Vorbericht: FC St. Pauli – SC Paderborn (6.Spieltag, 22/23)

Vorbericht: FC St. Pauli – SC Paderborn (6.Spieltag, 22/23)

Am Samstag empfängt der FC St. Pauli mit dem SC Paderborn den Spitzenreiter der 2. Bundesliga am Millerntor. Und der SCP steht aktuell zurecht ganz oben, es wird ein ganz schweres Spiel für den FCSP. Der Vorbericht.
(Titelbild: Peter Böhmer)

Zur Vorbereitung auf die Partie möchte ich euch das „Vor dem Spiel“-Gespräch von Michael mit Marco vom Padercast empfehlen.

FC St. Pauli: Wer kann spielen, wer fehlt?

Weiterhin nur gute Nachrichten bekommt man von Timo Schultz auf den Pressekonferenzen zu hören, wenn es um die Personalsituation geht. Keine neuen Verletzungen, mit Nikola Vasilj und Adam Dźwigała gibt es sogar zwei Rückkehrer ins Team-Training. Beide werden allerdings für das Spiel gegen Paderborn noch keine Option sein. Ebenso wenig wie Christopher Avevor, der nun seit fast zwei Jahren verletzt ist.

Und weil da so wenig zu berichten ist von verletzten und angeschlagenden Spielern (Igor Matanović beendete die Einheit am Mittwoch aufgrund der Hitze, aber ist trotzdem voll einsatzfähig), ziehe ich dann auch lieber ganz schnell weiter, bevor es doch noch Verletzungen gibt.

SC Paderborn: Wer kann spielen, wer fehlt?

Auf der Pressekonferenz des SC Paderborn wurde erst einmal berichtet, dass knapp 1.500 Karten für den Gästebereich verkauft wurden. Das ist schon ganz ordentlich für Paderborner Verhältnisse, dürfte aber auch aufgrund der aktuellen sportlichen Verfassung zustandekommen.

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SCP-Trainer Lukas Kwasniok berichtete, dass er aus „dem Vollen schöpfen“ könne. Kapitän Ron Schallenberg und Routinier Uwe Hünemeier waren zuletzt angeschlagen, sind aber beide wieder Teil des Trainings. Eine Veränderung im Kader wird es trotzdem geben, da Robin Bormuth, erst vor der Saison vom KSC zum SCP gewechselt, zum 1. FC Kaiserslautern verliehen wurde.

Deutschland, Paderborn, 21.08.2021, Fussball 2. Bundesliga 4. Spieltag, SC Paderborn 07 - FC St. Pauli in der Benteler-Arena   Trainer Lukas Kwasniok (Paderborn) gestikuliert.
Lukas Kwasniok, ein Trainer, der einen starken Fokus auf Taktik legt, grüßt aktuell mit dem SC Paderborn von der Ligaspitze.
(c) Peter Böhmer

Was hat der SCP zu bieten?

Puuuh, wo fange ich da an? Der SC Paderborn ist aktuell das stärkste Team der Liga, steht durchaus zu recht an der Tabellenspitze. Der SCP stellt die beste Offensive der Liga, begeisterte vor allem zuhause mit insgesamt 16 Toren in drei Spielen (und liegt auch bei den xG-Werten klar an der Ligaspitze). Das ist schon ein ordentlicher Schritt nach vorne, den das Team gemacht hat. Dieser war auch von einigen erwartet worden, auch von Timo Schultz wie dieser nochmal auf der Pressekonferenz betonte. Der SC Paderborn wird also seiner Rolle als Geheimfavorit auf den Aufstieg aktuell voll und ganz gerecht.

Starke Transfers

Da stellt sich dann natürlich die Frage, was sich im Vergleich zur Vorsaison beim Team verändert hat. Zum einen gab es gleich mehrere Transfers, die aktuell voll einschlagen: Da ist zum Beispiel Raphael Obermair, einer von drei Spielern, die aus Magdeburg kamen, der im linken Mittelfeld überzeugt (in Magdeburg übrigens rechter Außenverteidiger war). Da ist Sirlord Conteh, ebenfalls aus Magdeburg gekommen, der dem Team in der Offensive bisher fehlendes Tempo gibt (Schultz: „Wenn Conteh was auszeichnet, dann ist es sein absoluter Wille (…) und ich sehe auch nicht, dass sein Weg in der zweiten Liga schon zu Ende ist“). Da ist Innenverteidiger Marcel Hoffmeier, der aus der Regionalliga von Preußen Münster zum Club gekommen ist und bisher keine einzige Minute in der Liga verpasst hat. Und seit kurzem ist auch Marvin Pieringer leihweise beim SC Paderborn und hat in drei Spielen schon drei Torbeteiligungen vorzuweisen.

