Thees#12 – Die HSVhaftigkeit der Dinge

Thees#12 – Die HSVhaftigkeit der Dinge

Thees Uhlmann liefert seine neue Kolumne. Mit dabei: Mama Uhlmann (OI!), Arnd Zeigler, Freund A. und öddel Züge. Wir sagen: WGIDD?!

Liebe St. Pauli-Fans.
Ich hatte gestern einen wunderschönen schönen Abend mit meiner Mutter. Hört sich neurotisch an, ist es auch. Zum Glück ist im Adjektiv im Satz davor ein „n“ und ein „u“ drin.
Junge, das geht schon wieder kaputt los. Genau so soll das auch sein.
„Super gemacht, Thees.“ Das sagen jetzt immer mehr Leute.

HUT UP, Hemmoorer Fahrradclub

Also wir hatten so einen schönen Abend gestern in Hemmoor und haben rauchend den Zustand der Dinge besprochen. Sie hatte nachmittags noch mit dem Hemmoorer Fahrradclub eine „kleine Ausfahrt gehabt“, was bedeutet, dass sie mit 80+ als einzige ohne E-Bike mal eben schnell 34km zwischen Oste und Elbe abgerissen hat.
Hut up!

Wir saßen also dann gestern hier so rum und hörten erst NDR Klassik, aber dieses ganze Brahms-Gedröhne macht einen auf die Länge der Lage dann doch auch ein wenig schwermütig.
Dann drücke ich also ein paar Sender weiter und wir landen bei BREMEN 2. Da lief dann so spitzenmäßiger Country-Indie und ich so:

„Boah, geil!“
Meiner Mutter ist das tendenziell egal, was für Mucke läuft.
„Hauptsache kein OI!“, sagt sie immer. „Da ist zu viel Grauzone mit dabei!“, sagt sie immer.
Und ich dann so: „Ja, aber es gibt doch auch die Harbour Rebels und Oidorno!“
„Ja, die sind natürlich mega geil“, sagt sie dann immer, „aber viele Oi-Bands nehmen ja auch die vielbesungene „Loyalität“ als Steigbügelhalter für eine herrenmenschliche Exekutiv-Verneinung.“
Und ich dann so: „Also das A.C.A.B. nicht als anironisierte Betonung der eigenen Verantwortung im kant‘schen Sinne….“
Und sie so: „Weiter, Theesi…“
„…sondern als Betonung der eigenen Übermacht durch körperliche Stärke…?“
„GUUUUT Thees!“, sagt sie dann immer und gießt mir noch einen Schluck Bier ein und wir prosten uns dann zu und sagen dann: „AUF OI!“
Ganz normaler Abend in Hemmoor also.

Zeigler im Äther

Wir hören dann also BREMEN 2 und plötzlich um halb 11 die Stimme von Arnd Zeigler im Äther. Der gekrönte König der Filterfotografie.
Und ich so zu meiner Mutter: „Den kenn ich. Dem schreib ich jetzt!“. Und dann hab ich dem geschrieben, dass ich mit meiner Mutter gerade in Hemmoor sitze und dass wir musikliebend ihm freudig zuhören und haben ein Winkebild mitgeschickt und er schickt ein Winkebild aus dem Studio zurück und sagt im Radio: „Hier überschlagen sich gerade die Dinge. Viele Grüße nach Hemmoor, wo Thees Uhlmann bei seiner Mutter sitzt und sie uns zuhören.“ Und spielt dann „Club 27“ und meine Mutter dann so: „Schön, dass das Lied mal nicht so doll ist!“. Und dann hat die original angefangen, dazu zu tanzen. WGIDD?!
Und dann sagt sie immer: „Also, was Du alles für Leute kennst! Herrlich!“ Ganz stolz macht mich das dann immer!

„Hallo Arnd!“ „Hallo Bernd!“ ein ganz normaler Abend in Hemmoor! (…ist wenn man trotzdem lacht!)

Und dieser Arnd Zeigler, dessen Stimme Bodo und ich schon aus dem Radio kennen, als Ailton noch ein aufstrebender Linksverteidiger war, hat einen Fußball-Podcast mit dem 11Freunde-Chef Philipp Köster zusammen. Das könnte jetzt der langweiligste Satz der Welt sein, weil in diesem Satz nun wirklich nichts überraschend ist, aber folgendes:

Ich bin ja nun in Berlin nun wirklich häufig alleine. Das ist nicht gut. Das ist nicht schlecht. Das ist einfach so. Und in diesem Podcast kann man hören, wie sich zwei Menschen unterhalten, die sich schon sehr lange kennen und schon sehr lange mögen.

Und beide fangen schon ganz aufgeregt an zu glucksen, während der andere noch redet, weil ihnen gerade wieder ein wahnsinnig gutes Wortspiel eingefallen ist, das sie UNBEDINGT raushauen müssen, weil sie sonst PLATZEN und ich mag das so, dieser Freundschaft zuzuhören, weil man sich dann ein wenig weniger einsam fühlt.
Die könnten auch über Architektur reden und ich würde das mögen, aber sie reden eben über Fußball und Philipp Köster ist Fan von Arminia Bielefeld und Willkommen am Millerntor, liebe Fans des DSC!
„Casper, wann gönnst Du endlich Konzert auf der Alm?“, fragt meine Mutter gerade aus dem Hintergrund.

