Gewinner und Verlierer

Gewinner und Verlierer

Mit seiner Reise nach Mallorca sorgt der FC St. Pauli für Kontroversen. Weil Nachhaltigkeit und Wettbewerb aufeinandertreffen. Ein Kommentar.
(Titelbild: Stefan Groenveld)

Ein Kommentar von Tim

** Nachtrag: Auch auf der Pressekonferenz zum Spiel in Magdeburg war die Reise natürlich Thema. Pressesprecher Patrick Gensing äußerte sich dazu ausführlich ab Minute 15m18s und findet weitere erklärende und einordnende Worte. **

Das Echo, das die Meldung des Vereins von der Trainingswoche auf Mallorca nach sich zog, war und ist mächtig. Für viele ist es ein gefundenes Fressen, endlich mal wieder gegen den FCSP schießen zu können. Dem FC St. Pauli vorzuwerfen, dass dieser da ja ziemliche Scheiße mache, während sich der eigene Verein keine große Mühe im Nicht-Scheiße-Sein gibt, funktioniert offenbar ganz fabelhaft. Diese Stimmen von anderen sollten uns völlig wumpe sein und das sind sie auch, wenn man die Aktion einordnen möchte. Eine kritische Betrachtung von innen heraus ist trotzdem angebracht.

No one likes us – we don’t care!

Die Verantwortlichen des FC St. Pauli werden gewusst haben, wie die Außenwirkung dieses Kurztrips ist und welche Reaktionen es darauf geben wird. Sie werden gewusst haben, dass die Sozialen Medien voll sein werden von dumpf feixenden, höhnischen und johlenden Stimmen. Und trotzdem haben sie sich dazu entschieden, das Training für eine Woche nach Mallorca zu verlegen. Warum?

Profifußball ist ein knallharter Wettbewerb, bei dem es darum geht, am Limit zu arbeiten und aus allem die letzten Prozentpunkte herauszuquetschen. Fabian Hürzeler (wie übrigens auch Timo Schultz zuvor) erklärt immer wieder, dass es darum geht, jene Dinge zu optimieren, die man selbst beeinflussen kann. Dazu zählt auch gutes Training unter optimalen Bedingungen. Und diese Bedingungen sind aktuell an der Kollaustraße nicht vorhanden. Ein Wettbewerbsnachteil, auch und gerade gegenüber Teams mit deutlich mehr Trainingsplätzen. Angetrieben von der Maxime, dass man alle beeinflussbaren Komponenten im Profifußball möglichst optimal hält, ergibt eine Verlegung der Trainingswoche nach Mallorca absolut Sinn. Weil man dort optimale Bedingungen vorfindet, zum Beispiel auch in Bezug auf medizinische Versorgung, wie der Verein erklärte. In dieser Hinsicht geht von dieser Aktion ein richtiges Signal aus.

Einerseits…

Dieser Wunsch nach dem Optimum, um eben das Maximale aus den Pflichtspielen herauszuholen, ist verständlich. Besonders in der aktuellen Situation, wo aufgrund der Tabellensituation ein Aufstieg durchaus realistisch ist, ist der Wunsch nach optimalen Trainingsbedingungen, nach besserer Spielvorbereitung, nach weniger Verletzungsgefahr, vielleicht mehr denn je vorhanden. Entsprechend ist diese Entscheidung auch ein Ausdruck der Bereitschaft alles für den maximalen Erfolg in dieser Saison zu geben. Aber ist die Entscheidung auch angemessen für einen Fußballverein, der „ein anderer Fußball ist möglich“ und „not perfect, but better“ (hier findet ihr die Nachhaltigkeitsstrategie des FCSP) stolz in die Welt hinausträgt und auch deshalb von vielen geliebt wird?

Klar ist auch: Andere Fußballclubs bekommen ganz sicher nicht so einen Gegenwind, wenn sie zum Beispiel spontan irgendwo hinreisen, um dort zu trainieren. Der FC St. Pauli hingegen schon. Das ist vielleicht eine Art Wettbewerbsnachteil. Aber kein Argument, hinter dem man sich verstecken sollte. Denn wer von einem „anderen Fußball“ spricht, der muss es auch anders machen, zeigen, dass es anders geht. Wenn sich daraus nur Vorteile ergeben würden, dann hätten sich schon längst alle auf diesen Weg begeben.

Es ist ein in vielen Teilen der Wirtschaft altbekanntes Muster, was hier zu greifen scheint. Denn viele Unternehmen schmücken sich mit toll klingenden Nachhaltigkeitszielen, haben einige Projekte laufen. Einige versuchen das ernsthaft, andere versuchen ihre Scheiße mit grüner Farbe anzumalen. Doch wenn die Bedingungen schwieriger werden – meist hat das wirtschaftliche Gründe – dann sind diese Nachhaltigkeitsziele oft das erste, was über die Klippe gehen muss.

