FC St. Pauli – Fortuna Düsseldorf: Monster der Effektivität gegen ein ineffektives Fehlermonster

FC St. Pauli – Fortuna Düsseldorf: Monster der Effektivität gegen ein ineffektives Fehlermonster

Der FC St. Pauli verliert auch das letzte Heimspiel des Jahres. Gegner Fortuna Düsseldorf ist dabei alles andere als ein glänzender Gegner, aber ein Monster an Effektivität. Genau das ist der FC St. Pauli nicht, welches einer der Gründe für acht Punkte nach zwölf Spielen ist. Ein weiterer ist im Spiel gegen Fortuna Düsseldorf auch deutlich sichtbar gewesen: Völlig unzureichende Abwehrarbeit.
(Titelbild: Peter Boehmer)

Wie erwartet gab es im Vergleich zum Spiel gegen Aue Wechsel auf einigen Positionen. Leider startete der FCSP aufgrund der kurzfristigen Verletzung von James Lawrence (hoffentlich nichts längerfristiges) mit einer komplett neuen Innenverteidigung. Und wie erwartet startete Max Dittgen auf der linken Seite.

Der Start des Spiels hätte direkt das 1-0 bringen können, vielleicht sogar müssen: Daniel-Kofi Kyereh trifft in der ersten Minute jedoch nur den Außenpfosten. Ein guter Anzeiger für den restlichen Spielverlauf. Von Fortuna Düsseldorf kommt allgemein relativ wenig, was an der völlig kreativlosen Formation bzw. der Idee bei Ballbesitz liegt, aber am Ende sind es eben drei Tore.

Fortuna offensiv glanzlos, aber effektiv

Der FCSP stört die offensive Bemühungen der Fortuna recht einfach durch hohes Pressing, bei dem Zalazar zentral vorne Matanovic unterstützt, während Kyereh und Dittgen die Außenpositionen halten. Da ist der Fortuna dann ziemlich wenig eingefallen.

(Photo by Oliver Hardt/Getty Images/via OneFootball)

Wenn Fortuna es schaffte, den FCSP mal etwas tiefer gegen sich zu haben, dann war es ein 4-1-4-1 in dem sich der FCSP aufstellte. Fortuna Düsseldorf schob seine Innenverteidiger relativ weit nach außen, ohne aber das Sechser Morales einrückte. So ergab sich ein 2-3-3-2 im Spielaufbau.

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Aber es waren nicht die Situationen im kontrollierten Spielaufbau, die Gefahr brachten. Dafür hatte der FCSP die Formation der Düsseldorfer zu gut aufgenommen. Wenn die Fortuna gefährlich wurde, dann war es immer eher die individuelle Klasse einzelner Spieler, die für Chancen sorgten. Das ist geradezu klassischer Helden-Fußball, den die Fortuna da bietet. Und hierbei können sie sich halt auch auf Spieler wie Rouwen Hennings verlassen.

FCSP offensiv gefällig, aber ineffektiv

Auf die individuelle Klasse in der Offensive verlassen kann sich der FCSP nicht. (Auch nicht auf die in der Defensive, dazu später mehr). Offensiv bot der FCSP einmal mehr vielversprechende Ansätze, spielte sich einige Chancen heraus, die jedoch nicht zu Toren führten.
Im Spielaufbau schoben die Außenverteidiger weit hoch und mit Benatelli bildete der FCSP häufig hinten eine Dreierkette. Vorne schob Kyereh von seiner Position rechts außen immer wieder ins Zentrum rein, Matanovic versuchte die Innenverteidiger durch eine Bewegung zum eigenen Tor herauszuziehen, sodass sich Optionen für tiefe Bälle ergaben.

Das Aufbauspiel des FC St.Pauli scheiterte jedoch viel zu häufig an Ungenauigkeiten. Mal waren die gespielten Bälle zu lang, mal völlig falsch getimed, mal einfach nicht genau genug gespielt. In der Summe blieb es zwar ein ausgeglichenes Spiel, aber eben mit der Führung für effektive Düsseldorfer.

Noch viel ineffektiver spielte der FCSP seine Umschaltsituationen aus. So ineffektiv, dass ich heute mehr als einmal den Bildschirm vor mir anschrie, wenn mal wieder so eine Situation verdödelt wurde. Da bietet Fortuna Düsseldorf immer wieder so viel Raum an – und der FCSP macht schlicht viel zu wenig daraus.

