Wer ist Marcus Mathisen? – Ein Spielerprofil

Wer ist Marcus Mathisen? – Ein Spielerprofil

Mit Marcus Mathisen hat der FC St. Pauli einen spielstarken und zweitligaerfahrenen Innenverteidiger verpflichtet, der eine Führungsrolle im Kader übernehmen dürfte.
(Titelfoto: FC St. Pauli)

Der FC St. Pauli hat seinen zweiten Neuzugang dieses Sommers verkündet: Marcus Mathisen. Zuvor ist bereits Sam Klein zum FC St. Pauli gekommen. Ach, und einen neuen Trainer hat der FCSP bekanntlich auch. Der 30-jährige Mathisen kommt ablösefrei vom 1. FC Magdeburg und hat sowohl dort, als auch in Wiesbaden bereits einiges an Zweitligaerfahrung sammeln können.

The Story So Far

Marcus Klingenberg Mathisen wurde 1996 in Albertslund, einem Vorort von Kopenhagen, geboren. Ausgebildet wurde er dann auch ganz in der Nähe, in der Jugend des FC Kopenhagen nämlich, wo er bereits 2015 als gerade einmal 19-jähriger sein Profidebüt in der dänischen Superliga feierte. In der Saison 15/16 kamen drei weitere Kurzeinsätze hinzu, ehe es ihn ab Sommer 2016 für lange Zeit nach Schweden verschlug.

Debüt in Dänemark, Durchbruch in Schweden, Leistungsträger in 2. Liga

Nach seinem Wechsel zu Halmstads BK wurde Marcus Mathisen auf Anhieb Stammspieler in der Allsvenskan, der höchsten Liga Schwedens. Mit zwei Treffern im Relegationsspiel trug er maßgeblich dazu bei, dass sein Club die Klasse hielt. In den beiden Folgesaisons war Mathisen ebenfalls Stammspieler bei Halmstads BK, allerdings nicht nur als Innenverteidiger, sondern auch als Sechser. Im defensiven Mittelfeld kam er auch hauptsächlich bei seinem nächsten Club, Falkenbergs FF, zum Einsatz, wo er insgesamt zwei Saisons spielte. 2021 folgte der Wechsel zum IK Sirius. Dort war Mathisen wieder als Innenverteidiger aktiv. Nach drei persönlich sehr guten Jahren, Mathisen wurde in seiner dritten Saison Kapitän des Teams, wagte er den Schritt raus aus Schweden: Im Sommer 2023 wechselte er zum SV Wehen Wiesbaden.

Dort wurde Marcus Mathisen auf Anhieb Stammspieler und Vizekapitän. Das Spiel am Millerntor gegen den FC St. Pauli im Dezember 2023 verpasste er aufgrund einer Wadenverletzung. Im Rückspiel, als der FCSP die Zweitligameisterschaft sicherte, stand er als Kapitän auf dem Rasen. Den Abstieg konnte er aber nicht verhindern, Wiesbaden musste nach den Relegationsspielen gegen Regensburg wieder den Weg in die 3. Liga antreten.
Mathisen allerdings blieb der zweiten Liga erhalten: Er zog weiter zum 1. FC Magdeburg. Auch dort war er auf Anhieb Stammspieler, stand in seiner ersten Saison in 30 Spielen auf dem Rasen (drei Spiele verpasste er aufgrund einer Sperre, später mehr dazu), in der Folgesaison kam er sogar auf 33 Einsätze. Beide Male gelang ihm mit dem FCM der Klassenerhalt. Nun ist in diesem Sommer sein Vertrag in Magdeburg ausgelaufen, Marcus Mathisen kommt also ablösefrei zum FC St. Pauli.

