Mach’s gut, Kofi!

Mach’s gut, Kofi!

Nun ist gewiss, was eigentlich alle bereits wussten: Daniel-Kofi Kyereh verlässt den FC St. Pauli. Zukünftig wird er seine Stiefel für den SC Freiburg schnüren. Der FCSP erhält für ihn dem Vernehmen nach eine Rekord-Ablösesumme.
(Titelbild: Peter Böhmer)

Es passiert relativ selten, dass ich mir Wehener Spieler in der 1. Liga vorstellen kann (und es kommt dann ja auch nicht oft vor), aber Kofi würde ich das zutrauen.“ – Das waren die Worte von Gunnar vom stehblog, der uns im Sommer 2020 ein paar Fragen zu Daniel-Kofi Kyereh beantwortete. Zwei Jahre später ist klar: Gunnar hatte recht, Kofi ist reif für die Bundesliga. Das liegt daran, dass er beim FC St. Pauli eine bemerkenswerte Entwicklung genommen hat. Schauen wir uns die zwei Jahre seines Wirkens am Millerntor mal genauer an:

Direkt sein erstes Zweitligaspiel für den FC St. Pauli zeigte, dass Kyereh ein echter Gewinn für das Team ist. Mit einem späten Doppelpack gegen den VfL Bochum sicherte er einen nicht mehr für möglich gehaltenen Punkt. Auch zum Heimauftakt gegen Heidenheim traf er. Zu dieser Zeit war er noch so etwas wie ein Wandler zwischen den Welten. Er spielte mal als zweite, mal als alleinige Spitze, auch auf den Außenpositionen wurde er eingesetzt.

Deutschland, Hamburg, 25.07.2021, Fussball 2. Bundesliga 1. Spieltag, FC St. Pauli - Holstein Kiel im Millerntor-Stadion
Der Blick geht für Daniel-Kofi Kyereh in die Bundesliga.
(c) Peter Böhmer

Rakete zum Derbysieg

Nach gutem Start, aber dann doch durchwachsener Hinrunde, fand der FC St. Pauli zum Start ins Fußballjahr 2021 seine passende Formation und damit auch Daniel-Kofi Kyereh seine beste Position: Fortan kurbelte Kyereh im offensiven Mittelfeld die Offensive an. In der Rückrunde 20/21 war er zusammen mit dem Duo Marmoush/Burgstaller enorm erfolgreich, er erzielte sechs Tore und legte fünf weitere auf.
In diese Zeit fällt auch das Highlight seiner Zeit beim FC St. Pauli: Im März 2021 traf Kyereh spät zum 1:0 – der Siegtreffer bei der Stadtmeisterschaft (Twitter).

Über dieses Tor durften wir mit ihm in unserem Adventskalender sprechen:

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In seine zweite Saison beim FC St. Pauli startete Daniel-Kofi Kyereh genauso stark, wie er aus der ersten rausging, wenn nicht sogar noch besser (wir haben das damals mit Hilfe von Statistiken ausgearbeitet). Im Sommer 2021 gab es bereits erste Gerüchte um mögliches Interesse aus der Bundesliga, aber er blieb beim FCSP. Kurze Zeit später folgte der Lohn seiner bemerkenswerten Entwicklung: Er wurde in den Kader der ghanaischen Nationalmannschaft berufen.

Der Eindruck, den er dort hinterließ schien sehr gut gewesen zu sein. Denn nach einer fantastischen Hinrunde beim FCSP (fünf Tore, zehn Vorlagen) spielte Daniel-Kofi Kyereh mit Ghana auch beim Africacup im Januar 2022. So sehr ihm dieser Erfolg zu gönnen war, so sehr belastete er aber auch die Ergebnisse beim FC St. Pauli. Denn in den Ligaspielen ohne Kyereh konnte das Team nicht gewinnen (erst am letzten Spieltag beim unwichtigen 2:0 gegen Düsseldorf gab es einen Sieg ohne Kyereh auf dem Platz – okay, und im Pokal wurde der BVB besiegt). Zu allem Überfluss kehrte er mit einem Muskelfaserriss vom Turnier zurück und fiel erst einmal aus.

Wie wichtig er ist, zeigte sich dann bei seiner Rückkehr: Acht Tore erzielte er in seinen letzten zwölf Spielen für den FC St. Pauli und war damit der torgefährlichste Mittelfeldspieler der zweiten Bundesliga. Während um ihn herum viele Spieler des FCSP so ihre liebe Mühe und Not hatten das Niveau aus der Hinrunde zu halten, schien das bei Kyereh trotz kräftezehrendem Africacup nicht der Fall zu sein (eine Datenanalyse zu seiner Saison haben wir letzte Woche veröffentlicht).

