Der FC St. Pauli setzt weiter auf Entwicklung

Der FC St. Pauli setzt weiter auf Entwicklung

Es hat einige Zeit gebraucht, nun ist aber endlich Tinte auf das Papier gekommen: Der FC St. Pauli hat die Verträge mit seinen beiden Co-Trainern Loïc Favé und Fabian Hürzeler verlängert. Das ist, wie schon die Verlängerung mit Timo Schultz, ein wichtiges Signal und die logische Konsequenz aus erfolgreicher Arbeit.
(Titelbild: Peter Böhmer)

Jeden, jeden Tag ein bisschen besser machen

Es verkam zu einer schmerzhaften Floskel, die Jürgen Klinsmann zu seinem neuen Job als Trainer des FC Bayern München kundtat: “Wir wollen jeden Spieler jeden Tag ein bisschen besser machen” – was damals (2008) irgendwie ungewöhnlich klang, ist heute so etwas wie die Grundausstattung von Fußballtrainer*innen. Es geht nicht mehr nur darum sportlich kurzfristigen Erfolg zu haben. Es sollen auch die Spieler – und zwar auch die aus der zweiten Reihe – weiterentwickelt werden.

Natürlich sind es primär die Spieler, die dem FC St. Pauli eine so erfolgreiche Saison beschert haben. Die individuelle Qualität von Spielern wie Leart Paqarada, Rodrigo Zalazar und Daniel-Kofi Kyereh ist unbestritten. Aber diese individuelle Qualität haben sie nur bedingt mitgebracht, als sie zum FCSP wechselten. Und hier kommt das Trainer-Team ins Spiel.

Denn die individuelle Qualität von Leart Paqarada im defensiven Zweikampfverhalten und vor allem in der Entscheidungsfindung, hat sich in seiner Zeit beim FC St. Pauli enorm verbessert. Bei Daniel-Kofi Kyereh ist es der erste Kontakt, der inzwischen fast so etwas wie sein signature skill geworden ist. In diesem Bereich ist er in den letzten zwei Jahren richtig stark geworden und zudem ist er, was vor zwei Jahren fast undenkbar schien, ein bemerkenswerter Spieler im Gegenpressing. Diese Fortschritte sind auch zu einem nicht unerheblichen Teil auf die Arbeit der beiden Co-Trainer zurückzuführen.

Rodrigo Zalazar und Daniel-Kofi Kyereh bejubeln ein Tor.
“Läuft?” – “Ja, läuft!” // (c) Peter Böhmer

Jung und hochtalentiert

Es gibt gute Gründe dafür, dass Fabian Hürzeler und Loïc Favé als große Trainer-Talente bezeichnet werden. Der eine gar als das größte im Raum Bayern, der andere als Pendant im Raum Hamburg. Hürzeler war bereits mit Mitte 20 als Spielertrainer für den FC Pipinsried aktiv und stieg mit dem Team in die Regionalliga auf (wir hatten uns für die Vorstellung von Fabian Hürzeler mal mit Hubert “Fred” Fesl, dem Pressesprecher des FCP, unterhalten). Favé schaffte sowohl mit der U17, als auch mit der U19 des ETV sensationell den Aufstieg in die Junioren-Bundesliga, hat nebenbei ein Buch geschrieben und ein Unternehmen gegründet (hier sein Profil).

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Und so ist die Freude darüber, dass dieses Duo nun seine Verträge verlängert hat, enorm groß. Denn beide haben zusammen mit Timo Schultz einen großen Anteil an der Entwicklung des FC St. Pauli. Auch dank ihnen sind einige Spieler in den letzten zwei Jahren besser geworden. Gerade Favé investiert viel Zeit in die Spielerentwicklung, während Hürzeler, der aktuell zum Fußballlehrer ausgebildet wird, auch immer für die Gegneranalyse verantwortlich ist.
Es ist enorm wichtig, dass neben Schultz nun auch diese beiden Trainer beim FCSP bleiben. Denn das dürfte nicht nur das Team weiter voranbringen, sondern auch ein gewichtiges Argument für Spieler sein, zum FCSP zu wechseln, wenn sie wissen, dass sie dort vorankommen. Zu wissen, dass beim FCSP ein Trainer-Team arbeitet, welches Spieler zu höheren Aufgaben hin entwickelt hat, ist das definitiv hilfreich.

(c) Peter Böhmer

Verhandlungen dauerten sehr lange

Fragt sich nur noch, warum das alles so lange gedauert hat. Andreas Bornemann hatte es im ausführlichen Pressegespräch nach der Saison deutlich gesagt, dass die Art und Weise der Kommunikation in Sachen Verträge der Co-Trainer seinerseits alles andere als optimal gelaufen ist. Dazu passte auch die Wochen zuvor getätigte Aussage von Timo Schultz, dass es “schade” sei, dass in Sachen Vertragsverlängerungen nichts passiert sei, seit er selbst Anfang des Jahres verlängert hatte. Beide Aussagen lassen ziemlich tief blicken und erwecken den Eindruck, dass es hinter den Kulissen mächtig Knatsch gegeben haben könnte. Die dritte Personalie (Matze Hain), dessen Vertrag nicht verlängert wurde, könnte da eine Rolle gespielt haben.

Mächtig Knatsch bei zwei Personalien, die eigentlich ein “No brainer” sein sollten. Denn Favé und Hürzeler haben sicher einen gehörigen Teil zur Entwicklung des FCSP in den letzten beiden Jahren beigetragen. Der Mut, den die Verantwortlichen damals zeigten, als sie zwei äußerst junge Co-Trainer verpflichteten, hat sich ausgezahlt.
Das Trainer-Trio aus Schultz, Favé und Hürzeler bleibt also beim FC St. Pauli. Damit wurden die wohl wichtigsten Personalien (endlich) geklärt. Die Entwicklung darf weitergehen.

// Tim

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