Gut ist nicht gut genug

Gut ist nicht gut genug

Der FC St. Pauli hat sich aufgrund einer schwachen Rückrunde sämtlicher Aufstiegschancen beraubt. Nun ist Ursachenforschung angesagt, um herauszufinden, was zu diesem Leistungsabfall führte. Sicher ist, dass sich das eigene Anspruchsdenken rund um den (und auch im?) Verein teilweise ändern muss.
(Titelbild: Peter Böhmer)

Schauen wir uns das einmal ganz in Ruhe an: Der FC St. Pauli steht am 34. Spieltag mit 54 Punkten auf dem fünften Tabellenplatz. Das ist eine gute Punkteausbeute und, angesichts der Vorjahre, ein richtiger Fortschritt. Das Problem: Nach dem 27. Spieltag war das Team mit 51 Punkten Tabellenführer. Es folgten aus sechs Spielen nur noch drei Punkte. Diese Phase ist so etwas wie die unrühmliche Krönung einer letztlich enttäuschenden Rückrunde.

Besonders enttäuschend ist sie, weil der FCSP in der Hinrunde mit 36 geholten Punkten als Herbstmeister und dank einigen Punkten Vorsprung als klarer Aufstiegsfavorit galt. Es ist nicht die Tatsache, dass mit Schalke 04, Werder Bremen und (so bitter das ist) dem HSV die drei Schwergewichte der Liga oben stehen. Es ist auch nicht der Tabellenplatz an sich. Es ist der Saisonverlauf, der enttäuscht. Die Ansprüche haben sich im Saisonverlauf enorm nach oben verschoben.

„Opfer unseres Erwartungsmanagements“

FCSP-Präsident Oke Göttlich war nach dem Schalke-Spiel für einen Beitrag im NDR Sportclub im Interview und sagte unter anderem „Wir sind (…) Opfer unseres Erwartungsmanagements geworden.“ – Ich finde, das trifft es ganz gut, aber es scheint auch eines der hausgemachten Probleme beim FC St. Pauli zu sein. Denn nicht erst in den letzten Wochen schwelte eine Art Streit um die Bedeutung der sportlichen Talfahrt und die Frage, wo man mit dem FCSP eigentlich hin möchte.

Ja, der FC St. Pauli hat in der Hinrunde eine Überperformance hingelegt. Das haben zum Beispiel die xG-Werte bereits im Winter gezeigt (wir haben das letzte Woche dargestellt). Das Team hat nicht nur die eigenen Erwartungen und auch die seiner Fans übertroffen, sondern auch das eigene Leistungsmaximum beständig ausgereizt. Ein gutes Beispiel dafür ist Jakov Medić. Dessen Leistungen waren in der Hinrunde überragend. In der Rückrunde konnte er sie nicht ansatzweise bestätigen.

Werbung

Es ist nicht ganz fair, dass die vergleichsweise schwächeren Leistungen von Jakov Medić hier nun so prominent herausgearbeitet werden. Er ist aber ein besonders gutes Beispiel, da diese Überperformance bereits im Herbst 2021 angemerkt wurde: Viele waren sehr verwundert, als wir Daten vom Global Soccer Network präsentierten, die Medić als durchschnittlichen Innenverteidiger beschrieben, der zu dem Zeitpunkt der Veröffentlichung enorm stark performte. Ich bin auch weiterhin der Ansicht, dass Medić stärker ist, als diese Daten es ausdrücken. Aber nun, im Frühsommer 2022, dürften diese Worte und Werte ganz anders gelesen werden.

Deutschland, Gelsenkirchen, 07.05.2022, Fussball 2. Bundesliga 33. Spieltag, FC Schalke 04 - FC St. Pauli in der Veltins Arena Jakov Medic (FC St. Pauli) nach dem Spiel enttaeuscht
Jakov Medić konnte seine Hinrundenform nicht mit ins Jahr 2022 nehmen.
(c) Peter Böhmer

Auf Überperfomance folgt Unterdurchschnitt

Wie gesagt, Medić ist nur ein Beispiel. Denn auch viele andere Spieler haben in der Rückrunde unterdurchschnittlich performed. Guido Burgstaller erzielte erheblich weniger Tore, das gesamte Mittelfeld (abgesehen von Kofi) gar keine und nur ein einziges Spiel konnte in 2022 ohne Gegentor beendet werden. Das sah in der Hinrunde noch ganz anders aus. Dazu passt auch das Fazit, welches Timo Schultz kurz nach Spielschluss auf Schalke von sich gab:

„Wenn wir die Saison vor Werder und Schalke beenden wollen, dann muss bei uns wirklich alles zusammenlaufen. Das ist in der Rückrunde nicht der Fall gewesen“

Timo Schultz im Interview nach dem Schalke-Spiel.

Es ist und bleibt dabei, dass der FC St. Pauli erst dann so stark wird, wenn er auch sein Leistungsmaximum abrufen kann. Genau das ist in den letzten Wochen und eigentlich der gesamten Rückrunde nicht der Fall gewesen. Viele Spieler haben nicht nur nicht mehr zu ihrem Maximum aus der Hinrunde gefunden, sie haben sogar eher klar unter den Erwartungen gespielt. Wie es dazu kommen konnte, gilt es jetzt aufzuarbeiten. Denn natürlich ist so eine Überperformance nicht dauerhaft zu halten (dann würde es sich nicht um eine Überperformance handeln). Aber dem FCSP hätte höchstwahrscheinlich auch eine durchschnittliche Rückrunde zum Aufstieg gereicht.