Entwicklung zum Unterschiedsspieler

Als also Guido Burgstaller nicht mehr so treffsicher war und auch sonst vieles beim FCSP nicht mehr ganz so rund lief, wurde deutlich, wie gut Daniel-Kofi Kyereh in seiner Zeit beim FC St. Pauli geworden ist.
Vergleicht man Kyereh aus der Rückrunde 21/22 mit dem aus der Hinrunde 20/21, dann möchte ich drei große Weiterentwicklungen herausstellen:

  1. Daniel-Kofi Kyereh hat inzwischen einen enorm starken ersten Kontakt und das ist womöglich sogar sein bester Skill, der auch dazu führen dürfte, dass er in der Bundesliga gut zurechtkommen wird.
  2. Aus einem Spieler, dessen einzige defensive Aufgabe es zu Beginn war, den gegnerischen Sechser in Manndeckung zu nehmen, ist inzwischen eine richtige Gegenpressingmaschine geworden.
  3. Anfangs war Kyereh ein Spieler, der partiell tolle Aktionen zeigte, aber auch immer mal wieder untertauchte, wenn das Spiel nicht wie gewünscht lief. In der Rückrunde 21/22 war er der einzige Fixpunkt in einer schwachen FCSP-Offensive und machte in vielen Spielen den Unterschied aus.
Deutschland, Hamburg, 18.03.2022, Fussball 2. Bundesliga 27. Spieltag, FC St. Pauli - 1. FC Heidenheim im Millerntor-Stadion Jubel bei Daniel Kofi Kyereh (FC St. Pauli) seinem Tor zum 1:0
22 Tore, 21 Vorlagen in 67 Pflichtspielen für den FC St. Pauli – Daniel-Kofi Kyereh hat mächtig Eindruck hinterlassen.
(c) Peter Böhmer

So war dann auch klar, dass Daniel-Kofi Kyereh nicht zu halten sein würde, besonders dann, wenn der FC St. Pauli nicht aufsteigt. Natürlich wäre es wirklich gut gewesen, wenn er einfach seinen Vertrag verlängert hätte. Aber Andreas Bornemann hat es sehr passend im Pressegespräch nach Saisonende beschrieben, als er betonte, dass sich der FCSP zusammen mit seinen Spielern weiterentwickeln und stets verbessern wolle. Bei einigen Spielern verlaufe diese Entwicklung aber schneller als die des Vereins. Und so muss man sie dann auch ziehen lassen.

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Bei Daniel-Kofi Kyereh ist genau das passiert: Er hat sich in seinen zwei Jahren beim FC St. Pauli zu einem Spieler von Erstliga-Format entwickelt. Dieses Tempo bei der Entwicklung konnte der Verein leider nicht mitgehen. Ja, das ist bitter, dass Kyereh wechselt. Aber der FCSP bekommt für ihn eine Rekordablöse, womit der Abgang zumindest finanziell versüßt wird. Der kicker vermeldet, dass es sich um 4,5 Millionen Euro plus möglicher Bonuszahlungen handelt. Das ist natürlich ein ziemlich fettes Paket und damit handelt es sich um die höchste Ablöse, die jemals für einen FCSP-Spieler gezahlt wurde (löst die 3,5 Millionen für Marcel Halstenberg als Rekord-Transfer ab).

Viel Spaß in der sonnenreichsten Stadt Deutschlands!

Sagen wir es in aller Deutlichkeit: Sportlich ist das ein riesiger Verlust, den wir gerne vermieden hätten – dafür hätten wir allerdings aufsteigen müssen. Da uns dies nicht gelungen ist, stand der Abgang quasi fest – und da hätte es sicher unsympathischere Ziele in der ersten Liga geben können. Zumal, wo es jetzt sogar für ihn auch nach Europa geht.
Er selbst sagt:

Für mich ist das ein wichtiger Schritt in meiner Karriere. Ich freue mich auf die neue Herausforderung in Freiburg, aber der Abschied fällt mir nicht leicht. Ich habe beim FC St. Pauli eine sehr erfolgreiche Zeit verbracht und viele tolle Menschen kennengelernt. Die Entwicklung, die ich hier nehmen konnte, wäre ohne meine Mitspieler, das Trainerteam und alle drum herum so nicht möglich gewesen. Dafür möchte ich mich bedanken und dem Verein eine erfolgreiche Zukunft wünschen.“

Daniel-Kofi Kyereh, fcstpauli.com

Lieber Kofi, wir wünschen Dir für deine sportliche und persönliche Zukunft alles Gute und hoffen, dass Du die Zeit beim FC St. Pauli immer in besonderer Erinnerung behalten wirst!
// Tim

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