Lage am Millerntor – 27. November 2023

Lage am Millerntor – 27. November 2023

„… und schießen Rostock ab!“
Der FC St. Pauli feiert einen 3:2-Sieg an der Ostsee, es gibt wieder viel zum Drumherum und die Polizei ist auch weiterhin Thema.

FCSP-News

3:2 bei Hansa Rostock

Tiefe innere Befriedigung.
Darüber, in einem erwartet schwierigen Spiel, trotz Rückstand drei Punkte geholt zu haben.
Über den Moment des Abpfiffs, als man auch sieben Minuten Nachspielzeit überstanden hatte.
Darüber, dass man mit dem Team gemeinsam drei Punkte feiern konnte und auch drumherum das Allermeiste im Rahmen blieb.

Ausführlicher beschrieben haben wir das natürlich auch:
Die Analyse von Tim gibt es unter „Verdient, aber glücklich“.
Alles, was es zur Choreo des Heim- und den Tapeten des Gästeblocks zu sagen gibt, haben wir in „Das Stöckchen zur Awareness“ aufbereitet.

Klare Worte zu besagtem Stöckchen finden u.a. auch der NDR Sportclub (2min) mit Moderator Ben Wozny oder der morgendliche 11Freunde-Newsletter von Philipp Köster. Das Abendblatt (€) zeigt sich gnädig und fügt zumindest in der Überschrift noch ein Fragezeichen hinzu, ist im Text aber auch sehr klar.

Auch der Verein äußerte sich, in Person von Patrick Gensing, unmissverständlich und deutlich. Die bemühten Ausreden des FC Hansa erspare ich Euch.

„Die Choreo funktioniert nach einem altbekannten Muster: So wird immer wieder mit Doppeldeutigkeiten kokettiert, um mit bestimmter Symbolik öffentlich für Aufmerksamkeit sowie Empörung zu sorgen – und sich bei Kritik bequem wegducken oder gar als Opfer inszenieren zu können. Bei solchen wichtigen Themen darf es aber keine Doppeldeutigkeit geben, sondern wir brauchen klare Positionen für Humanität – so wie es die Gästekurve am Sonnabend durch ihre Choreo zum Tag gegen Gewalt an Frauen demonstriert hat. Diese Aktion verdient Respekt und vor allem mehr Aufmerksamkeit.“

Patrick Gensing, FC St. Pauli

Ansonsten war es ein Samstag, der für mich die problemlose Bus-An- und Abreise mit einem der besten Fanclubs dieses Vereins bereithielt (Vielen Dank!) und all den Stress mit Shuttlebussen, Kontrollen, doofen Heimfans und sonstigem Generve einfach mit dem zufrieden Lächeln überlagerte, welches ein Sieg an der Ostsee einem so aufs Gesicht zaubert.
Und ja: die Tor-des-Monats Medaille für Manolis Saliakas ist durchaus möglich, denke ich.

Statistik

21 Pflichtspiele in Serie sind es nun, die der FC St. Pauli ungeschlagen ist. 13 davon wurden sogar gewonnen. Als nächstes kommt nun am Freitag jenes Team, gegen das es die letzte Pflichtspielniederlage gab.

In Rostock war es der erste Sieg seit zwölf Jahren, allerdings hatte es auch nicht so viele Spiele gegeben. Die beiden letzten Niederlagen waren ja aber auch schmerzhaft genug.

In der Tabelle sorgen 30 Punkte aus 14 Spielen für Platz eins. Sowohl in den sieben Heim- als auch Auswärtsspielen gab es jeweils vier Siege und drei Unentschieden.