So muss dann auch die Niederlage auf Schalke richtig eingeordnet werden. Schmerzhaft war sie, ganz sicher. Einen Zwei-Tore-Vorsprung hergeben, der das Ende aller Aufstiegschancen bedeutet und dann dabei zuschauen zu müssen, wie der Gegner eben jenen Aufstieg feiert, tat richtig weh. Trotzdem muss auch festgehalten werden: Schalke 04 war von der ersten Minute an das deutlich bessere Team und ist aus meiner Sicht zurecht aufgestiegen. Diese Niederlage hätte sich also auch ein FCSP in Top-Form einhandeln können.

Aufarbeitung notwendig

Die viel größeren Probleme waren das 2:2 zuhause gegen Aue (die danach fast nur noch Minus-Leistungen anboten), das 0:3 in Kiel, das 0:3 zuhause gegen Hannover, das 1:1 in Dresden, das 0:1 in Rostock, undundund – die Liste der Spiele, in denen der FCSP in der Rückrunde gegen einen eigentlich schlagbaren Gegner nicht zu drei Punkten gekommen ist, ist erschreckend lang. Und sie zeigt schmerzhaft, dass das Team unfassbar weit weg war von den Leistungen der Hinrunde. So fällt den Verantwortlichen dann auch die Transferpolitik im Winter vor die Füße. „Doch ob das Vorgehen richtig ist, entscheidet natürlich erst der Rest der Saison.schrieben wir dazu, hielten es aber auch selbst nicht für möglich, dass der FCSP eine solche Rückrunde spielen würde.

Werbung
Deutschland, Gelsenkirchen, 07.05.2022, Fussball 2. Bundesliga 33. Spieltag, FC Schalke 04 - FC St. Pauli in der Veltins Arena Sportdirektor Andreas Bornemann (FC St. Pauli) - Trainer Timo Schultz (FC St. Pauli)
Andreas Bornemann und Timo Schultz müssen die richtigen Lehren aus einer verkorksten Rückrunde ziehen.
(c) Peter Böhmer

Entsprechend kündigte Timo Schultz schon direkt nach dem Schalke-Spiel eine Aufarbeitung der Rückrunde an. Die ist dringend nötig, denn die Historie hat gezeigt, dass sich der FCSP mit seiner Form eher in einer Art Jahreskalender bewegt.
So oder so dürfte sich der Kader nun verändern. Nicht nur, weil einige auslaufende Verträge wohl nicht verlängert werden, sondern auch, weil es einige Spieler zu anderen Clubs ziehen wird. Ich wiederhole mich, aber so ist es nun einmal: Eine gute Zweitliga-Saison spielen und dann nicht aufzusteigen ist pures Gift. Denn die besten Spieler des eigenen Teams wird es trotzdem in die erste Liga ziehen.

Entwicklung ist positiv – Aber bleibt sie das auch?

Und das ist ein Problem. Natürlich hat Oke Göttlich recht, wenn er sagt, dass die Entwicklung der letzten beiden Jahre weiterhin positiv ist (NDR Sportclub). Zur Wahrheit gehört aber auch, dass wichtige Spieler den Verein nun verlassen werden. Das war in der Vorsaison mit den Leihspielern Marmoush und Zalazar auch der Fall, aber nun werden die ersten derjenigen Spieler den Verein verlassen, die während des großen Kader-Umbruchs im Sommer 2020 geholt wurden und sich zu wichtigen Säulen des Erfolgs entwickelt haben. Spieler, die nicht einfach ersetzt werden können, sondern deren Stärke wieder entwickelt werden muss. Vieles deutet darauf hin, dass dieser (Transfer-)Sommer arbeitsreich werden wird und es, auch aufgrund von zwei Pandemie-Jahren, einige Veränderungen geben wird.

Was sich ganz sicher dringend ändern muss, ist die Einstellung vieler. Denn es ist bei nicht wenigen eine „Spielen-wir-halt-weiter-Zweite-Liga“-Haltung zu beobachten. Das mag eine Art Schutzschild sein, damit die eigene Laune nicht so getrübt wird. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass genau diese Ambitionslosigkeit einen Teil des Problems beim FC St. Pauli ausmacht. Ich werde das Gefühl nicht los, dass es auch weiterhin irgendwie immer noch eine Art Wohlfühloase beim FCSP gibt, die einen auch Niederlagen weniger schmerzhaft erscheinen lassen.

Deutschland, Gelsenkirchen, 07.05.2022, Fussball 2. Bundesliga 33. Spieltag, FC Schalke 04 - FC St. Pauli in der Veltins Arena Leart Paqarada (FC St. Pauli) enttaeuscht
Leart Paqarada spielt eine überragende Saison. Das dürfte weit über die Clubgrenzen hinaus Begehrlichkeiten geweckt haben.
(c) Peter Böhmer

Frust als Antrieb nutzen

Ja, klar, niemand soll beim FCSP ausgepfiffen und öffentlich an den Pranger gestellt werden. Aber irgendwie muss ein Klima vorhanden sein, in denen nicht nur „positive Energie“ und „Spaß am Fußball“ im Vordergrund stehen, die dann zum Erfolg führen sollen, sondern in dem auch ganz klar ist, dass Niederlagen oder besser gesagt schlechter Fußball absolut scheiße sind. Denn auch aus Enttäuschung kann enorme Kraft gezogen werden, wenn daraus der Wille entsteht die Dinge besser zu machen. Ich bin der Meinung, dass beides, Spaß und Enttäuschung, durchaus zusammen als Antriebsfeder dienen können.

