Vorbericht: FC St. Pauli – 1. FC Nürnberg (1.Spieltag, 22/23)

Vorbericht: FC St. Pauli – 1. FC Nürnberg (1.Spieltag, 22/23)

Tja, da geht es schon wieder los. Zum Auftakt in die neue Saison empfängt der FC St. Pauli den 1. FC Nürnberg am Millerntor. Wie üblich ist so ein erster Spieltag einer mit vielen Fragezeichen. Die sind in diesem Fall auf der einen Seite sehr viel größer, als auf der anderen.
(Titelbild: Peter Böhmer)

Wurde auch Zeit, dass es wieder losgeht. Denn diese Ungewissheit darüber, wo genau der FC St. Pauli überhaupt steht und was das wohl für eine Saison werden wird, ist für mich schwer auszuhalten (auch wenn sie zu Träumereien einlädt). An eine Art Prognose habe ich mich trotzdem gewagt. Und wenn ihr noch am Freitag loslegt, dann gibt es gute Chancen, dass ihr bis zum Anpfiff am Millerntor sämtliche Folgen von MillernTon Meets durchgehört habt.

Falls das vielleicht sogar schon bereits der Fall ist, dann wendet doch den Blick bzw. besser die Ohren dem Tagesgeschäft entgegen und hört das „Vor dem Spiel“-Gespräch von Michael mit Fadi über das Auftaktspiel.

FC St. Pauli: Wer kann spielen, wer fehlt?

Ziemlich kritisch ist es auf der Innenverteidiger-Position im Kader des FC St. Pauli. Marcel Beifus fehlt gesperrt, David Nemeth verletzt, Christopher Avevor ist ohnehin weit weg davon wieder eine Option zu werden. Zu allem Überfluss musste Adam Dźwigała, der im Laufe der Vorbereitung bereits mit Muskelproblemen aussetzen musste, am Mittwoch das Training abbrechen. Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel hoffte Timo Schultz, dass es sich bei dem Trainingsabbruch um eine reine Vorsichtsmaßnahme handelt und er bereits am Donnerstag wieder am Training (nicht öffentlich) teilnehmen kann.

Abgesehen von der Innenverteidigung, sieht es im Kader ziemlich gut aus. Einzig Etienne Amenyido wird sicher fehlen. Alle weiteren Spieler sollten bereit sein für einen Einsatz, wenngleich zum Beispiel Afeez Aremu während der Vorbereitung längere Zeit aussetzen musste. So dürfte dann bereits die Zusammenstellung des Spieltagskaders den ein oder anderen Härtefall beinhalten.

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1. FC Nürnberg: Wer kann spielen, wer fehlt?

Sicher ausfallen für das Spiel gegen den FC St. Pauli werden zwei Offensivkräfte: Pascal Köpke befindet sich noch im Aufbautraining und Lukas Schleimer hat sich erst kürzlich schwer am Sprunggelenk verletzt. FCN-Trainer Robert Klauß berichtet auf der Pressekonferenz vor dem Spiel zudem, dass Mats Møller Dæhli, Florian Hübner und Felix Lohkemper unter der Woche aufgrund eines Infektes reduziert trainiert haben, nun aber wieder zur Verfügung stehen.

Deutschland, Hamburg, 29.04.2022, Fussball 2. Bundesliga 32. Spieltag, FC St. Pauli - 1. FC Nuernberg im Millerntor-Stadion Robert Klauss (Trainer Nuernberg) lacht
Robert Klauß – Trainer des 1. FC Nürnberg
(c) Peter Böhmer

Angesprochen auf Mats, der später in die Vorbereitung eingestiegen ist und beim Test gegen Arsenal London „nur“ 60 Minuten zum Einsatz kam, deutete Klauß an, dass der Norweger vermutlich nicht über die volle Spielzeit einsatzfähig ist. Wir sollten ihn gebührend empfangen. Erfreulich aus Nürnberger Sicht ist, dass Felix Lohkemper nach langer Verletzung nun tatsächlich eine Kader-Option ist.
Ganz nebenbei möchte ich euch die Pressekonferenz herzlich empfehlen, da sich Klauß ab Minute 14 mit einigem Enthusiasmus zu einem kicker-Diss hinreißen lässt.

Was hat der FCN zu bieten?