Weitere Links:

Lage der Liga

Freitag

Dem Hamburger SV reichte eine erfolgreiche Minute, um die drei Punkte gegen Eintracht Braunschweig mit einem 2:1 (2:0) einzutüten. Ein Doppelschlag von Ramos (25.) und Pherai (26.), die beide ihr erstes Saisontor erzielten, brachte den HSV auf den Weg. Ein Strafstoß für Jatta kurz vor der Pause hätte die Führung erhöhen können, wurde aber (zurecht) wegen einer aktiven Abseitsstellung nicht gegeben. Wieso genau sich Schiedsrichter Burda die Abseitsstellung nochmals in der Review-Area anschaute – ich weiß es nicht.
In der 62. Minute traf Fabio Kaufmann dann aus der Distanz zum Anschluss und das große Zittern begann, inklusive einem wegen Abseits vom VAR einkassierten Ausgleichstreffer. In der 90. Minute gab es noch eine Gelbe Karte mit Folgen, Bakary Jatta wird dem HSV am Freitag im Derby fehlen. // Sportschau-Highlights

Zwei sehr unterschiedlichen Hälften führten zwischen Hannover 96 und Hertha BSC zu einem 2:2 (0:2). Hertha war in der ersten Hälfte das klar bessere Team und führte zur Pause verdient mit zwei Toren. Beide Treffer (Niederlechner (29.) und Klemens (45.)) hatte Reese von links vorbereitet. Doch aus der Pause kam 96 klar verbessert und ein Tor von Nielsen (67.) ließ die Niedersachsen wieder hoffen. Wer letzte Woche Tims Artikel über Eric Smith gelesen hat, wird ja auch wieder wissen, was „Packing“-Werte sind – und ein Pass von Marcel Halstenberg auf Voglsammer in der 80. Minute erzielte hier den Wert von 10. Voglsammer vollendete zum Ausgleich und Endstand. // Sportschau-Highlights

Samstag

Die SV Elversberg marschiert weiter und befand sich am Samstagnachmittag vor dem Abendspiel sogar schon auf Rang 3. Grund hierfür war ein 4:1 (1:1) gegen den SC Paderborn, bei dem man sich vom Rückstand nicht aus dem Konzept bringen ließ. Der Ausgleich gelang noch vor der Pause, in Hälfte zwei brauchte man nur elf Minuten (50., 57. und 60.), um den SCP zu zerlegen. // Sportschau-Highlights

„Alles für Verein und Hasestadt“ – wer bei dieser Choreo vor Spielbeginn den Fans des VfL Osnabrück einen DAZKE-Moment aufgrund eines fehlenden „n“ unterstellt, kann sich hier über den Ursprung dieser Bezeichnung aufklären lassen. Davon ließ sich der 1. FC Magdeburg aber nicht beeindrucken und entführte beim 0:2 (0:0) die drei Punkte, die den VfL auf dem letzten Platz verharren lassen.
Für den VfL bleibt es dabei, dass man in dieser Saison nur gegen Zweitligateams aus Hamburg gewinnen konnte, für Interimscoach Martin Heck bleibt es bei sehr viel Arbeit.
Magdeburg hingegen konnte auswärts bisher nur in Kiel gewinnen (dies dafür in Liga und Pokal) und fügte nun den zweiten Liga-Auswärtssieg der Saison hinzu. // Sportschau-Highlights

Das Abendspiel

Es bleibt dabei, dass die Free-TV-Spiele diese Saison schon in aller Regel ganz gut abliefern. Am Samstag zerlegte Fortuna Düsseldorf den FC Schalke 04 zunächst, sodass Gästetrainer Karel Geraerts bereits in der 33. Minute einen Dreifachwechsel vornahm. Zu dem Zeitpunkt führte F95 bereits mit 3:0. Die etwa 15.000 Gästefans reagierten „verhalten“ und lange sah es nicht danach aus, als würde es nochmal spannend werden. Doch per Doppelschlag (74. und 75.) kam S04 nochmal heran (es stand dann 4:3). Düsseldorf verteidigte den Vorsprung aber und erzielte in der Nachspielzeit ein weiteres Tor. 5:3 (3:0) also am Ende, Schalke bleibt auf Relegationsrang 16.
Infolge der Dreier-Auswechslung verweigerte Thomas Ouwejan Trainer Geraerts den Handschlag und lieferte sich weitere Wortgefechte. Der Verein sanktionierte ihn jetzt, Ouwejan bat um Entschuldigung. Laut kicker gab es eine Geldstrafe und er muss die Trainingswoche bei der U23 verbringen. // Sportschau-Highlights

