Vorbericht: FC St. Pauli – Fortuna Düsseldorf (Viertelfinale, DFB-Pokal)

Vorbericht: FC St. Pauli – Fortuna Düsseldorf (Viertelfinale, DFB-Pokal)

Am Dienstagabend treffen der FCSP und die Fortuna erneut aufeinander und spielen die Teilnahme am Halbfinale des DFB-Pokals aus. Der Vorbericht.
(Titelbild: Peter Boehmer)

Klappe, die zweite. Nachdem der FC St. Pauli das erste Spiel gegen Fortuna Düsseldorf am Samstag mit 2:1 für sich entscheiden konnte, steht nun das Aufeinandertreffen im DFB-Pokal auf dem Programm. Dieses Mal ist es ein Heimspiel und es dürfte auch sonst einiges anders sein, als wenige Tage zuvor.
Zur Vorbereitung, und auch zur Nachbereitung des ersten Aufeinandertreffens, hört gerne das „Zwischen den Spielen“-Gespräch.

Zur Einstimmung auf das Pokalspiel hat Ultrà Sankt Pauli zum „Pokalmarsch“ aufgerufen. Treffpunkt ist um 17:45 Uhr am U-Bahnhof Schlump. Los geht’s um 18:15 Uhr. Der Ankündigungstext motiviert enorm: „Nicht nur in der Liga, auch im Pokal, legt unser Team auf dem Rasen derzeit einen Auftritt hin, den wir lange bei Sankt Pauli nicht gesehen haben. Waren viele Jahre geprägt vom Ausscheiden in der ersten oder zweiten Runde gegen Amateurvereine, haben wir jetzt eine Chance Historisches zu erreichen.“

Pokalmarsch Düsseldorf
Ultra St. Pauli ruft zum Treffpunkt am Schlump auf, um dann gemeinsam zum Spiel am Millerntor zu marschieren.
USP-Aufruf

Ein Blick zurück…

…ist eigentlich nur ein Blick auf das letzte Wochenende. Mit 2:1 gewann der FC St. Pauli bei Fortuna Düsseldorf. Vor allem gegen den Ball konnte das Team überzeugen, ließ gegen die beste Offensive der Liga wenig Chancen zu. Nachdem das Hinspiel torlos endete, es auch in der Vorsaison im Rückspiel keine Tore gab und das Hinspiel 0:1 verloren ging, feierte der FC St. Pauli also erstmals seit knapp 300 torlosen Minuten wieder einen eigenen Treffer gegen die Fortuna.

FC St. Pauli: Wer kann spielen, wer fehlt?

Aus der laufintensiven Partie am Samstagabend sind alle Spieler gut herausgekommen, erklärte Fabian Hürzeler. Auch Dapo Afolayan ist einsatzbereit. Er hat „leichte Krämpfe gehabt, die sich aber wieder im Laufe des Abends gelöst haben.“ Der zur Verfügung stehende Kader verändert sich somit nur auf einer Position: Erik Ahlstrand könnte direkt in den Spieltagskader rücken. Hürzeler erklärte, dass er eine Soforthilfe sein und nicht erst behutsam aufgebaut werden soll. Denkbar also, dass er direkt im Kader steht und, je nach Spielstand, auch zu seinem Debüt kommt.

Ahlstrand winkt Kaderplatz

Fehlen werden dem FC St. Pauli weiterhin Connor Metcalfe und Jackson Irvine. Sie gewannen am Sonntag mit Australien das Achtelfinale gegen Indonesien und treffen nun entweder auf Saudi-Arabien oder Südkorea. Diese beiden Teams ermitteln aber erst am Dienstag, wer ins Viertelfinale einziehen wird. Gespielt wird dann am Freitag (Australien hatte dann übrigens vier Tage Pause, der Gegner nur zwei…). Somit ist, selbst bei einem Ausscheiden, ein Einsatz auch für den Samstag gegen Fürth ausgeschlossen.
Auch Scott Banks und Simon Zoller werden dem FCSP weiterhin fehlen. Bei Zoller ist aber zu hoffen, dass er zeitnah wieder mal Teil des Kaders sein wird.

Fortuna Düsseldorf: Wer kann spielen, wer fehlt?

Ganz spontan musste die F95-Cheftrainer Daniel Thioune am Samstag auf Tim Oberdorf verzichten, der eigentlich Matthias Zimmermann auf der rechten Abwehrseite ersetzen sollte. Oberdorf sollte am Sonntag noch ein MRT machen, um die Schwere der Verletzung herauszufinden, berichtete Daniel Thioune auf der Pressekonferenz vor dem Spiel, welche nur wenige Stunden nach Abpfiff am Sonntagmorgen stattfand. Zimmermann selbst könnte aber wieder zum Einsatz kommen, zumindest wollte Thioune das nicht ausschließen: „Wir machen uns Gedanken, ob er eine Option ist. Seine Mentalität könnten wir am Millerntor gebrauchen.“

Sicher ausfallen werden Innenverteidiger Jamil Siebert, Defensivmann Marcel Sobottka und Offensivkraft Shinta Appelkamp, sowie Ersatztorhüter Dennis Gorka. Diese Ausfälle wiegen schwer, sowohl aufgrund der fehlenden Qualität, als auch der Quantität, weil der Kader eben nicht sonderlich groß ist. Oder besser gesagt war. Denn am Montag verkündete Fortuna Düsseldorf die Verpflichtung von Innenverteidiger Joshua Quarshie (Leihe aus Hoffenheim) und Angreifer Marlon Mustapha (Leihe aus Como). Ob die beiden direkt eine Option für das Pokalspiel sind? Keine Ahnung.

