Vorbericht: FC St. Pauli – SV Wehen Wiesbaden (17. Spieltag, 23/24)

Vorbericht: FC St. Pauli – SV Wehen Wiesbaden (17. Spieltag, 23/24)

Zum Abschluss des Jahres empfängt der FC St. Pauli den SV Wehen Wiesbaden, möchte sich die Herbstmeisterschaft sichern und ungeschlagen bleiben. Der Vorbericht.
(Titelbild: Stefan Groenveld)

Im „Vor dem Spiel“-Gespräch hat sich Yannick mit Michael und Gunnar vom Podcast „Niemals Erste Liga“ unterhalten. Dabei geht es unter anderem auch um den wilden Nicht-Aufstieg, der dann doch noch über den Umweg Relegation gelang, aber auch das stete Auf und Ab im bisherigen Saisonverlauf.

Das Spiel wird von zwei Aktionen begleitet werden, die jede Aufmerksamkeit verdient haben: Zum einen trägt der FC St. Pauli Sondertrikots, dessen Verkaufserlöse an Kiezhelden gehen werden. Zum anderen erklärte Ultrà Sankt Pauli, dass es aufgrund des Investoreneinstiegs in die DFL einen Schweigeprotest in den ersten zwölf Minuten der Partie geben wird. Der MillernTon unterstützt diesen Aufruf.

FC St. Pauli: Wer kann spielen, wer fehlt?

Keine Veränderungen gibt es bei der Kadersituation des FC St. Pauli. Einzig der Grund des Ausfalls von Simon Zoller hat sich verändert. Nach einem Trauerfall folgten muskuläre Probleme, nun ist noch ein Infekt hinzugekommen. Müßig zu erwähnen, dass die Zeit für Zoller seit seiner Ankunft beim FCSP keine einfache gewesen sein dürfte. Fabian Hürzeler hofft darauf, dass er die nun anstehende Winterpause für sich nutzen kann, „um zu alter Stärke zurückzufinden, um problemfrei trainieren zu können. Ich glaube das ist die Grundvoraussetzung, damit er wieder an die alte Form anknüpfen kann.“

SV Wehen Wiesbaden: Wer kann spielen, wer fehlt?

Die Liste an Ausfällen ist relativ lang bei Wiesbaden. Trainer Markus Kauczinski erklärte, dass ein Einsatz von Antonio Jonjic und Hyun-ju Lee aufgrund von grippalen Infekten fraglich ist. Sicher ausfallen werden Keanan Bennetts und Lasse Günther (beide Adduktorenbeschwerden), sowie Abwehrchef Marcus Mathisen (Wadenprobleme), Max Reinthaler (Innenbandzerrung) und Emanuel Taffertshofer (Leistenbeschwerden). Besonders ein Ausfall von Lee würde schwer wiegen, wie Fabian Hürzeler erklärt: „Er ist einer der passsichersten und dribbelstärksten Spieler der Liga. Diese Ballsicherheit, die Lösungen in engen Spielsituationen, den Tiefgang, die schnellen kleinen Bewegungen – das ist ein Spielertyp, der mir sehr gefällt. (…) Ich glaube, dass Wiesbaden definitiv besser ist mit ihm.“

Was hat Wiesbaden zu bieten?

Es ist ein Auf und Ab, was der SV Wehen Wiesbaden bisher in dieser Hinrunde zeigte. In die Saison startete das Team mit sieben Punkten aus drei Spielen. Es folgten zwei Zähler aus sechs Partien. Dann feierte man vier Siege in Folge und nun hat man bereits wieder drei Spiele in Serie verloren. Aus FCSP-Sicht hofft man sicherlich, dass die aktuelle Serie noch ein wenig verlängert werden kann. Mit aktuell 21 Punkten hat das Team bereits mehr als die Hälfte der magischen 40 Punkte gesammelt. Allerdings beträgt der Abstand zum 16. Platz nur vier Zähler, wenn man an diesem Sonntag nicht punktet.

