MillernTon leaks – Der FC St. Pauli vor dem Aufstieg

MillernTon leaks – Der FC St. Pauli vor dem Aufstieg

Es ist Crunch-Time angesagt in der 2. Bundesliga. Die letzten sieben Saisonspiele stehen an und der FC St. Pauli hat gute Chancen in die erste Liga aufzusteigen. Aber was heißt hier eigentlich „gute Chancen“? Wie der MillernTon exklusiv erfahren hat, ist der Aufstieg schon unter Dach und Fach, die Feierei kann bereits geplant werden. Ein Protokoll der letzten sieben Spiele.

Hätten wir das bloß vorher gewusst, dass uns diese geheimen Dokumente zugespielt werden würden, wir hätten uns gar nicht so sehr mit dem Restprogramm befassen müssen. Wir präsentieren Auszüge aus der Endphase einer Zweitliga-Saison, die es so schnell wohl nicht wieder geben wird.

28. Spieltag – Auflösungserscheinungen

Nach mehr als zehn Jahren Pause war der FC St. Pauli mal wieder in Rostock zu Gast. Klar ist nun, dass es das letzte Mal gewesen ist. Das 0:23 aus Rostocker Sicht war einfach zu derbe. Denn als die ersten Spieler beim Stand von 0:6 nach 13 Minuten den Platz verließen, wurden auf der Tribüne noch schnell die Verträge unterschrieben. Die Leonhardt Group übernahm die Kogge noch vor der Pause. In eben jener stand Helge im Mittelkreis und schwadronierte was von „Aue-DNA“, die man nun in die Ostsee tragen müsse. Viele Fans, auch im feucht-fröhlich feiernden Gästeblock, erlebten spontanen Würfelhusten. In der 70. Minute war das Stadion bereits fast geleert. Leonhardt hatte die Spieler von FC Wismut Rostock nach der Halbzeit in Lila-Weiß auflaufen lassen. Einzig John Verhoek weigerte sich und wechselte spontan die Seiten, womit der FCSP trotz der Ausfälle von Dittgen und Amenyido noch einen frischen Stürmer einwechseln konnte.

Es nützte alles nix. Noch vor dem Abpfiff rammten die eilig angemieteten Bulldozer ihre Lader in den Vorbau der Nordtribüne. Der Abriss des Stadions war gleichbedeutend mit der Abmeldung des Klubs vom Spielbetrieb. Sechs Punkte und 27:0 Tore waren damit futsch für den FC St. Pauli. Groß war daher nur die Freude bei Schalke 04 und Darmstadt 98, die drei bzw. fünf Punkte gegen Hansa verloren hatten.

Daniel-Kofi Kyereh kann es nicht fassen: Sein Viererpack gegen Hansa Rostock zählt nicht, da sich der Gegner kurz danach vom Spielbetrieb abmeldet.
(c) Peter Böhmer

29. Spieltag – Wintereinbruch

Gewinner des 28. Spieltags war neben den Teams, die Punkte gutgeschrieben bekamen, auch Werder Bremen, die in Sandhausen einen ungefährdeten 4:0-Auswärtssieg einfuhren. Die Freude über das nun gute Torverhältnis währte nicht lang. Ein plötzlicher Winter-Einbruch sorgte beim Topspiel am Millerntor für einige Verwirrung vor dem Anpfiff. „Irreguläre Bedingungen“ dröhnte SVW-Sportchef Frank Baumann bereits vor dem Spiel, nur um kurz danach ein „Schon wieder!“ nachzuschieben. Zu schmerzhaft waren seine Erinnerungen an das Pokal-Viertelfinale 2006. Dabei hatte er auch allen Grund dazu:
Die Rasenheizung am Millerntor lief nicht. Es sei schlicht „vergessen worden, sie anzustellen“ erklärte der FC St. Pauli medienwirksam und kichernd durch Ronnie und Jens, die währenddessen eifrig Werbung für die neuen DIIY-Fußballschuhe mit integrierter Anti-Rutsch-Beschichtung auch unter Schnee-Bedingungen machten. Der SVW schloss wenige Minuten vor Anpfiff einen Knebel-Vertrag mit DIIY, aber, was ist das?!, die Rasenheizung lief plötzlich auf Hochtouren, all das Weiß am Millerntor wich und saftiges Grün kam zum Vorschein.

