Goodbye, Jacko!

Goodbye, Jacko!

Jackson Irvine verlässt den FC St. Pauli und wechselt nach Japan zu Cerezo Osaka in die J-League. Damit endet ein Kapitel, welches als Märchen begann, mit einem Wechsel, der für alle Seiten richtig sein dürfte.
Titelfoto: Peter Böhmer

Dieser Wechsel wird eine Welle der Emotionen auslösen: Wie der FC St. Pauli soeben bestätigte, wechselt Jackson Irvine auf eigenen Wunsch mit sofortiger Wirkung zu Cerezo Ozaka nach Japan. Das Team schloss die abgelaufene Saison dort auf Rang 10 von 20 Teams ab. Wir schauen zurück auf fünf sehr besondere Jahre mit Jackson Irvine beim FC St. Pauli.

Im Sommer 2021 kam mit Jackson Irvine ein Spieler zum FC St. Pauli, den die meisten von uns so wohl nicht auf dem Zettel hatten. Sportlich befand er sich zunächst noch in der Warteschlange, den ersten Kurzeinsatz gab es erst am 5. Spieltag. Doch den Stammplatz im zentralen Mittelfeld erarbeitete er sich schnell und spätestens, als er beim 4:0 gegen Hansa dann auch sein erstes (und in jener Saison einziges) Tor erzielte, hatte er sich in die Herzen der Fans katapultiert.

A match made in heaven

Das Verhalten abseits des Rasens tat sein Übriges. Er reiste mit dem HVV zum Training, wohnte im Stadtteil, ging nach Spielen zu Fuß nach Hause, war nahbar und zeigte sich auch sonst regelmäßig im Viertel. Er bewies guten Musikgeschmack, hatte hierfür auch eine eigene Radiosendung.
Wenn er sich in Interviews äußerte, kam da in aller Regel sehr Sinnvolles bei raus, was den Blick auch über den Tellerrand des Fußballs hinaus bewies. Unter anderem auch im Vorfeld der WM in Katar nutze er seine Popularität als australischer Nationalspieler und wies auf die Situation um die Menschenrechte im Gastgeberland hin.
Das war schon fast zu gut, um wahr zu sein.

Als der FC St. Pauli mit Kapitän Jackson Irvine 2024 den Aufstieg feierte, war der Status „Fußballgott“ kein Scherz. Die Fanszene des FC St. Pauli, die sich mit Personenkult schwerer tut als anderswo, ihre Lieblinge dann aber auch immer besonders ins Herz schließt, hatte ihren Liebling und es schien alles zu passen. Sein Statement in der Mixed Zone nach dem Aufstieg gegen Osnabrück sorgte sogar bei anwesenden Journalist*innen für feuchte Augen.

„Für immer mit Dir, Jacko!“ schrieb Tim im August 2024 anlässlich der Vertragsverlängerung von Irvine.
A match made in Heaven? Absolut.

Aus dem Himmel zurück auf die Erde

Die Folgesaison brachte den Klassenerhalt in der 1. Liga. Irvine kämpfte sich trotz Verletzung durch die Rückrunde, bis er nach dem Sieg in Kiel (und dem damit erreichten großen Schritt Richtung Klassenerhalt) schließlich seine Verletzung am Mittelfuß operieren ließ.
Und damit begann eine neue Phase, auf und neben dem Platz. Irvine fehlte verletzt, rund um seine Verletzung gab es nach unseren Informationen auch Unstimmigkeiten mit dem Verein über die Art der Behandlung und irgendwie übertrug sich dieser dezente Unmut auch auf andere Spieler. Der Teamgeist, der in der Vorsaison noch ein Garant für den Klassenerhalt war, hatte Risse bekommen.

