Vorbericht: 1. FC Magdeburg – FC St. Pauli (21. Spieltag, 22/23)

Vorbericht: 1. FC Magdeburg – FC St. Pauli (21. Spieltag, 22/23)

Am Samstag tritt der FC St. Pauli beim 1. FC Magdeburg an. Das Team von Fabian Hürzeler erwartet ein ganz anderes Spiel als zuletzt. Der Vorbericht.
(Titelbild: Peter Böhmer)

Im „Vor den Spiel“-Gespräch hat sich Yannick mit Diana unterhalten. Hört da gerne mal rein.

Der Rückblick auf Partien in den letzten Jahren ist relativ kurz: Zum deutlichen 3:0 im Hinspiel gab es einen Kurzbericht. Und nach sieben Punkten aus vier Ligaspielen hat damals wohl niemand auch nur daran denken können, dass Timo Schultz nach Ende der Hinrunde nicht mehr Trainer beim FC St. Pauli sein würde.

Ein wirklich sehr markantes und aufregendes Spiel gab es hingegen beim letzten Auftritt des FC St. Pauli in Magdeburg: In der ersten Runde des DFB-Pokals setzte sich der FCSP knapp mit 3:2 durch, trotz 20 (!) Magdeburger Ecken und 45 (!!!) Torschüssen des Heimteams. Angesichts dieser doch sehr drückenden Spielweise des FCM war die Frage nach der Rautendämmerung angebracht.

FC St. Pauli: Wer kann spielen, wer fehlt?

Seit über zwei Jahren taucht unter dieser Überschrift immer wieder der Name Christopher Avevor auf. Nun erklärte der FCSP, dass der Innenverteidiger fortan in der U23 an seinem Comeback weiterarbeiten wird. Fabian Hürzeler erklärte dies auf der Pressekonferenz damit, dass die Intensität im Training für einen Spieler, der seit sage und schreibe 26 Monaten kein Pflichtspiel bestritten hat, schlicht zu hoch sei. Der gesamte MillernTon wünscht Dir, Jackson, dass Du noch einmal Profifußball spielen kannst und wir hoffen, dass wir dich vielleicht sogar nochmal unter dieser Überschrift wiedersehen werden. Forza!

In dieser Woche sind mit Etienne Amenyido, Luca Zander und Adam Dźwigała drei Spieler wieder, mal mehr, mal weniger, in den Trainingsbetrieb zurückgekehrt. Für einen Einsatz am Wochenende dürfte es aber für keinen dieser Spieler reichen. Hürzeler hob aber besonders im Fall von Zander hervor, wie wichtig es ist, dass dieser wieder im Kreise der Mannschaft aktiv ist („(…)weil er uns nicht nur als Spieler, sondern auch als Mensch etwas gibt“). Sicher ausfallen wird auch weiterhin David Nemeth aufgrund seiner Schambeinentzündung.

Saliakas fehlt, Irvine wieder im Training

Zwar Teil des Trainings, aber sicher nicht Teil des Spieltagskaders wird Manolis Saliakas sein, der gegen Kaiserslautern seine fünfte Gelbe Karte gesehen hat und aussetzen muss. Mit dem Training aussetzen musste Jackson Irvine, der laut Hürzeler einen Schlag aus dem FCK-Spiel auskurieren musste. Er wurde aber am Donnerstag im Team-Training zurückerwartet. Über Probleme am Knie klagte in dieser Woche Dennis Smarsch, der aber ohnehin inzwischen ausschließlich in der U23 zum Einsatz kommt.

Hamburg, Deutschland, 14.08.2022 - Manolis Saliakas (FC St. Pauli) im Duell mit zwei Spielern des 1. FC Magdeburg - Copyright: Peter Boehmer
Manolis Saliakas wird nicht gegen den 1. FC Magdeburg auflaufen können. Er fehlt gesperrt.
(c) Peter Boehmer

1. FC Magdeburg: Wer kann spielen, wer fehlt?

Richtig krass ist die lange Verletztenliste des 1. FC Magdeburg. FCM-Trainer Christian Titz berichtete auf der Pressekonferenz, dass insgesamt zehn Spieler sicher ausfallen werden. Darunter befinden sich mit Cristiano Piccini (Zehenbruch), Belal Halbouni (Kreuzbandriss), Alexander Bittroff (Wadenprobleme) und Tim Stappmann (Fußverletzung) gleich vier Innenverteidiger. Zudem fehlt Linksverteidiger Leon Bell Bell aufgrund einer Schambeinentzündung.

Im zentralen Mittelfeld fehlen mit Andreas Müller (Syndesmosebandriss) und Connor Krempicki (Entzündung im Knie) zwei enorm wichtige Spieler. In der Offensive muss Magdeburg bereits seit längerer Zeit auf Florian Kath (Achillessehnenprobleme), den auf St. Pauli nicht unbekannten Maximilian Franzke (aktuell Muskelbündelriss) und Luca Schuler (Ermüdungsbruch) verzichten.

Was hat der FCM zu bieten?