…andererseits

Das ist auf der einen Seite verständlich. Weil echter Klimaschutz eben leider (immer noch) kein starkes Verkaufsargument ist, keine stabile Lobby hat. Andere Reaktionen auf veränderte Bedingungen (Stellenabbau, Wettbewerbsnachteile) können noch viel stärkere Reaktionen hervorrufen, als das Vernachlässigen von Nachhaltigkeitszielen. Auch weil es vielen immer noch gelingt, ihre grün angemalte Scheiße gut ausgeleuchtet im Schaufenster zu präsentieren.

Ob der FC St. Pauli mit solchen Unternehmen gleichzusetzen ist? Nein, sicher nicht. Nochmal: Es geht nicht um den Vergleich mit anderen, denn beim FCSP läuft bereits vieles richtig oder in die richtige Richtung. Aber es wirkt so, als wenn der Mechanismus ähnlich zu anderen ist. Die eigenen Trainingsbedingungen sind nicht mehr optimal beziehungsweise so schlecht, dass ein richtiges Training kaum mehr möglich ist. Und die Reaktion darauf geht zu Lasten der ökologischen Nachhaltigkeit, nicht zu Lasten des Wettbewerbs.

Wichtig ist: Gemessen an all den Emissionen, die ein Profifußballteam in einer Saison insgesamt produziert, ist ein Kurztrip nach Mallorca eher ein kleiner Posten, vielleicht sogar fast irrelevant. Und auch wenn so ein Trip, wie alle anderen Reisen der Profis beim FC St. Pauli, kompensiert wird, ist ein Verzicht doch besser. Noch viel wichtiger: Das Signal, das von so einer Aktion ausgeht, ist ganz und gar nicht irrelevant. Welche Vorbildfunktion Fußballvereine haben, muss sicher nicht ausgeführt werden. Diese formuliert auch der FCSP selbst oft genug. Wenn der Verein dazu aufruft, klimagerechter zu agieren, selbst aber für wenige Traingseinheiten nach Mallorca fliegt, dann geht davon ein falsches Signal aus. Denn klimagerechter zu agieren bedeutet letztendlich für uns alle, auf Dinge zu verzichten, einen suffizienteren Lebensstil zu führen, Kompromisse einzugehen, Abstriche zu machen.

Nachhaltigkeit vs. Wettbewerb

Somit bleibt ein fader Beigeschmack bei dieser Aktion. Natürlich wünscht sich das Fanherz die bestmöglichen Bedingungen für das eigene Team. Vielleicht war es aus Vereinssicht noch nie so wichtig wie jetzt, alles bestmöglich für den sportlichen Erfolg zu gestalten. Ob es einen Kompromiss hätte geben können zwischen möglichst optimalen Trainingsbedingungen auf der einen und dem Verfolgen und Vorleben von Werten auf der anderen Seite? Zum Beispiel in Form eines Trainingsplatzes in der Nähe, bei dem dann nicht alle Voraussetzungen perfekt sind, aber eben besser als aktuell an der Kollaustraße?

Die Frage kann nur der FC St. Pauli selbst beantworten. Sicher ist, dass man mit so einer Reise keinen Nachhaltigkeitspreis gewinnen wird, aber vielleicht die 2. Bundesliga. Sich zwischen diesen beiden Dingen zu entscheiden, ist nicht einfach. Sollte man das gegeneinander aufwiegen? Eigentlich nicht. Passiert das gerade zwangläufig? Leider ja. Und in diesem Fall gibt es zumindest einen klaren Verlierer – das Klima, weil es gegenüber dem Wettbewerb dann doch in die zweite Reihe rückt.

// Tim

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33 thoughts on “Gewinner und Verlierer

  1. Natürlich gewinnt der Verein mit diesem Trip keinen Nachhaltigkeitspreis.
    Es gehört aber eben auch zur Wahrheit – und Du hast es ja auch erwähnt – dass der CO2 Ausstoß dieser Flugreise ein eher kleiner Posten im CO2 Fußabdruck innerhalb einer Saison darstellt:

    Die diversen CO2 Rechner werfen für die Malle Reise einen CO2 Ausstoß von insgesamt rund 750 Kilo pro Person für Hin- und Rückflug aus.