Hinzu kamen Statements und fehlende Statements zu Israel und Palästina, die auch jenem Fußballgott-Status zumindest in Teilen der Fanszene ernsthaften Schaden zufügten. Etwa 1000(!) Seiten Diskussion im Forum drehten sich unversöhnlich im Kreis, (K)ein gemeinsamer Nenner war die Überschrift, die Tim im September 2025 dafür wählte.
(Und nein, ich will die Diskussion hier wirklich nicht neu beginnen, es ist alles gesagt – und wahrscheinlich sogar in dem Fall sogar schon von jeder und jedem.)

Sportlich konnte er an die Leistungen der vorigen Jahre nicht mehr anknüpfen, seine Anwesenheit auf dem Platz sorgte aber trotzdem häufig noch für einen Push des Teams. Sein Interview direkt nach Abpfiff des Spiels gegen Wolfsburg und dem damit feststehenden Abstieg zerschnitt dann womöglich auch den letzten Rest Tischtuch mit der sportlichen Leitung, es folgte ein verbaler Rüffel von Andreas Bornemann – ein Wechsel war spätestens jetzt für alle Beteiligten sicher die beste Lösung.

Goodbye, Jacko!

Es ist schade, dass diese Story nicht als Märchen mit Happy End aufhören durfte.
Jackson Irvine hat als Spieler und Mensch in diesem Verein viel Positives geleistet, seine Aussagen zu Themen abseits des Fußballs wurden lange Zeit von allen gefeiert.
Doch die letzte Saison hat dies verändert und es dürfte jetzt (nach einem sicher erfolgenden Aufschrei) für den gesamten Verein und insbesondere auch für das neu aufgestellte Profiteam das Beste sein, dass diese Personalie nicht mehr für Diskussionen sorgen wird.

Lieber Jacko, ich hätte mir gewünscht, dass wir jenen Status aus dem Sommer 2024 bis an Dein Karriereende bei uns hätten beibehalten können. Dies gelang nun leider nicht.
Ich wünsche Dir persönlich alles Gute für die Zeit in Japan, auf und abseits des Rasens.
// Maik

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28 thoughts on “Goodbye, Jacko!

  1. Die Nachricht hat mich heute morgen traurig gemacht 🥲 aber Dein Kommentar dazu , lieber Maik, hat mich wieder eingefangen ! Alles auf den Punkt gebracht ohne Polemik ! Danke dafür !!! Ich hoffe wir alle können uns im Stadion noch mal bei Jacko bedanken und ihm alles Gute wünschen 🤗Forza St Pauli

  2. Als ich die Nachricht von Jacksons Abschied heute Morgen hörte, ahnte ich sofort, dass nun der versöhnliche Abschiedsartikel im Millernton folgt. Man hat ja schließlich gewonnen, daher kein Grund unsouverän nachzutreten. Vielleicht hat man ja sogar minimal was zum gewünschten Ergebnis beigetragen.

    Ich nehme die Gelegenheit aber dennoch wahr zumindest noch einmal nachzuhaken: Nach dem Tiefpunkt des Blogs im letzten Sommer (inklusive des – mittlerweile leicht abgeänderten – Statements von Tim gegen Menschen aus Irland, das man ohne Umschweife als rassistisch verstehen kann) brauchte es – aus welchem Grund auch immer – noch eure offensichtlich konzertierte Aktion Ende Mai. Zunächst das Statement von Maik zur Causa Jackson im Rahmen der „Lage am Millerntor“: „Nein, ich will das gar nicht diskutieren, es ist alles gesagt – wahrscheinlich auch schon von jeder und jedem. Und ob es noch einen weiteren Artikel mit der ein oder anderen Ungenauigkeit dazu gebraucht hatte, weiß ich auch nicht so recht.“ (Btw, der gleiche Satz wie in diesem Beitrag.)