Eigengewächs, Kapitän, wichtigster Spieler – Ron Schallenberg, der hier gerade zur Grätsche ansetzt ist für das Gleichgewicht im Paderborner Spiel verantwortlich.
(c) Peter Böhmer

Ich finde den SC Paderborn gerade aufgrund seines Scoutings interessant. Denn sie sind einer der Clubs, die meist Spieler aus unteren Ligen holen, teils vielzählig und diese in der 2. Liga dann „ausprobieren“. Nicht selten klappt das ganz gut, diese Saison sogar sehr gut. Es ist eigentlich schon recht unüblich, dass sich ein Spieler wie Robert Leipertz zum SCP „verirrt“, denn der spielte in den Jahren zuvor mit Heidenheim in der 2. Liga. Vielleicht ist er damit aber auch eines der bisher fehlenden Puzzle-Stücke, gibt dem Team mit seiner Erfahrung was wichtiges dazu. Timo Schultz hebt neben den Neuzugängen vor allem die stabile Achse des Teams hervor:

„Sie sind eine taktisch sehr flexible Mannschaft, haben eine starke Achse im Team mit Huth als Torwart, Schallenberg auf der Sechs, haben mit Justvan einen der herausragenden Spieler der Liga und sich gut verstärkt mit Obermair und Conteh. Ich freue mich auf das Spiel, sie sind ein Team das mitspielen will und ich denke die Zuschauer können sich auf ein tolles Spiel freuen.“

Timo Schultz über den SC Paderborn

Neue Formation

Was sich noch verändert hat im Vergleich zur Vorsaison ist die Grundformation. Der SC Paderborn setzt seit Beginn der Saison konstant auf eine Dreierkette, meist ein 3-1-4-2, um genau zu sein. Das wurde in ähnlicher Form auch teilweise in der letzten Saison praktiziert. Allerdings wurde das eigene Spiel im Vorjahr von Trainer Kwasniok sehr viel flexibler auf die Gegner angepasst. Nun scheint aber ein Rädchen ins andere zu greifen, die aktuelle Formation sitzt und die Gegner müssen sich auf den SC Paderborn einstellen. Das Gute aus Sicht der Paderborner: Das Team ist taktisch auch aufgrund der Vorsaison, in der viel probiert wurde, sehr flexibel. Auch Timo Schultz hebt die Stärken des SCP heraus:

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„Den SC Paderborn zeichnet aus, dass sie sowohl mit dem Ball kreativ sind und Lösungen finden, aber auch das extreme Tempo, wenn sie etwas tiefer stehen. Sie sind auch sehr effizient gewesen mit fünf Torschüssen pro Tor. Da wird es für uns darum gehen sie gar nicht erst in ihr Spiel kommen zu lassen, sie zu stressen, aber auch darum, dass wir unsere Tiefe sichern, nicht zu risikoreich sind.“

Timo Schultz über die Paderborner Spielweise

Ihr merkt sicher: Ich schaue gerade etwas neidisch zum SC Paderborn. Denn für das Team scheint sich diese Saison ein „Titelfenster“ geöffnet zu haben. Klar, die Saison ist noch jung, aber die Entwicklungen im Team sind nachhaltig, weil kontinuierlich vorangetrieben und nicht über das Knie gebrochen. Das Team ist auf allen Positionen richtig stark besetzt und ich persönlich bin ein großer Fan des zentralen Mittelfelds mit den kreativen Florent Muslija und vor allem Julian Justvan (der die Liga in Sachen kreative Pässe anführt), aber auch Ron Schallenberg, der auf der Sechs für ein gutes Gleichgewicht des Spiels sorgt und damit wohl der wichtigste Spieler des SC Paderborn ist.