Ein low scoring Team

Beim Blick auf die Anzahl von Treffern und Gegentreffern, darf man nicht unbedingt damit rechnen, dass es zum Jahresabschluss am Millerntor eine torreiche Partie geben wird. Bei Spielen mit Beteiligung des FC St. Pauli hat es bisher insgesamt 44 Tore gegeben, was den zweitniedrigsten Wert der Liga bedeutet. Wenn Wiesbaden beteiligt gewesen ist, dann fielen sogar noch weniger Tore, nämlich nur 39. Ein erneutes 0:0 am Millerntor calling?

Nein, nicht unbedingt. Der Blick auf die xG-Werte zeigt nämlich, dass sowohl der SV Wehen Wiesbaden selbst, aber auch die Gegner ein Problem mit der Abschluss-Effizienz haben. Den 18 erzielten Treffern steht nämlich ein xG-Wert von fast 27 gegenüber. Den 21 Gegentreffern ein xG-Wert von knapp 30. Gerade die Defensive ist alles andere als sattelfest, lässt ligaweit die meisten Torschüsse zu. So darf sich das Team oft beim eher etwas unkonventionell agierenden, aber sehr erfolgreichen Torhüter Florian Stritzel bedanken, dass man sich nicht noch einige Treffer mehr fing.

WIESBADEN, GERMANY - SEPTEMBER 27: Ivan Prtajin of SV Wehen Wiesbaden celebrates after scoring the team's first goal during the DFB cup first round match between SV Wehen Wiesbaden and RB Leipzig at BRITA-Arena on September 27, 2023 in Wiesbaden, Germany. (Photo by Alex Grimm/Getty Images)
Mit sechs Treffern ist Ivan Prtajin ein ganz, ganz wichtiges Element im Offensivspiel des SV Wehen Wiesbaden.
(Alex Grimm/Getty Images/via OneFootball)

Fixpunkt Prtajin

Offensiv ist Wiesbaden extrem abhängig von Ivan Prtajin. Der Mittelstürmer hat mit sechs Saisontreffern ein Drittel der Tore des Teams erzielt. Sein persönlicher xG-Wert liegt bei knapp zehn, was bei einem Gesamtwert von knapp 27 schon bemerkenswert ist. Prtajin ist für rund ein Viertel aller Torschüsse verantwortlich. Und wenn Flanken kommen, dann muss man eigentlich nur auf ihn achten, weil er bereits 17 Abschlüsse per Kopf vorzuweisen hat (was die Hälfte aller Kopfbälle von Wiesbaden bedeutet). Auf Platz Zwei im team-internen Ranking folgen Spieler mit drei Kopfbällen. Keine Frage: Ivan Prtajin ist die zentrale Figur in der Offensive des SV Wehen Wiesbaden.

Trainer in Wiesbaden ist Markus Kauczinski – und da dürfte bereits vielen klar sein, welche Art von Fußball den FC St. Pauli erwartet. Fabian Hürzeler fässt das wie folgt zusammen: „Wir erwarten eine Mannschaft, die sehr kompakt Fußball spielt“ und erklärt weiter: „Sie spielen einfachen, aber einfach effektiven Fußball.“
Das Team von Kauczinski agiert also relativ oft mit langen Bällen und einer tiefen Verteidigung. Dabei geht es für den Trainer natürlich nicht darum, einen Schönheitspreis zu gewinnen, sondern das Bestmögliche aus dem Team herauszuholen, ohne waghalsige Experimente einzugehen. Hürzeler: „Sie wissen, was sie gut können. Sie wissen auch, was sie nicht so gut können. Das ist eine Stärke von ihnen.“

Mögliche Aufstellung

In den letzten fünf Spielen gab es jeweils fünf unterschiedliche Startaufstellungen beim SV Wehen Wiesbaden. Teilweise bedeutete das auch leichte Veränderungen der Formation, wobei allerdings die Fünferkette eine Konstante geblieben ist. Da Wiesbaden bei der Niederlage gegen Braunschweig alles andere als überzeugen konnte, ist auch nicht unbedingt zu erwarten, dass Kauczinski sich für die gleichte Startelf wie zuletzt entscheidet. Aufgrund der Wichtigkeit von Lee für das Spiel des Aufsteigers, gehe ich davon aus, dass er auf jeden Fall dabei ist, auch wenn es womöglich nicht für viel Spielzeit reichen wird.

