Kein Rückschlag nach Rückstand – Stimmen zu FCH vs. FCSP

Kein Rückschlag nach Rückstand – Stimmen zu FCH vs. FCSP

Hürzeler sah eine Exklusivmeinung, Eggestein erklärt die Spieltaktik und Irvine möchte Teile des Spiels loswerden – die Stimmen zu Rostock vs. FC St. Pauli.
(Titelbild: Voelcker/Fotostand/Imago Images/via OneFootball)

Es gibt so Spiele, die verdienen dann doch noch etwas mehr Aufmerksamkeit, als sie Spiele des FC St. Pauli ohnehin schon von uns bekommen. Daher haben wir die Statistiken zum Spiel (Offen wie ein Scheunentor?) von den Stimmen getrennt. Einen Spielbericht (Verdient, aber glücklich) und einen Artikel zu den Choreos beim Spiel (Stöckchen zur Awareness), haben wir auch schon veröffentlicht. Zum Abschluss der Blog-Berichterstattung nun also die Stimmen zum Spiel.

Trainerstimmen

Schwartz: „Acht Minuten zum Vergessen“

FCH-Trainer Alois Schwartz konnte mit dem Start in die Partie zufrieden sein, ging sein Team doch früh in Führung: „Die ersten 15 Minuten waren gut. Wir haben gut gedrückt, haben aktiv gespielt.“ Doch es lief nicht so weiter: „Dann gab es acht Minuten, die für uns zum Vergessen waren. Wir haben dann nur noch Begleitschutz gegeben, sind nicht mehr in die Zweikämpfe gekommen.“

Daas es aus Hansa-Sicht zur Halbzeit „nur“ 1:3 stand, war laut Schwartz nicht ganz verdient: „Wir haben Glück gehabt, hätten auch noch das vierte Tor fressen können.“ Sein Fazit:
„Hinten raus haben wir nochmal die Möglichkeiten gehabt. Júnior hätte das dritte Tor machen müssen. Ich denke aber, wenn man das Spiel betrachet: Wir haben zwar nie aufgegeben, aber am Ende war St. Pauli das eine Tor besser.“

Hürzeler: „Aufarbeiten und unsere Lehren daraus ziehen“

Fabian Hürzeler war mit dem frühen Rückstand natürlich erstmal bedient („Wir haben das wirklich nicht gut verteidigt“), doch zeigte sich in der Folge mit seinem Team zufrieden: „Entscheidend ist, wie wir darauf reagiert haben. Wir haben weiter mutig Fußball gespielt, Ball- und Spielkontrolle entwickelt und verdient das 1:1 gemacht. Wir haben dann auch verdient 3:1 geführt.“ Wie auch sein Kollege aus Rostock fand auch Hürzeler, dass es auch eine etwas höhere Führung hätte sein dürfen: „Dann haben wir es vermissen lassen, nochmal nachzulegen, speziell vor der Halbzeit. Da waren Möglichkeiten, das 4:1, sogar das 5:1 zu machen.“

„Nicht geschafft, den Sack zuzumachen“

Fabian Hürzeler erklärte, dass er mit der Defensivarbeit seines Teams bis zur Schlussviertelstunde einverstanden war, die Offensive aber weiterhin fahrlässig agierte: „Wir hatten uns vorgenommen, in der zweiten Halbzeit weiter konsequent zu verteidigen. Das haben wir bis zur 75. Minute sehr, sehr gut gemacht. Aber auch da haben wir es nicht geschafft den Sack zuzumachen.“
„So“, erklärte der 30-jährige Cheftrainer, „kam Rostock aus dem Nichts zum Anschluss.“ Das Spiel veränderte sich dadurch massiv: „Dann haben wir keine Kontrolle mehr ins Spiel bekommen. Wir wurden sehr passiv, haben nicht mehr den letzten Schritt gemacht im Pressing, hatten keine Abläufe mehr gegen und auch mit dem Ball.“

So hätte Hansa Rostock dann noch „mit einem Lucky Punch das 3:3 machen können.“ Hürzeler sieht deshalb Bedarf für Aufarbeitung: „Mit der Leistung in den ersten 75 Minuten können wir sehr zufrieden sein. Alles danach werden wir aufarbeiten und auch unsere Lehren draus ziehen. Aber Kompliment an meine Mannschaft, hier nach Rückstand zu gewinnen.“

