANY - OCTOBER 24: Jens Härtel (L), head coach of Hansa Rostock discusses with sport director Martin Pieckenhagen after the Second Bundesliga match between FC St. Pauli and FC Hansa Rostock at Millerntor Stadium on October 24, 2021 in Hamburg, Germany.
Ein erfolgreiches Duo: FCH-Trainer Jens Härtel (links) und Sportdirektor Martin Pieckenhagen.
(Martin Rose/Getty Images/via OneFootball)

Was hat der FCH zu bieten?

Auf Platz 13 landete Hansa Rostock am Ende der Saison 21/22. Das klingt ein wenig nach langem Kampf um den Klassenerhalt, aber das war es nicht wirklich. Spätestens mit dem Sieg gegen den FC St. Pauli am 28. Spieltag konnte sich der FCH relativ sicher sein, dass man auch in der folgenden Saison in der 2. Bundesliga spielen würde. Zwar dauerte es noch etwas, bis dann auch rechnerisch alles sicher war, aber die Planungen für eine weitere Saison in der 2. Liga dürften bereits im Frühjahr auf Hochtouren gelaufen sein. Die Veränderungen im Kader waren jedenfalls ziemlich pointiert und besetzen ziemlich gut die Schwachstellen aus der Vorsaison.

Satte neun neue Spieler wurden verpflichtet, dazu wurde die Leihe von Lukas Fröde in einen dauerhaften Vertrag umgewandelt. Die Transfers haben es durchaus in sich: Mit Kai Pröger und Lukas Hinterseer verpflichtete der Club zwei Offensivspieler. Hinterseer ist aktuell hinter John Verhoek als Back-up aktiv, Pröger hingegen direkt Stammspieler. Zudem wurden mit John-Patrick Strauß und Frederic Ananou zwei Spieler für die Außenbahnen geholt. Die spannendsten Transfers dürften aber Dennis Dressel (Acht oder linke Außenbahn) und vor allem Sebastien Thill sein (zentrales Mittelfeld) sein. Thill hat letzte Saison für FC Sheriff Tiraspol (Moldawien) in der Champions League gespielt und ein wirklich besonderes Tor erzielt (Siegtreffer in der 89. Minute im Bernabeu gegen Real Madrid – und wie! (ab Minute 03:57)).

Stabile Achse vorhanden, Schwachstellen nachjustiert

Der Kader von Hansa Rostock hat sich also an einigen Stellen verändert. Allerdings wurden auch zentrale Spieler gehalten und damit hat das Team auch weiterhin eine stabile Achse zu bieten. Besonders die defensive Dreierreihe mit Damian Roßbach, Lukas Fröde und vor allem Ryan Malone ist hervorzuheben (Schultz: „Diese Dreierreihe hat eine enorme Physis und ich glaube, dass wir sie in der Luft eher weniger bespielen können.“). Ich persönlich mag die Spielweise von Svante Ingelsson sehr gerne, der offensiv viele Impulse setzen kann. Auf der Acht hat Simon Rhein letzte Saison seinen Durchbruch in der zweiten Liga geschafft und macht bisher einfach so weiter. Das Team von Hansa Rostock ist also vor allem eines: sehr kompakt und gut eingespielt.

So ist dann auch der Start in die Saison verlaufen, wie es aufgrund der personellen Situation zu erwarten war: Auf die Auftaktniederlage gegen Heidenheim folgten die Siege beim HSV und zuhause gegen Arminia Bielefeld. Zuletzt setzte es aber eine recht deutliche 0:4-Klatsche gegen Darmstadt. Sechs Punkte aus vier Spielen sind ordentlich und angesichts der Gegner sogar mehr als ordentlich. Hansa Rostock hat ganz sicher das schwerste Auftaktprogramm erwischt, spielte an den ersten vier Spieltagen gegen einen Absteiger, sowie das sechst-, viert- und drittplatzierte Team der Vorsaison. Nun kommt mit dem FCSP das fünftplatzierte.

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HAMBURG, GERMANY - JULY 24: Markus Kolke (C), goalkeeper of Hansa Rostock celebrate victory with team mate Ryan Malone (R) and Damian Rossbach #4 after the Second Bundesliga match between Hamburger SV and F.C. Hansa Rostock at Volksparkstadion on July 24, 2022 in Hamburg, Germany.
Die Defensive von Hansa Rostock (hier mit Damian Roßbach, Torhüter Markus Kolke und Ryan Malone) ist ein Prunkstück des Teams.
(Martin Rose/Getty Images/via OneFootball)