    Das entspricht ziemlich genau dem CO2 Ausstoß, den 10 PKW bei einer Auswärtsfahrt von Hamburg nach Hannover verbrauchen (10 PKW x 320 km x 7,5 liter/100km. x 3,2 kilo CO2/liter).

    Wenn der St Pauli Tross nach Malle 40 Personen stark sein sollte, entspricht der CO2 Ausstoß also ca 400 Fahrzeugen von St Pauli Anhängern bei einer einzigen Auswärtsfahrt nach Hangover..

    Macht es alles natürlich nicht besser, hilft aber vielleicht, die Größenordnung des Problems etwas besser einzuordnen.

    1. Hi Jens,
      atomar betrachtet hast du vollkommen Recht und der Trip ist von der Umweltbilanz her zu vernachlässigen.
      Übergeordnet ist der Schaden in meinen Augen aber deutlich höher.
      Zum Einen ist da der Imageverlust weil doch auch Greenwashing beim FCSP betrieben wird und das Bunte auch ein Verkaufsargument ist.
      Zum Anderen dann natürlich die Vorbildfunktion. Wenn ich, bildlich gesprochen, meine Klappe aufreiße und Nachhaltigkeit ganz groß vor mir her trage ist es doch sehr scheinheilig dann mal eben nach Mallorca zum Trainieren zu fahren. Ist dies wirklich der ökologisch beste Platz gewesen, oder hätte man mit ein paar kleinen Abstrichen nicht auch mit dem Zug nach Oer-Erkenschwick fahren können?

    2. Die Nachhaltigkeitsstrategie heißt Not Perfekt, But Better. nicht ohne Grund!
      Und auch mit einem Verzicht auf die Flugreise hätte der Verein keinen Nachhaltigkeitspreis gewonnen. Dafür aber ein hohes Risiko im Wettbewerb getragen.
      Der FCSP macht immer wieder den Eiertanz zwischen Kommerz und Idealismus. Die Verantwortlichen müssen sich da immer wieder Fragen stellen und diese neu beantworten. Und vor allem Kompromisse finden.
      So ist das. Gemessen am Impact dieser Reise ist der Aufreger groß. Und ich will nicht wissen, wie viele der Empörten schon ihren Backpackingurlaub in Asien oder Südamerika gebucht haben. Die Debatte ist scheinheilig, schadenfroh und zu undifferenziert.

  2. Ich hol meinen Kommentar mal von ersten Artikel hier her, da ich erst danach gesehen hab, dass hier ein zweiter Artikel dazu ist. Er kann drüben gern gelöscht werden.

    Ich finde das persönlich wirklich schwierig. Der Grund warum die Trainingsplätze nicht gut zu benutzen sind, hängen mit der globalen Klimakatastrophe zusammen. (Höhere Lufttemperatur, führt dazu das es mehr regnet, da die Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann). Das bedeute dieses Problem wird in Zukunft regelmäßig vorkommen, wird dann in dem nächsten Wintern regelmäßig auf Spanien trainiert? Dort gibt es im übrigen gerade ne Hitzewelle mit 30*C und Wassermangel.

    Ja der FCSP kann die Welt nicht retten, ja er soll das Aufstiegsrennen ernst nehmen, das Zeichen finde ich trotzdem falsch und die Vorbildfunktion ist halt da. Klar sind die Englischen Clubs schlimmer aber die sind ja auch nicht unser Vergleichswert, oder?

    @Jens mag sein, das Zeichen ist aber etwas anderes als 400 PKW nach Hannover. Wenn es eine 1malige Aktion bleibt, ist es vielleicht ok. Wenn aber die Trainingsbedingungen so schlecht bleiben, was dann? Regelmäßige Trips? Warum müssen den eigentlich die 1 Frauen auf den schlechten Plätze trainieren? AH der Holstein ist auch wegen dem Training nach $Ort in Spanien geflogen, können sie das Spiel ja gleich da machen. Die Zeichen sind entscheidend und sie sind schlecht.

    Danke Tim für deinen Kommentar

  3. Moin Tim,
    erstmal danke für deinen Kommentar zur Trainingslagerdebatte.
    Ich finde auch das das Thema intern in der FCSP-Bubble besprochen werden sollte. Was die Anderen sagen sollte uns da egal sein.

    Für mich ist es ist ein Dilemma zwischen Herz und Hirn. Das Herz will den „anderen“ Fußball mit allen guten Dingen für die wir unseren FCSP ja auch lieben. Und der Verein (und die Fans) machen es ja auch besser als Andere und zeigen klare Kante bei vielen wichtigen Themen.
    Das Hirn will den Maximalertrag, also beste Bedingungen und das beste Ergebnis. Wie der Weg dorthin aussieht ist sekundär.