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„Vertrag ist Vertrag“ pochte man beim FC St. Pauli. Werder Bremen musste mit unpassendem Schuhwerk auflaufen – und verlor sang- und klanglos mit 0:5. Das schöne Torverhältnis war damit wieder weg. Schlimmer noch: Wie Baumann in der launigen Sky „Deutsche Vermögensberatung-Halbzeit-Analyse“ mitteilte, hatten sich auch die beiden Stürmer, Füllkrug und Ducksch, an der Schulter verletzt. Oke Göttlich, ebenfalls zugeschaltet, hielt da nur eine Klatschpappe in die Kamera, stammelte wirres Zeug ins Mikro und nestelte leicht abwesend an seinem vibrierenden Handy herum.

Doch nicht nur am Millerntor tat sich Unglaubliches: „Tim Walter nicht mehr Trainer beim HSV“ tickerte es Samstag-Vormittag über alle Kanäle. Das unglückliche 2:7 in Paderborn und die krachende 0:1-Niederlage unter der Woche im Nachholspiel gegen Aue, waren zu viel des Guten. Man trenne sich „einvernehmlich“ vermeldete die sportliche Führung. Im Doppelpass am Sonntag knallte Walter ein „Ihr seid so ein Scheißhaufen!“ in Richtung HSV ins Mikro. Nützte nix, der HSV verlor auch gegen Kiel.

30. Spieltag – Wechselgerüchte

Nachfolger von Walter wurde Felix Magath, der zwischendurch die Hertha wieder verlassen hatte. Zusammen mit den Rückkehrern Rafael van der Vaart, Harald Spörl und Bernardo Romeo (natürlich alle finanziert von Gurken-Klaus, weil er seinen Klub „so sehr liebt“) sollte das Ruder noch gen Aufstieg rumgerissen werden. Eine überraschende Absage holte sich der ehemalige FCN-Trainer Robert Klauß ab, der sich ebenfalls beworben hatte. Er habe „keine Erfahrung und rede wirres Zeug von abkippenden Spielern“ sei der Eindruck im Bewerbungsgespräch, wird aus dem Aufsichtsrat an die MOPO durchgesteckt (und in diesem Abschnitt steckt sicher das geringste Maß an Fantasie im ganzen Text).

Frank Baumann, Sporting Director of SV Werder Bremen lduring an interview after the Second Bundesliga match between SV Werder Bremen and FC Schalke 04 at Wohninvest Weserstadion on November 20, 2021 in Bremen, Germany.
Frank Baumann ist „leicht angefressen“ nach der Partie gegen den FC St. Pauli.
(Photo by Stuart Franklin/Getty Images/via OneFootball)

Derweil gewann der FC St. Pauli auch in Sandhausen. Das Spiel sei hart an der Grenze zur Wettbewerbsverzerrung gewesen, schrieben viele Medien im Anschluss. Kurz vor Anpfiff der Partie veröffentlichte der MillernTon „Wer ist Tom Trybull? – Ein Spielerprofil“ und machte damit den bevorstehenden Wechsel des Sechsers von Sandhausen zum FCSP öffentlich. Trybull ließ sich nicht lang bitten und jagte bereits in der 3. Minute einen Ball unhaltbar ins eigene Tor, riss sich sein Trikot von der Brust und brachte ein Shirt mit der Aufschrift „Erste Liga, der Tommy ist dabei“ zum Vorschein. Blanker Hohn dann, dass er auch noch auf den Zaun des Gästeblocks sprang und ins Megafon „… bist mein Verein, und du wirst es auch für immer bleiben…“ grölte. Er habe schon immer in Timo-Schultz-Bettwäsche geschlafen. Naja.

