Vorbericht: FC St. Pauli – Fortuna Düsseldorf (32. Spieltag, 22/23)

Vorbericht: FC St. Pauli – Fortuna Düsseldorf (32. Spieltag, 22/23)

Am Samstagabend empfängt der FC St. Pauli am Millerntor Fortuna Düsseldorf. Es ist nicht viel weniger als ein „Do or Die“-Spiel um die Aufstiegschancen. Der Vorbericht.
(Titelbild: Peter Böhmer)

Sehr gerne empfehle ich Euch das „Vor dem Spiel“-Gespräch von Luca mit Tim Greiner Mai, der im Aufsichtsrat von Fortuna Düsseldorf sitzt.

Ein Blick zurück

Übliche Auswärtsmurmelei
Das Hinspiel in a nutshell: Ganz gut gespielt, sich das Gegentor mehr oder weniger selbst reingelegt, dann auch noch in Unterzahl geraten, noch besser gespielt, aber einfach kein Tor geschossen. Klingt nach typischen Auswärtsspielen des FC St. Pauli, aber dann doch irgendwie klar aus der Vorzeit.

Im Zeichen des Abschieds
Als der FC St. Pauli und Fortuna Düsseldorf am letzten Spieltag der letzten Saison aufeinandertrafen, da hatte der FCSP gerade innerhalb weniger Wochen den Aufstieg verspielt und kurz vor dem Spiel wurden einige Abgänge angekündigt. Entsprechend emotional wurde es, aber entsprechend egal war auch das Spiel, welches 2:0 endete.

Deutschland, Hamburg, 15.05.2022, Fussball 2. Bundesliga 34. Spieltag, FC St. Pauli - Fortuna Duesseldorf im Millerntor-Stadion Christopher Buchtmann (FC St. Pauli) geht aus dem Spiel und wird von den Fans gefeiert
Vor fast genau einem Jahr wurden gegen Fortuna Düsseldorf gleich einige langverdiente Spieler des FC St. Pauli verabschiedet.
(c) Peter Boehmer

Trockene Taktik-Analyse
Im Hinspiel der Saison 21/22 kam der frischgebackene Herbstmeister FC St. Pauli nach Düsseldorf und Leart Paqarada machte erstmals Bekanntschaft mit einer direkten Reaktion auf seine bis dahin äußerst starke Saison: Er wurde in Manndeckung genommen. Das störte das Spiel des FCSP zwar, aber gewinnen hätten sie es trotzdem müssen.

Im Tal der falschen Entscheidungen
„Am Ende fällt der Sieg der Fortuna sogar deutlich zu gering aus“ – ach nee, schnell weg hier…

Monster der Effektivität gegen ein ineffektives Fehlermonster
Ende 2020 nutzte ich das Wort „Effektivität“, obwohl ich „Effizienz“ meinte. Das hat sich heute glücklicherweise geändert. Die Sache mit der Effizienz von Fortuna Düsseldorf ist hingegen auch heute noch ein zentrales Thema.

FC St. Pauli: Wer kann spielen, wer fehlt?

Im Kader des FC St. Pauli wird es im Vergleich zu den letzten Spielen eher wenige Veränderungen geben. David Nemeth, Etienne Amenyido, Igor Matanovic und Maurides werden weiterhin ausfallen. Fraglich ist einzig, ob Eric Smith wieder in den Kader zurückkehren kann. Fabian Hürzeler betonte, dass man bei ihm das Risiko abwägen müsse, er aber durchaus eine Option ist.

Fortuna Düsseldorf: Wer kann spielen, wer fehlt?

Daniel Thioune äußerte sich relativ ausführlich und in wie üblich sehr angenehmer Weise auf der Pressekonferenz vor dem Spiel zu allen Belangen. Personell sind alle Torhüter wieder am Bord, da Raphael Wolf am Donnerstag wieder ins Training eingestiegen ist. Auch wieder Teil des (wenig körperbetonten) Team-Trainings waren Rouwen Hennings (Meniskusverletzung) und Jorrit Hendrix (Unterarmbruch), bei denen Thioune einen Einsatz aber offen ließ.

Ausschließen konnte Thioune einen Einsatz von Marcel Sobottka, der „muskulär noch nicht imstande ist zu trainieren“ und Ao Tanaka (Innenbandriss). Bei Tanaka werde es sogar eng, in dieser Saison überhaupt noch auf dem Platz zu stehen. Damit fehlen Fortuna zwar nur ein paar Spieler, aber diese sind mit Hendrix, Tanaka und Sobottka sehr konzentriert auf das defensive Zentrum im Mittelfeld.

Was hat die Fortuna zu bieten?

In der gesamten Saison war Fortuna Düsseldorf nie schlechter als auf Platz neun positioniert, aber stand auch nur einmal (am zweiten Spieltag) auf einem der ersten drei Plätze. Das beschreibt das Team eigentlich ziemlich gut: Oberes Drittel, aber nicht überragend. Auf der anderen Seite gibt es auch nur wenige Teams in der Liga, die solch eine Konstanz aufweisen, wie Fortuna Düsseldorf, welches dadurch stets den Kontakt nach oben halten konnte.