    Im Endeffekt ist es eine Entscheidung für Haltung oder für (möglichen) Ertrag. Und da entscheidet der Verein sich, wie viele, für den Ertrag.
    Um ein etwas überspitztes Bild zu zeichnen: Was würdest du machen wenn 5 Faschos einen Menschen bedrängen? Aufs Herz hören und einschreiten? Oder die eigene Gesundheit nicht riskieren? Oder ein Mittelding und die Cops rufen?

    Abschließend finde ich dass uns diese Trainingslagersituation den Charakter zeigt. Was ist mir wichtig? Maximaler sportlicher Erfolg oder dieser „andere Fußball“?

  4. Vielen Dank für den kritischen Kommentar, Tim. Generell stellt sich die Frage, ob die Mallorca-Reise wirklich die (aller)letztmögliche Option von allen Ausweichszenarien gewesen ist. Hätte es noch andere Möglichkeiten gegeben, die den faden Beigeschmack der Aktion gemildert hätten? Das wird bei dem ganzen Thema leider nicht so richtig deutlich und vielleicht hätte der Verein das auch besser kommunizieren müssen. Meine ganz persönliche stumpfe Reaktion auf die Meldung war jedenfalls: „Hä, warum denn ausgerechnet nach Malle?“.

    Wie bei vielen Dingen in Deutschland greift aber auch bei diesem Thema der Neid um sich. Wie viele von denen, die den Verein nun scharf angehen, wären dieser Tage selbst gerne in den Flieger gestiegen, um dem grauen Februar in Richtung mallorquinischer Sonne zu entfliehen? Mein Theorem: Nachhaltigkeit wird angemahnt, gemeint ist aber unterschwellig, dass sich die Spieler gefälligst wie jede*r andere hier unter Depri-Bedingungen abmühen sollen.

    1. Ich denke warum gerade Malle hat Tim gestern schon ganz gut beantwortet, weswegen Malle mmn wahrscheinlich schon die Kompromisslösung ist. Man suchte etwas mit genügend Platz, einer Vernünftigen Spielfläche, einer guten Anbindung aus Hamburg, am besten mit nem Hotel daneben und das ganze am besten schon gestern. Das so kurzfristig nicht viel diesen Kriterien entspricht sollte uns allen klar sein, vorallem bei dem jetzt auch wieder angekündigtem Schneefall.

  5. Massenweise Pöbel-Kommentare im Internet nennt man „Shitstorm“, und das nicht ohne Grund. Denn sie bestehen vorwiegend aus Scheiße. Danach zu handeln, was der Pöbel liebt oder hasst, kann also niemals die Maxime eines Vereins sein.

    Was wäre, wenn der FCSP eine Negativserie hinlegt, dann hätten alle mit den Fingern auf die Zustände auf dem Trainingsplätzen gezeigt und dem Verein vorgeworfen, den Aufstieg weggeworfen zu haben, nur um mal wieder „der etwas andere Verein“ zu sein. Und was gewesen wäre, wenn sich auf dem Rübenacker jemand verletzt hätte? Ui ui ui.

    Alle, die dem Verein jetzt „Heuchelei“ vorwerfen, sollten sich selbst mal fragen, ob es nicht so aus dem Wald hinausschallt, wie sie hineinrufen. Dem Verein wird gerne unterstellt, dass ihm Fußball ja gar nicht wirklich interessiere, dass er ständig nur Politik mache, dass er nur ein Klamottenlabel sei, dass diese ganzen Anliegen vom Kernthema Fußball ablenken und den Erfolg verhindern. Der Verein beweist mit dieser Entscheidung, dass dem nicht so ist. Der sportliche Erfolg ist sehr wichtig.

    Wie mans macht, ists immer für einige Leute verkehrt.

    Der FCSP hat nie behauptet, perfekt „green“ zu sein. Dies kann den Verein also auch nicht vorgeworfen werden. Zwischen Club und Fans gab es schon immer den Konsens, dass es Kompromisse geben muss, wenn man im Profifußball auch nur halbwegs erfolgreich dabei sein will.

    1. Ich will hier gerne mal politisch werden. Die Verwendung des Begriffes „Pöbel“, halte ich aus linker Perspektive, sowie du es tust, für sehr fragwürdig. Du drückst damit eine Abwertung gegenüber den Menschen aus, die du für nicht gebildet und wichtig genug hältst um ihre Meinung zu äußern. Denn du sagst es ja schon richtig, „wie man’s macht, macht man’s falsch“. Das bedeutet, dass es ganz klar auch Argumente gibt, die Mallorca Entscheidung zu kritisieren. Und diese Kritik darf auch von allen Menschen benannt werden, ohne dass sie es verdient haben als Pöbel bezeichnet zu werden.