Als der verärgerte SVS-Trainer Alois Schwartz anzeigte, dass sich Trybull gefälligst zur Auswechslung begeben solle, sorgte er durch obszöne Gesten zum Mitspieler Dennis Diekmeier („die Nr.1 der Stadt sind wir!“) dafür, dass er vom Platz gestellt wurde, ehe der Wechsel vollzogen werden konnte. Clever.
Funfact: Tom Trybull wechselt gar nicht zum FC St. Pauli. Der MillernTon verkündete nach dem Spiel kleinlaut, aber fröhlich, dass es sich um eine Meldung aus dem Jahre 2014 gehandelt habe. Upsi.

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31. Spieltag – Heimkehr

Der SV Darmstadt kam ans Millerntor. Wie bereits Wochen vorher angekündigt, handelte es sich um ein Spitzenspiel. Spitze war aber nicht das, was Lasse S. auf Seiten der Lilien an Leistung zeigte. Erst vertändelte er leichtfertig im völlig unnötigen Dribbling gegen Kyereh vor dem 0:1, dann war seine Zweikampfführung gegen Makienok vor dem zweiten Gegentor hörbar für alle im Stadion laut Trainer Lieberknecht „KINDERGARTEN!!!“. Zu allem Überfluss köpfte S. völlig unbedrängt eine Paqarada-Flanke ins eigene Tor. Verdaddert schauten seine Mitspieler dann zu, wie S. nach dem dritten Treffer kurz jubelnd aufschrie, ehe er scheinbar peinlich berührt nur kurz die Faust gen Timo Schultz ballte.

Der Spieltag wurde für den FC St. Pauli nicht nur durch den Heimsieg enorm erfolgreich. Sämtliche Kontrahenten ließen wichtige Punkte liegen. Der HSV, inzwischen von Bert van Marwijk trainiert, kam gegen Regensburg mit 1:5 unter die Räder (Moment mal, das gab es beides wirklich schonmal). Nach dem Spiel wurde Mirko Slomka als neuer Trainer vorgestellt. Schalke und Werder trennen sich -1:-1 – bisher wusste niemand, dass es zu so einem Ergebnis kommen konnte, aber naja, so ist es halt. Richtig schlimm erwischte es den Glubb, der, angeführt von einem furiosen Tom Trybull, gegen Sandhausen zuhause 0:3 verlor. Der SVS feierte den Klassenerhalt und drückte fortan dem FCSP die Daumen, um dienstältester Zweitligist zu werden.

32. Spieltag – der verlorene Sohn

Vor dem Spiel gegen Nürnberg plagten den FC St. Pauli Verletzungssorgen biblischen Ausmaßes. Dem Trainer-Team stand weder ein fitter Rechtsverteidiger, noch jemand im Mittelfeld zur Verfügung. So musste Timo Schultz kurzerhand den Kader komplett umbauen. Fabian Hürzeler und Loic Favé unterschrieben Spielerverträge und standen zusammen mit ihrem Chef in der Startelf. Favé als Rechtsverteidiger, Hürzeler besetzt die rechte Halbposition. Auf der Sechs startete Schultz selbst.

Es war ein maues Gekicke. Hürzeler sah früh die Gelbe Karte und stand bereits Mitte der ersten Halbzeit kurz vor einem Platzverweis. Favé hechtete ambitioniert die rechte Außenbahn rauf und runter, aber bei seinen Flanken schämte sich sogar Carsten Rothenbach in Grund und Boden, der auf der Bank Platz nahm.
Überhaupt nicht in Bewegung war Schultz, der auf Hinweise seiner Bewegungsarmut aus der Innenverteidigung trocken „Stehen ist auch eine Freilaufbewegung“ antwortete. Erst als Guido Burgstaller seinen Trainer auf dem Platz komplett rundmachte und ihn bei einer seiner „Freilaufbewegungen“ humorlos in die gegnerische Auswechselbank checkte, kam Leben in das eigene Team.

