„Passt perfekt ins Profil“ – Philipp Treu im Fokus

„Passt perfekt ins Profil“ – Philipp Treu im Fokus

Philipp Treu ist der erste Neuzugang des FC St. Pauli für die Saison 23/24. Der Blick in die Statistiken und vor allem die Einschätzungen vom Global Soccer Network und besonders Fabian Hürzeler sind vielversprechend.
(Titelbild: Christian Kaspar-Bartke/Getty Images/via One Football)

Bereits gestern, kurz nach Bekanntgabe der Verpflichtung, haben wir ein ausführliches Spielerprofil von Philipp Treu veröffentlicht. Dort haben wir einen Blick auf seine bisherige Karriere geworfen und von Patrick (Spodcast) eine fundierte Einschätzung bekommen.

Doch natürlich möchten wir auf jeden Fall auch noch in die Statistiken schauen und mit Hilfe einer Einschätzung vom Global Soccer Network das Profil von Philipp Treu verfeinern, auch um zu verstehen, wie sich sein Spielstil vielleicht von anderen Außenverteidigern im Kader unterscheidet. Und na klar, auch Fabian Hürzeler haben wir um eine Einschätzung gebeten.

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GSN-Einschätzung

„Idealer Schienenspieler“

Philipp Treu hat bei der zweiten Mannschaft des SC Freiburg nicht nur auf der rechten, sondern auch auf der linken Abwehrseite gespielt. Zudem wurde er teilweise auch weiter vorne oder etwas zentraler eingesetzt. Seine Kernposition ist aber klar auf der rechten Außenbahn. Allerdings betont das Global Soccer Network, dass Treu „im Prinzip die ganze rechte Seite spielen kann“ und entsprechend ein „kompletter Schienenspieler“ sei.

Zu seinen Stärken zählt GSN den ersten Kontakt von Treu (was angesichts der Einschätzung von Hürzeler interessant ist), seine Flanken und ganz allgemein die Technik. Dazu scheint er ein recht kluger Spielertyp zu sein: Sein taktisches Verhalten, die Entscheidungsfindung, das Timing beim Tackling und Mut zeichnen laut GSN seine Spielweise aus. Was ihn vor allem für das offensive Spiel auf der Außenbahn auszeichnet: Antritt, Tempo und Beweglichkeit.

ZWICKAU, GERMANY - OCTOBER 21: Patrick Goebel of Zwickau challenges Philipp Treu of Freiburg during the 3.Liga match between FSV Zwickau and SC Freiburg II at GGZ-Arena on October 21, 2022 in Zwickau, Germany. (Photo by Karina Hessland-Wissel/Getty Images for DFB)
Nach Einschätzung des Global Soccer Network ist Philipp Treu ein „idealer Schienenspieler“ mit viel Tempo, der sehr gut ins aktuelle System des FCSP passt und bereits jetzt über Zweitliganiveau verfügt.
(Karina Hessland-Wissel/Getty Images/via OneFootball)

Schwächen können behoben werden

Das Global Soccer Network hat natürlich auch eine Liste an Schwächen von Philipp Treu geliefert, betont aber, dass diese „zu beheben“ seien. Damit dürfte zum Beispiel der Bereich des taktischen Defensivspiels (mangelnde Antizipation, defensives Positionsspiel) gemeint sein. Zudem hat der 22-jährige aufgrund seiner Körpergröße (1,72m) Probleme beim Kopfballspiel (was als Außenbahnspieler aber nicht ein so großes Problem ist; fehlendes Tempo wäre da viel schlechter). Arbeiten muss Treu laut GSN auch an seiner Spielübersicht unter Druck und der Zweikampfstabilität.

So kommt das Global Soccer Network zu einer sehr positiven Bewertung des Transfers. Seine Stärken machen ihn zu einem „idealen Schienenspieler, der extrem gut ins Spielystem von Hürzeler passen sollte“ und „Saliakas durchaus Dampf machen kann“. Der aktuelle GSN-Index von Philipp Treu liegt bei 57.29 (gehobenes Zweitliganiveau), sein möglicher GSN-Index liegt bei 62.70, also Bundesliganiveau. GSN-Fazit: „Aus unserer Sicht frühzeitig schon ein sehr guter Transfer für St. Pauli.“

Blick in die Statistiken und Videos

Im Vergleich zu allen Außenverteidigern der 3. Liga, die in dieser Saison mehr als 900 Minuten gespielt haben, stechen vor allem die Offensiv-Statistiken von Philipp Treu heraus. Das Global Soccer Network betonte die Stärken beim Antritt und allgemein dem Tempo. In Zahlen drückt sich das anhand der meisten progressiven Läufe mit Ball aller Spieler der Liga aus. Genau das bezeichnet Philipp Treu im Kurzportrait des FCSP auch selbst als eine seiner Stärken („Ich versuche offensiv Lösungen zu finden, mit vielen Tempoläufen nach vorne“). Zudem sind die Werte bei den Pässen in den gegnerischen Strafraum und die Torschussvorlagen überdurchschnittlich.

Offensiv überdurchschnittlich, defensiv wenige Aktionen

In der Defensive ist das Bild etwas anders: Seine Quote bei defensiven Bodenzweikämpfen liegt über dem Median aller Außenverteidiger der 3. Liga (offensiv auch). Einzig bei der Quote der Kopfballduelle, sowie insgesamt der Anzahl erfolgreicher Defensivaktionen zeigen die Statistiken unterdurchschnittliche Werte. Insgesamt ist Philipp Treu ein eher fairer Spieler, foult deutlich seltener als der Durchschnitt (die Grafik zeigt es anders, weil ich zu faul war den Fehler in meinem Python-Skript zu beheben).