Sonntag

Den Abstand auf diesen Relegationsrang vergrößern konnte der Karlsruher SC. Gegen den 1. FC Nürnberg gelang dabei ein Blitzstart, schon nach elf Sekunden fiel das 1:0 durch Nebel. Wenn man dann von einem 4:1 (1:0)-Endstand liest, klingt das nach einem souveränen Spiel. War es über weite Teile auch, doch der Glubb glich in der 61. Minute quasi mit der ersten Chance aus und hatte dann nach dem erneuten Rückstand (70.) durchaus auch nochmal Chancen zum Ausgleich. Joker Zivzivadze schnürte dann aber in der 89. und 90.+4 den Doppelpack. // Sportschau-Highlights

Drei Siege in Serie gab es zuletzt für die SpVgg Fürth, vier sogar für den SV Wehen Wiesbaden. Eine Serie hielt, nämlich die der Gastgeber, die mit dem 2:0 (1:0) nun ihrerseits vier Siege in Folge haben und plötzlich auf Rang fünf liegen. // Sportschau-Highlights

Nach dem Sieg beim 1. FC Kaiserslautern liegt Holstein Kiel sogar noch zwei Plätze vorm Kleeblatt auf Rang 3. Nach einer Choreo zu 25 Jahren „Generation Luzifer“ bestimmten die Gäste das Spiel, begünstigt durch einen Katastrophen-Fehlpass von Klement auf Pichler nach 16 Minuten, der zum 0:1 führte. Arp (44., nach Ecke) und erneut Pichler (58.) sorgten am Ende für ein 0:3 (0:1), mit dem der FCK aus den letzten fünf Ligaspielen nur einen Punkt holte. // Sportschau-Highlights

FC St. Pauli von 1910 e. V.

Regionalliga Nord

Jawoll! Wichtige drei Punkte gab es für die U23 im Spiel beim SSV Jeddeloh II.
Die entscheidende Situation ereignete sich dabei nach gut 16 Minuten, direkt nachdem der Kommentator auf NordFV.tv festgehalten hatte, dass Jeddeloh das entschlossenere Team sei. Mika Clausen zog im Mittelfeld an, spielte den Ball nach links zu Gwang-In Lee, dessen Schuss aus spitzem Winkel Keeper Koliofoukas nur abklatschen lassen kann, was Luca Günther problemlos zum Abstauber nutzt.
Eine weitere wichtige Szene dann nach 56 Minuten, als nach einem Gerangel im FCSP-Strafraum ein Jeddeloh-Spieler liegen blieb und der Ball zur Ecke geklärt wurde. Peer Mahncke entschloss sich, den Spieler unaufgefordert mit Feedback zu beglücken, was Kasra Ghawilu ebenso unaufgefordert mit einem deutlichen Schubser beantwortete. Gelb für Mahncke, Rot für Ghawilu. In Überzahl brachte das Team in Braun-weiß die Partie dann nach Hause und holte nach acht Spielen ohne Sieg endlich wieder drei Punkte, was die Tabellensituation dann doch wieder ein bisschen entspannte, ohne dass man Entwarnung geben kann.

Vor der Winterpause stehen jetzt noch die Partien gegen die aktuell auf Abstiegsplätzen befindlichen Teams vom ETV (3.12.) und Spelle-Venhaus (10.12.) an, da könnte man im besten Fall dann schon deutlich Luft zwischen sich und den Keller bringen.

Junioren-Bundesliga

A-Jugend

Beim Tabellenzweiten, dem VfL Wolfsburg, sah zur Pause für die U19 nach dem üblichen Verlauf aus. In 26 Spielen gegeneinander waren die Wölfe bisher 18-mal als Sieger vom Platz gegangen, mit einer 2:0-Führung ging es auch am Samstag in die Kabine.
Doch der sechste Saisontreffer von Isma Baraze Adam (64.) und ein weiterer Treffer von Niklas Jovanovic (68.) sorgten am Ende für ein 2:2-Unentschieden.

Die Hinrunde endet am kommenden Samstag, um 11.00h geht es ins Derby. Aktuell ist das Spiel noch am Königskinderweg angesetzt.