Mich nervt es, dass ich meinen Eindruck nicht loswerde, dass es beim FCSP nicht so ist. Natürlich hat das Team eine gute Saison gespielt, wie z.B. Andreas Bornemann zuletzt betonte und auch Oke Göttlich sagt zurecht, dass der FCSP einen „Fortschritt“ gemacht habe. Ich bin weit entfernt davon, mit dieser Saison unzufrieden zu sein. Aber es war viel mehr möglich und dieser Frust darüber muss auch so formuliert werden. Andernfalls droht eine schöpferische Pause auf Erfolgen, die keine sind (vielleicht haben wir so eine gesehen nach der Hinrunde).

Werbung

Der FC St. Pauli hat mit einer unterdurchschnittlichen Rückrunde eine riesige Chance verspielt. Der Verein hatte die Möglichkeit einen wirklich großen Schritt nach vorne zu machen, da gerade jetzt, nach zwei Jahren Pandemie, der finanzielle Vorteil eines Aufstieges nochmal größer gewesen wäre, als eh schon. Das ist sehr ärgerlich.
Ja, die Saison des FCSP war sicher gut und die Richtung der Entwicklung ist, nach Jahren des Stagnierens, die richtige. Viele Dinge haben funktioniert und viele Pläne sind aufgegangen. Aber sie war eben nicht gut genug, was womöglich einen massiven Dämpfer in der Entwicklung bedeutet. Und auch wenn es hart klingt, aber genau so „gut, aber nicht gut genug“ muss die Saison jetzt auch begriffen werden, wenn man in Zukunft nach Höherem streben möchte.

Immer weiter vor!
// Tim

MillernTon auf Twitter //
MillernTon auf YouTube //
MillernTon auf Facebook //
MillernTon auf Instagram //

Wenn Dir gefällt was wir hier tun, findest Du hier die Infos dazu, wie Du uns unterstützen kannst.

Print Friendly, PDF & Email

24 thoughts on “Gut ist nicht gut genug

  1. Unglaublich viele interessante Aspekte, die unbedingt genauer betrachtet und diskutiert werden sollten. Die Ambitionslosigkeit, die Wohlfühloase, der Frust als Antriebskraft, der Weg, das Ziel…

    Leider fehlt mir grad die Zeit meine Gedanken dazu ausführlich zu formulieren, vielleicht heute Abend im Verzäll Nix Pod oder später hier oder in einem Blog.

    Einstweilen bedankt für Text und Gedanenanstöße.

    P.S. Verschriftlichst du hier eigentlich Gedanken eines Fußballllehrers? 😉

  2. Ich gebe zu, für mich ist es gerade auch ein hartes Stück Arbeit diese Saison und auch das letzte Spiel zu verarbeiten. Aber für mich ist es noch zu früh um das Saison-Fazit zu ziehen und damit den Abgesang der nächsten vorzubereiten.

    Auf kein anderes Spiel habe ich mich vor der Saison mehr gefreut als auf diese Fahrt. „Auf Schalke“.

    Und eigentlich hatte ich mich seit unserer Auswärtsfahrt nach Sandhausen auch schon damit abgefunden, dass wir dieses Jahr wohl doch nichts mit dem Aufstieg zutun haben würden. Ich hatte schon diese gefrustete Heimfahrt aus Sandhausen, ich mußte schon diese Leere in mir verarbeiten.
    Das Spiel in Gelsenkirchen wollte ich eigentlich nur noch in Ruhe genießen.

    Aber irgendwie keimte auf dem Weg nach Gelsenkirchen auch bei mir nochmal so ein klein wenig Hoffnung auf. Insbesondere nachdem Darmstadt Freitags verloren hatte.

    Diese Rückrunde ist so verrückt, da kann am Ende alles passieren.

    Und dieses zarte Pflänzchen wurde auch ja auch gleich mit ordentlichen Wasser und Dünger versorgt.

    Das 2:0 in der ersten Halbzeit, die Euphorie im Block. All das ist halt eben Gift für die Erwartungshaltung eines Fußball-Fans.

    Dann der Elfmeter, die Einwechslung Zalazars…

    Am Ende steht man dann halt wieder wie ein begossener Pudel im Block und läßt das alles nur noch über sich ergehen.

    Die feiernden Schalker, die Party-Paulis, die unbeeindruckt von den Ereignissen singend durch den Block tanzen, den Stadionsprecher, der in Endlosschleife darauf hinweist, dass das Stadion nicht für einen Platzsturm ausgelegt ist…

    Und klar kreisen die „was wäre wenn“ Gedanken im Kopf. Was wäre wenn in Sandhausen nicht mit dem Abpfiff diese verfluchte Ecke rein gegangen wäre. Was wäre wenn das 1:1 von Werder wegen Handspiel aberkannt worden wäre. Was wäre wenn Terodde diesen verschissenen Elfmeter einfach an die Hallendecke gezimmert hätte.

    Ja, was wäre wenn…

    Auf der anderen Seite habe ich am Sonntag auch nochmal mindestens 6 Stunden Zugfahrt vor mir und bis dahin will ich die ganzen „Was wäre wenns“ aus dem Kopf bekommen.

    Vor ein paar Jahren haben wir mit einem fetten Grinsen feiernd in Darmstadt auf dem Platz gestanden. Obwohl wir das Spiel verloren haben und mit verdammt viel Glück nicht abgestiegen sind.

    Soll diese Graupen-Saison jetzt besser gewesen sein als das was wir in 21/22 erlebt haben?

    Wir haben so überragenden Fußball gesehen, wie in den letzten 12 Jahren nicht mehr.

    Ich bin immer noch fasziniert wie schnell die metamorphose von einem Verein der 10 Jahre fast ununterbrochen gegen den Abstieg spielte zu einem Aufstiegsfavoriten gelang.