Etwas weniger Fragezeichen, als es aktuell beim FC St. Pauli vor Saisonstart gibt. Das liegt daran, dass es den Verantwortlichen gelungen ist den Kader der Vorsaison größtenteils zusammen zu halten. Von den regelmäßig eingesetzten Spielern sind einzig Mittelfelder Tom Krauß (war geliehen, nun bei Schalke), Rechtsverteidiger Kilian Fischer (für 2,5Mio zu Wolfsburg) und Offensivkraft Nikola Dovedan (Vertrag ausgelaufen) nicht mehr da. Für Krauß und Dovedan dürfte es beim FCN Alternativen geben, einzig der Verlust von Fischer auf der Rechtsverteidiger-Position wiegt schwer.

Neue Offensive

Neu hinzugekommen (ich breche das mal herunter auf jene Spieler, denen ich direkt Startelf-Chancen zutraue) sind auf den Außenverteidiger-Positionen Erik Wekesser (Regensburg) für links und Jan Gyamerah (HSV) für die rechte Seite. Gerade die Leistungen von Gyamerah dürften für den Erfolg des FCN entscheidend sein, da es auf dieser Seite eher ein Loch als auf links gibt.

Noch mehr ist in der Offensive passiert: Mit Christoph Daferner (Dresden) und Kwadwo Duah (FC St. Gallen) wurden gleich zwei Angreifer verpflichtet, die direkt in die Startelf rutschen dürften. Zudem ist Manuel Wintzheimer (HSV) nach Franken gekommen, den Sportvorstand Dieter Hecking, wie auch Gyamerah, bereits aus seiner Zeit in Hamburg kennt.

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Kader zusammengehalten

Der Blick auf die Zahlen zeigt, dass diese Runderneuerung der Offensive auch notwendig gewesen ist. Denn gleich 14 andere Zweitliga-Teams hatten mindestens einen Spieler im Kader, der letzte Saison häufiger getroffen hat, als der erfolgreichste Torschütze des FCN (Nikola Dovedan – sieben Tore). Das ist für ein Team, welches auch ein wenig gen Aufstieg schielte, viel zu wenig. Da genau diese Lücken im Kader aber nun mit Daferner (13 Tore für Absteiger Dresden) und Duah (15 Treffer für St. Gallen) geschlossen wurden, ist das Team noch einmal stärker einzuschätzen als in der Vorsaison.

Bevor nun aber die totale Euphorie rund um den 1. FC Nürnberg ausbricht, sorgt Robert Klauß dafür, dass alle schön auf dem Boden bleiben, kritisiert den kicker auf der PK für eine aus seiner Sicht schiefe Aufstiegs-Prognose und sagt deutlich „Die Testspiele waren nicht gut“.
Angesprochen auf den FCN betont Timo Schultz: „Die Mannschaft hat sich bereits letztes Jahr durch eine extreme Kompaktheit ausgezeichnet“ und betont ebenfalls, dass der Kader des FCN größtenteils zusammengehalten werden konnte und eben offensiv punktuell Verstärkung erfahren hat.

So gibt es zwar noch einige Fragezeichen bei der Leistungsstärke dieses Nürnberger Teams. Sicher ist aber, dass er für den FC St. Pauli gleich ein ganz dickes Brett zum Auftakt darstellt. Aber das beruht natürlich auf Gegenseitigkeit.

Mögliche Aufstellung

Ich orientiere mich mal an der Aufstellung des FCN beim Testspiel gegen Arsenal London. Das würde bedeuten, dass das Team in einem 4-4-2 mit (Achtung, neuer Begriff, weil er besser passt als „Raute“) Drachenviereck antreten wird, also ganz ähnlich, wie der FCSP in der Vorsaison. Mit einer Viererkette erwartet auch Timo Schultz das Team, obwohl sie vor etwas mehr als zwei Monaten am Millerntor mit einer Dreierkette angetreten sind (und diese auch kurzzeitig im Test gegen Arsenal ausprobierten).

Erwartete Aufstellung beim Spiel zwischen dem FC St. Pauli und dem 1. FC Nürnberg
Erwartete Aufstellung beim Spiel des FC St. Pauli gegen den 1. FC Nürnberg

Beim FC St. Pauli dürfte ebenfalls die Aufstellung beim letzten Testspiel einige Hinweise auf die Startformation am Samstag gegeben haben. Wobei „einige Hinweise“ eher gleichbedeutend mit „dieselbe Startelf“ ist. Es würde mich schon sehr wundern, wenn es im Vergleich zum Testspiel gegen NK Istra Veränderungen geben könnte. Sogar auf der Torwartposition bleibt es bei der personellen Konstellation, wie im Test, die Beantwortung der Torwartfrage wurde dem Trainerteam aufgrund von Vasiljs Verletzung abgenommen.

