Vorbericht: Dynamo Dresden – FC St. Pauli (DFB-Pokal, 2.Runde, 21/22)

Vorbericht: Dynamo Dresden – FC St. Pauli (DFB-Pokal, 2.Runde, 21/22)

Yeah, es ist Herbst und wir spielen noch im DFB-Pokal! Die zweite Runde steht an und es geht schon wieder gegen Dynamo Dresden. Dort werden wir vermutlich so wie immer „herzlich“ empfangen. Doch trotz dieses Empfangs dürfte der FC St. Pauli als Favorit ins Spiel gehen. Dafür gibt es eine Menge Gründe.
(Titelbild: Peter Böhmer)

Die Pressekonferenz vor dem Spiel findet ihr hier. Das „Vor dem Spiel“-Gespräch von Casche mit Anne, bei dem bereits einige Statistiken verwendet wurde, könnt ihr hier hören.

FC St. Pauli: Wer kann spielen, wer fehlt?

Richtig positive Nachrichten gibt es vom Trainingsplatz: Kein Spieler hat schwerwiegende Blessuren aus dem Spiel gegen Rostock davon getragen. Somit sind alle Spieler, die im Kader am Sonntag standen, auch für das Spiel in Dresden einsatzfähig.
Somit fehlen momentan weiterhin Christopher Avevor und Jannes Wieckhoff. Ob Igor Matanović, Eric Smith und Sebastian Ohlsson bereits eine Option gegen Dresden sind, ist nicht klar. Denkbar wäre es aber.

Und weil es so schön ist, dass momentan so viele Spieler fit sind und ich hier nichts jinxen möchte, beende ich hier ganz schnell das Schreiben der Worte über die positive Personalsituation beim FC St. Pauli.

Timo Schultz hat tatsächlich mehr und mehr die Qual der Wahl welche Spieler er aufstellt. Der Trainingsplatz ist aktuell erfreulich voll.
(c) Peter Böhmer

Dynamo Dresden: Wer kann spielen, wer fehlt?

Die Liste verletzter Spieler ist bei Dynamo Dresden ungleich länger als beim FC St. Pauli. SGD-Trainer Alexander Schmidt verweist auf der Pressekonferenz vor dem Spiel darauf, dass die Personallage im Vergleich zum Spiel auf Schalke am letzten Wochenende unverändert ist.
Das bedeutet, dass Dresden aktuell sicher auf Brandon Borello (Mittelfußbruch), Kevin Ehlers (Hüftverletzung, eigentlich auskuriert, aber irgendwas passt da immer noch nicht), Tim Knipping (Kreuzbandriss), Patrick Weihrauch (Knöchel, bereits zweimal operiert) und Panagiotis Vlachodimos (ebenfalls Kreuzbandriss) verzichten muss. Immerhin: Angreifer Ransford-Yeboah Königsdörffer ist wieder einsatzbereit.

Angesprochen auf eine mögliche Aufstellung verweist Schmidt auf die Pressekonferenz des FC St. Pauli und darauf, dass Timo Schultz sich auch nicht in die Karten schauen lässt. Auf die Nachfrage, ob er rotieren wird, da am nächsten Wochenende das wichtige Spiel gegen Sandhausen in der Liga ansteht, deutet er aber durchaus an, dass Änderungen möglich sind (wenngleich er ausschließt, dass das Pokalspiel hergeschenkt werden wird).

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Was hat Dresden zu bieten?

Schwierig, die aktuelle Leistungsfähigkeit von Dynamo Dresden zu beurteilen. Nach gutem Saisonstart mit zehn Punkten aus den ersten vier Saisonspielen, konnte in den folgenden sieben Spielen nur noch einmal gewonnen werden, bei sechs Niederlagen. Zuletzt gab es drei Niederlagen am Stück ohne Torerfolg. Ohnehin erzielte Dynamo überhaupt nur in zwei der letzten sieben Spiele ein eigenes Tor. Zur Ehrenrettung von Dynamo gehört aber auch: Die letzten drei Spiele waren gegen den FC St. Pauli, den 1. FC Nürnberg und Schalke 04 – also die Top3 der Liga. In den Spielen davor waren es Werder, Heidenheim, Paderborn und Darmstadt. Die letzten sieben Spiele sind auch einfach ein hammerhartes Programm gewesen.
Für einen Aufsteiger sind die 13 Punkte nach elf Spieltagen sicher nicht optimal, aber auch nicht dramatisch. Ins gleiche Horn bläst auch SGD-Sportchef Ralf Becker in einem lesenswerten Interview mit dem kicker (welches ich hier nur als Zusammenfassung verlinken kann)