    Bei aller Kritik an Bornemann in den letzten Wochen bin ich fasziniert welchen Riecher er für gute und bezahlbare Spieler hatte.

    Ich bin total fasziniert von der Arbeit von Timo Schulz, insbesondere wenn es darum geht Spieler besser zu machen.

    Und ich glaube, das ist es, was für die nächsten Jahre bleibt.

    Vielleicht fehlt es unserem jungen Trainer-Team noch ein wenig an Erfahrung für den allerletzten Schritt. Aber schon 2021 hat man gesehen dass die neue große Stärke von St Pauli ist, durch Rückschläge zu lernen.

    Und ja: Wir werden einen Kaderumbruch erleben. Wir werden sicherlich in der Hinrunde 2022/23 eine Mannschaft erleben, die sich erst noch finden muss.

    Aber stell dir mal vor, wir beenden die Hinrunde nicht auf Platz 13 oder 14 wie diese Rückrunde, sondern auf Platz 8 oder 9.

    St. Pauli bewegt sich mit seiner Form in einem Jahreskalender. Hast Du selbst geschrieben. 🤷‍♂️

    Ja, stimmt schon. Dieser Post ist eher eine Therapie für mich als ein Kommentar für euch.

    Aber ich will mich halt am Sonntag über die gelungene Saison freuen. Ich will den 5 Platz feiern, den ich in den letzten Jahren eigentlich immer dankend genommen hätte und ich will vor allem richtig Gas geben, um noch einmal Danke zu sagen für die tolle Saison und die überragenden Spiele.

    Gerade für die Spieler die den Verein in Richtung Bundesliga verlassen und vermutlich nie erleben dürfen, wie geil ein Aufstieg am Millerntor ist.

  3. Hallo Tim,
    mit deinem Absatz -Dann-spielen-wir-halt-zweite-Liga- sprichst Du mir aus der Seele. Ich denke der Trainer und die Mannschaft wollten und sind ehrgeizig genug das maximal sportlich beste aus der Saison zu holen. Allerdings ist dieses Anspruchsdenken genau das, was dem Fc St.Pauli seit Jahren fehlt. Ich habe immer das Gefühl, der Verein fühlt sich da wohl wo sie sind. Zweite Liga, mal oben mitspielen, mal harter Abstiegskampf, irgendwas dazwischen. Bisschen Party, bisschen Spass.
    Ich denke der Satz von Oke Göttlich nach dem Spiel sagt doch schon alles aus. Was erwartet man denn, wenn man die beste Hinrunde der Vereinsgeschichte spielt? Welche Erwartungshaltung hatte Schalke denn? Genau das ist es nämlich was den Fc St.Pauli fehlt sportlich erfolgreich zu sein. Diese -Wäre schön- wenn-es-klappen-könnte-wenn-nicht-dann-auch-nicht-so-schlimm Haltung. Aber so wie es läuft darf es einfach nicht weitergehen. Meiner Meinung nach trägt der Präsident einfach eine große Mitschuld.
    Natürlich hat er auch viele guten Dinge angestoßen, hat den Verein finanziell sehr gut aufgestellt was ihm (gerade in Zeitden der Pandemie) hoch anzurechnen ist. Nur muss man sich ja einfach nur die letzten zehn! Jahre seiner Amtszeit ansehen. Was haben wir in dieser Zeit SPORTLICH erreicht? Diese „Wohlfühloase“, die du angesprochen hast kommt ja nicht von ungefähr.

    1. Ich denke, wenn man die Entwicklung der letzten zwei Jahre betrachtet, dann hat sich da schon einiges bewegt, angestoßen vom Präsidium. Ich finde das inhaltliche Kritik durchaus seine Berechtigung hat, bin aber nicht sicher, ob wir Oke Göttlich nur an dieser Aussage messen sollten. Da ist es sicher auch so, dass er rhetorisches auch ein wenig Wind aus den Segeln nehmen will, denke ich.

      1. Da hast du natürlich recht das man das nicht an einer Aussage messen sollte. Für mich stand diese Aussage sinnbildlich für die ganze Haltung. Das er rhetorisch gut performen kann und seine Worte auch mit Bedacht wählt, war ja mit Sicherheit auch ein Grund ihn damals zum Präsidenten zu wählen. Sicherlich ist in den letzten zwei Jahren einiges positives bewirkt wurden, aber das hat nunmal auch viel mit dem sportlichen Erfolg zu tun. Und die hat ja der Trainer angestoßen.
        Es werden schlechte und falsche Entscheidungen getroffen, aber es folgen keine Konsequenzen. Du sprichst es ja selber an, in den letzten zwei Jahren hat sich einiges gutes bewegt, was positiv ist. Und die Jahre davor? Ich will nicht in der Vergangenheit kramen sondern lieber nach vorne schauen. Aber in dieser kompletten Konstellation fällt mir das schwer.
        Bei Andreas Bornemann bin ich ebenfalls sehr kritisch, weil diese Transfer(leih)modelle genau dazu führen, was in dem Kommentar unten steht: keine tiefe Verbundenheit zum Verein. Sicherlich gibt es immer wieder positive Beispiele wie Östigard, Marmoush etc. Aber über die negativen Beispiele wird dann auch nicht gesprochen. Und natürlich hat er auch gute Deals eingefädelt, aber allein schon die Aussage von Schulle zum Thema Vertragsverlängerung auf der PK, als er sagt er finde es auch schade das es noch kein neuen Stand gibt, lässt doch tief blicken in das Verhältnis intern.
        Schulle weiß aufgrund seiner Vergangenheit wie St.Pauli tickt, Bornemann weiß das nicht. Klar ist es jetzt im Nachhinein für uns immer leicht zu sagen was hätte besser gemacht werden können. Aber wenn Bornemann versucht so zu arbeiten wie in Kiel oder in Nürnberg, dann ist es kein Wunder das es irgendwann vor die Füße fällt. Da kannst du ja mal nachfragen ob die gut auf Ihn zu sprechen sind.
        Es ist immer ein schmaler Grad zwischen sportlichen Erfolg, Spieler die für St.Pauli brennen und auch mal länger als paar Jahre bleiben und Wertschätzung arrivierter Spieler die viel für den Verein getan haben, aber über ihrem Zenit sind bzw. kommen. Dann muss man sich immer entscheiden was man möchte. Was einem als Verein wichtig ist. Aber irgendwas muss sich ja anscheinend ändern.

