Zukunft Profifußball – Integrität des Wettbewerbs

Wir haben ja die Vorstellung des Positionspapiers „Ein anderer Fußball ist möglich“ von Fanszene und Verein bereits im Blog und im Podcast vorgestellt. Auf landesweiter Ebene wird ähnliches von Zukunft Profifußball verfolgt. Nach der allgemeinen Vorstellung des Projektes, wird nun vier Wochen lang jeweils eine Arbeitsgruppe ihre Ergebnisse vorstellen – und am Montag erschien das Ergebnis der zweiten Arbeitsgruppe, „Integrität des Wettbewerbs“.

Letzte Woche bereits erschien Teil 1 der Ergebnisse, Fußball als Publikumssport.

Nun also Teil 2, ehe in den kommenden Wochen noch „Vereine als demokratische Basis“ und „Gesellschaftliche Verantwortung“ folgen.
Im Bereich „Integrität des Wettbewerbs“ geht es darum, einen fairen, sportlichen Wettstreit wiederherzustellen, und die Zukunftsfähigkeit im Profifußball zu sichern.

Die Corona-Pandemie wirkte hier ganz sicher wie ein Brandbeschleuniger für eine Empfindung, die sich über die Jahre vorher schleichend einstellte: Eine Entfremdung vom Fußball, verstärkt dadurch, dass es in der Spitze der 1.Liga keine Spannung mehr gab. Der Meistertitel ist seit Jahren fest an den FC Bayern vergeben, der seine Machtposition durch immer mehr TV-Millionen zementiert und dabei nach außen so tut, als wäre die noch im Rahmen befindliche Verteilung der nationalen TV-Erlöse ein solidarisches Zeichen – völlig (bewusst) außer acht lassend, dass das Auseinandergehen der Schere durch die internationale Vermarktung und erst recht die Champions League-Einnahmen zustande kommt und die nationalen TV-Erlöse da im Vergleich eher ein Tropfen auf dem heißen Stein sind.

Oft wird hier der Blick auf die NFL gerichtet, wo im Draft-System der sportlich Unterlegene dann eben im nächsten Jahr Zugriff auf die besten Spieler hat – die Folge ist eine Meisterschaft, die wechselnde Champions und jährliche Spannung zu bieten hat.
Ja, super – aber eben auch eine Liga, die so natürlich nicht 1:1 auf den Fußball und ein System mit mehreren im Wettstreit zueinander befindlichen Ligen umzusetzen ist. Es braucht also andere Lösungen.

Das Konzept von Zukunft Profifußball

Wenn Ihr die Zeit habt, schließt diesen Artikel wieder und lest Euch die 14 Seiten im Original durch, gemütlich mit ner Tasse Tee oder Kaffee, es lohnt sich. (Oder hört mal in den Podcast rein.)
Wir fassen hier nur zusammen und picken die Rosinen raus.
Die erste und wahrscheinlich größte Rosine ist folgende:

Gemeinsame Einnahmen gleichmäßiger verteilen
Wir beginnen mit folgender Graphik:

(c) zukunft-profifussball.de

Das Thema ist nicht neu und wurde auch schon mehrfach aufgearbeitet, sei es 2016 in einer vierteiligen Serie im Übersteiger-Blog oder in unseren Sendungen mit Andreas Rettig (2016 & 2019) oder in einem Artikel vor kurzer Zeit, der sich auf eine irreführende Darstellung im Kicker bezog.
Aber irgendwie verfing sich das Thema halt bisher noch nie so richtig in der Öffentlichkeit – eben auch, weil Medien wie der Kicker dann offenbar doch um exklusive Interviews mit Bayern und Dortmund bangten. Anders können wir uns das zumindest nicht erklären. Vielleicht ist es aber auch einfach zu kompliziert und die Zahlen sind zu hoch…

Kurz zusammengefasst: Die Millionen aus der nationalen TV-Vermarktung sind aufgrund ihrer Verteilung über die 5-Jahreswertung noch das kleinste Problem, die könnte man sogar noch als annähernd gerecht bezeichnen. Mit den Summen aus der internationalen Vermarktung hängt man dann die 2.Liga ab, mit den Summen von der UEFA sprengt man jede Scheren-Darstellung.
(Uli Hoeneß Voice) Dann müssen sich die anderen eben einfach noch mehr anstrengen, wa? Ist doch deren Problem.