Timo Schultz beim Training des FC St. Pauli
Timo Schultz beeindruckte im Spiel gegen Nürnberg mit gutem Freilaufverhalten.
(c) Peter Böhmer

Nach 75 Minuten Herumgeplage hatte Mats Møller Dæhli ein Einsehen und „verlor“ den Ball in der Vorwärtsbewegung gekonnt in den Lauf von Makienok, bei dem er vor Spielbeginn an der Hand als Ballkind auf das Feld laufen durfte. Der ließ sich nicht zweimal bitten und schob zum umjubelten Führungstreffer ein. Während es einige Verwirrung aufgrund des wirklich sehr guten Fehlpasses von Mats gab, veröffentlichte der MillernTon „Wer ist Mats Møller Dæhli? – Ein Spielerprofil“.
Der FCSP gewann die Partie und stand kurz vor dem Aufstieg. Nach dem Spiel unterschrieb Møller Dæhli im Jolly Roger mit der Tätowier-Maschine von Jackson Irvine auf der Stirn von Andreas Bornemann bis 2027.

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33. Spieltag – So spielt ein Aufsteiger!

Die Geschehnisse am 33. Spieltag entnehmt ihr bitte der Lage am Millerntor vom letzten Freitag. Hier nur kurz: Der FC St. Pauli stieg auf, während der Sonderzug gen Gelsenkirchen wackelte.

34. Spieltag – Reisen wie die Profis

Was ne wilde Woche das war! Das gesamte Team ist mit der Sonderzug-Belegschaft einfach im Pott geblieben und kaperte zur Rückreise den Fan-Flieger aus Düsseldorf. Die Landung auf dem Heiligengeistfeld war sicher etwas holprig, aber spätestens als Eric Smith mit einer überdimensonialen Gummi-Ente um die Hüfte als Erstes unter lautem Gejohle seiner Mitspieler die Notrutsche hinunterschwang, war die Freude bei allen riesig.

Auf dem Platz dann ein Sommer-Kick par excellence. Die Fortuna probte bereits Fallsucht für die anstehenden Relegationsspiele. Einzig Rouwen Hennings sprintete voller Elan dem Ball hinterher. Spielverderber waren aber die FCSP-Kicker, die sich hinten reinstellten, jeden Ball hoch und weit klärten und im Anschluss immer „Berliner Hochball für Alle“ riefen und sich kurzzeitig aus dem Staub machten. Erst als die Spieler bei einer Runde „Brücken-Ticken“ etwas zu sehr den Fokus auf das Spielgerät verloren, schritt Timo Schultz ein. Weiterhin galt jedoch „Der gegnerische Strafraum ist Lava“. Das Spiel endete 0:0, der FCSP holte trotzdem die Felge. Eine epische Aufstiegsparty folgte.

So, jetzt sind sie raus die geheimen Dokumente. Der große MillernTon leak vermeldete: Der FC St. Pauli steigt auf. Bums. Aus.

// Tim

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6 thoughts on “MillernTon leaks – Der FC St. Pauli vor dem Aufstieg

  1. Sehr schön! Könnte glatt der Wahrheit entsprechen.
    Nur die Formulierung „Gurken-Klaus“ stößt mir sauer (sic!) auf, denn K.-M. Kühne ist mitnichten an Einlegware, sondern als Spediteur eher an Auslegware interessiert.

  2. Na prima, nachdem ihr uns mit der Pokal-Glaskugel schon einen Bärendienst erwiesen habt, scheitert jetzt auch die Aufstiegshoffnung an der Provokation des Zufalls und am fehlenden päpstlichen Rauch, und wahrscheinlich bin ich auch noch der Einzige, der Euch zähneknirschend dafür dankt, weils dann wenigstens endlich wieder ein Duell mit den 1860-Löwen gibt!
    Aber alles hat seinen Preis, auch das Lachen, und vielleicht isses das ja auch wert!?
    Danke Tim, weiter so, die 2.Liga ist viel schöner!

  3. Großartig, Tim. Vor Lachen: Tränen in den Augen. Nun bin ich voller Erwartung auf den Abend im Ostseestadion. Das wird eng in unserer Gästeecke, aber sehr lustig.

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