Dreierkette bedeutet Stresstest

Es ist zwar nicht ganz klar wie genau sie aussehen wird, aber es darf davon ausgegangen werden, dass Hansa Rostock mit einer Dreierkette gegen den FC St. Pauli auflaufen wird. Die war in der Vorsaison ein wenig das Kryptonit für den FCSP, denn die aufgrund der Mittelfeldraute unterbesetzten Außenbahnen sorgten immer wieder für Probleme, besonders gegen Dreierketten. Nun spielte das Team am letzten Wochenende mit einem flachen 4-4-2 (Rautendämmerung beim FC St. Pauli) und daher habe ich bei Timo Schultz mal nachgefragt, was die Vor- und Nachteile einer solchen Formation gegen eine Dreierkette sind:

„Wenn der Gegner mit einer Dreierkette spielt und man selbst mit einem flachen 4-4-2, dann kann man die Flügel offensiver besetzen, sodass man den Gegner in ihrer letzten Linie weiter auseinanderziehen kann. Dafür hat man dann weniger Personal im Zentrum und je nachdem, ob die Rostocker mit einem oder zwei Sechsern spielen, hat man dort eine Über- oder Unterzahl.“

Timo Schultz über die Vor- und Nachteile eines flachen 4-4-2, wenn es gegen eine Dreierkette geht.

Es spricht also einiges dafür, dass der FCSP auch in Rostock mit einem flachen 4-4-2 antritt (Schultz: „Gut möglich, dass wir mit einem flachen 4-4-2 starten, aber unser Stammsystem wird weiter die Mittelfeldraute bleiben.“). Zwar wird auch betont, dass das Team grundsätzlich auf sich selbst schaue bei der Vorbereitung, aber gerade die Entscheidung über die Formation dürfte auch davon abhängig sein, wie der FC St. Pauli den Gegner erwartet.

Mögliche Aufstellung

Die Dreierkette bei Rostock ist also klar. Aber isses nun ein 3-4-3? Ein 3-1-4-2? Oder ein 3-5-2? Das sind alles Feinheiten in den Formationen und je nachdem welche Spieler auf dem Platz stehen dürfte es z.B. den Ausschlag zu einem Fünfer-Mittelfeld oder zu einer klaren Sechs geben. Schultz sagte, dass es auch vorne von Kai Pröger abhängen wird, ob Hansa Rostock mit einer oder zwei Spitzen spielt, da dieser „sehr umtriebig“ sei und die Positionen auch mal tausche.

Ich habe da eine Idee, wie Hansa Rostock starten könnte: Timo Schultz sagte, dass es ein Nachteil des flachen 4-4-2 sei, wenn der Gegner mit einer Doppelsechs aufbauen würde. Genau das haben wir am vergangenen Wochenende gesehen, als Magdeburg nach der Halbzeitpause eben mit jener Doppel-Sechs aufbaute und so viel mehr Ballbesitz gegen den FCSP generieren konnte. Es würde mich schon sehr stark wundern, wenn nicht auch Hansa-Trainer Jens Härtel darauf setzen würde.

Ich tippe darauf, dass es personell keine Veränderungen in der Startelf von Hansa Rostock geben wird. Aber ich vermute, dass Dennis Dressel und Svante Ingelsson ihre Rollen etwas anders interpretieren als zuletzt. Ingelsson könnte ein wenig mehr die Rolle des linken Flügelverteidigers einnehmen und Dressel (zuletzt auf dem Flügel verteidigt) würde mit Simon Rhein eine Doppel-Sechs bilden (Thill würde dann ins offensive Zentrum vorrücken). Das wäre dann ein 3-5-2.

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Erwartete Aufstellung beim Spiel zwischen Hansa Rostock und dem FC St. Pauli am 21.08.2022.
Erwartete Aufstellung beim Spiel Hansa Rostock gegen den FC St. Pauli.

Was den FC St. Pauli bei dieser Partie, unabhängig der gegnerischen Formation, erwartet, wird deutlich, wenn man sich die Statistiken von Hansa Rostock anschaut: Wie auch in der Vorsaison setzt das Team einen krassen Fokus auf lange Bälle. Diese Saison ist durchschnittlich jeder fünfte Pass ein langer. Entsprechend oft führen sie Kopfballduelle (Platz fünf in der Liga) und verlieren den Ball (Platz drei).