  4. Moin, schöner Artikel, viele Gute Aspekte.
    Was mich halt so unendlich ärgert. Auch bei einer wirklich eher schlechten Rückrunde, wenn wir in ein oder zwei Spielen mehr gepunktet hätten (und das war durchaus möglich, insbesondere gegen den HSV oder Rostock. Der HSV hat das Derby gewonnen, weil die mit der Einstellung reingegangen sind, wie wir die Derbys davor) wäre es noch immer eine eher schlechte Rückrunde gewesen. Wir wären trotzdem noch voll im Rennen bzw. ggf. schon aufgestiegen. Und da fehlte dann das gewisse extra, was uns dann auch in der 1. Liga so voll vor die Füße gefallen wäre, trotz Verstärkung. Ja es ist vermutlich so eine Wohlfühloase. Keiner will hier Verhältnisse wie bei Hertha, aber mir kommt es teilweise wie bei der F-Jugend vor. Nur nichts schlechtes sagen, nur nicht mal Unmut äußern- alle haben sich ganz doll lieb. Es ist zum Verzweifeln

    1. Ja, ich denke die ganze Zeit darüber nach, dass das Team nur gegen Darmstadt hätte gewinnen müssen. Diese drei Punkte wären so wichtig gewesen und hätten sicher auch noch ein paar weitere Kräfte freigesetzt.

  5. Moin Tim,
    ich denke, diese Saison hat Uns mal wieder gezeigt, dass Wir einfach weiterhin nach Unseren pekuniären und damit auch sportlichen Möglichkeiten einfach in LigaZwei gehören.
    Ich finde, Wir haben diese Saison fast immer schönen Angriffsfussie gespielt, das habe ich die letzten Jahre am Millerntor auch ganz oft anders erlebt. Von daher sehe ich diese Saison als eine sehr gute an, auch wenn Unser Team für mich mittlerweile eher einfach nur gut zusammengestellt/gekauft ist. Diesen mehr oder weniger erfolgreichen Weg gehen aber so ziemlich alle Vereine im Profifussie und meinetwegen auch wegen der Pandemie fehlen mir aber gerade wirklich die aechten FCSP IdentifikationsSpieler am Millerntor. Das wäre bei einem Aufstieg bestimmt noch viel mehr xtremer geworden. Ich glaube Übrigens nicht, dass bei Uns etwas?! mehr Geld für den Profifussi mehr sportlichen Erfolg bringen wird, da wären Wir für mich prädestiniert dieses eher nur zu „Verbrennen“, wie Uns andere Vereine gerade Mal wieder zeigen. Für mich haben Wir eine aecht starke Saison gespielt und nächste Saison geht es wieder von los, erst den Klassenerhalt sichern und dann… Für Immer Voran FC Sankt Pauli, Forza!
    PS bei den Spielergehältern sollten Wir Uns auf keinen Fall an dieser für mich wahnsinnige KostenSpirale beteiligen, damit schaffen Wir Uns als Magischer FCSP dann ab.

    1. bei den Spielergehältern sollten Wir Uns auf keinen Fall an dieser für mich wahnsinnige KostenSpirale beteiligen, damit schaffen Wir Uns als Magischer FCSP dann ab.

      Moin Micky,

      ich möchte dich ja nicht deiner Illusionen berauben, aber der FCSP hat mWn den siebthöchsten Spieleretat der Liga und ist da mitten drin im Geschäft und im Vergleich zu Kiel oder Darmstadt da in den letzten Jahren eher am Geld verbrennen. Hatte übrigens auch Timo Schultz schon angemerkt, dass andernorts da besser gearbeitet wurde (wie weiland gar Andreas Rettig schon).

      Wird Zeit für eine Leistungsmentalität und eine Leistungskultur. Das geht auch mit speziellen Werten und mit Identitätsfiguren.

      1. Moin,
        genau das meine ich ja damit, den Jahn hast Du vergessen zu erwähnen, die machen das die letzten Jahre vom Etat her richtig gut…wäre vielleicht auch bei Uns ein Versuch wert plus mehr eigenen Nachwuchs…
        Ich weiß nicht, hast Du „lass uns über Geld reden“ vom m.Bl. von Gestern schon gelesen… von da kamen gerade meine Gedanken…
        Forza

    2. Die Entwicklung ist in jedem Fall positiv und das wird auch von dieser Saison übrig bleiben, klar. Ob wir ein „Verbrenner“ wären, keine Ahnung, aber die knapp 20Mio mehr, die man in der 1.Liga durch Fernsehgelder bekommt, dürften nach zwei Jahren Pandemie ganz besonderes Balsam sein und hätten dadurch die Chance geboten, sich vielleicht auch sehr viel schneller in eine Richtung zu bewegen, in der man sich dauerhaft in der ersten Liga festsetzen kann.