Das Team von Christian Titz steckt tief im Abstiegskampf und konnte sich erst durch einen etwas überraschenden Auswärtssieg bei Holstein Kiel am letzten Wochenende vom letzten Tabellenplatz lösen. Doch der 1. FC Magdeburg zählt zu einem der aufregendsten Teams der Liga. Fabian Hürzeler bezeichnet sie gar als „eine der spielstärksten Mannschaften“.

Wie krass dieser Fußball und diese Spielidee von Titz sind und was sie in ihrer Spielweise auszeichnet, habe ich zum Hinspiel für Studio1910-Live ausführlich anhand von Spielszenen ausgearbeitet. Schaut da gerne mal rein, auch wenn das ein oder andere Element des FCM-Spiels nicht mehr ganz so krass durchgezogen wird.

Pizza-Grafik mit Kern-Statistiken des 1. FC Magdeburg nach 20 Spieltagen der 2. Bundesliga 22/23.

Der Blick auf die Kern-Statistiken des FCM zeigt, dass das Team den niedrigsten PPDA-Wert aller Zweitligaklubs hat. Das bedeutet, dass sie relativ hoch pressen, ihre Gegner also sehr früh stören. Hürzeler ist sich dieser Spielweise natürlich bewusst und erwartet von seinem Team, dass sie trotzdem mutig agieren:

„Sie pressen extrem hoch, spielen Mann-gegen-Mann im Angriffspressing. Darauf stellen wir uns ein. Trotzdem wollen wir versuchen unser Spiel mit dem Ball aufzuziehen. Deshalb wird es hektisch werden, speziell am Anfang des Spiels. Da liegt es dann auch an uns Ruhe reinzubekommen, mutig aufzutreten mit viel Selbstvertrauen, um diese Hektik aus dem Spiel zu bekommen.“

Fabian Hürzeler über das Pressingverhalten des 1. FC Magdeburg

Als Grund für die Spielstärke des FCM nennt Hürzeler aber nicht nur die Spielidee von Christian Titz, sondern hebt auch einzelne Spieler hervor. Zum Beispiel die Dribbelstärke von Tatsuya Ito und Baris Atik (der FCM führt die zweitmeisten Dribblings der Liga), den Tiefgang von Moritz Kwarteng aus dem Mittelfeld und die Fertigkeiten von Torwart Dominik Reimann am Ball, der ligaweit die sechstmeisten Pässe aller Spieler gespielt hat (bisher 1080).

Spielstark, konteranfällig

Besonders Atik und Ito gelte es zu beachten. Beide Spieler könne man nicht „1-gegen-1 verteidigen“, da sie sich oft sehr schnell von ihren Gegenspielern lösen können, wie Hürzeler sagt. Grundsätzlich sei das FCM-Spiel sehr flexibel in den Abläufen, die, formationsunabhängig, für die Gegner gefährlich werden können. Hürzeler: „Ich denke, dass sie versuchen die Zwischen- und Halbräume zu bespielen. Sie spielen gerne über das Zentrum, aber auch über die Außen mit ihren 1-gegen-1-Spielern. Das sind also mehrere Muster.“

Magdeburg, Deutschland, 07.08.2021 - Jakov Medic (FC St. Pauli) im Duell mit Florian Kath (1. FC Magdeburg) - Copyright: Peter Boehmer
Beim Pokalspiel im August 2021 war der FC St. Pauli in Magdeburg mächtig am schwimmen, konnte am Ende aber ein knappes 3:2 über die Zeit retten und schaffte es bis ins Pokal-Viertelfinale. Der FCM stieg, wie so viele Erstrundengegner des FCSP, am Saisonende hochverdient in die 2. Bundesliga auf.
(c) Peter Boehmer

Doch die mutige Spielidee von Titz und seinen Spielern hat auch Nachteile, sonst würde das Team nicht in Abstiegsnöten stecken. Die offensive Ausrichtung bedingt eine defensive Anfälligkeit. Der FCM hat die meisten gegnerischen Torschüsse zugelassen, den höchsten gegnerischen xG-Wert vorzuweisen und sich die meisten Gegentore gefangen. Nur gegen die damals offensiv komplett ungefährlichen Regensburger (hatten zu der Zeit in acht Spielen nur zwei Treffer erzielt – klar, beide gegen den FC St. Pauli) konnte der FCM in dieser Saison ohne Gegentreffer bleiben.

Dem 1. FC Magdeburg passieren in der Offensive also eine ganze Menge Fehler, welches dann aufgrund der hohen Positionierung eine gewisse Konteranfälligkeit bedingt. Und trotzdem ist der Respekt für diese Spielweise enorm groß, wie Fabian Hürzeler klarstellt:

„Magdeburg spielt einen offensiven, mutigen und wie ich finde sehr attraktiven Fußball. Wenn man versucht seinen Stil durchbringen zu wollen, dann wird man auch Fehler machen. Sie gehen da einen Prozess, wo der Trainer seiner Linie treu bleibt, auch wenn Fehler gemacht werden. Da kommt auch mal ein Konter, da müssen sie auch mal defensiv im 1-gegen-1 verteidigen. Entsprechend haben die Gegner auch die ein oder andere Torchance. Trotzdem habe ich größten Respekt wie sie das machen. Da ist eine klare Handschrift zu erkennen und das finde ich immer sehr positiv.“

Fabian Hürzeler über den Magdeburger Spielstil

Mögliche Aufstellung

Der 1. FC Magdeburg hat aufgrund der vielen Ausfälle in der Defensive nicht so wirklich viele Optionen und dürfte daher die gleichen Spieler aufbieten, wie gegen Holstein Kiel. Zwei Wechsel sind aber in der Offensive denkbar: Tatsuya Ito könnte Jason Ceka auf der offensiven Außenposition ersetzen, weil er in Kiel nach seiner Einwechslung einen guten Eindruck hinterlassen hatte.