    Einen (!) Tag später kommt Tim dann mit einem weiteren Jackson-Artikel mit der einen oder anderen Ungenauigkeit (und insb. massig Auslassungen) um die Ecke. Was diese derart fade eingeleitete Nummer sollte, wisst ihr vermutlich selbst nicht. Dagegen die gesamte Zeit kein einziges Wort zu den widerlichen misogynen Ausfällen gegen Jemilla Pir mit teils Yoko Ono’esken Zügen – aber hey, demnächst dann wieder schön irgendeinen „Aktionstag gegen Sexismus“ bewerben, wa?

    Und um das Ganze rund zu machen, gibts nochmal einen (!) Tag später dann implizite Sympathiebekundungen für Rayo Vallecano, deren Fanszene nun wirklich wesentlich, wesentlich deutlichere Statements zu Gaza/Nahost getätigt hat als Jackson. Das lässt sich dann wohl nur noch mit einer gehörigen Portion Bigotterie erklären, denn sich öffentlich gegen quasi alle radikal linken Szenen in Europa und darüber hinaus zu positionieren, wäre zwar konsequent, aber vielleicht doch etwas zu schmerzhaft fürs Selbstverständnis?

    Ich glaube ihr wisst (zumindest Maik tut das), dass ich euren Blog journalistisch extrem geschätzt habe und meistens auch politisch einigermaßen zustimmen konnte. Leider habt ihr euch in letzterem komplett verrannt, und das hat – wie so oft – dann auch Auswirkungen auf ersteres gehabt. Schade.

    Insgesamt ein trauriger Tag für den FC Sankt Pauli – weit über das Sportliche hinaus.

    1. Ich glaube nicht, dass sich bei uns jemand als „Gewinner“ fühlt und ich bezweifle ebenfalls, dass der MillernTon hier in solch tragender Rolle aktiv war, wie Du es wahrgenommen hast – trotzdem natürlich Danke für Deinen Beitrag. Inhaltlich können wir da gerne mal persönlich bei Gelegenheit drüber sprechen.
      Und ja, „schade“ ist an der ganzen Geschichte sehr viel gewesen, zumindest darin dürften wir uns einig sein.

      1. also ich finde auch in diesem Artikel wird von euch beim palästina Thema durchaus wieder was zwischen den Zeilen platziert und dann das Fazit, naja

        ich finde auch die journalistische Qualität hat in letzter Zeit bei euch stetig abgenommen

        ist ja auch ok, ist euer Block
        aber eigentlich habt ihr doch andere Ansprüche

      2. Lieber Maik, wo habe ich von einer tragenden Rolle gesprochen? Habe doch explizit „vielleicht“ und „minimal“ verwendet. Nur müsst ihr euch in der künftigen Beurteilung von Clubs/Fanszenen, Aktionen, vielleicht auch Bands an diesen Maßstäben messen lassen. Ich werde bei Gelegenheit dran erinnern.

        Glaube weiterhin, dass viele gar nicht merken, wie sehr sie im ach so deutschen Sumpf festhängen. Manchmal würde über den nationalen Tellerrand hinaus gut tun (und zwar ziemlich egal wohin).