  6. Es tut weh, auf dieser Seite gleich mehrfach das verkackte Wort „Wohlfühloase“ lesen zu müssen. Normalerweise für mich ein Grund, nicht weiter zu lesen.
    Von welcher „Wohlfühloase“ ist denn immer die Rede? In jener, in der wir Fans uns bewegen?

    Oder sind Spieler gemeint? Welche denn? Dann mal her mit den Namen.

    Sicherlich gibt es Spieler im Team, die sich ausrechnen können, dass sie in der 1. Liga nicht auf dem Platz stehen werden. Vielleicht sind die tatsächlich froh, „wenigstens“ beim FC St. Pauli spielen zu können. Viele kommen mir da aber nicht in den Sinn, eher gar keiner.

    Auf der anderen Seite fehlen auch mir sicher einige Spieler, die ich mangels eines besseren Wortes als „Charakterköpfe“ bezeichnen will. Ich könnte auch sagen „Kampfschweine“ oder was in der Art. In manchen Szenen wurde schlichtweg zu naiv gespielt, was prompt zu Toren führte. In der Rückrunde häufiger als in der Hinrunde. Beifus in Rostock und nach dem Handspiel gegen Bremen, fällt mir ein. Er ist noch jung, muss in die 2. Liga noch rein wachsen und wird uns noch Freude bereiten.

    Einige andere, ich nenne mal Becker, weil er ohnehin geht, sind nach meinem Eindruck als Spieler einfach zu brav. Das macht sie ja nicht zu schlechten Fußballern, gar nicht, aber sie sind nun mal nicht jene, die den Karren aus dem Dreck ziehen können, wenn es mal nicht so läuft.

    Einen wie Nehrig hätte ich gerne hinten drin gehabt. Oder einen wie Boll. Da hätte es manchmal auf dem Rasen gebrannt. Aremu hat womöglich das Zeug dazu, so einer zu werden, doch der hat bei Schiris leider keine gute Karten. Insgesamt sind zu wenige „Häuptlinge“ auf dem Platz und da reihe ich Ziereis mit ein, der ein lieber Kerl sein mag, aber der nicht der Spielführer ist, den die Mannschaft in der Rückrunde gebraucht hätte. Und trotzdem bin ich sicher, dass auch Ziere mit dieser Mannschaft sehr gerne aufgestiegen wäre. Also auch bei ihm nix von Wohlfühl-Worthülse.

    Ich bin seit über 50 Jahre im Sport aktiv. Nie habe ich in einer Mannschaft gespielt, die Erfolg hatte, obwohl im Team oder im Umfeld schlechte Stimmung herrschte. Andererseits gab es natürlich auch Mannschaften, bei denen trotz zahlreicher Misserfolge die Stimmung sehr gut war. Niederlagen waren uns trotzdem nie egal, Siege waren unser Ziel. Wir haben allenfalls akzeptiert, wenn die anderen besser waren und dann haben wir weiter gearbeitet, um selbst besser zu werden. Denn sonst macht der ganze Sport keinen Spaß.

    Die Stärke alter St. Pauli-Mannschaften, die den Sprung nach oben schafften, war doch immer der Zusammenhalt. Dass sie ein verschworener Haufen waren und sich im Verein und im Kreise der Mannschaft wohl fühlten. Diesmal stimmte offensichtlich die Mischung im Team nicht. Doch so etwas kann man meist nur in schweren Phasen erkennen und da war es dann diesmal zu spät, weil das Transferfenster geschlossen war. Bei Erfolg, das haben wir absolut nicht exklusiv, werden nun mal häufig die falschen (Personal-)Entscheidungen getroffen. Das gilt es nun zu korrigieren.
    Schlimm, ärgerlich, dass wir nicht aufgestiegen sind, doch es ist keine Katastrophe und schon gar kein Grund, die Arbeit von Bornemann, Schulle und dem Trainerteam über den Haufen zu werfen. Auch die werden aus den Erfahrungen dieser Rückrunde ihre Schlüsse ziehen. Nicht umsonst heißt es, dass man aus Niederlagen mehr lernen kann als aus Erfolgen. Wenn in Ruhe weitergearbeitet wird, dann sind wir spätestens in zwei Jahren wieder im Kreise jener Mannschaften, die den Aufstieg unter sich ausmachen.

    1. Danke Winnie. Sehe ich alles auch so. Eine kleine Beobachtung noch zu unseren Spielern nach dem Spiel bei Schalke 04: Es waren gefühlt nur gut die Hälfte der Spieler vor der Gästekurve mit immerhin 6.000 FCSP Fans. Der einzige, der dann auch länger da stand, war Marcel Hartel. Bei aller Enttäuschung auch bei den Spielern, fand ich das viel zu wenig(e). Die ehemals tiefe Verbundenheit mit der Mannschaft ist bei mir über Jahre auch wegen solchen Momenten verloren gegangen.
      Trotzdem bin ich sportlich bei uns auch optimistisch für die Zukunft. Forza!

  7. Erinnern wir uns einmal an den Saisonbeginn…ich hätte Platz 5/6 sofort unterschrieben. Das sollte man nicht aus den Augen lassen. Aber wie richtig geschrieben ist der Verlauf das, was sich nach Frust anfühlt.
    Ein Aspekt der dabei aufgearbeitet werden muss ist auch, bei aller Wertschätzung für das Trainerteam (kein gendern nötig), warum es uns nicht gelungen ist gegner Taktisch zu überraschen bzw. adequat zu reagieren. Meine These ist, dass dies an der Vorbereitung im Training lag – nicht an mangelnden Ideen die Formation anzupassen. Aber kann die These keineswegs belegen.