Hamburg, Deutschland, 28.10.2023, 2. Bundesliga, Fussball - Fabian Hürzeler, Trainer des FC St. Pauli beim Spiel gegen den Karlsruher SC - Copyright: Peter Boehmer DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video.
Fabian Hürzeler, hier im Spiel gegen den KSC, sieht Bedarf zur Aufarbeitung, war aber mit der Leistung seines Teams gegen Hansa Rostock größtenteils zufrieden.
(c) Peter Boehmer

Spielerstimmen

Taktischer Einblick von Eggestein

„Wir haben es immer wieder gut geschafft, die erste Linie zu überspielen,“ erklärte Johannes Eggestein nach Spielende und stieg dann taktisch tiefer ein (was mich natürlich verzückt): „Wir wussten, wenn wir die Achter etwas breiter halten, dass ich als Neuner immer wieder frei sein werde.“ So war seine Rolle etwas anders: „Ich habe sehr viele Bälle im Zwischenraum gehabt und auch weiterverteilen können.“

Ich hatte im Spielbericht davon geschrieben, dass der FCSP nach etwa 65 Minuten anfing, den Faden zu verlieren. Fabian Hürzeler sprach von 75 Minuten. Hauke Wahl erklärte: „Das war ein sehr, sehr gutes Auswärtsspiel von uns über fast 85 Minuten,“ aber solange am Ende drei Punkte eingefahren wurden, möchte man ja auch nicht pingelig werden.

Zum ersten Elfmeter erklärte Eric Smith entwaffnend ehrlich: „Wenn ich den Ball nicht blocke, dann geht er direkt ins Tor, glaube ich. Der Ball prallt von meinem Bauch an meinen Arm. Ich denke es war ein Elfmeter. Sehr unglücklich. Ein harter Start. Aber wir sind sehr gut zurückgekommen.“
Beim zweiten Elfmeter sprach Fabian Hürzeler übrigens von einer „Exklusivmeinung“ des Schiedsrichters.

Kein „Rückschlag nach Rückstand“

Zufrieden zeigte sich Wahl damit, dass das Team „keinen Rückschlag durch den Rückstand“ erlitten habe: „Wir haben dann erst angefangen, richtig Fußball zu spielen, haben sofort darauf reagiert mit den Toren.“ Das war möglich, denn „wir haben extrem gut die Räume genutzt, die uns angeboten wurden.“
Problematisch sei gewesen, dass man „das vierte Tor nicht gemacht“ habe. Daher das deutliche Fazit von Hauke Wahl: „Es ist wichtig, dass wir das Spiel schneller entscheiden. Dann stehen die Rostocker nicht mehr auf.“

Eine ganz ähnliche Meinung gab es auch vom Kapitän und seinen beiden Co-Kapitänen. Jackson Irvine erklärte: „Wenn wir die ersten fünf und die letzten zehn Minuten loswerden könnten, dann haben wir ein sehr, sehr gutes Saisonspiel gemacht. Wir waren exzellent mit dem Ball, haben viele Chancen kreiert.“ Marcel Hartel machte dem Team ein „großes Kompliment“, aufgrund der Reaktion nach Rückstand, fand aber auch kritische Worte: „Wir haben es verbockt, weil wir nicht nachgelegt haben.
Die wohl passendste Zusammenfassung des Spiels gab es von Eric Smith:

„Diese Spiele sind ein Kampf über die gesamten 90 Minuten. Wir haben versucht, ihn die gesamte Spielzeit so gut wie möglich zu führen. Wir hatten die Möglichkeiten, um das Spiel früher zu entscheiden. Es war dann am Ende aber richtig knapp. Aber es ist eines dieser Spiele, bei denen es Dir egal ist, wie sie aussehen, Hauptsache man gewinnt.“

Eric Smith legt den Fokus auf das Wesentliche: Drei Punkte.

Nun richtet sich der Blick natürlich auf die Stadtmeisterschaft. Hauke Wahl sieht das Team gerüstet: „Ich glaube, dass uns der Sieg in Rostock noch ein Stück mehr Selbstbewusstsein gibt. Gerade in dem Hexenkessel, du liegst 0:1 hinten, alles läuft gegen dich. Wir sind aber ruhig geblieben. Daraus können wir extrem viel Kraft ziehen.“

// Tim

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