Umstellung ungleich Abstellung der Probleme

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In der zweiten Halbzeit folgte dann mit der Einwechslung von Lankford und Makienok die Umstellung auf ein 3-5-2. Aber die beste Formation bringt dir halt herzlich wenig, wenn die Offensive weiter ineffektiv agiert und die Defensive schlicht nicht zweitligatauglich ist. Denn im Spielaufbau zeigten Buballa und Knoll wieder einmal viel zu oft, dass sie keine Spielmacher sind. Und wie es beim 0-2 möglich ist, dass der einzig relevante Stürmer in der Zentrale sich völlig frei zwischen den Verteidigern bewegen kann, verbleibt ein Rätsel. Wenn du schon im Raum verteidigst, dann musst du den Raum auch richtig besetzen bzw. verteidigen.

Es war also nicht die Defensivstärke der Fortuna, die dazu führte, dass sie gewannen. Nein, der FCSP kümmerte sich da höchstselbst drum, dass sie kein Tor schossen. Durch ineffektive Chanceverwertung (offensiver xG 1.0), durch gruselige Ballverluste, schlecht ausgespielt Umschaltsituationen und vergebene Torchancen.

Auch die Schlussoffensive brachte keine Tore. Vielmehr boten sich der Fortuna immer mehr Räume für eigene Umschaltaktion, welche dann in der Nachspielzeit zum dritten Tor genutzt wurde.
Somit gewinnt Fortuna Düsseldorf letztlich das Spiel völlig verdient, da sie schlicht und einfach erheblich mehr Qualität auf dem Platz gebracht haben. Die Spielidee, die Spielanlage war von der Fortuna nicht beeindruckend, die des FCSP sogar etwas besser, aber um erfolgreichen Fußball zu spielen muss nicht nur der Plan besser als der Gegner sein sondern auch die Spieler. Das war heute (mal wieder) nicht der Fall.

Weihnachten: Der Baum brennt!

Nach zwölf Spielen hat der FC St. Pauli kümmerliche acht Punkte auf dem Konto. Und da er es seit dem ersten Spiel in Bochum (ich zitiere aus meinem Spielbericht: „was oft auch an Ungenauigkeiten beim Pass im letzten Drittel scheiterte“) nicht schafft, endlich seine offensiven Abläufe vernünftig auf die Kette zu bekommen, immerhin der Kernfokus der FCSP-Spielweise, schießt er auch viel zu wenig Tore.

Das ergibt mit der in allen Bereichen mangelhaften Defensivarbeit viel zu wenig Punkte zum Jahresende. Gerade die Defensive ist ein echtes Desaster: Weder im Spielaufbau, noch in der klassischen Verteidigung wurde in den 13 Spielen der neuen Saison nachhaltig Zweitligatauglichkeit bewiesen. Der FCSP bekommt schlicht zu viele „einfache“ Gegentore (defensiver xG gegen die Fortuna: 0.9!!!). Zusätzlich ist eine nicht unerhebliche Anzahl an fürchterlichen Ballverlusten im Spielaufbau für Gegentore verantwortlich.

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Die aktuelle Situation wird sicher dazu führen, dass der FCSP auf dem Transfermarkt nun noch etwas aktiver werden muss, als ihm lieb ist. Das Wintertransferfenster ist bekannt dafür, dass es eher für sogenannte Panikkäufe offen ist. Meine Wunschliste zu Weihnachten beinhaltet einen spielstarken Innenverteidiger und weiterhin einen Sechser, gerne auch einen Achter, der durch bessere Passquoten in der Offensive auffällig ist. Und es wäre schön, wenn der FCSP zum neuen Jahr endlich wieder die Baustelle „rechte Außenbahn“ schließen kann.

Nun geht es in eine kurze Winterpause. Diese wird mit einer englischen Woche beendet. Und da muss sofort gepunktet werden. Denn es bleiben nun noch 22 Spiele zum Erreichen des Klassenerhalts. Ein anderes Saisonziel, die gewünschte Entwicklung einer nachhaltigen Spielidee, darf auch gerne weitergeführt werden, aber es zählen erst einmal nur die Ergebnisse. Denn um 40 Punkte zu holen, muss der FC St. Pauli nun bis Saisonende fast jedes zweite Spiel gewinnen. Die Vorstellung, dass das überhaupt zu schaffen ist, muss ich mir nun während der kurzen Winterpause erst einmal holen.

// Tim

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2 thoughts on “FC St. Pauli – Fortuna Düsseldorf: Monster der Effektivität gegen ein ineffektives Fehlermonster

  1. Danke für den Bericht.
    Ich bin auch noch immer unglaublich frustriert und enttäuscht.
    Letztendlich muss man wahrscheinlich anerkennen, dass wir genau da stehen, wo wir hingehören. So bitter das ist.
    Was kann Hoffnung machen? Nicht auf die 40 Punkte schauen, die gerade unerreichbar scheinen, sondern nur auf die 4, die es zu Platz 14 betragen.
    Und ja, dass das transferfenster früh öffnet dieses Jahr.
    RiesenKader allez.

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