    1. Erinnern wir uns Mal an den Saisonbeginn. Da muss ich Mal einhaken.
      3:0 gegen Kiel(20/21 3.er)
      0:0 in Aue(für uns ein Erfolg)
      3:2 gegen Magdeburg im Pokal
      (Erste Pokalrunde gegen Drittligisten, wo wir sonst immer rausfliegen)
      3:2 Derbysieg gegen hAEsvAU
      (Immer schön, aber auch immer schwer)

      Das war schon ein starker Saisonbeginn und wir waren Stand damals Tabellenführer. Da hätte ich Platz 5/6 nur mit Bauchschmerzen unterschrieben

  8. Mir wird zu viel gejammert. Am Ende hat es die Mannschaft in dieser Saison nunmal auch nicht verdient. Fertig Und das lag sicher nicht an fehlenden Vertragsgesprächen oder anderen Ausreden, die da von Außen vorgelegt wurden. Das haben in der jetzigen Phase alle Mannschaften.

    Einziger Fehler (den ich sehe) – aber auch nur evtl. – war, dass man in der Winterpause defensiv nicht nachgelegt hat. Aber wer kann damit rechnen, dass in der ABW so viele Spieler gleichzeitig ausfallen. Hätte ich nicht gedacht. Ohlsson z.B. wäre wichtig gewesen in der Endphase. Oder auch ein fittes IV-Duo Ziereis – Lawrence. Und vielleicht wollte man ja auch nachlegen, es war aber niemand auf dem Markt, der geholfen hätte. Und was wäre in dem Szenario, dass man jemanden holt und alle sind fit und dann unzufrieden. Dann wäre das die passende Ausrede gewesen?

    Ist mir alles zu einfach. Ich möchte jetzt, dass seriös und geräuschlos intern aufgearbeitet wird. Wenn uns Spieler wie Kofi und Paqa verlassen, ist es eben so. Das bringt aber auch Geld. Und dieses Geld muss gut verwendet werden. Ist schwierig – aber gehört dazu. Bisher hatte der Verein die letzten Transferperioden ein gutes Händchen. Dazu werden mit den auslaufenden Verträgen von Buchte und Ziere auch wieder Gelder frei. Die werden sicher gut verdient haben. Ich bin also guter Dinge. Und am Ende wird auch unser junges Trainerteam dazugelernt haben. Nur mit einem Spielsystem in eine Saison zu gehen, ist vielleicht doch etwas gefährlich. Und Einwechslungen üben wir bitte auch noch.

    Wichtig bleibt: Ruhe bewahren, seriös arbeiten, keine verrückten Dinge aus der Not heraus versuchen. Nicht falsch verstehen, ich will unbedingt in Liga 1 und in meinem Leben auch noch mal international spielen (und ich bin alt). Aber nicht zu einem Preis wie z.B. bei Schalke (GAZPROM, Tönnies) oder zig anderen Clubs, die mehr oder weniger öffentlich die Seele an Investoren verkauft haben. Der Weg ist nunmal schwerer und länger. Und klar – die Beispiele Braunschweig oder Kiel sollten Warnung genug sein. Aber ich glaube, der Gefahr ist man sich sehr wohl bewusst.

  9. Stichwort „Wohlfühloase“

    Das ist tatsächlich das einzige, was mir aus dem Beitrag von Tim nicht gefallen hat. Ich sehe gerade keine Wohlfühlen-Oase. Nirgendwo.

    Jeder St.Pauli-Fan den ich kenne wollte aufsteigen. Jeder ist enttäuscht.

    Der Druck der Presse (selbst vom Millernton) war allgegenwertig.

    Nirgendwo habe ich seit Herbst irgendwas von „2. Liga reicht doch auch“ gehört

    Im Gegenteil: Alle hatten Angst vor dem Szenario vor dem wir nun stehen.

    Ich glaube andersrum wird ein Schuh draus. Ich glaube im Winter 2020/21 wurde die Wohlfühloase ausgetrieben.
    Das ganz große Symbol war die Causa Himmelmann, die sich zumindest für mich überhaupt nicht wohl anfühlte. Eine Entscheidung die genauso richtig war, wie sie sich scheisse anfühlte.

    Und dann kam der Hunger. Von Spiel zu Spiel. Bis zum Darmstadt-Hinspiel diese Saison bzw. bis zur Herbstmeisterschaft und der darauffolgenden 3:0-Niederlage in Kiel.

    Und zack: Plötzlich hatte der FC St. Pauli etwas zu verlieren. Plötzlich war der Druck da. Plötzlich rotierte nach jeder Niederlage der Kopf.

    Stellingen hatte es in der Rückrunde viel einfacher, eben weil sie zum ersten Mal nicht der Favorit waren.

    Jemand in einem Kommentar über mir sprach die Derby-Niederlage an. Genau so empfand ich unsere Mannschaft in diesem Spiel: Als hätte sie etwas zu verlieren und nichts zu gewinnen.

    Auch diese unsägliche Prämen-Diskussion passt in diese Stimmung in der alle Angst hatten trotz der guten Leistung in der Hinrunde plötzlich leer auszugehen.

    Und seien wir doch mal ehrlich: Wir haben uns doch im Dezember auch als sicherer Aufsteiger gefühlt. Ich glaube es war zum Teil auch diese Arroganz die dazu geführt hat, dass der Kopf blockiert war und die Beine nicht mehr 100% gaben.

    Darum habe ich tatsächlich die Hoffnung, dass sich die Enttäuschung in etwas positives umwandeln läßt.

    Denn jetzt sind wir wieder genau da, wo der FC St. Pauli immer die besten Leistungen gebracht hat: Auf dem Boden der Tatsachen und nicht im Luftschloss.