      Nur um nochmal deutlich zu werden, ich bezeichne mich selbst auch als Pöbel, aber mit nem Augenzwinkern und um die Zugehörigkeit zu meiner Klasse auszudrücken. Deine Benutzung ist elitär und ich freu mich, wenn ich das so nicht mehr lesen muss. Ansonsten Forza und alles gute!

  6. Tja und jeder der Pöbler greife sich an die eigene Nase, wer im Glashaus sitzt…

    Warum kann eigentlich nicht auf den Amateurplätzen vor der Nord trainiert werden? Einer der Plätze ist Nagelneu.
    Oder ist der Unterschied Kunstrasen vs. Naturrasen zu groß?

    1. Einen Kunstrasenplatz gibt es ja auch an der Kollaustraße.
      Allerdings sieht man für Profisportler dort wohl generell ein erhöhtes Verletzungsrisiko, weshalb der bisher nahezu ausschließlich von der U23, U19 und U17 genutzt wird.

  7. @ Pete & Andreas

    natürlich ist diese Flugreise ein gefundenes Fresen für Kritiker von diversen Seiten und der FC St Pauli muss sich – gerade aufgrund der Aussendarstellung – vorhalten lassen „Wasser zu predigen und Wein zu trinken“.
    Mir ging es bei dem Vergleich lediglich darum, die Größenordnung zu veranschaulichen.
    Mit dieser Reise verkommt die Nachhaltigkeitsstrategie des Vereins aber nicht automatisch zu reinem „Greenwashing“.
    Wenn der Verein „perfekt green“ sein möchte, müsste er wahrscheinlich den Spielbetrieb einstellen.
    Wenn Ihr das wollt, müsstet Ihr auch für Euch selbst entsprechende Konsequenzen ziehen.
    Sowohl der Klub selbst als auch die Anhänger müssen leider jeden Tag erneut Kompromisse eingehen, denn einen klimaneutralen FC St Pauli wird es auf viele Jahre hinaus noch nicht geben.

    1. Vielleicht ließt sich mein kommentar härter als gemeint.
      Mir ist vollkommen klar dass man immer von einem Ideal ausgeht und das reelle Geschäft da irgendwo von weg ist.
      Weswegen ich bewusst Greenwashing genannt habe ist die fehlende Kommunikation vom Verein.
      Auf der einen Seite wird viel Aufmerksamkeit auf Nachhaltigkeit gelegt, dann aber kurzfristig eine Trainingswoche auf Mallorca eingelegt. Es mag eventuell die grünste Alternative gewesen sein.
      Aber so laut und öffentlichkeitswirksam wie immer mit Nachhaltigkeit geworben wird, so unauffällig wird mit den Gründen für Mallorca umgegangen.
      War es wirklich, unter berücksichtigung aller Faktoren (auch der Zeit), die nachhaltigste Lösung bei der geforderten Infrastruktur? Oder war dies die einfachste Lösung und man legt den Fokus auf Gewinnmaximierung (hier also ein möglicher Aufstieg)?

      Und mir ist vollkommen klar dass der FCSP nie klimaneutral sein wird. Das sehe ich auch nicht als Anspruch.

  8. Statement:
    Endlich gibt es professionellen Fußball am Millerntor, dann sollte man sich eben auch so verhalten!!
    Wenn ökologischer Fußball gewünscht wird, dann bitte ohne Flutlicht, Rasenheizung und Übertragungen nur noch im Radio!!!
    Wegen den paar Tagen so einen Aufstand machen/zulassen …. unprofessionell!!!

    Ciao

    Brodi

    1. Da gebe ich dir vollkommen Recht!
      Endlich professioneller Fußbal am Millerntor!
      Da wird dann hoffentlich bald auch professionell die Namensrechte am Stadion verkauft. Und es gibt bestimmt auch einige Wettanbieter oder Brausefabrikanten die das (unprofessionelle) Image des Vereins bestimmt besser monetarisieren können als unser Vorstand.
      Und auch der „Aufstand“, die Diskussion… sich kritisch mit Themen auseinandersetzen, andere Meinungen hören… Wie unprofessionell. Profis lieben Gleichschaltung.