B-Jugend

Nichts zu holen gab es hingegen für die U17: Bei Union Berlin gab es eine deutliche 5:1 (1:0)-Niederlage, wobei ein Tor direkt vor und eines direkt nach der Pause den Weg ebneten. Das zwischenzeitliche 3:1 durch Noah Palapies (66.) war nur Ergebniskosmetik.

In der Tabelle bleibt es damit bei einem Abstiegsplatz und nächste Woche geht es zum Zweiten, dem VfL Wolfsburg – aber: siehe U19, vielleicht geht da ja was.

Blindenfußball

Die WDR-Doku „Alles Blinde – Fußball-Pionierinnen bei ihrer ersten Weltmeisterschaft“ (31min) lief gestern Abend in der ARD. Grundlagen des Sports, ein Rückblick auf die EM 2022, der Konflikt über die Nicht-Finanzierung durch die Verbände, die mediale Aufmerksamkeit nach dem Beitrag in „Fest & Flauschig“, exklusive Interviews, Thoya Küsters Einstufung als B4 (was sie als „zu gut sehend“ einstufte und ihr damit die Teilnahme an der WM verwehrte) und natürlich die WM selbst.
Tolle Doku, wirklich, vielen Dank dafür. Diese halbe Stunde solltet Ihr Euch in Ruhe gönnen.

Döntjes

Polizeieinsatz in Frankfurt

Die Bilder einer nahezu leeren Stehplatzkurve am Samstag in Frankfurt dürften die meisten am Wochenende mitbekommen haben, vielleicht dazu auch das ein oder andere Video des Polizeieinsatzes.
Die Stellungnahme der Frankfurter Fanhilfe („Der 13te Mann“) gibt es aktuell nur auf Twitter:

Während die Polizei angab, sie hätte bei der Eskalation rivalisierender Fangruppen einschreiten müssen und sei daraufhin von beiden Gruppen angegriffen worden, stellt die Fanhilfe die Situation gänzlich anders dar. Demnach sei die Polizeipräsenz schon vorab ungewöhnlich hoch gewesen, obwohl kein Risikospiel vorlag und die Eskalation sei aufgrund einer versuchten Festnahme entstanden, die aufgrund einer fehlenden Eintrittskarte entstand.
70 Verletzte, sieben davon schwer – so die Bilanz der Fanhilfe.

Wie schon in den letzten Wochen, unter anderem auch beim Spiel des FC St. Pauli gegen Hannover 96, mehren sich die massiven Einsätze der Polizei im Stadion, die anschließend mit Vorfällen gerechtfertigt werden, die von Fanseite komplett anders dargestellt werden.
All dies vor der Europameisterschaft 2024. Purer Zufall?

Fabian Boll im Sportclub

„Am schönsten wäre natürlich komplett ohne Polizei.“

Fabian Boll im NDR Sportclub

Ha, endlich sagt’s mal einer!
Nein, Spaß beiseite, ich will dieses Zitat auch gar nicht aus dem Zusammenhang reißen und Boll ordnet das sowohl vor dem Satz als auch im weiteren Gespräch (12min) entsprechend differenziert ein. Er wünscht sich einen weiteren Dialog, in den er explizit auch Fanvertreter und Fans eingebunden sehen will. Ob das realistisch ist, ist eine andere Frage.
Triggerwarnung: Auch die Polizeigewerkschaft kommt im weiteren Verlauf zu Wort…

Leverkusen mit transfeindlicher Tapete in Bremen

Ach, man will ja solchen Menschen nicht noch mehr Aufmerksamkeit geben. Siehe oben, siehe „Stöckchen“. Verschweigen dummer und transfeindlicher Statements hilft ja aber auch nichts. Man muss weiter darauf hinweisen, dass es diese Ansichten und Menschen gibt – der Kampf geht weiter.
Leverkusens Kurve präsentierte also im Weserstadion eine Tapete, auf der geschrieben stand, dass es nur zwei Geschlechter gäbe.
Ich erspare mir und uns jeden Kommentar.

Zu guter Letzt

Ball gespielt… // Instagram

Forza St. Pauli!
// Maik

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