  3. Blödes Ende, völlig unnötiges Ende. Für das in erster Linie eine Person Verantwortung trägt. Maik hat vieles richtig und im richtigen Tonfall benannt. Irvines Ende war in der Tat absehbar – aber der Hauptverantwortliche dafür trägt den Namen Andreas Bornemann. Ich bekomme immer noch einen dicken Hals, wenn ich daran denke, wie Bornemann sich wie ein ein Sonnenkönig aufführt und Irvine öffentlich zurechtweist wie einen Schulbuben. Weil der Kapitän (!) es gewagt hat Kritik zu äußern (die zudem inhaltlich hundertprozentig richtig war!). Hey, wo kommen wir hin, wenn nicht mal der Kapitän öffentlich kritisch sein darf, einer, der sich fünf Jahre lang den Hintern aufgerissen hat, wie kein anderer! Und das in einem Verein, der sich seines Demokratieverständnisses rühmt! Bornemann hat gezeigt, dass er ein Glaskinn besitzt, wenn es um Kritik an ihm geht. Und das ist völlig unakzeptabel! Vor allem, weil Irvine nur das ausgesprochen hat, was viele Fans denken: Der Aufstieg und der Klassenerhalt waren (auch) Bornemanns Verdienst. Der Abstieg dagegen ist (auch) Made by Bornemann. Aber wer das öffentlich sagt, wird getadelt wie ein Schuljunge und fällt in Ungnade. Vom Stil unakzeptabel. Und mit sportlich negativen Konsequenzen. Ein gesunder Irvine hätte uns in der zweiten Lage auch mit 33 supergut getan. Das Gerede über neue Führungsstrukturen in der Mannschaft halte ich für Superquatsch. Und ich hasse den Begriff Fußballromantiker – aber wenn es nicht ml St.Pauli schafft, Identifikationsfiguren über Jahre zu halten, dann stirbt ein weiteres Stück Emotion im Fußball. Ja, das sage ich auch, weil ich dank Paparolle den Fußball wieder aus einer etwas anderen Perspektive betrachten gelernt habe. Wofür ich dankbar bin. Und ja, ich betrachte Irvine nicht nur sportlich als Verlust, sondern auch, weil er nach dem Training so authentisch und liebevoll wie kein anderer mit jeder Art von Fan umgegangen ist.
    Banal? Nicht, das sollte St. Pauli auszeichnen. Es macht mich ärgerlich, dass wir einen guten Fußballer und wundervollen Menschen in der Folge von Majestätsbeleidigung vom Hof gejagt haben. Jacko, thank you vor everything and all the best!! PS: Um jedweder Interpretationen vorzubeugen – als jahrzehntelanger Israel-Unterstützer verbindet mich politisch wenig mit Irvine. Trotzdem, als Mensch und Fußballer ist Irvine großartig, er wir uns fehlen.

    1. Den Abstieg an einer Person festzumachen, noch dazu an einem Sportchef, der uns seit 6 Jahren kontinuierlich und erfolgreich weiterentwickelt geht dann doch ziemlich an der Realität vorbei.
      Den Sonnenkönig würde ich eher in der Person von Jackson sehen. Webeverträge ohne Abstimmung mit dem Verein zu schließen ist ja nur ein Beispiel. Ich bin Jackson sehr dankbar für das Geleistete, aber in den letzten Monaten hatte ich dann doch das Gefühl, dass er ein bißchen die Bodenhaftung verloren hat.

      1. Bornemann hat Verdienste am Aufstieg und am Klassenerhalt, aber auch entscheidend Mitschuld am Abstieg. Das ist Fakt. Und es ist mies, denjenigen aus dem Verein zu mobben, der sich traut, das anzusprechen. Der Abgang von Irvine zeigt, dass St.Pauli offensichtlich nicht in der Lage ist, Konflikte angemessen zu lösen. Am Ende siegt, wie überall, der Mächtige, in diesem Fall der Sportchef, der sich in seiner Ehre gekränkt fühlt. Und das macht genauso traurig wie der Abgang von Jacko an sich.

  4. Danke für den Text, den ich in großen Teilen so unterschreiben würde. Wenn man das ganze drum herum ausblendet, was ja bei Irvine (egal von wem) mehr im Vordergrund stand, als das sportliche, muss ich sagen, der Abschied macht sportlich einfach Sinn. Schon im ersten Bundesliga Jahr, als James Sands ankam, dachte ich, uff das könnte jetzt eng für Irvine werden. Ja, er hat sich immer wieder rangekämpft, fiel aber auch immer öfter verletzt aus und hat Vorbereitungen verpasst. Jetzt hätte er wieder große Teile der Vorbereitungen verpasst. Ja es gab eine Zeit lang in der Rückrunde einen positiven Impacht, wenn Irvine aufs Feld kam oder stand. Sportlich war von ihm aber auch nicht viel gekommen. Bei allen anderen Spielern, die in dem Alter in den letzten 2 Jahren diese sportliche- und Verletzungsgeschichte gehabt hätten, hätten alle gesagt. Gut so. Und nun kommt vielleicht auch wieder mehr Ruhe rein, da eine rein sportliche Bewertung von Irvine, zumindest in den Sozialen Medien, gar nicht mehr möglich war.