Radar-Grafik von Philipp Treu (Blau) im Vergleich zum Median aller Außenverteidiger der 3. Liga (Rot).

Beim Blick in die Videos ist auffällig, und das zeigen auch die Zahlen, dass Philipp Treu nicht unbedingt ein Torjäger ist und wir das vielleicht auch nicht von ihm erwarten können. Zumeist kommt er aufgrund seiner Positionierung aus der zweiten Reihe zum Abschluss, dort herrscht aber Verbesserungspotenzial. Gleiches gilt, finde ich (ein ausgebildeter Fußballlehrer sieht das anders), für seine Aktionen unter Druck. Oder anders: sobald er Druck bekommt, wählt er eigentlich immer die sichere Variante, also entweder einen Rückpass oder einen langen Schlag.

Seine größte Stärke basierend auf dem Video-Studium: Selbst mit dem Ball am Fuß ist Philipp Treu immer noch enorm schnell, ist dadurch offensiv besonders dann ein großer Faktor, wenn er etwas Raum hat, um anzutreten. Das wird auch ganz sicher in der 2. Bundesliga eine Stärke von ihm bleiben.

Hürzeler: „passt perfekt in unser Profil“

Auch bei Fabian Hürzeler haben wir nachgefragt, wie er Philipp Treu einschätzt, wo er Stärken und Verbesserungspotenzial sieht: „Ich habe mich viel mit Philipp ausgetauscht und einige Spiele von ihm gesehen. Am Anfang ist es mir wichtig den Menschen kennenzulernen und seinen Charakter. Philipp ist ein Spieler, der unheimlich lernwillig, unheimlich ehrgeizig ist, der Ambitionen hat – und deshalb passt er einfach perfekt in unser Profil.“

Zu den Stärken von Treu zählt Hürzeler, dass „er unheimlich intensiv spielen kann, laufstark ist und technisch sehr gut.“ Interessant, weil ich das im, zugegeben, eher kurzen Video-Studium, anders wahrgenommen habe: Hürzeler betont, dass Treu „unter Raum-, Zeit-, und Gegnerdruck gute Lösungen“ finde.

Potenzial bei erstem Kontakt und Positionierung

Doch der zukünftige Cheftrainer von Philipp Treu sieht auch noch einiges an Potenzial: „Ich glaube, dass er bei seinem ersten Kontakt noch Fortschritte machen kann und bei seiner Positionierung, um noch torgefährlicher zu werden.“ Es ist spannend, was Hürzeler zu der Verpflichtung erklärt, denn er bezeichnet das Positionsprofil von Außenverteidigern sehr klar als „Spielmacher“ und entsprechend solle „Philipp aus einer Position heraus kommen, wo er noch mehr Scorer sammeln kann, also immer wieder im Halbraum auftaucht.“ Insgesamt scheint man beim FC St. Pauli sehr zufrieden damit zu sein, dass dieser Transfer realisiert werden konnte:

„Philipp bringt mit seinem Gesamtpaket einfach genau das mit, was wir bei St. Pauli suchen: Junge und entwicklungsfähige Spieler, die ambitioniert sind.“

Fabian Hürzeler

Anders – und daher Konkurrenz für Saliakas

Die Verpflichtung von Philipp Treu ist eine mit Signalwirkung, auch nach innen. Denn fraglich ist, wie es nun mit Jannes Wieckhoff und Luca Zander (Vertrag läuft aus) weitergehen wird. Da die Position auf der rechten Seite in der kommenden Saison mit Saliakas (hoffentlich merkt da niemand, wie gut der geworden ist) und Treu schon sehr hochkarätig besetzt sein dürfte, sind die Chancen auf einen Verbleib der beiden langjährigen FCSP-Spieler sicher nicht größer geworden.

Philipp Treu ist ein sehr spannender Spieler, der mit seinem Tempo über einen Skill verfügt, der auch in der 2. Bundesliga funktionieren dürfte und mit 22 Jahren noch einiges an Entwicklungspotenzial mitbringt. Interessant ist, dass er von seinem Profil her dann doch schon etwas von der Spielweise des aktuellen Stamm-Rechtsverteidigers abweicht: In Sachen Torgefahr und Zuspielen kann Treu sich aber noch einiges bei Manolis Saliakas abschauen, auch im defensiven Zweikampfverhalten. Aufgrund seiner Technik, seinem Tempo und seiner Spielintelligenz dürfte er aber eine echte Konkurrenz für Saliakas darstellen.

// Tim

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Sofern nicht anders markiert, stammen sämtliche Statistiken von Wyscout.

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2 thoughts on “„Passt perfekt ins Profil“ – Philipp Treu im Fokus

  1. Ich gehe davon aus, dass Zander als Backup schlicht zu teuer ist, d.h. ein Stammspielergehalt bezieht. Aufgrund der Klasse von Saliakas und seiner eigenen Verletzungsanfälligkeit wird der Vertrag nicht verlängert werden.
    Daher nun die Verpflichtung eines talentierten und billigeren zweiten Rechtsverteidigers, der auch als Schienenspieler gut geeignet ist (was auch für Zander gilt).

  2. Bin mir gar nicht so sicher ob der als Ersatz für Saliakas eingeplant ist, denn warum sollte ein 22-jähriger mit „gehobenem Zweitliganiveau“ mit nur minimalen Chancen auf Spielzeit (quasi wie Ritzka auf RV) zu uns wechseln? Das macht doch für ihn nur Sinn, wenn A: Saliakas gehen sollte (hoffentlich nicht) oder er B: auf LV eingeplant ist. Das hat er ja auch schon gespielt.
    Also vielleicht so ähnlich, wie bei Medic, der aus der 3. Liga als DM zu uns kam, aber dann bei uns sehr schnell zum Stammspieler auf IV geworden ist.

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