Lage am Millerntor – 28. November 2023

Lage am Millerntor – 28. November 2023

Von der Ostsee ins Derby – der FC St. Pauli hatte schon langweiligere Wochen. Außerdem: Geburtstage, Schach, Pfefferspray und der VAR.

FCSP-News

Hansa Rostock

Wir schließen dieses Kapitel für diese Woche ab. Die drei Punkte sind eingetütet und an den unterschiedlichen Sichtweisen der Fans beider Vereine wird sich kurz- bis mittelfristig eh nichts ändern.
Tim hat sowohl die Statistiken als auch die Stimmen zum Spiel zusammengetragen.

Da Uwe kurzfristig absagen musste, hat Yannick beim „Nach dem Spiel“-Gespräch schließlich mit mir gesprochen.

Elf des Tages

Während es mit der „Tor des Monats“-Medaille noch etwas dauern kann, ist Manolis Saliakas zumindest schon mal erstmalig in dieser Saison in die „Elf des Tages“ gekommen. Für Marcel Hartel ist dies inzwischen schon Gewohnheit, er wurde bereits zum fünften Mal berufen. Beide waren vom kicker mit einer 2,0 bewertet worden.

Kollaustraße

Wer vor dem Derby noch mal an die Kollaustraße möchte, kann dies nur noch heute erledigen. Um 11.30h ist die letzte öffentliche Einheit. Morgen und übermorgen sind die Türen dann wieder zu. Dafür ist bereits morgen die Pressekonferenz vor dem Spiel. Es geht hier echt Schlag auf Schlag.

„It’s the most important time of the year!“

Ich bin ganz ehrlich, als ich diese wunderschöne Überschrift las, dachte ich: „Ach ja, geil, Adventskalender beim MillernTon!“
Wie groß meine Enttäuschung war, als es nur um so schnöde Dinge wie Derby, das Erreichen des Pokal-Viertelfinales und eventuelle Abstellungen zu irgendwelchen Kontinentalturnieren ging, könnt Ihr Euch nicht ausmalen. Und doch: Hab ich gerne gelesen.
(Adventskalender… Fuck! Schon am Freitag ist der 1. Dezember? Oh, oh… Tim, wir müssen reden, schnell!)

Happy Birthdays!

Der 28. November ist der Geburtstag von gleich drei Personen, denen wir heute gratulieren möchten:

  • Ewald Lienen (70)
  • Oke Göttlich (48)
  • Leo Østigård (24)
Ewald Lienen auf dem Rasen am Millerntor, auf einer seiner Ehrenrunden.
Ehrenrundenmann! // (c) Stefan Groenveld

Während sich die beiden Letztgenannten (hoffentlich) bester Gesundheit erfreuen, gehen besondere Grüße raus an Ewald Lienen, der zuletzt einen Live-Podcast absagen musste, weil sein „Hüftgelenk völlig geschreddert“ sei. Anfang Dezember soll das aber mittels moderner Medizin behoben werden, der Termin wird dann nachgeholt.
Wie dem auch sei: Lieber Ewald – für Dich nur das Allerbeste und natürlich vor allem Gesundheit!
Und auch an Oke Göttlich und Leo Østigård die allerbesten Grüße und Wünsche für die Zukunft.

Lage der Liga

Verrückt… da gibt es doch tatsächlich noch Profivereine, die Vertragslaufzeiten kommunizieren! So geschehen jetzt bei der SpVgg Fürth, die den Vertrag mit Trainer Alexander Zorniger verlängert – und zwar bis 2026.

Keine Vertragslaufzeit angegeben hat hingegen der VfL Osnabrück, wo seit gestern Uwe Koschinat als neuer Trainer nach der Freistellung von Tobias Schweinsteiger feststeht. Koschinat war in der Vorsaison mit Arminia Bielefeld aus der 2. Liga abgestiegen. Die kommenden Aufgaben bis zur Winterpause sind mit Auswärtsspielen auf Schalke und bei Hertha sowie dem Heimspiel gegen den aktuellen Tabellenführer allerdings nicht einfach.

Um Vertragslaufzeiten geht es bei Schalke 04 aktuell nicht, eher regiert angesichts der Tabelle und der letzten Leistungen die nackte Panik. In einem Offenen Brief wendete sich das Team jetzt an die eigenen Fans:

„[…] Wir schämen uns für einige Auftritte in den letzten Monaten! Wir haben uns viel mehr vorgenommen – jeder Einzelne von uns! Diesem Anspruch von Euch Mitgliedern, Fans und auch von uns selbst nicht gerecht zu werden, enttäuscht uns sehr. Nach einem Spiel, wie wir es am Samstagabend in den ersten 45 Minuten abgeliefert haben, entstehen bei uns allen Enttäuschung, Leere, Wut und Scham, weil wir wissen, dass das Schalke 04 nicht würdig ist. Die ersten 30 Minuten sind nicht zu entschuldigen. […]“

Offener Brief des Teams von Schalke 04

In den verbliebenen drei Spielen werde man aber jetzt ein anderes Gesicht zeigen, eh klar…

FC St. Pauli von 1910 e. V.