      \Ironie off

      1. Ich finde Deine Argumentation leider etwas unsachlich, denn Brodi hat einen fairen Punkt. Du weigerst Dich oben, die Größenordnung der negativen Auswirkungen als Argument gelten zu lassen. Das ist aus meiner Sicht nicht vernachlässigbar. Der Profifussball verursacht eine Menge CO2-Ausstoß. Ein Spielen in der Kreisliga tut dies nicht. Ganz objektiv wäre der zusätzliche Ausstoß einer Kreisligamannschaft durch die Saisonabschlussreise nach Mallorca deutlich erhöht, je nach Anreise der einzelnen locker um einen Faktor 2 auf die Saison gesehen. Ich denke, wir sind uns einig, dass wir nicht in die Kreisliga (oder jede tiefere Liga als die aktuelle) wollen. Wenn wir aber einen Profifussball am Millerntor wollen und den gern auch in der Bundesliga, dann muss man mit den Konsequenzen leben und diese so gut wie möglich kompensieren. Jeder Fan, der zu einem Fußballspiel kommt, erhöht den Fußabdruck. Ist das ein Grund, dass wir uns weniger Zuschauer, weniger Stimmung in den Stadien wünschen? Aus meiner Sicht nicht.

        Ich fände es schön, wenn wir aufhören könnten zu generalisieren und alle zu verteufeln, die CO2-Fußabdrücke hinterlassen. Mein Eindruck ist, dass wir dadurch die Menschen für den Klimaschutz eher verlieren. Stattdessen würde ich mir wünschen, dass es eine Debatte über die Möglichkeiten der Reduktion gibt, die ohne (oder mit wenig) Verzicht und ohne den erhobenen Zeigefinger daherkommt, sondern mit technischen Lösungen und angemessener Kompensation.

        Grüße

        Jan

        1. Jan, da hast du mich falsch verstanden. Ich finde eine Diskussion gut und angebracht. Dies dann von Brodi als unprofessionell zu deklarieren hat für mich dann den sachlichen Boden verlassen und mich zu diesem ironischen Kommentar veranlasst.
          Professionell ist auch andere Meinungen zu hören und in die eigene Meinungsbildung einfließen zu lassen.
          Das Argument mit dem CO² habe ich gar nicht aufgegriffen.
          Denn mir ist vollkommen klar dass professioneller Fußball niemals klimaneutral sein wird.Da sind so viele Faktoren die zur Zeit einfach noch CO² produzieren.
          Und natürlich hat man im Amateurbereich durch die Nähe und Infrastruktur weniger CO². Auch reisen deutlich weniger Fans zu den Spielen etc… Wie gesagt selbst der Merchandise produziert im Profifußball CO². Das kann man fast unendlich aufdröseln.
          Mir hing es nur um den Vorwurf der Unprofessionalität durch geübte Kritik von Brodi.

  9. Fabi hat vorhin auf der PK auch noch mal besonders hevorgehoben, dass ein wichtiges Argument die Gesundheit der Spieler ist weil auf einem rutschigen Acker nunmal die Verletzungsgefahr immens steigt.

    Das find ich schon nachvollziehbarer als eine Abwägung zwischen Klimaschutz und vielleicht ein paar Prozent besserem Training.

  10. whataboutism wo man hin liest.
    Ich bin bei Tims Schlusssatz:
    „klaren Verlierer – das Klima, weil es gegenüber dem Wettbewerb dann doch in die zweite Reihe rückt.“
    Punkt!

    1. Klar, aber muss man dies (ausschließlich) dem FCSP zum Vorwurf machen? Der Wettbewerb ist nun mal da, so funktioniert der Profifußball leider. Die kleinste Nachlässigkeit wird bestraft. Kleinigkeiten entscheiden über Erfolg und Misserfolg.

      Btw sehe ich zumindest bei meinem Kommentar oben keinen „Whataboutism“, ansonsten bitte ich um Erläuterung, wo du ihn da siehst.

      1. stimmt Raphael, whataboutism ist nicht der richtige Begriff. Hab ich auch gleich gedacht als ich den Kommentar abgeschickt habe. (think before you klick)
        Ersetze ihn durch „aber was ist mit dem Aufstieg, der ist auch ganz wichtig“.

        Es lassen sich immer Argumente finden vom Weg („ein anderer Fußball ist möglich“ und „not perfect, but better“) abzuweichen.
        Schade aber ist halt so. Für 4 Trainingseinheiten nach Mallorca fliegen, um dann auf verregneten Plätzen in Deutschland zu punkten halte ich nicht für kein gutes Argument. Es ist aber auch keinen Grund für einen shitstorm.

        1. Ja, wobei ein wichtiges Argument durchaus ist, dass es auf diesem Acker zu Verletzungen kommen könnte, die auf einem heilen Rasen weniger wahrscheinlich passieren. Also geht es auch um das Thema Gesundheit.