Junge, ich halt es nicht mehr aus. Also wegen Derby jetzt nochmal.

Mein Freund Peter, der mit der Mische in der Hand

Aber ganz schön war das, als mein Freund Peter, der mit der Mische in der Hand, noch vor dem Spiel videoanrief mit seinen Leuten. Da mussten wir ganz doll lachen und lächeln und die haben vier Stunden von Cadenberge bis zum Stadion gebraucht. Auf die freu ich mich beim Deichbrand.

Aber jetzt nochmal wegen dem scheiß Derby jetzt!

Im Vorfeld beschwor Freund A. im Internet des kleinen Mannes, dem WhatsApp-Status, nochmal seine Telefonbuchliste, was der HSV doch für eine geile Sache ist. Wie viele Pokale sie haben und wie schön die ruhmreiche Tradition ist und wie das Umland den HSV doch liebt und dass das noch echte Männer sind, die den echten Fußball wertschätzen und das um 18.30 Uhr zu Abend gegessen wird mit Senf und Käse auf dem Brot, während Lotto King Karl singt und alle am weim und dass die blau-weißen Schals noch von den Omas gestrickt werden und ihren Enkeln auf dem Weg in den Volkspark in die Wange kneifen, wo die Kinder noch „Butscher“ heißen und ein Heiermann für Naschies und Hornhaut ist der wärmste Handschuh und dieser ganze HSV-Kram eben.

Sei! den! auch! alles! gegönnt!

Aber nur so viel. Ich hab da echt schon bestimmt 30 Jahre lang nicht mehr dran und drüber (nach)gedacht, aber als ich das von ihm gelesen habe, ist mir das wieder eingefallen. Und danke dafür, ne?

Weil, weißt Du auch, warum ich damals dann irgendwann zu St. Pauli gegangen bin?
Weil du auf dem Dorf auch echt einfach Angst gehabt hast vor HSVern. Weil die nämlich mit ihren Bacardi Cola-Gesichtern und ihrem starren Blick jederzeit Bock hatten, dir einen auf die Fresse zu hauen. Einfach so! Weil die das konnten und stark waren. Ist auch passiert. Weiß jeder. Da könnt ihr jetzt auch schön wieder drüber einen Abhöken, dass das so war, aber Angst ist nie ein gutes Gefühl, wenn man groß wird. Das ist ja nun mal auch klar.

Und dann sind wir da mit diesen öddel Zügen, wo auf Klo damals einfach nur so eine Gummi-Lippe sich im Boden auf die Gleise geöffnet hat – Bitte Toilette nur im fahrenden Zug benutzen – zu St. Pauli gefahren und eins war klar: „Hier sind 18.000 Leute und du musst keine Angst haben!“ Und das ist ein schönes Gefühl.

Grüße aus Stade. Bahnhof ist die Gang! Danke fürs bringen, Tillo! Was für ein geiler Aufkleber!

Saison ohne Euch? Hab ich mir verdient.

So und nun nehmt euren geilen HSV und verdiddelt euch in die erste Liga. Mit eurem geilen Walterball und euer AOL Arena, in der das immer 4 Grad kälter ist als draußen. Mit eurem reichen Onkel, der sich Euch leistet und Scooter „uääääääähhh Hamburch uuuäääääh Hamurch“ und dann schauen wir uns mal die HSVhaftigkeit der Dinge da in Liga 1 an.

Ich hab Bock, mal wieder eine Saison ohne Euch. Hab ich mir verdient.
Und dann sehen wir uns wieder und dann geht die ganze Scheiße wieder von vorne los.
Hatten den HSV richtig geil hingelegt, richtig geil gespielt, wie so Profis und alles. Auch geil besser gewesen. Trotzdem verloren, aber trotzdem war das ein neues Gefühl. Und ich liebe Gefühle. Ich hoffe, man liest das ein bisschen raus.

Oh, nee jetzt ich gleich Bjarne Mädel. Muss man dem auch noch gleich gratulieren. Es bleibt einem auch nix erspart.
Update: Er ist leider krank geworden. Hätten wir über HSVhaftigkeit der Dinge sprechen können. Holen wir nach. GalieguBe!

// Thees
Danke an Pia Lüke für das redigieren

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4 thoughts on “Thees#12 – Die HSVhaftigkeit der Dinge

  1. Der Thees, ist halt schön zu wissen, im Moloch der Big City gibt das ne ganz Menge sich Wohlfühler. So nen Text schafft ein gutes Klima bis zum nächsten Spieltach.

  2. „Hier sind 18.000 Leute und du musst keine Angst haben!“ Und das ist ein schönes Gefühl.

    Das ist es Thees, das ist es. Danke.

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