Erwartete Aufstellung beim Spiel FC St. Pauli gegen SV Wehen Wiesbaden
Erwartete Aufstellung beim Spiel FC St. Pauli gegen SV Wehen Wiesbaden

Rotiert Metcalfe rein?

Beim FC St. Pauli ist, wenn überhaupt, nur eine personelle Veränderung in der Startelf zu erwarten: Auf der rechten Offensivseite könnte Connor Metcalfe anstelle von Dapo Afolayan starten. Das gar nicht unbedingt, weil Afolayan keinen guten Eindruck hinterließ beim Spiel in Osnabrück oder weil Metcalfe das tat. Vielmehr könnte es darum gehen, wie der FCSP vorhat die kompakte Defensive von Wiesbaden zu knacken. Denn mit Metcalfe, einem Linksfuß, ist das Spiel leichter verlagerbar. Zudem würde ein nach einer Stunde Spielzeit frisch eingewechselter Afolayan den Gegner nochmal vor richtige Aufgaben stellen.

Sowieso Aufgaben: Es ist die schwierigste Aufgabe im Fußball, Lösungen gegen tief stehende Gegner zu finden – das sagte uns Fabian Hürzeler Anfang der Woche im Podcast. Und so steht der FC St. Pauli also wieder vor einer solch hohen Hürde, denn Wiesbaden wird höchstwahrscheinlich genau das anbieten. Aber auch einige andere Teams erwarteten den FCSP zuletzt tief stehend. Und gegen diese Spielweise hat sich das Team laut Hürzeler verbessert:

„In Sachen Geduld haben wir einen Schritt nach vorne gemacht. Wie wir unsere Angriffe vorbereiten und nicht versuchen, hektisch auf einer Seite durchzuspielen, immer besser erkennen, wann Situationen statisch und wann sie dynamisch sind und auch dynamische Situationen kreieren können. Das ist ein langer Entwicklungsweg, aber meine Mannschaft macht es von Spiel zu Spiel besser. Trotzdem fehlt uns in Momenten, und daran müssen wir arbeiten, die Präzision und die letzte Konsequenz, in die Box zu gehen.“

Fabian Hürzeler sieht sein Team gegen tiefstehende Gegner auf einem guten Weg.

Es ist eigentlich egal, wie das letzte Spiel des Jahres für den FC St. Pauli endet, das Fußballjahr wird rückblickend als eines der erfolgreichsten in der Clubhistorie zu verorten sein. Aber das Wort „eigentlich“ steht im letzten Satz – und das muss dort stehen. Denn natürlich wäre eine Niederlage ziemlich bitter und würde einen dicken Strich durch die schöne Statistik, aber auch die gute Ausgangsposition ziehen. Ein Unentschieden würde die Statistik zwar weiterhin sehr gut aussehen lassen, aber mit mehr Remis als Siegen in der Bilanz erreicht man selten hochgesteckte Ziele – es wäre sicher ein Dämpfer, der dann auch noch zur Unzeit kommt, weil man ihn mit in die Winterpause nimmt. So geht Fabian Hürzeler dieses Spiel auch ganz bewusst anders an: „Wir sollten nicht zu sehr die Serie thematisieren. Es geht darum, das Spiel zu gewinnen.“ Das Millerntor wird den FC St. Pauli dabei – ein letztes Mal in diesem Jahr – lautstark unterstützen. Nur nicht in den ersten 12 Minuten.

Forza!
// Tim

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