    Wenn die Verantwortlichen jetzt ruhig agieren und nicht panisch mit den Flügeln flattern, dann wird das Team von Timo Schulz eine Mannschaft bekommen mit der sie etwas aufbauen kann.

    Und ja: Ich will immer noch Aufsteigen. Dann eben nächstes Jahr.

  10. Vieles wurde im Artikel angerissen. Es wird keine einfachen Antworten geben. Da kam über die Monate schon viel zusammen. Teils auch sehr unglücklich. Ich bin nach der Saison zu müde, um mich über selbst durch Nachdenken über Auftritte beim Derby oder in Rostock nochmal in Weißglut zu schreiben, daher zwei Dinge:

    Eventuell sollten die Verantwortlichen intern eine Auseinandersetzung mit dem Thema „Druck im Profisport“ führen. Keine Ahnung was nach Innen kommuniziert wurde, aber nach Außen waren die Töne für mich jedenfalls total unverständlich. Die „Wir lassen die Jungs ohne Druck Fußball spielen“ – Sprache in Dauerschleife hat nicht funktioniert, das sollte man sich nun in der Analyse dringend vor Augen führen. Es wirkte oft, als sei das Team dem Aufstiegskampf mental nicht gewachsen. Die Körpersprache in vielen Spielen der Rückrunde war teilweise eine Katastrophe. Von kolportierter Freude war da nichts zu spüren. Vielmehr versuchten die zittrigen Füße irgendwie mit Himmels Hilfe die Punkte nach Hause zu fahren, was zu solchen Auftritten führte wie in der zweiten Halbzeit in Sandhausen, in der das Zuschauen schon wehtat. 3 Punkte in den letzten 6 Spielen lassen sich nicht wegleugnen.

    Ich bin auch nicht mit Meinungen einverstanden, in denen suggeriert wird, dass man bestimmte Entwicklungen in der Hinrunde nicht hätte sehen können. Seit dem indiskutablen 0:4 in Darmstadt purzelte es Gegentore. Spätestens das 0:3 in Kiel, die zu dem Zeitpunkt tief im Abstiegskampf steckten, war ein lauter Gong. Machen wir uns nichts vor: Sehr wahrscheinlich waren Verstärkungen finanziell nach zwei Jahren Corona einfach nicht machbar. Beunruhigende Zeichen gab es aber schon.

  11. Moin,

    viele gute Aspekte (wieder einmal) im Artikel, aber auch in den Kommentaren.

    Oberflächlich (da keine tiefergehenden Statistiken zur Hand) ist ein Hauptgrund der schwächeren Rückrunde die fehlende Durchschlagskraft. Tim deutete es an: „Keine Mittelfeldspieler hat ein Tor erzielt“. Aber es ist nicht nur das reine Tore erzielen, auch insgesamt gab es m. E. zu wenig Zug zum Tor (auch letzte und vorletzte Pässe). All dies beispielhaft im Spiel gegen Darmstadt sichtbar.

    Andere haben es in den Kommentaren schon angedeutet. Auch ich hinterfrage die eher boulevardeske Behauptung „Dann spielen wir halt weiter 2. Liga“. Wer hat das gesagt? Wer drückt das durch was genaus aus? Ich bezweifle (ggf. zu naiv), dass Sportler*innen keinen Erfolg haben wollen, wenn sie an einem Wettbewerb teilnehmen!?

    Mangelndem Umgang mit Druck kann ich bei dem Team nicht dauerhaft erkennen. Beispielhaft für mich überragend in der ersten Halbzeit auf Schalke, mit welcher Ruhe in diesem Hexenkessel und nach den ersten Großchancen für Schalke, hinten raus kombiniert wurde. Am Ende leider dann nicht gut genug. Das Spiel eben als Spiegelbild der ganzen Saison.

    Ein Punkt möchte ich noch ergänzen: Manchmal sollten wir das Alter einzelner Spieler nicht vergessen. Wie oft ich (auch hier) schon Negatives über bspw. Matanovic gelesen habe, macht mich dann schon nachdenklich, ob eigentlich wirklich erwartet wird, dass ein 19-22 Jähriger schon ein kompletter Bundesligaspieler sein soll.

    Beste Grüße und immer weiter so MillernTon-Team, ihr seid toll 🙂

  12. Mario spricht mit aus dem Herzen:

    „Und seien wir doch mal ehrlich: Wir haben uns doch im Dezember auch als sicherer Aufsteiger gefühlt. Ich glaube es war zum Teil auch diese Arroganz die dazu geführt hat, dass der Kopf blockiert war und die Beine nicht mehr 100% gaben.“

    Nach dem Hinspiel gegen Schalke hab ich von vielen gehört, dass das mit dem Aufstieg ja nicht mehr schief gehen kann. Tja, wenn (Teile) der Mannschaft auch so gedacht haben, und sei es nur unterbewusst, fehlen halt die paar Prozent Einsatz und Laufbereitschaft, die in dieser engen zweiten Liga oft über Sieg oder Niederlage entscheiden.
    Diese Arroganz gab es schon mal: Nach dem Derbysieg 2011 hab auch ich getönt, dass das der Schritt zum Klassenerhalt war. Und dann gab es nur noch vergeigte Spiele – einige davon auch in den Schlussminuten, wenn ich mich richtig erinnere.

    Um großen Erfolg zu haben braucht es auch eine gewisse Demut.

  13. Danke für die vielen Kommentare. Ich lese sie alle und da sind so viele spannende und tolle Gedanken drin, auf die ich gerne immer Antworten möchte. Aber ich schaffe es aufgrund der vielen Arbeit aktuell nicht. Bitte seid nicht böse, wenn ich nur sporadisch antworte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.