Dazu erinnert das Konzept aber nochmal zurecht an die Grundlagen:

Die DFL ist ein Ligenverbund, der nur durch den gemeinsamen sportlichen Wettkampf aller Teams überhaupt Einnahmen erzielen kann. Die Vermarktung der 1. und 2. Bundesliga kann dadurch sinnvollerweise nur gemeinschaftlich erfolgen. Aktuell profitieren einzelne Vereine jedoch überaus stark von diesen gemeinschaftlich erwirtschafteten Einnahmen.

https://zukunft-profifussball.de/integritat-des-wettbewerbs-konzept

Nach Abwägung einiger Ideen und Vorschläge kommt die Arbeitsgruppe dann zum folgenden Vorschlag (leicht verkürzt):

  • Nationale und Internationale Vermarktung werden als ein Topf begriffen
  • 75% dieser Summe werden (pro Liga) zu gleichen Teilen als Sockelbetrag an alle Vereine verteilt
  • Schlüssel 1./2.Liga 70/30
  • UEFA-Gelder gehen zu 50% an den Verein und zu 50% zur Verteilung pro Liga

Daraus ergibt sich folgende Beispielrechnung:

(c) zukunft-profifussball.de

Die Angst, dass vor lauter kommunistischer Verteilung der FC Bayern nun bald vom SV Wehen-Wiesbaden überholt wird, dürfte sich auch weiterhin als unbegründet erweisen – innerhalb der Ligen ist aber eine deutlich gleichmäßigere Verteilung gewährleistet als im Original.
Wird dies auf Dauer zu einem gerechten Wettbewerb führen?
Wahrscheinlich nicht, es ist immer noch eine Leistungsgesellschaft – hoffentlich aber zu einem „gerechteren“.

Zweite Rosine: Financial Fairplay (innerhalb der DFL)
Hier bleibt das Konzept relativ vage – sicher auch, weil das rechtlich alles sehr schwierig durchzusetzen sein wird, wenn man nicht auf eine breite Basis der DFL-Vereine bauen kann.
Das FFP der UEFA wird zurecht für sein nachlässiges Verhalten gegenüber Manchester City kritisiert, gleichzeitig will man das Instrument als solches aber nicht ganz aufgeben – sondern es eben besser und durchsetzungsstärker nutzen.
Insbesondere der Vorschlag, dass „Zuwendungen ohne angemessene Gegenleistungen“ nicht auf der Haben-Seite verbucht werden dürfen, ist ein klarer Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung Leverkusen, Wolfsburg und Leipzig.

Dritte Rosine: Luxussteuer und Salary Cap
Etwas konkreter sind dann wieder die Vorschläge im dritten Bereich, insbesondere die Luxussteuer gefällt – und erscheint doch schwer durchsetzbar. Hier sollen Solidaritätsabgaben geleistet werden, wenn der Spieleretat eine (zu definierende) Ausgabenschwelle übersteigt.
Klar, da kann man jetzt wieder viele Einwände finden (Vereine verschleiern Zahlungen, Spielergehälter werden in Sponsorenverträgen versteckt etc.), aber die konkrete Umsetzung muss dann halt erst noch entwickelt werden. Gute Idee, zumindest, und irgendwo muss man ja mal anfangen.

Der Salary Cap wird auch angeführt – und die gängigen Gegenargumente werden mit erwähnt. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass dieser nicht notwendig sein dürfte, wenn alle vorher vorgeschlagenen Wege beschritten werden – dann würde nämlich tatsächlich mal „der Markt regeln“, die Klubs hätten dann (zumindest annähernd und in Relation zu Liga und Tabellenplatz) ähnlich viel Geld zur Verfügung, da könnten sie dann natürlich auch wieder frei drüber verfügen.
Klar auch: Wenn so eine harte Regelung käme, würde diese nur in einer europäischen Gemeinschaftslösung sinnvoll sein – was den Glauben daran dann doch schnell wieder bröckeln lässt, auch wenn man DFB/DFL hier ein entschlossenes Vorangehen zuschreiben will.

Es werden noch einige weitere Details genannt, die alle zusammen einen bunten Blumenstrauß an Möglichkeiten ergeben, wie der Profifußball wieder einen gerechteren Wettbewerb ermöglichen könnte.
Wahrscheinlich ist der aktuelle Zeitpunkt zum einen der Beste, um sowas umzusetzen – zum anderen aber auch einer der letzten Zeitpunkte, bevor das Ding dann auch endgültig verloren ist.

In diesem Zusammenhang sei dann auch auf die Taskforce Zukunft Profifußball verwiesen, die die DFL gestern offiziell vorgestellt hat. Wer die Namensliste durchgeht, wird mit Helen Breit, Ramona Steding und Christian Schmidt (alle AG Fankulturen), Manuel Gaber, Jan-Hendrik Gruszecki und Anna-Maria Hass (Zukunft Profifußball) auch einige bekannte Namen finden, die für inhaltliche Fanarbeit stehen.
Philipp Köster (11Freunde) und Robin Himmelmann (FCSP, in der Taskforce für die VDV) sind weitere bekannte Namen, die mit diversen Personen aus Verbänden, Medien und Politik nun in einen „interdisziplinären Austausch“ treten sollen.

Wir sind gespannt.

// Maik

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