Zudem war Winter-Neuzugang Luc Castaignos angeschlagen, dürfte nun aber fit genug sein, um in der Startelf ganz vorne im Angriff zu stehen. Allerdings ist Kai Brünker wohl ein recht beliebter Spieler unter den FCM-Fans. Zumindest wurde im „Vor dem Spiel“-Gespräch erzählt, dass er von diesen als einziger explizit ausgeklammert wurde, als es nach dem letzten Heimspiel eine Art Standpauke von den Fans gab.

Erwartete Aufstellung beim Spiel 1. FC Magdeburg gegen den FC St. Pauli
Erwartete Aufstellung beim Spiel 1. FC Magdeburg gegen den FC St. Pauli

Eine Veränderung wird es beim FC St. Pauli ganz sicher geben, da Saliakas gesperrt ist. Hürzeler ließ offen, wer an seiner Stelle als rechter Schienenspieler zum Einsatz kommen wird (Marcel Beifus wird es nicht sein, erzählte er). Zwar sei Jannes Wieckhoff sicher die „1-zu-1-Lösung“, doch: „Wir haben aber auch die Option Connor zurückzuziehen und dann vorne einen anderen Spieler spielen zu lassen.“

Maurides in die Startelf?

Aus meiner Sicht scheint es zwar eher schwer vorstellbar, dass Metcalfe, der in den letzten beiden Spielen traf (was laut Hürzeler natürlich einen Einfluss auf die Entscheidung habe), wirklich auf die rechte Schienenposition wechselt. Allerdings gibt es es auch gute Argumente vorne etwas zu verändern. Denn das druckvolle Pressing und mutige Offensivspiel des FCM schreit förmlich danach, dass sich der FC St. Pauli eine „Exit-Strategie“ zurechtlegt. Diese könnte der lange Ball auf einen kopfballstarken Angreifer sein. Steigen damit die Chancen, dass Maurides, immerhin der kopfballstärkste Angreifer der polnischen Liga, sein Startelf-Debüt für den FCSP feiert?

„Das ist eine Option, ja.“ sagt Fabian Hürzeler zu einem Einsatz von Maurides in der Spitze, schiebt aber direkt hinterher, dass es mehrere (personelle) Möglichkeiten einer Exit-Strategie gibt: „Es kommt darauf an, wie wir dahinter positioniert sind, für den zweiten Ball. Da macht es für mich nicht so einen großen Unterschied, ob Otto, Maurides oder Daschi vorne spielt.“ So könnte also der Ausfall des Rechtverteidigers Saliakas zum Startelfdebüt von Maurides führen. Ich tippe aber darauf, dass Wieckhoff zum Einsatz kommen wird und ansonsten alles beim Alten bleibt.

„Ich durfte das schon miterleben im Pokalspiel. Es war atemberaubend, laut und hektisch. Dementsprechend müssen wir uns darauf vorbereiten.“ – Fabian Hürzeler ist sich bewusst, dass es in Magdeburg kein „normales“ Auswärtsspiel werden wird. Umso besser, dass über 2.300 FCSP-Fans den Weg nach Magdeburg antreten werden. Kommt heil wieder nach Hause und bringt drei Punkte mit!

Forza!
// Tim

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3 thoughts on “Vorbericht: 1. FC Magdeburg – FC St. Pauli (21. Spieltag, 22/23)

    1. Sure, this is an option. However, I think they need physical strength at the front (Maurides) or they want to bringt speed on the wing (wieckhoff) to the game.

      1. Ich sehe das ähnlich, zumal Maurides auch über einen ziemlich guten Endspeed verfügt. Aber mich beschleicht so ein bißchen das Gefühl, dass Eggestein ebenfalls eine nicht ganz unwahrscheinliche Möglichkeit ist:
        – Abschlußstärker als Daschner, zudem besserer Zentrumsspieler;
        – Kombinationssicherer als Maurides oder Otto;
        – profitiert stark davon, wenn die Räume im letzten Drittel etwas größer sind und er etwas mehr Zeit für seine Aktion hat (davon darf man gegen Magdeburg ausgehen).
        Übrigens frage ich mich, warum Hürzeler nicht auch mal unabhängig von der Saliakas-Vertretung im Sturmzentrum wechseln sollte… sein Argument pro Daschner war ja (offiziell) ebenfalls eine „taktische Überlegung“ & so stark war Daschner nun auch nicht, dass seine Position sakrosankt wäre.

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