Mögliche Aufstellung

Wie bereits geschrieben, darf man den SC Paderborn in einem 3-1-4-2 erwarten. Ganz ehrlich: Mit dieser Formation, zusammen mit dem kreativen Zentrum und den schnellen Offensivspielern, ist der SC Paderborn ein absolutes „worst-case“-Szenario für den FCSP. Denn mit dem gegnerischen Tempo gab es zuletzt Probleme, mit Dreierketten sowieso (hier nachlesen) und beim letzten Aufeinandertreffen zeigte der SCP, dass sie dem FC St. Pauli auch mit ihrem Aufbauspiel wehtun können (Zitat aus dem damaligen Spielbericht: „Es muss auch anerkannt werden, welch bärenstarkes Team der SC Paderborn ist. Es war schon eine ziemliche Augenweide, denen beim Fußballspielen zuzuschauen.“).

Erwartete Aufstellung beim Spiel FC St. Pauli gegen den SC Paderborn.

Wie reagiert der FC St. Pauli auf den SC Paderborn?

Ich bin ganz sicher, dass das Team nicht mit einer Mittelfeldraute auflaufen wird. Das wäre nun wirklich die letzte Formation, die gegen den SCP passend erscheint. Timo Schultz sagte auf der PK, dass es seinem Team gegen Dreierketten zu selten gelang, die Gegner „maximal in die Breite zu ziehen“, was aber trainiert wurde und unter anderem auch mit den Außenverteidigern erreicht werden soll. Grundsätzlich ist eine Mittelfeldraute offensiv also denkbar, aber defensiv wäre es wirklich blanker Wahnsinn so zu spielen.

Entsprechend gehe ich davon aus, dass das Team mit einer breiteren Formation auftreten wird, bei der die Zuordnungen auf den Außenbahnen besser geklärt sind. Das träfe auf das flache 4-4-2 zu, aber warum eigentlich nicht auch auf eine eigene Dreierkette setzen (was dagegen spräche fragte ich Timo Schultz – Antwort: „Gar nix!“)? Ich bin also sehr gespannt, mit welcher Formation der FC St. Pauli auflaufen wird. Ich bleibe da mal konservativ und rechne mit einem flachen 4-4-2, freue mich aber, wenn ich etwas „Neues“ auf dem Spielfeld sehen darf.

Personell deutete Schultz kurz nach der Niederlage in Rostock Konsequenzen an. Welche das sein könnten, vermag ich überhaupt nicht zu sagen. Grundsätzlich ist eine Veränderung in der Offensivbesetzung denkbar. Mit Carlo Boukhalfa, Etienne Amenyido und David Otto stünden fähige Spieler sicher für einen Einsatz bereit und nicht wenige werden sagen, dass diese mal eine Chance verdient haben. In den Defensivbereichen ist tatsächlich nicht sonderlich viel Raum für Veränderungen. Eric Smith ist gesetzt, die Außenverteidiger zusammen mit Marcel Hartel und Jackson Irvine wohl auch. Einzig in der Innenverteidigung könnte Betim Fazliji ins Team rücken, aber keine Ahnung, ob da wirklich personelle Veränderungen passieren werden.

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Mal wieder Underdog

Der FC St. Pauli geht zum ersten Mal seit längerer Zeit deutlich als Underdog in die Partie. Vielleicht tut dem Team das ja ganz gut. Vielleicht ist es ganz hilfreich, dass die Erwartungen mal nicht ganz so hoch sind. Bisher hatte der FCSP ja auch eher weniger Probleme, wenn es gegen Teams ging die auch mit dem Ball etwas anfangen konnten und nicht nur destruktiv unterwegs waren. Entsprechend freue ich mich auf ein spannendes Fußballspiel, bei dem sicher eine ganze Menge vor beiden Toren passieren wird.

Forza!
// Tim

Sofern nicht anders markiert, stammen sämtliche Statistiken von Wyscout.

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One thought on “Vorbericht: FC St. Pauli – SC Paderborn (6.Spieltag, 22/23)

  1. FCSP-BILANZ VERSUS DREIERKETTE-STARTFORMATION
    BEIM GEGNER
    ( SEIT AMTSANTRITT VON TIMO SCHULTZ)

    GESAMT: 9-6-7 SUN
    ———————————————
    2022-2023
    0-0-1 SUN

    S: –
    U: –
    N: FCH
    ———————————————-
    2021-2022
    4-6-4 SUN

    S: FCH, S04, HEI, F95
    U: AUE, SVW, F95, AUE, SVW, FCN
    N: SCP, KIE, H96, FCH
    ———————————————-
    2020-2021
    5-0-2 SUN

    S: SVS, D98, OSN, EBS, AUE
    U: –
    N: SVS, EBS

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