  5. nach den ganzen Anfeindungen hier hätte ich auch keinen Bock mehr gehabt.
    schön, dass er ne gute Liga in seiner Heimatregion gefunden hat
    werde ihn weiter verfolgen

    noch ein Spieler weniger, der zum Wiederaufstieg geholfen hat

    aber dann halt wieder zweite Liga auf ewig …

  6. Rein sportlich gesehen die richtige Entscheidung. In der letzten Saison war er kein tor-relevanter Spieler mehr, seine Verletzungen haben Schnelligkeit und Sprungfähigkeit deutlich verschlechtert. Für einen Spieler über 30 mit einer drohenden Sport-Invalidität noch einen Verein zu finden ist schon sehr respektabel.
    Außerhalb des sportlichen Bereiches dürfte es keinen Spieler bei uns gegeben haben, der für mehr zusätzliche Arbeitsstunden im Verein verantwortlich gewesen sein wird.

    „Spieler kommen, Trainer gehen – nur St. Pauli bleibt bestehen“

  7. Ich finde es sehr schade, dass Maik (und Tim in einer Referenz) für seine Abschiedsworte von einigen von euch jetzt angegangen wird. Eine positiv emotionale Auflistung der Verdienste sowie eine sachliche Darstellung der Nebengeräusche und der sportlichen Situation in der abgelaufenen Saison sind in meiner Wahrnehmung kein Grund, hier persönlich zu werden oder dem MillernTon im Gesamten nachlassende journalistische Qualität zu bescheinigen.
    Es war so und wird so bleiben, dass zur Personalie Jackson Irvine verschiedenste Meinungen vorherrschen. Das zum Anlass zu nehmen, den Frust über diese Geschichte an ein bis zwei Menschen hinterm MillernTon abzubauen, erscheint mir wenig reflektiert und fehl am Platz. Ich würde mich freuen, wenn ihr euren Frust auf andere Weise bewältigen könnt.

    1. Volle Zustimmung!
      Einigen scheint nicht klar zu sein, dass unabhängiger Qualitätsjournalismus nicht zwingend die eigene Sichtweise widerspiegeln muss. Aber so sind sie, die Dogmatiker….

      Vielen, vielen Dank an Maik und Tim, nicht nur, aber auch, für die fundierte Berichterstattung zum Thema Jackson!

    2. Danke Rika, das sehe ich genauso! Es ist so tief in einigen von uns verwurzelt: Egal was geschieht, einer ist immer der Doofe. Lasst uns doch mal probieren, Positionen stehen zu lassen, ohne sie gleich abzuwerten. Es darf zu einem Thema auch mal zwei verschiedene Sichtweisen geben.

  8. Der Wechsel ermöglicht Raum für ein sportliches Upgrade. Ebenso für eine Veränderung der Hierarchie innerhalb des Teams. Und Irvine ist ja auch offenbar fein damit. Ich sehe für alle nur Vorteile.