        2. Ich würde es nicht auf die 4 Trainingseinheiten sehen, „große“ Gesundheitsgefahr -> wir müssen den Platz neu begrünen -> anderer Trainingsort welcher die Anforderungen erfüllt, gut und schnell erreichbar sein muss und nicht zu Teuer sein darf.
          Wahrscheinlich hätte man auch für ne Woche Training zum FCB Campus fahren können, aber aufgrund der hohen Fahrzeit oder alternative eines Inlandfluges, ist die frage ob das sinnvoller wäre,
          vor allem weil Wahrscheinlich so kurzfristig die Hotels auf Malle deutlich Günstiger sind während dieser Jahreszeit.

  11. Natürlich wäre es schöner, wenn optimales Training problemlos hier in Norddeutschland möglich wäre. Ja, keine Frage.
    Manchmal aber ist das so einfach nicht möglich. Dazu leben wir auch zu weit nördlich. Natürlich muss da die Frage gestellt werden, ob wir die hiesigen, für uns zur Verfügung stehenden Verhältnisse akzeptieren und in Kauf nehmen, dass dafür sportlicher Erfolg – und damit auch die Möglichkeit eigene Werte mittel- und langfristig einem größeren Empfänger:innenkreis vorstellen und damit mehr bewegen zu können – auf der Strecke bleibt (wegen Wettbewerbsnachteil anderen Vereinen gegenüber) oder ob wir in Einzelpunkten bereit sind, auch mal Kompromisse einzugehen oder auf Perfektion in Teilbereichen zu verzichten. Langfristig bring uns m.E. diese „Investition“ mehr, als dass sie schadet.

    Ich finde es aber auch problematisch, dass es so vielen Menschen offenbar wichtiger zu sein scheint, bei anderen Perfektion zu finden und zu pöbeln, wenn es die nicht gibt, als bei sich selbst anzufangen. Ich bin sicher, dass es viele Menschen gibt, die jetzt ganz vorne mit der Kritik sind, die dann aber per Flug irgendwo hin in den Urlaub fliegen, zuhause auch für überflüssige Strecken das Auto nutzen usw. usf.
    Also ähnlich wie viele, die „unsere armen Bauern“ bedauern, die doch „ums Überleben kämpfen“ und dann zu Aldi oder Netto rennen, um günstiges Obst und Gemüse aus Spanien, Griechenland oder Neuseeland zu kaufen…

  12. Ich bin der Meinung, dass man nicht über jedes Stöckchen springen muss. Ich selbst, 67 Jahre alt, bin in meinem Leben keine 20 mal in einem Flugzeug gesessen (ziemlich oft davon dienstlicher Natur) und wir reisen seit Jahren nur per Zug in den Urlaub. Ein Auto haben wir (Familie mit drei Kindern, auf dem „Dorf“ lebend) auch seit knapp vier Jahren keines mehr.

    Manchmal muss man aber abwägen und da ist ein Flug dann eben (fast) unvermeidbar. Was sollen wir denn machen, falls wir tatsächlich mal im Europabokal unterwegs wären (wie Freiburg)? Wenn ich mich hier in meinem badischen Umfeld umschaue, dann sehe ich den KSC mit sieben Rasenplätzen neben seinem Stadion (zehn hat sich der Verein gewünscht) – mitten im Wald und Landschaftsschutzgebiet. Und mit einem halben Dutzend weiterer Sportplätze im Umfeld, die notfalls auch genutzt werden könnten. Unsere Trainingsanlage besteht aktuell aus gerade mal drei Plätzen und wenn die nicht nutzbar sind, dann wird professioneller Fußball schwer möglich.
    Klar, wenn man will, kann das als Whataboutism bezeichnet werden. Streng genommen braucht die Natur überhaupt gar keinen Profifußball. Auch sonst keinen Sport, der in ihr Terrain eingreift.
    Wer sich da alles das Maul zerreißt, sollte zumindest sein eigenes Verhalten mal kritisch überprüfen. Einschließlich Fleischkonsum, Billigklamotten und Billigelektronik aus Fernost und was weiß ich noch alles. Und nebenbei auch noch die Zimmertemperatur während der Heizperiode. Vieles ist vermeidbar, aber nicht alles. Wenn man aufsteigen will, dann muss man nun mal das Spiel im vorgegebenen Rahmen mitspielen. Und das ist eben nicht immer umweltfreundlich.