Ein Grund für die eher trübe Serie, die Dresden momentan am Laufen hat, sind definitiv die Verletzungen. Knippig (laut Global Soccer Network der Innenverteidiger mit dem höchsten Performance-Score in Liga 2), Weihrauch (eine der Säulen in der Aufstiegssaison), Ehlers (ein riesengroßes Abwehrtalent), Borrello (Erstliga-Erfahrung mit Freiburg) und Vlachodimos (einer der besten Dribbler der Liga) – das sind alles Stammspieler, wenn sie fit sind. Diese Spieler adäquat zu ersetzen, kann eigentlich nicht gelingen. Entsprechend sind die letzten Spiele in der zweiten Liga auch zu sehen: Dynamo Dresden kann sein Leistungsmaximum momentan einfach nicht abrufen.
Aber sie werden natürlich trotzdem ein unangenehmer Gegner sein. Denn natürlich sind die Spieler, die da jetzt auf dem Platz stehen, keinesfalls Fallobst.

Denn es gibt auch einige fitte Spieler im Kader von Dynamo Dresden, die ordentlich individuelle Qualität mitbringen. Da wäre zum Beispiel Christoph Daferner vorne in der Offensive. Der war direkt an sieben der bisher 13 Saisontore beteiligt und zeichnet sich nicht nur durch seine Torgefährlichkeit aus. Für das Spiel von Dynamo Dresden sind seine Bewegungen auf die Außenbahn sehr wichtig (da verhält er sich im Grunde ähnlich wie z. B. Burgstaller), noch viel mehr seine Rolle als Wandspieler. Immer wieder lässt er sich etwas tiefer fallen und dient als flache Anspielstation für das Mittelfeld. Ein sehr physischer Spieler, dem jedoch etwas das Tempo fehlt und der, obwohl er häufig hoch angespielt wird, nicht der stärkste in Kopfballduellen ist.

Christoph Daferner und Lars Ritzka (damals noch im Trikot des SC Verl) hatten bereits letzte Saison in der 3.Liga Kontakt.
(Joosep Martinson/Getty Images/via OneFootball)

Das Spiel von Dynamo Dresden lässt sich schwer beschreiben. Vor allem sollten wir uns nicht davon blenden lassen, wie sie am Millerntor vor gut drei Wochen aufgetreten sind. Dynamo Dresden ist ein Team, welches ebenso wie Heidenheim den Fokus auf Umschaltmomente legt und hoch presst. Kein Team verliert mehr Bälle, keines spielt anteilig mehr progressive Pässe. Der Ball wird also gewonnen und schnellstmöglich nach vorne gebracht. Dabei nimmt das Team das Risiko in Kauf, den Ball auch schnell wieder zu verlieren (was auch passiert).

Die weiter oben im Text gezeigte Pizza-Grafik zeigt, dass Dresden eigentlich überall eher im Mittelmaß beheimatet ist. Das stimmt jedoch nur bedingt. Denn Dresden hat besonders zu Saisonbeginn sehr gute Werte vorweisen können, aber zuletzt ziemlich dürftige Leistungen gezeigt und entsprechend auch Daten produziert. Sicher ist aber, dass Dresden nicht einfach nur den Ball weit nach vorne pöhlt. Dafür haben sie vorne auch einfach nicht die Qualität im Kopfballspiel. Ja, der Ball wird schnell nach vorne gebracht. Aber dabei handelt es sich eher um flache Pässe mit hohem Tempo, ganz im Gegensatz zu der Spielweise von z. B. Hansa Rostock.

Timo Schultz verweist in der PK auf die Rolle von Daferner im Spiel von Dynamo Dresden. Der spielt entweder im offensiven Mittelfeld oder aber direkt vorne in der Spitze. An der Position von Daferner wird sich entscheiden, wie Dresden agiert und wie sie sich aus Drucksituationen befreien wollen. Im Aufbauspiel ist es vor allem Linksverteidiger Chris Löwe, der nach vorne das Spiel eröffnet. Er spielt mit Abstand die meisten langen Bälle bei Dynamo Dresden.

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Mögliche Aufstellung

Mal wieder sehr schwer vorherzusehen und eigentlich liege ich immer falsch bei diesen Prognosen, aber ich bastel das trotzdem wieder. Bei Dynamo Dresden stellt sich zuerst einmal die Frage nach der Formation. Bis zum Spiel gegen Schalke schien das Team fix mit einer Mittelfeldraute zu agieren, also der Formation, mit der der FCSP aktuell so erfolgreich ist. Gegen Schalke gab es aber die Umstellung auf eine Art 3-4-3. Ich bin nicht sicher, ob das SGD-Trainer Schmidt damit vornehmlich auf das Spiel der Schalker reagieren wollte oder er aber ein wenig von der Raute abgerückt ist. Ich tippe auf Ersteres und entsprechend sieht dann auch meine prognostizierte Aufstellung aus:

Auch beim FC St. Pauli könnte es mehr Veränderungen geben als zuletzt. Und das, obwohl es keine Verletzungen gegen Rostock gab. Sicher ist, dass Dennis Smarsch im Tor stehen wird, das wurde nicht nur jetzt auf der Pressekonferenz, sondern auch bereits zu Saisonbeginn klar kommuniziert.
Auch sonst kann Timo Schultz sich zumindest vorstellen, die personelle Aufstellung ein wenig zu verändern. „Sieben bis acht Positionen“ seien in seinem Kopf schon fix vergeben. Das bedeutet auch, dass es mindestens drei Positionen gibt, die noch nicht final besetzt sind.

Zeit für Spekulatius:
Denkbar wäre ein Wechsel in der Innenverteidigung. Das liegt gar nicht unbedingt daran, dass das bisherige Duo keinen guten Job gemacht hat oder kleinere Blessuren hat. Es liegt eher daran, dass mit James Lawrence ein hochklassiger Innenverteidiger aktuell auf der Bank sitzt, den man reinbringen kann, ohne Qualitätsverlust zu erleiden.
Weiter vorne scheint es die Frage zu sein „Wer stürmt neben Guido?“, über die Timo Schultz sich noch nicht ausreichend Gedanken gemacht hat (oder dies zumindest nicht öffentlich zugeben möchte). Als Optionen sehe ich Kyereh, Dittgen und Makienok. Etienne Amenyido hat zwar gegen Rostock erste Minuten gesammelt, dürfte aber kein Startelf-Kandidat sein (Igor Matanovic auch nicht). By the way: Wenn die alle erst mal wieder fit sind (und Lukas Daschner auch noch), dann ist der Kader offensiv ziemlich massiv. Überlegt, wen ihr auf die drei Startplätze und die zwei Bankplätze setzen würdet… Ganz schön harte Entscheidung, oder?

Zurück zur Aufstellung: Ich rechne damit, dass der FC St. Pauli bis auf Dennis Schmarsch auf seine bisherige Startelf vertrauen wird. Denn ja, es ist Englische Woche, aber Schultz erzählt, dass der Unterschied gar nicht soviel höher ist als in „normalen“ Wochen. Denn gäbe es heute kein Spiel, gäbe es stattdessen eine intensive Einheit an der Kollaustraße. Die Belastung sei also gar nicht so unterschiedlich.

Egal, wie die Aufstellung nun sein wird, der FC St. Pauli ist der Favorit in diesem Spiel. Um dieser Rolle auch gerecht zu werden, muss der FCSP enorm aufmerksam und diszipliniert, vor allem in Umschaltmomenten, spielen. Das Spiel gegen Heidenheim hat gezeigt, dass der FCSP so einen Stiefel spielen kann. Es dürfte in jedem Fall einmal mehr ein recht wildes Spiel werden.

Forza!

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//Tim

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(Sofern nicht anderweitig markiert, stammen sämtliche Statistiken von Wyscout)

2 thoughts on “Vorbericht: Dynamo Dresden – FC St. Pauli (DFB-Pokal, 2.Runde, 21/22)

  1. Liebes Millernton Team,
    ich bin selber noch Schüler und deswegen nicht wirklich in der Lage euch finanziell zu unterstützen,
    deshalb will ich mich auf diesem Wege einfach mal bei euch bedanken.
    Für mich als sehr großen FC St. Pauli Fan ist der Millernton einfach perfekt. Ich habe euch vor gut einem Jahr endeckt, hab am Anfang nur die Blog Beiträge gelesen und aus irgendeinem Grund erst vor ein paar Wochen being Timo Schulz gehört (das Projekt war schlichtweg Weltklasse), seitdem hör ich auch alle anderen Sachen vom Millernton und freue mich richtig auf jede Lage, jeden Vor- und Nachbericht, jedes Gespräch und alle anderen Beiträge. Es macht einfach großen Spaß das alles zu lesen/hören, bevor ich euch gefunden habe, hatte ich mir genau sowas über den FC St. Pauli immer gewünscht (das es das in diesem Ausmaß aber wirklich gibt, hab ich mir nicht erträumen lassen). Das ihr das alles für jeden umsonst zur Verfügung stellt ist einfach nur überragend.
    Leitet dieses Lob gerne an das ganze Team weiter.
    Liebe Grüße
    Piet

    1. Hui… vielen lieben Dank für diese tolle Rückmeldung.
      Und wenn Du mit ähnlichen Worten im Freundes- und Bekanntenkreis Werbung für uns machst, hilft uns dies auch immens.
      Viele Grüße!

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