MAGDEBURG, GERMANY - APRIL 6: Ragnar Ache of 1. FC Kaiserslautern and Marcus Mathisen of 1. FC Magfdeburg vie for the ball during the Second Bundesliga match between 1. FC Magdeburg and 1. FC Kaiserslautern at Avnet Arena on April 6, 2025 in Magdeburg, Germany. (Photo by Ronny Hartmann/Getty Images)
Marcus Mathisen kommt ablösefrei vom 1. FC Magdeburg zum FC St. Pauli und dürfte direkt eine Führungsrolle übernehmen.
(Ronny Hartmann/Getty Images/via OneFootball)

Das sagt der Experte

Im Gegensatz zu vielen Kollegen, die ihre Instagram-Kanäle von ihren Berater-Agenturen verwalten lassen, könnt ihr bei Marcus Mathisen nicht nur die üblichen Bilder von Spielen sehen, sondern auch das sein Familienleben mitbekommen. Viel Spaß damit!
Um die Rolle und das Wirken von ihm in den letzten zwei Jahren etwas besser kennenzulernen, haben wir mit Thomas vom NurderFCM-Podcast gesprochen.

Moin Thomas, Marcus Mathisen wechselt zum FC St. Pauli. Passt der Wechsel aus Deiner Sicht?
Das kommt ein wenig drauf an, was ihr vorhabt. Um wieder aufzusteigen ist er meiner Meinung nach nicht der Spieler, der dafür ein Puzzleteil sein kann. Das liegt aber vielleicht auch an der Spielweise. Aufgrund des hohen Stehens bei uns kamen eben recht häufig seine Defizite bei der Schnelligkeit ans Licht. Wenn ihr defensiv nicht so hoch steht, kann er schon sehr helfen.

Es gab gleich mehrere Zweitligisten, die Interesse an ihm hatten. Was sind seine Stärken?
Er hat in der Regel ein gutes Stellungsspiel. Zudem ist sein Spielaufbau gut, vor allem seine Diagonalbälle sind sehr stark. Sein Defensivkopfball ist ebenfalls stark. Er kann sich auch gut aus Pressingsituationen befreien und im Mittelfeld auf der Sechs spielen. Und auch gern mal Freistöße aus 25 Metern schießen.

Trotzdem wurde er in Magdeburg auch kritisch gesehen. Warum?
Er hat Probleme mit schnellen Gegenspielern, macht gern mal „dumme“ Fouls und hat auch immer wieder mal nen Bock im Spielaufbau. Trotz seiner Größe ist er offensiv ein eher schwacher Kopfballspieler.

Welche Rolle kann Mathisen in einer Dreierkette und für das Team einnehmen?
Definitiv die Rolle im Zentrum. Er rückt im Spiel mit dem Ball oft ins Mittelfeld und beteiligt sich dann da am Spielaufbau. Zudem war er hier schon ein Spieler, der ne Führungsrolle hatte und war Vizekapitän.
Vielen Dank für Deine kurze Einschätzung, Thomas!

Das sagen die Daten

Die Einschätzung von Thomas spiegelt sich auch recht deutlich in den Daten wieder. Marcus Mathisen ist im defensiven Kopfballspiel gut, gewinnt überdurchschnittlich viele Duelle. Allerdings gilt das nicht für die Zweikämpfe am Boden. In der Vorsaison hat er mit weniger als zwei Drittel aller direkten Duelle eine unterdurchschnittliche Erfolgsquote für Innenverteidiger. Beides, die Kopfballstärke und Zweikampfschwäche, zeigt sich auch in den Daten aus den Saisons 24/25 und 23/24, die letzte Saison war also keine Ausnahme.

