Die Seuche bleibt dem FC St. Pauli treu: Kurz vor Saisonende wird vermeldet, dass gleich drei Spieler mit Muskelverletzungen vorerst für das Saisonfinale ausfallen.
(Titelfoto: Stefan Groenveld)
Das kann doch alles nicht mehr wahr sein, möchten sicher diejenigen laut herausschreien, die es mit dem FC St. Pauli halten. Denn zum x-ten Mal in dieser Saison vermeldet der Club, dass sich Spieler verletzt haben und vorerst ausfallen werden. Doch die Meldung des FCSP setzt dem ganzen Wahnsinn irgendwie dann doch nochmal die Krone auf. Denn nachdem zur Länderspielpause bereits eine Doppel-Verletzung vermeldet wurde (Saliakas und Andō), übertraf sich der Verein jetzt ungewollt und vermeldete am Mittwoch-Vormittag den Ausfall von gleich drei Spielern.
Mets, Saliakas und Robatsch fallen aus
Bei Manos Saliakas konnte bereits am Sonntag vermutet werden, dass er etwas länger aussetzen muss. Alexander Blessin erklärte nach Abpfiff der Partie gegen Mainz, dass der Rechtsverteidiger beim Training im Rasen hängengeblieben sei und eine kleinere Blessur im Adduktorenbereich davongetragen habe. Der FCSP-Cheftrainer setzte damit ein Fragezeichen hinter die Einsatzfähigkeit von Saliakas für das Leipzig-Spiel, was nach den bisherigen Erfahrungen mit den Aussagen von Blessin ja eigentlich bereits ein sicherer Sargnagel für eben jene Hoffnungen ist. Nun haben sich aber noch zwei Innenverteidiger zum Lazarett hinzugesellt: Auch Jannik Robatsch und Karol Mets fallen, wie auch Saliakas, laut FC St. Pauli aufgrund „struktureller muskulärer Verletzungen bis auf Weiteres“ aus. Ach. Du. Kacke.
Verletzungen in dieser Saison größeres Problem
Zweifelsohne ist die Anzahl an Verletzungen in dieser Saison einer der Gründe, warum der FC St. Pauli in der Tabelle dort steht, wo er steht. Und der Vergleich mit den Vorsaisons zeigt, dass Verletzungen ein durchaus relevanteres Problem sind in der aktuellen Saison (Der Vergleich ist nur ganz grob und es ist nicht jedes Mal gecheckt worden, ob Spieler länger ausfielen, weil sie noch Zeit zur Rückkehr brauchten, ob Spieler durch Verletzungen durchspielten, etc.):
In der aktuellen Saison mussten Spieler im Kader des FC St. Pauli bisher in insgesamt 134 Partien passen. Bleibt das Lazarett so, wie es aktuell ist, dann werden es nach 34 Spielen insgesamt 146 Partien sein. In der Vorsaison ist die Anzahl ähnlich hoch, 140 Spiele sind es damals gewesen. Allerdings sind da viele lange Ausfälle dabei (allein Zoller, Mets und Metcalfe kommen für die Hälfte der Ausfälle 24/25 auf, auch Wagner, Saad und Sands fielen langfristig aus) und der Kader war insgesamt größer. Um etwas sehnsüchtig zu werden, hier die Zahlen der Aufstiegsaison: Zwar war der Kader ein ganz klein bisschen schmaler, aber die Anzahl aus verpassten Spielen ist mit 109 deutlich geringer und die Hälfte davon geht auf Banks und Zoller zurück. Also, trotz methodischer Ungenauigkeiten und Problemen der Vergleichbarkeit, kann durchaus festgestellt werden, dass Verletzungen in der aktuellen Saison eine ungleich größere Rolle beim FC St. Pauli spielen als in den beiden Vorjahren, zumal es in dieser Saison eben auch oft Spieler trifft, die in fittem Zustand zum Stammpersonal zu zählen wären.
Womit wir bei der Suche nach den Gründen für die vielen Verletzungen angekommen wären. Besonders, wenn es eine Vielzahl an Muskelverletzungen gibt, dann kann das ein Anzeiger dafür sein, dass zu früh, zu viel oder nicht richtig trainiert wird. Wichtig ist dabei, dass die Individualität der Spieler berücksichtigt wird. Nicht jeder Spieler reagiert gleich auf Verletzungen und die Belastung nach Verletzungen. Dass nun mit Mets und Saliakas zwei Spieler ausfallen, die in der Sommer-Vorbereitung nicht richtig mitwirken konnten und in dieser Saison bereits mit muskulären Verletzungen ausfgefallen waren, könnte durchaus darauf hindeuten, dass die Vorgeschcihte bei den jetzigen Verletzungen eine Rolle spielt.
Wichtig, weil es oft eine andere Meinung dazu gibt: Pech spielt bei Verletzungen natürlich eine nicht unwichtige Rolle. Aber in diesem Artikel von René Marić (jetzt Co-Trainer bei Bayern München) auf spielverlagerung.de wird sehr schön dargestellt, dass bis zu achtzig(!!!) Prozent aller Verletzungen durch richtiges Training, richtige Ernährung, richtigen Schlaf verhindert werden können – und ja, das bezieht auch explizit die sogenannten traumatischen Verletzungen mit ein.
Natürlich ist es so, dass der FC St. Pauli sehr wohl auf individuell gesteuertes Training, gute Ernährung und Schlaf achtet und so vermutlich bereits eine Vielzahl von Verletzungen verhindert und die jeweilige Ausfalldauer verkürzt. Ob und wie der FCSP sich in diesem Bereich aber noch weiter verbessern kann, ist sicher Teil einer Analyse nach Saisonende.
Rasmussen oder Metcalfe könnten in Startelf zurückkehren
Zurück zum Lazarett des FC St. Pauli: Wie kann das Team auf die neuen Ausfälle reagieren? Eric Smith stünde sicher für die Innenverteidigung bereit, könnte Mets dort also ersetzen (Wahl würde nach rechts, Andō nach links rücken). Das könnte dazu führen, dass entweder Joel Fujita oder aber Matti Rasmussen die dann freie Position im zentralen Mittelfeld einnehmen werden. Sollte dadurch eine Position weiter vorne freiwerden, dann hat sich Connor Metcalfe dafür in Position gebracht. Den Ausfall von Saliakas musste der FCSP ja bereits letztes Wochenende kompensieren, tat das indem erst Lars Ritzka auf der linken Seite startete (Pyrka konnte dadurch nach rechts), später war es Andō, der die Saliakas-Position spielte. Sollte der gelernte Innenverteidiger das tatsächlich wieder tun, dann würde vermutlich Dźwigała in der Innenverteidigung stehen. Ansonsten könnte auch Louis Oppie, der seit Monaten keine oder nur eine sehr kleine Rolle spielt, auch endlich wieder Einsatzzeit sammeln.
So oder so ist aber klar: Der FC St. Pauli muss nun mit Mets und Saliakas erneut auf zwei Spieler verzichten, die in fittem Zustand in der Startelf zu finden sind. Das ist nach den Ausfällen von Pereira Lage, Sands und Jones also die Spieler vier und fünf dieses Kalibers. Es kommt echt viel zusammen gerade beim FCSP.
Lieber Karol, lieber Manos, lieber Jannik, wir wünschen gute und schnelle Genesung!
// Tim
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