Interessant ist das Pressingverhalten von Hansa Rostock. Entweder zieht sich das Team sehr weit in die eigene Defensive zurück und verteidigt sehr kompakt oder aber der Gegner wird sehr aggressiv angelaufen. Beide Stilmittel finden im Wechsel statt, während des Spiels, was der PPDA-Wert des Teams sehr gut aufzeigt: Gegen Heidenheim lag der viertelstündliche PPDA-Mittelwert mal bei 3 und mal bei 33 (eine gute Erklärung des PPDA und warum der Wert teilweise so exorbitant hoch sein kann, liefert dieser Text von thefalsefullback). Gegen den HSV startete das Team äußerst abwartend (PPDA: 31.5) und presste dann immer höher (PPDA bei 4 zwischen Minute 61 und 75). Auch gegen Bielefeld veränderte das Team sein Pressingverhalten während des Spiels (von 6 auf 48) und zuletzt gegen Darmstadt ebenfalls (von 7 auf 44). Auf das partiell hohe und aggressive Pressing muss der FCSP reagieren. Am besten mit guter Vorbereitung: So lag ein Fokus der Trainingswoche auf langen und zweiten Bällen, um das Pressing auch mal zu überspielen, wie Timo Schultz erzählte:

„In dieser Woche hatten wir den Fokus auch nochmal ein bisschen mehr auf lange und zweite Bälle, was eigentlich nicht so richtig zu unserem Spiel passt, wo wir aber schon unsere Schritte gemacht haben. Wir wollen da variabler werden und auch mal Druck überspielen können und da muss man eben wach sein für die zweiten Bälle. Das wird sicher auch ein Faktor sein am Wochenende in Rostock.“

Timo Schultz über die Inhalte der Trainingswoche.

Da dieses Überspielen des Drucks dann am besten klappt, wenn vorne auch jemand drin ist, der einen Ball festmachen kann, habe ich auch gleich mal nachgefragt, wer denn aus Sicht von Schultz der beste Zielspieler dafür sei. Seine Antwort ist aber maximal ausweichend gewesen (ab Minute 19:10(!) im Video), weshalb ich mir nun nicht sicher bin, wer genau neben Johannes Eggestein und Lukas Daschner starten wird. Als Zielspieler sind grundsätzlich Igor Matanović und David Otto zu sehen. Gerade Matanović offenbarte aber bei seinem letzten Einsatz gegen Magdeburg, dass er aktuell irgendwie in einem kleinen Tief festhängt. Entsprechend gehe ich davon aus, dass er nicht zur Startelf gehören wird. Bleibt also nur noch David Otto?

Deutschland, Hamburg, 16.07.2022, Fussball 2. Bundesliga 1. Spieltag, FC St. Pauli - 1. FC Nuernberg im Millerntor-Stadion  David Otto (FC St. Pauli) im Zweikampf mit Tim Handwerker (1. FCN)
David Otto könnte beim Spiel in Rostock sein Startelfdebüt für den FC St. Pauli geben.
(c) Peter Böhmer

Ich werfe hier mal den Namen Etienne Amenyido rein. Denn Timo Schultz sagte in seiner Antwort auf die Zielspieler-Frage, dass es auch darauf ankomme, was für lange Bälle man spiele, wie man den Druck überspielen möchte und hielt auch fest, dass man für zweite Bälle den ersten nicht unbedingt gewinnen muss (was grundsätzlich aber wesentlich erfolgsversprechender ist). Gemessen an diesen Ansprüchen und Möglichkeiten würde nicht nur David Otto, sondern auch Etienne Amenyido in die Startelf passen, der Geschwindigkeitsvorteile gegenüber der gesamten FCH-Defensive haben dürfte. Ich gehe trotzdem mit Otto.

Der restliche Teil der Startelf dürfte unberührt bleiben. Warum sollte nach dem erfolgreichen Spiel gegen Magdeburg auch etwas daran geändert werden? Die Innenverteidigung mit Nemeth und Medić machte zuletzt einen stabilen Eindruck (war aber auch fast beschäftigungslos), die Außenverteidigung ist sowieso gesetzt, wie auch das Mittelfeld mit Smith, Irvine, Hartel und Daschner. Und während ich diese Zeilen schreibe, fällt mir auf, wie gut dieses Team eigentlich ist.

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Ich persönlich werde nicht nach Rostock fahren, da ich arbeitsmäßig anderweitig eingebunden bin. Maik wird vor Ort sein und wir werden natürlich sowohl das sportliche Geschehen auf dem Rasen, aber auch das „Drumherum“ genau beleuchten. Wir hoffen sehr, dass die Anreise, besonders die mit der Bahn, reibungslos verlaufen wird, aber da sind leider erhebliche Zweifel angebracht. Passt auf euch auf!

Forza!
// Tim

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2 thoughts on “Vorbericht: Hansa Rostock – FC St. Pauli (5. Spieltag, 22/23)

  1. Gab es nicht zwischenzeitlich mal Zeiten, wo Avevor bei der Auflistung der Verletzten trotz allem mit genannt wurde?

    Wenn Schulle Vasilj auch schon nicht mit aufzählt, weil klar ist, dass er eh als „Langzeitverletzter“ eh nicht spielt, verwundert das einen kleinen Tick weniger, aber ein klein bißchen Inkonsistent kann ich das glaube ich schon finden.

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