  9. Moin Maik,
    danke für deinen ausgewogenen Abschiedsartikel. Ich finde, du hast das gut hinbekommen mit deinem Bedauern, dass die 5 Jahre von Jackson hier so geendet sind. Ich hätte mir auch ein viel längeres Verbleiben oder einen „schöneren“ Abschied gewünscht, allerdings sind die Probleme natürlich nicht vom Tisch. Ich reagiere persönlich ziemlich empfindlich, wenn von neuen Hierarchien geredet wird – wozu sollen überhaupt Hierarchien gut sein? Das Gemeinsame sollte im Vordergrund stehen und keine Machtstrukturen. Jeder von der Profitruppe oder im Verein sollte seine Meinung äußern dürfen – auch was z.B. Verantwortung betrifft. Das nennt man Teilhabe oder Partizipation.
    Menschen mit Ecken und Kanten und Individualität prägen ein Vereins-/Mannschaftsbild. Das hat Jackson in weiten Teilen gut hinbekommen – manchmal eben auch nicht. Aber er war in erster Linie als Spieler hier.
    Er wird mir noch länger als eine tragende Persönlichkeit des Aufstiegs in Erinnerung bleiben. Ich wünsche ihm jedenfalls Alles Gute in Japan und hoffe, er behält auch den FCSP innguter Erinnerung.

    1. Sehr schönes Bild. Trifft halt nur weder auf eine Gruppe in einem sportlichen Kontext, noch auf Gruppenbildungsprozesse allgemein zu. Ja, das kann man jetzt negieren oder „empfindlich“ sein, so ist aber die Realität.

  10. Vor ein paar Wochen habe ich mich bereits emotional von Jackson Irvine verabschiedet. Jetzt ist es an der Zeit, das Ganze für mich einmal sachlich einzuordnen. Schließlich ist jemand wie Jackson Irvine nicht nur Fußballgott, sondern auch Mitarbeiter des FC St. Pauli – mit der Aufgabe, unserem Verein zum größtmöglichen sportlichen Erfolg zu verhelfen.

    Jackson Irvine erfüllte in seiner Rolle für mich zwei wichtige Funktionen: Er war ein starker Fußballer und eine Führungspersönlichkeit.

    Über seine sportlichen Qualitäten möchte ich gar nicht groß urteilen. Davon verstehe ich zu wenig. Mit Teamführung kenne ich mich dagegen ein bisschen aus.

    Mein Eindruck war, dass seine Qualitäten als Führungsspieler vor dem Aufstieg und in der ersten Bundesligasaison enorm wichtig für die Mannschaft waren. Gerade in schwierigen Phasen wirkte er oft wie derjenige, der das Team zusammenhält und Verantwortung übernimmt.

    In der vergangenen Saison hatte ich allerdings zunehmend das Gefühl, dass diese Rolle komplizierter geworden ist. Einige öffentliche Aussagen konnten als Kritik an Trainer und sportlicher Leitung verstanden werden, die Mannschaft wirkte auf mich in vielen Phasen der vergangenen Saison weniger geschlossen als zuvor und auch in der Fanszene wurde Irvine plötzlich deutlich kontroverser diskutiert als zuvor.

    Daher stellt sich für mich grundsätzlich die Frage, was passiert, wenn ein Kapitän und die sportliche Führung nicht mehr völlig auf einer Linie liegen und dieser auch die Mannschaft scheinbar nicht mehr zusammen halten kann.

    Natürlich hätte man argumentieren können, dass Irvine gerade in der 2. Liga sportlich weiterhin ein wichtiger Spieler gewesen wäre. Gleichzeitig hätte sich dann möglicherweise die Frage gestellt, ob er seine bisherige Führungsrolle in derselben Form hätte ausfüllen können.

    Und einen Jackson Irvine, der ohne Binde seinen Job als 6er macht, kann ich mir nun wirklich nicht vorstellen.

    Ganz abgesehen davon wäre Marcel Rapp vermutlich schon vor dem ersten Spieltag unter Druck geraten, wenn ausgerechnet er Irvine die Kapitänsbinde hätte abnehmen müssen.

    Deshalb halte ich die Trennung – zumindest aus sportlicher Sicht – sowohl für Jackson Irvine als auch für den FC St. Pauli für nachvollziehbar.

    Ich wünsche Jackson Irvine für seine Zukunft alles Gute und freue mich gleichzeitig auf den Neuanfang beim FC St. Pauli.

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