Schach: 1. St. Pauli Schnellschach-Open

Die Schach-Abteilung versorgte uns mit den folgenden Infos zu den am Wochenende erstmals ausgetragenen Schnellschach-Open, im Ballsaal der Haupttribüne.

Über 100 Spielerinnen trafen sich am Sonnabend am Millerntor, um sich im Schnellschach über elf Runden zu messen. Konkret hieß das: 15 Minuten Bedenkzeit pro Spielerin plus zehn Sekunden Zeitgutschrift für jeden getätigten Zug. Mit unter anderem einem Großmeister (GM), vier Internationalen Meistern (IM) und sechs FIDE-Meistern (FM) war das Turnier sehr gut besetzt. Nachdem die Registrierung abgeschlossen war, gaben die Schiedsrichter Heinz-Werner Szudra und Boris Bruhn den Startschuss für die erste Runde.
Es entwickelte sich spannender erster Wettkampftag, den IM Jakob Leon Pajeken besonders stark abschloss. Der 19-Jährige heimste 5,5 von 6 möglichen Punkten ein, was gleichbedeutend mit der „Herbstmeisterschaft“ im Turnier war. Hinter dem gebürtigen Hamburger zeigte sich die große Leistungsdichte des Feldes. GM Alexander Bagrationi führte als Zweiter eine Gruppe von neun Spielern an, die alle fünf Punkte auf der Habenseite hatten. Auch die Fußballfans kamen am Sonnabend auf ihre Kosten. In der Mittagspause bejubelten alle gemeinsam den 3:2-Sieg unserer Kiezkicker in Rostock.

Spannender Sonntag

Aber zurück zum Schach: Am Sonntag ging das Schnellschach-Turnier genauso spannend und interessant weiter wie schon am Sonnabend. In der elften und somit letzten Runde kam es zum Showdown. Bagrationi war zwischenzeitlich mit Pajeken gleichgezogen. Beide Spieler hatten vor dem entscheidenden Spiel 8 Punkte geholt. Pajeken spielte dann nur Remis, also Unentschieden, und hatte nun 8,5 Punkte auf dem Konto. Wie würde der Großmeister reagieren?
In einem nervenaufreibenden Endspiel mit Turm und Springer auf der einen und Turm und Läufer auf der anderen Seite, verlor Bagrationi gegen Henning Holinka vom Hamburger SK und fiel noch auf den vierten Platz zurück. Holinka machte damit nicht nur Jakob Leon Pajeken zum Turniersieger, sondern hatte selbst einen Sahnetag erwischt. Mit 4,5 von 5 möglichen Punkten rauschte der 21-Jährige noch auf den zweiten Platz punktgleich mit Pajeken, der allerdings die bessere Feinwertung aufweisen konnte. Besonders erfreulich aus braun-weißer Sicht war der dritte Platz von Abteilungsmitglied Frank Sawatzki, der ebenfalls auf 8,5 Punkte kam.
Wer nun noch alles detailliert wissen will, kann sich auf der Turnierseite durch alle Runden klicken.
Dort gibt es auch die Endtabelle. Mehr Informationen zur Schachabteilung gibt es HIER.

Ein herzlicher Dank geht abschließend an alle Spieler*innen für ein tolles und faires Turnier und natürlich an alle Beteiligten und die Mitglieder der Schachabteilung, die durch ihre Mithilfe beim Aufbau über das Catering bis zum Abbau für einen reibungslosen Ablauf gesorgt haben.
// Jörn

Vier männliche Schachspieler stehen nebeneinander, im Hintergrund das erleuchtete aber leere Millerntor-Stadion.
von links nach rechts: Julian Kramer (5. Platz), Jakob Leon Pajeken (1.), Henning Holinka (2.) und Frank Sawatzki (3.) // (c) FC St. Pauli Schach

U17-WM

Heute morgen um 09.30h CET (live bei der FIFA oder Sky Sport News) startet in Indonesien das Halbfinale der U17-WM, Deutschland trifft auf Argentinien. Mit dabei und in der Startaufstellung: FCSP U19-Spieler Eric da Silva Moreira.
Einen Vorbericht aus Hamburger Perspektive gibt es beim Abendblatt (€), inklusive einem Blick auf das frühe Suchen nach Talenten.