  13. Sich über den Flug aufzuregen ist völlig lächerlich. Sportlich scheint es notwendig. Das weltweite Klima hat absolut gar nichts davon, wenn der kleine Fc St. Pauli zu Hause bliebe! Eine Vorbildfunktion für fliegende Profivereine in China, Indien oder Russland kann ich auch nicht erkennen. Auch nicht für Privatleute in USA, China oder sonst wo. Kein Mensch woanders in der Welt würde über diesen Flug eines Profi-Sportteams reden.

    Allein das Verhältnis zu den Flugbewegungen, die dieses Wochenende rund um den Super Bowl entstehen, ist es total lächerlich sich über diesen einen Flug nach Mallorca aufzuregen.

  14. Hallo,
    meine 5 Cents, ohne Anspruch das völlig beleichten zu können (vieles Gesagtes pro / contra hat seine Berechtigung).
    Ich denke es ist zwar nicht optimal, was der Verein hier tut, abelr letztlich ist die Diskussion die alte Falle die Verantwortung für Umweltschäden zu individualisieren (ist bissche wie: die FFF haben ja alle Handys und machen Urlaub). Ob einer die oder das tut hat fast keine Wirkung und nützt nur denen, die von der derzeitigen Wirtschaftsweise, die auf fossilen Rohstoffen basiert, profitieren. Die können dann nämlich von ihrer eigenen Verantwortung ablenken. Zwar ist der Fc St. Pauli durchaus ein Unternehmen und keine Einzelperson, aber letztlich bewegt er sich in einem gewissen Umfeld, in dem er nicht alles beeinflussen kann. Um wirklich etwas gegen Klimawandel, Artensterben etc. tun zu können braucht es einen systemaren Wechsel. Dazu mag dann auch gehören, das Profisport sich ändert (vielleicht einfach mal im Sommer spielen?).
    Ich denke, man sollte das nicht zu hoch hängen und die Entscheidung so hinnehmen, ebenso wie vielleicht die Kritik (immerhin sind ja ein Haufen Leute auf das Thema aufmerksam geworden)

  15. Die von Außen geführte „Diskussion“ ist dieselbe wie bei allem anderen, was den FCSP angeht: Die die gar nichts tun werden denjenigen, die wenigstens versuchen punktuell nachhaltig zu leben stets Inkonsequenz vorwerfen. Ein altes und leicht zu durchschauenden Spektakel.

    Das heißt nicht, dass es sich in diesem Fall nicht lohnt genauer draufzuschauen, aber Kommentarspalten, die ein dauerhafter Spielplatz notorischer FCSP-Hasser sind, wären besser ebenso dauerhaft zu ignorieren.

  16. Wenn wir ab jetzt nicht mehr auf Remis spielen sondern volles Rohr auf Sieg/Niederlage gehen können wir uns sechs Niederlagen in den letzten Spielen der Rückrunde erlauben. Wir haben bereits gegen 2 Teams aus dem obersten Regal der Liga gespielt und gewonnen. Die Rothosen haben ehrlich Respekt vor uns und zurecht, das Spiel wird wegen unseres Teamgeistes für uns ausgehen.
    WARUM gehen unsere Spieler nicht 2/3 Runden gemeinsam joggen, danach in die Sauna. Am nächsten Tag Futsal in der Halle mit vorangegangener Krafteinheit.
    Dann eine gemeinsame Runde mit unseren Blindenfußballern und danach wieder eine individuelle Krafteinheit. Abschließend noch eine Runde Handball.
    Am vierten Tag gehen alle Spieler mit Familie eine Runde Bowlen und/oder spielen Mensch ärger Dich nicht und dann eine Abschlußtrainingseinheit am Millerntor.
    Danach sind alle Familienmitglieder der Spieler eingeladen zum Heimspiel. Und wir ziehen das Heimspiel.
    Ab dem Zeitpunkt trainiert FaHü Alles mit vollster Konzentration. Wie gehabt mit Erfolg. Und wir werden den geilsten Aufstieg erleben ever. Warum soll das nicht auch heutzutage funktionieren? Warum ist der einfache Weg zu riskant????
    Wir haben Nichts zu verlieren.
    AUSSER unsere Einstellung. Und das kommt mit diesem fucking Trip per Flieger.
    By the way.

  17. Der Energieverbrauch im Netz durch diesen Shitstorm ist vermutlich wesentlich klimaschädlichen als die Mallorca-Reise insgesamt. Aus meiner Sicht stützt dieser Fall mal wieder die These: Das Abwälzen von Klimaschutz auf Privatpersonen und Unternehmen sorgt für Diskussionen und Frustration, bringt uns aber beim Klimaschutz kaum weiter. Wirksame Massnahmen / Rahmenbedingungen müssen endlich von der Politik konsequent umgesetzt werden. Einen anderen Weg sehe ich nicht.

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