Reformen jetzt! – Das Positionspapier des FCSP und seiner Fanszene

Der FCSP hat zusammen mit seiner Fanszene und dem Fanladen ein Positionspapier unter dem Titel „Ein anderer Profifußball ist möglich – Den deutschen Fußball reformieren“ veröffentlicht. Und in diesem Papier stecken soviele gute Ideen, Forderungen und Denkansätze drinnen, dass ihr es auf jeden Fall in Gänze lesen solltet. Wir haben die einzelnen Punkte mal etwas genauer angeschaut und zusammengefasst.
(Titelbild: Stefan Groenveld)

Ganz grundsätzlich möchten wir betonen, dass wir voll und ganz hinter diesem Positionspapier stehen. Reformen im Profifußball sind schon seit Jahren zwingend notwendig und werden es immer mehr, da die Entwicklung in die genau falsche Richtung geht. Dass es die Corona-Krise benötigte, inkl. Bürgschaften für Klubs und der drohenden Insolvenz vieler, damit solche strukturellen Probleme schonungslos offengelegt werden, ist schlimm genug, aber diese Krise bietet dem Profifußball in Deutschland auch eine einzigartige Chance solche Reformen in hohem Tempo voranzutreiben (zumal der neue Verteilungsschlüssel für die TV-Gelder auch dieses Jahr noch verhandelt wird).

Kurz zusammengefasst, regt das Positionspapier zu Reformen in folgenden Bereichen an:

  • Die durch die gesamten Ligen generierten Einnahmen aus TV- und Sponsorenverträgen sollen so verteilt werden, dass es wieder, auch in der Spitze, zu einem Wettbewerb kommt und die finanzielle Schere zwischen den Klubs nicht noch weiter auseinandergeht. Nur so kann ein weiteres „Rattenrennen“ um die prall gefüllten Geldtöpfe verhindert werden. Dieses „Rattenrennen“, das hat sich während der Coronakrise gezeigt, hat viele Klubs zu waghalsigen finanziellen Manövern gedrängt. Nur eine gleichmäßigere Verteilung dieser Einnahmen kann dies eindämmen.
  • Die einzelnen Klubs sollen durch finanzielle Anreize und Regularien zu nachhaltigerem Wirtschaften aufgefordert werden. Dies soll in den Lizensierungsprozess implementiert werden. Ziel ist hierbei unter anderem, dass wirtschaftliche und sportliche Krisen nicht dazu führen, dass Klubs innerhalb kürzester Zeit in finanziell prekäre Lagen geraten (eine Fond seitens der DFL soll zusätzliche Stabilisierung liefern).
  • Dem DFL-Präsidium soll ein Fan-Beirat angegliedert werden. Dieser Beirat soll, demokratisch legitimiert, am Diskurs und an den Entscheidungsprozessen innerhalb der DFL teilhaben.
  • Es sollen Mindestanforderungen im Bereich Corporate Social Responsibility (CSR) in die Lizensierungsauflagen aufgenommen werden.
  • Der Umgang mit Transfers von Jugendspielern und die Gewichtung der Jugendarbeit im Hinblick auf die Verteilung der TV-Gelder sollen massiv reformiert werden.

Um den Profifußball zu reformieren muss der Hebel natürlich beim Geldfluss bzw. bei der Generierung von Geldern angesetzt werden. Im Positionspapier werden die Forderungen hierzu in einer Tabelle zusammengefasst:

Das Positionspapier verlangt nicht weniger als die Aufsplittung und Gewichtung der Einnahmen der einzelnen Klubs. Erhält ein Klub Zuwendungen eines Mäzens oder Sponsoring-Einnahmen in einer Höhe, die im Vergleich zu anderen Klubs unangemessen sind, so sollen diese 1. vermieden werden und 2. neutral im Lizensierungsverfahren behandelt werden. Hierbei dürften sich ganz klar Konstrukte wie Hoffenheim, Wolfsburg, Hertha & Leipzig angesprochen fühlen. Und das ist auch richtig so!
Die Einnahmen, vornehmlich aus TV-Rechten, sollen also gleichmäßiger verteilt werden, um einen faireren Wettbewerb zu fördern (der dann auch wieder mehr zu einem Wettbewerb werden kann). Da die nationalen TV-Einnahmen jedoch noch relativ fair verteilt werden und erst durch die Hinzunahme der internationalen Erlöse ein massives Ungleichgewicht entsteht, sollen diese zu gleichen Teilen unter den Klubs aufgeteilt werden. Das Positionspapier ist ohnehin ein ziemlich deutlicher Wink in Richtung der Klubs, die seit Jahren in der Champions League rumtanzen. Dieser Punkt ist hierbei sicher der kritischste.
Zusätzlich soll, für wirtschalftlich schwierige und unvorhersehabe Ereignisse ein Fond eingerichtet werden, um die Ligen in solche einem Fall finanziell zu stabilisieren (sowas hatten wir auch schonmal diskutiert).

Des Weiteren ist im Positionspapier auch klar formuliert, wie mit Klubs umzugehen ist, die 50+1 umgehen / einreißen / aufweichen: Sie sollen bei der Verteilung der im Ligenverbund generierten Mittel nachrangig behandelt werden, damit der Vorteil solcher Klubs durch die finanzielle Sicherheit bzw. der unverhältnismäßigen Zuwendung von Sponsoren/Mäzenen ausgeglichen werden kann.
Das ist sicher einer der wichtigsten Punkte, der jetzt gerade auch aufgrund der Coronakrise besonders akut ist. Denn welche Klubs haben momentan Planungssicherheit? Sicher nicht solche, deren Etats zu größeren Teilen auf Zuschauer-Einnahmen fußen. Nein, es sind solche, die ohnehin Planungssicherheit haben, dank eines potenten Sponsors im Hintergrund, bei dem z.B. jeder Verlust ausgeglichen wird (Grüße nach Wolfsburg!). Das ist, gelinde gesagt, ein massiver Wettbewerbsvorteil. Und das solche Klub-Konstrukte nicht zu einer gesteigerten Attraktivität des Wettbewerbs, zeigen sogar die Einschaltquoten bei Bezahl-Anbietern der Spiele. Es wäre also sogar im Sinne von z.B. Sky, wenn die DFL sich dahingehend reformiert, dass Klubs, deren Struktur den Grundsätzen von 50+1 entspricht, bevorzugt bei der Verteilung der Mittel behandelt werden.

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Es bleibt zu hoffen, dass sich diesem Positionspapier weitere Klubs anschließen. Denn sicherlich werden erst dann auch einige dieser Punkte ernsthaft angegangen. Und ich kann bereits jetzt Gejaule aus verschiedenen Bereichen hören. Dieses Mal werden es sicher andere Bezeichnungen als „Schweinchen Schlau“ und „mittelmäßiger Zweitligist“ sein. Die Absender sind aber vermutlich auch dieses Mal die gleichen. Trotzdem oder gerade deswegen möchten auch wir betonen:

Ein anderer Fußball ist möglich – Reformen jetzt!

// Tim

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