Pizza-Grafiken mit Kernstatistiken von Fortuna Düsseldorf und FC St. Pauli nach 31 Spieltagen der Saison 22/23 in der 2. Bundesliga
Pizza-Grafiken mit Kernstatistiken von Fortuna Düsseldorf und FC St. Pauli nach 31 Spieltagen der Saison 22/23 in der 2. Bundesliga

Düsseldorfer Konstanz

Die nicht vorhandene tabellarische Achterbahnfahrt spricht für eine Konstanz, die auf der Erfahrung im Kader beruht. Fortuna Düsseldorf hat eine hochkarätig besetzte und sehr ausgewogene Fußballmannschaft zusammen. Das Sturm-Duo Daniel Ginczek und Rouwen Hennings hätte auch schon vor zehn Jahren das eines Aufstiegskandidaten in der 2. Liga sein können. Ein sehr großer Teil des Kaders spielt bereits seit einigen Jahren zusammen. Die Hälfte der Spieler (14) ist bereits mindestens seit 2020 im Verein (zum Vergleich: Beim FCSP sind es acht und sechs davon kamen im Jahr 2020). Das ist also ein sehr stabiles Gerüst in Düsseldorf.

Diese Konstanz in der Leistung, welche man anhand der Tabellenposition sieht und die Konstanz im Kader, sie ist auch für Fabian Hürzeler eines der entscheidenen Merkmale von Fortuna Düsseldorf. Er spricht von einer „reifen Spielweise“, von „Widerstandsfähigkeit“, von einer „erfahrenen Mannschaft, die weiß wie man Spiele gewinnt“. Es ist keine allzu gewagte These, dass der FC St. Pauli einen Spielbeginn wie gegen Darmstadt, mit vielen Ballverlusten in der eigenen Hälfte, gegen Fortuna nicht unbeschadet überstehen würde.

Düsseldorfer Effizienz

Denn Fortuna Düsseldorf braucht nicht viel, um offensiv erfolgreich zu sein. Gelangt das Team ins letzte Drittel, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es auch für das Tor der Gegner gefährlich wird. Die Fortuna hat die höchste Torschussgenauigkeit der Liga (39.1% – FCSP bei 33.1%) und die beste Dribbelquote (57.8%). Zudem sind die Quoten erfolgreicher Pässe im Angriffsdrittel und im gegnerischen Strafraum klar überdurchschnittlich. Das zeigt: Gegen Fortuna darf man sich keine Fehler erlauben.

Fortuna Düsseldorf hat eine sehr ausgeglichene Mannschaft. Besonders offensiv verfügt das Team über hohe Qualität und gleich eine ganze Reihe von Spielern, die in dieser Saison Torgefahr nachgewiesen haben. So kann dann auch mal ein Top-Spieler wie Dawid Kownacki (zwölf Tore, neun Vorlagen – Hürzeler: „einer der komplettesten Stürmer der 2. Liga“) letzte Woche nur von der Bank kommen. Daniel Ginczek, Shinta Appelkamp (sechs Tore, neun Vorlagen) und Andre Hoffmann sprangen beim 3:0 gegen Kiel als Torschützen ein. Insgesamt haben bei Düsseldorf bereits 17 verschiedene Spieler in dieser Saison Tore erzielt. Sich auf einzelne Spieler zu fokussieren ergibt also nur bedingt Sinn.

Mögliche Aufstellung

Und weil die Mannschaft der Fortuna eben so ausgeglichen ist und an einigen Stellen über viel Erfahrung verfügt und Daniel Thioune sich laut Hürzeler „immer etwas einfallen lässt“, ist es auch ganz schwer vorherzusehen, wie das Team personell auflaufen wird. Sehr viel sicherer ist hingegen die Formation: Je nachdem. ob Dawid Kownacki oder Shinta Appelkamp als zweite Spitze agieren, ist diese Rolle auch mal eher im Zehnerraum anzusiedeln. Das ist dann entweder ein 4-2-3-1 oder ein flaches 4-4-2.

Fragezeichen im Zentrum

Personell dürfte vor allem die Doppelsechs ein wenig Kopfzerbrechen bereiten. Mit Tim Oberdorf (eigentlich Innenverteidiger) und dem 17-jährigen Elione Fernandes-Neto spielte dort zuletzt ein eher unerfahrenes Duo. Da, wenn überhaupt, nur Jorrit Hendrix wieder zurückkehren könnte, dürfte diese Doppelsechs als so etwas, wie die Sollbruchstelle vom FCSP ausgemacht werden.

Erwartete Aufstellung beim Spiel FC St. Pauli gegen fortuna Düsseldorf
Erwartete Aufstellung beim Spiel FC St. Pauli gegen Fortuna Düsseldorf

Solange Eric Smith nicht wieder einsatzbereit ist, sind keine personellen Wechsel beim FC St. Pauli zu erwarten. Sollte er wieder fit sein, dann dürfte er Adam Dźwigała aus der Startelf verdrängen. Ansonsten gilt weiter: Never change a running system. Viel eher darf man gespannt sein, ob Fortuna Düsseldorf Lösungen gegen die offensiven Außen des FCSP zur Hand hat.

Spannung bietet das Spiel so oder so. Denn angesichts der Tabellensituation bleibt fast nichts anderes übrig, als schon von einem Knock-Out-Spiel zu sprechen. Nur der Gewinner kann realistisch betrachtet noch um den Aufstieg mitspielen. Es macht sehr stolz, dass man am 32. Spieltag noch so etwas über ein Spiel mit Beteiligung des FC St. Pauli schreiben kann. Aber natürlich, ganz sicher, selbstverständlich, sowieso will ich diese drei Punkte dann jetzt auch haben.

Forza!
// Tim

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