Fanszene-News

Derbymarsch

USP hat einen Treffpunkt für Freitag verkündet: Zum gemeinsamen Warmup geht es am Freitag um 15.00h in die Susannenstraße, von dort dann später gemeinsam zum Stadion. // USP

Derbytreffpunkt
15:00 Uhr
Susannenstraße
Gemeinsam zum Derbysieg
Hamburg ist Braun-Weiß

Döntjes

Polizeigewalt in Frankfurt

Die Polizei korrigierte inzwischen ihre eigene Aussage, dass man aufgrund rivalisierender Fangruppen hätte einschreiten müssen. Tja nun, kann schon mal passieren, wa?
Der jetzt angegebene Grund, den Angriff auf einen Ordner beziehungsweise Sicherheitspersonal des Vereins, wird allerdings auch von der Eintracht bestätigt.

„Ein Sicherheitsmitarbeiter von Eintracht Frankfurt wurde durch den Ordnungsdienst zur Unterstützung an diesen Zugang gerufen, nachdem sich dort wiederholt kleinere Gruppen durch Wegstoßen der Ordnungsdienstmitarbeiter Zutritt verschafft hatten. Als dieser Mitarbeiter eine Person aus einer nächsten Gruppe, die versuchte, auf diese Weise in den Block vorzudringen, am Arm festhielt und zur Rede stellen wollte, wurde er umgehend von ca. 20 Personen körperlich mit Schlägen angegriffen und konnte nur mit Hilfe eines herbeigeeilten Kollegen aus der Situation befreit werden. Als die zu Hilfe gerufene Polizei mit ca. 15 Kräften zunächst unbehelmt auf der Rückseite der Tribüne eintraf, wurde sie sofort und aus verschiedenen Richtungen attackiert.“

Eintracht Frankfurt

Im weiteren Verlauf wird dieses Verhalten kritisiert und wir müssen hoffentlich nicht darüber diskutieren, dass man sich nicht mittels Gewalt Zutritt zum Stadion oder einzelnen Blöcken verschaffen sollte. Gleichzeitig wird aber auch die Polizei in die Verantwortung genommen, für einen Einsatz, „den es mit Blick auf Dauer und Intensität in dieser Form zuvor noch nicht im Stadion gegeben hat. Etliche unbeteiligte Verletzte, deren Schilderungen Eintracht Frankfurt seit den Vorfällen am Samstagabend erreichen, bedingen eine ausführliche und selbstkritische Analyse des gesamten Einsatzes und der angewandten Einsatzmittel“.

Die Frankfurter Fanhilfe hat ihrerseits gestern ein Update veröffentlicht (Twitter). Neben der Warnung davor, Verletzungen direkt bei der Polizei zu melden oder Anzeige zu erstatten, wird insbesondere die Verhältnismäßigkeit des Einsatzes angezweifelt.

Dachverband der Fanhilfen

Der Dachverband der Fanhilfen äußerte sich gestern ebenfalls. Anlass waren die Vorfälle in Frankfurt, der Blick geht aber auch etwas größer auf die letzten Wochen und die aktuelle Eskalationsstrategie der Polizei allgemein, mit Blick auf die Europameisterschaft 2024. Hierbei wird insbesondere der Einsatz von Pfefferspray kritisiert:

„Die gewalttätigen Polizeieinsätze unter massivem Einsatz von Pfefferspray müssen aufhören und ein Pfefferspray-Verbot bei Polizeieinsätzen beim Fußball erwägt werden. Pfefferspray ist das wohl ungeeignetste Mittel der Polizei in vollbesetzten Stadien. Pfefferspray führt zu zahlreichen Verletzten – übrigens bei Fans und bei der Polizei. Die Eskalation der Polizei führt zu nichts. Statt in Vorbereitung der EM 2024 im eigenen Land die vermeintlich harte Kante zu zeigen, sollte die Polizei auf Kommunikation und Deeskalation mit den Fans setzen. Das sind die besten Mittel, um Konflikte zu verhindern.“

Linda Röttig, Vorstand im Dachverband der Fanhilfen

Watzke der Woche

Es ist fantastisch. Auf der Aktionärsversammlung des BVB ließ man auch Hans-Joachim Watzke wieder ans Mikro – und er lieferte verlässlich:

„Wir müssen in Deutschland aufpassen, dass wir nicht alles ablehnen, nur weil es neu ist.“

Hans-Joachim Watzke, Visionär (Zitat lt. kicker)

Tausende Jugendtrainer*innen und weitere Verantwortliche in Vereinen und NLZs sprangen spontan auf und klatschen lange anhaltenden Beifall – bis ihnen klar wurde, dass dies gar keine Selbsteinsicht zu seinen Aussagen bezüglich der Reform im Kinderfußball war.
Tatsächlich ging es ihm wohl um die Reform der Champions League – und wenn es um Millionen für den eigenen Verein geht, ist „Aki“ dann halt neuen Dingen doch weitaus aufgeschlossener.

Zu guter Letzt

Ich bin ja nach wie vor Fan des VAR – und wenn er nur für diese eine Szene eingeführt worden ist.
(Geile Lache beim Kommentator, übrigens…) // Twitter

Forza St. Pauli!
// Maik

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