Zudem ist beim Blick in die Zahlen auffällig, dass Mathisen sehr oft foult. Das ist auch einer der Gründe, warum seine Zweikampfbilanz so mies ist, denn Fouls zählen als verlorene Zweikämpfe. Er nutzt sie aber durchaus auch als taktisches Mittel und das Videostudium hat gezeigt, dass in vielen Szenen „Entweder der Ball oder der Spieler kommt vorbei – aber nicht beide!“ durchgesetzt wurde. Thomas beschreibt ja aber auch, dass nicht jedes Foul ein taktisches Mittel ist, sondern manchmal auch einfach ein Produkt nicht guter Zweikampfführung. Die Häufigkeit an Fouls ist mit 1,5 pro Spiel jedenfalls sehr, sehr hoch. Zum Vergleich: Das Innenverteidiger-Trio Mets/Wahl/Smith hat in der Vorsaison 1,4 Fouls pro Spiel gepfiffen bekommen – zusammen.
Auch die Anzahl an Verwarnungen ist krass. In der Vorsaison waren es „nur“ acht Gelbe Karten, die Mathisen sah. In der Saison 24/25 sah Marcus Mathisen unglaubliche 15 Gelbe Karten. Blöderweise zwei davon im gleichen Spiel, sodass er mit Gelb-Rot vom Platz gestellt wurde. Platzverweise und Verwarnungen sind für Mathisen wirklich nichts Neues. In seinen bisher absolvierten 318 Pflichtspielen sah er 76 Gelbe, fünf Gelb-Rote und eine Rote Karte, im Schnitt sieht er also in jedem vierten Spiel eine Karte. Eine bemerkenswert hohe Quote.

Der Blick auf die Defensiv-Statistiken zeigt zudem eine Stärke von Marcus Mathisen an: Er fängt überdurchschnittlich viele Pässe ab. Thomas erklärte, dass das Stellungsspiel von ihm gut sei. Eine hohe Anzahl an abgefangenen Pässen ist ein ziemlich sicherer Indikator für hohe Spielintelligenz. Somit verdeutlicht diese Zahl: Mathisen ist ein smarter Fußballer, der gut antizipieren kann. Dadurch kann er vorhandene Geschwindigkeitsnachteile teils ausgleichen und geht Zweikämpfen aus dem Weg, indem er sie gar nicht erst führen muss, weil er Räume vorher schließt.

Kern-Statistiken von MArcus Mathisen der Saison 25/26, dargestellt als Perzentile im Vergleich zu allen Innenverteidigern der 2. Bundesliga. (Erklärung: Die Länge des dunkel gefärbten Teils des Pizzastücks zeigt, wie viele Prozent der anderen Spieler auf dieser Position schlechtere Werte oder oder maximal den gleichen Wert haben. Komplett dunkel heißt: Keiner ist besser. Zudem sind die Absolutwerte in Zahlen angegeben.)
Kernstatistiken von Marcus Mathisen der Saison 25/26, dargestellt als Perzentile im Vergleich zu allen Innenverteidigern der 2. Bundesliga. (Erklärung: Die Länge des dunkel gefärbten Teils des Pizzastücks zeigt, wie viele Prozent der anderen Spieler auf dieser Position schlechtere Werte oder oder maximal den gleichen Wert haben. Komplett dunkel heißt: Keiner ist besser. Zudem sind die Absolutwerte in Zahlen angegeben.)

Klare Stärken im Aufbauspiel

Die Tatsache, dass Marcus Mathisen auch mal auf der Sechs zum Einsatz kam, gibt bereits einen Hinweis darauf, dass er auch im Spiel mit dem Ball und unter Druck einige Fähigkeiten haben könnte. Und so ist es: Die Stärken von Marcus Mathisen liegen ganz eindeutig im Spiel mit dem Ball. Das zeigen auch die Zahlen: Kein Innenverteidiger spielte letzte Saison mehr progressive Pässe als Mathisen, nur wenige spielen mehr lange Bälle, auch anteilig an der Gesamtzahl an Pässen. Mathisen rückte in Magdeburg auch oft mal ins defensive Mittelfeld und ist in deren Aufbauspiel zumeist der klare Spieleröffner.
Das ist durchaus sinnvoll, weil Marcus Mathisen für einen Innenverteidiger bemerkenswerte Fähigkeiten mit dem Ball am Fuß hat. Sein Timing und seine Entscheidungsfindung sind oft gut, seine Ballbehandlung sogar sehr gut. Selten (aber es kommt vor), passieren ihm dabei Fehler, die dann auch mal folgenschwer sind. Trotzdem würde ich seine Fähigkeiten im Passspiel als derart gut beschreiben, dass er für jeden Zweitligisten eine Verstärkung ist.