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Wenn es aber doch Veränderungen in der Startelf geben sollte, dann vermutlich in der Offensive. Denn mit David Otto stünde Ersatz für das Sturmzentrum, mit Carlo Boukhalfa Ersatz für die Zehnerposition bereit. Sicher bin ich aber, dass Lukas Daschner zum Einsatz kommen wird. Allerdings ist mir nicht ganz klar, ob auf der Zehn oder als zweite Spitze. Das spielt bei seinem sehr umtriebigen Spielstil aber auch nicht wirklich eine große Rolle, da er sich so oder so zwischen diesen beiden Positionen bewegen wird. Timo Schultz sagte auf der Pressekonferenz über Daschner: „Er hat letzte Saison zu wenig Spielzeit bekommen.“ und das war zwar keine Einsatzgarantie, aber wenn ihr euch seine Wortwahl bei der PK anhört, dann wird auffallen, dass nichts bis gar nichts gegen einen Einsatz von Daschner spricht.

Im Mittelfeld dürfte sich im Vergleich zur Vorsaison wenig verändern: Jackson Irvine und Marcel Hartel werden wohl auf den Achter-Positionen starten und Eric Smith, der körperlich hoffentlich endlich voll in Form ist, kann wieder auf der Sechs agieren. Ich hatte vor einigen Tagen etwas von fehlender Erfahrung und einer fehlenden Achse im Kader des FCSP geschrieben. Im Mittelfeldzentrum mit dieser Besetzung könnte eine solche Achse entstehen. Hartel, Smith und Irvine werden mehr in die Verantwortung genommen, was sich ja bereits daran zeigt, dass sie Teil des neuen Mannschaftsrats sind.

Deutschland, Hamburg, 29.04.2022, Fussball 2. Bundesliga 32. Spieltag, FC St. Pauli - 1. FC Nuernberg im Millerntor-Stadion Lukas Daschner (FC St. Pauli)
Lukas Daschner dürfte eine sehr viel prominentere Rolle einnehmen, als noch in der Vorsaison.
(c) Peter Böhmer

In der Abwehr sind die Außenverteidiger-Positionen fix: Leart Paqarada wird wie gewohnt auf links verteidigen. Auf der anderen Seite darf höchstwahrscheinlich Manolis Saliakas sein Debüt für den FC St. Pauli feiern.
Anders stellt sich die Situation in der Innenverteidigung dar: Denn mit Jakov Medić und Adam Dźwigała stehen dem Team nur zwei fitte Spieler zur Verfügung (wenn überhaupt, da Dźwigała angeschlagen ist). Da Beifus und Nemeth sicher ausfallen, scheint nur ein externer Spieler kurzfristig (und auch langfristig) Abhilfe schaffen zu können…

Der Start in eine neue Saison ist, wie immer, auch mit einer ganzen Menge Hoffnungen behaftet. Die Hoffnung auf eine ganz besondere Saison, mit begeisterndem Fußball und rauschenden Festen am Millerntor und in den FCSP-Gästeblöcken. Irgendwie mag ich das Gefühl kurz vor dem Saisonstart. Denn noch erscheint alles, wirklich alles möglich. Und so kann ich es kaum erwarten bis wir am Samstagmittag „die Wahrheit“ auf dem Platz sehen werden. Vielleicht wird es auf dem Platz berauschend, vielleicht etwas enttäuschend, vielleicht überraschend – in jedem Fall aber wird es mit ganz viel Liebe von den Rängen begleitet.

Forza!
// Tim

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One thought on “Vorbericht: FC St. Pauli – 1. FC Nürnberg (1.Spieltag, 22/23)

  1. Ich könnte mir auch sehr gut ein 4-3-3 mit Daschner und Eggestein vorstellen, wobei einer von beiden situativ auf die 10 abkippt und Matanovic das Zentrum hält. Dabei würde dann unser gewohntes 4-4-2 Raute entstehen. Daschner und Eggestein können sowohl im Sturmzentrum spielen, haben aber auch Stärken, wenn sie nicht die ganze Zeit das Zentrum halten müssen. Möglicherweise ist das die neue „Flexibilität“ von der Schulle gesprochen hat. Ganz vorne drin hast du einen richtigen Zielspieler mit Igor und dann zwei Jungs daneben, davor oder dahinter, die sowohl abschließen als auch vorlegen können. Diese Art der Positionswechsel ist definitiv schwerer zu verteidigen, als das was wir letztes Jahr gespielt haben, da ja auch nicht gesichert ist, dass tatsächlich ein 10er spielt. Vielmehr können auch alle 3 in vorderster Reihe bleiben und Räume im vorderen Drittel überladen.

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