Dass Marcus Mathisen mit seinem rechten Fuß ganz gut umgehen kann, zeigt auch die Tatsache, dass er öfter mal die direkten Freistöße in Magdeburg getreten hat (und damit teilweise auch erfolgreich war). Ein sehr positives Beispiel seiner Fähigkeiten im Passspiel gab es unter anderem in einem Spiel, in dem ein anderer FCSP-Spieler für noch mehr Aufsehen sorgte: In der Saison 24/25 erzielte Martijn Kaars gegen Schalke einen Viererpack. Mathisen lieferte ein Highlight in Form einer Vorlage zum zwischenzeitlichen 5:1 für den FCM: Erst ließ er seinen Gegenspieler per Beinschuss aussteigen, ehe er Kaars mit einem feinen Schnittstellenpass in die Tiefe schickte. Hoffen wir mal, dass es von dieser Art Spielszene auch in der kommenden Saison Highlights geben wird.

Neuer Führungsspieler für den FC St. Pauli

Welche Rolle wird Marcus Mathisen nun beim FC St. Pauli einnehmen? Ganz klar eine als Stammspieler. Mathisen ist mit 30 Jahren und der Erfahrung von drei Zweitligajahren niemand, der sich auf der Bank sehen dürfte, selbst wenn er nun beim FCSP womöglich eine höhere Qualitätsdichte und damit einen stärkeren Konkurrenzkampf auf seiner Position erlebt. Spannend dürfte sein, auf welcher Position Marcel Rapp mit ihm plant, da er als Sechser, als zentraler oder als rechter Innenverteidiger spielen kann. So oder so ist Marcus Mathisen ganz sicher als Führungsspieler des FC St. Pauli eingeplant.

Ein skandinavischer Defensivspieler, der seine Stärken nicht in den direkten Duellen hat, viele Gelbe Karten sammelt, nicht der schnellste ist, dafür aber einen feinen rechten Fuß hat, sehr gut im Stellungsspiel sowie extrem gut im Aufbauspiel ist und der sowohl auf der Sechs als auch in der Innenverteidigung spielen kann. Das ist eine ziemlich passende Beschreibung von…
Marcus Mathisen! Oder Eric Smith? Nach meinem Empfinden passen beide auf die Beschreibung. Falls unbedingt formuliert werden soll, welchen Spieler Marcus Mathisen beim FC St. Pauli ersetzen wird, dann sollte die Antwort also nicht Hauke Wahl und ganz sicher nicht Karol Mets lauten.

Anhand der visuellen Eindrücke, der Einschätzung von Thomas und vor allem aufgrund der Zahlen scheint die Verpflichtung von Marcus Mathisen sehr sinnvoll für den FC St. Pauli zu sein. Denn Andreas Bornemann betonte im Rahmen der Vorstellung von Cheftrainer Marcel Rapp, der FCSP muss davon ausgehen, dass er es in der kommenden Spielzeit vermehrt mit tiefstehenden Gegnern zu tun bekommen wird. Entsprechend kann ein spielstarker Innenverteidiger oder Sechser extrem wichtig für das eigene Spiel werden, um erfolgreichen Fußball zu spielen, vielleicht ist so jemand sogar zwingend notwendig. Man darf sehr gespannt sein, ob Marcus Mathisen diese Rolle beim FC St. Pauli einnehmen kann. Die Zahlen und visuellen Eindrücke lassen vermuten, dass das passen könnte.
Herzlich Willkommen am Millerntor, Marcus Mathisen!
// Tim

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