Hamburg, Deutschland, 13.05.2023, Fussball, 2. Bundesliga - Fabian Hürzeler (FC St. Pauli) und Daniel Thioune (Fortuna Düsseldorf), Trainer ihrer Teams, im Gespräch - Copyright: Stefan Groenveld
Daniel Thioune und Fabian Hürzeler treten mit ihren Teams innerhalb kürzester Zeit zweimal gegeneinander an.
(c) Stefan Groenveld

Was hat die Fortuna zu bieten?

Naja, hier brauche ich ja jetzt nicht nochmal genaus das gleiche schreiben, wie es im Vorbericht für das Aufeinandertreffen am Samstag zu lesen war. Daher konzentrieren wir uns mal auf die Lehren, die beide Trainer aus der Partie gezogen haben.

Thioune: „Haben es defensiv, nicht offensiv verloren“

„Es war eine verdiente Niederlage,“ befand F95-Trainer Daniel Thioune auch einen Tag nach Abpfiff in seiner gewohnt angenehmen Art. Mit der Arbeit gegen den Ball ist der Cheftrainer der Fortuna zufrieden gewesen. Zwar hätte man die initialen Bälle des FCSP auf Johannes Eggestein nicht verhindern können, aber die anschließende Arbeit auf den zweiten Ball sei gut gewesen. Ärgerlich sei der erste Gegentreffer gewesen, vor allem, weil das Foul kurz vor dem Strafraum gar nicht hätte ziehen müssen. Beim zweiten Gegentreffer „hat man gesehen, wie viel Qualität der FC St. Pauli hat.“

Genau aufgrund der Situation zum zweiten Treffer des FCSP, bei der laut Thioune wirklich alles passte, sieht er Chancen für sein Team. Denn der Gegner sei „bei 100% gewesen“, während man selbst nicht dieses Niveau erreicht habe: „Wir haben sicherlich mehr Potenzial im Spiel mit dem Ball. (…) Wir haben nicht gut genug nach vorne gespielt, es zu Ende gespielt und einfache Ballverluste gehabt.“

Hürzeler: „Hinter die Kette kommen“

„Der gleiche Matchplan wird es nicht. So einfach wird es Düsseldorf uns nicht machen.“ Fabian Hürzeler erwartet Veränderungen beim Gegner bzw. möchte darauf vorbereitet sein, dass es ein ganz anderes Spiel werden könnte. Sollte die Fortuna erneut mit einer starken Mannorientierung arbeiten, so sei „ein Schlüssel zum Erfolg zu kommen, dass wir es schaffen gegen ein ‚Mann gegen Mann‘ -Pressing hinter ihre Kette zu kommen, weil da durchaus Räume gegeben sind.“

Die Basis für den Erfolg, egal mit welcher taktischen Ausrichtung die Fortuna agiert, sei die eigene Laufstärke. Die sei am Samstagabend übrigens so enorm gewesen, weil der Gegner das quasi verlangt habe, weil Düsseldorf eine so hohe Qualität habe. Mit etwas Abstand zur Partie fand Fabian Hürzeler dann aber ein paar Punkte, die verbessert werden können: „Im Pressingverhalten haben wir Räume geöffnet, die wir schließen wollten. Wir hatten auch eine Phase, in der wir zu passiv waren.“ Gefallen hat dem Chefcoach das Spiel mit dem Ball: „Wir haben sehr strukturiert von hinten raus eröffnet, uns immer wieder Möglichkeiten erspielt gegen die Mannorientierungen und sind hinter die letzte Kette gekommen.“

Fokus auf rechte Seite?

Eine taktische Feinheit der Partie von Samstagabend hat Bergas in seiner Analyse herausgearbeitet. Der FC St. Pauli habe in seiner Arbeit gegen den Ball vor allem einen Fokus auf die rechte Seite der Fortuna gehabt. Von dort baut das Team nämlich am liebsten auf. Das dürfte auch daran liegen, dass auf der Gegenseite mit Cristos Tzolis und, normalerweise, Emmanuel Iyoha, zwei temporeiche Spieler zu finden sind. Ihre Stärken kommen vor allem dann zur Geltung, wenn sie etwas mehr Platz haben. Das würde erklären, warum die Fortuna sich auf die rechte Seite im Aufbau konzentriert: um im richtigen Moment auf die, dann möglichst offene, linke Seite zu verlagern.

Mögliche Aufstellung

Enorm hilfreich für das Aufbauspiel auf der rechten Seite der Fortuna wäre ein Einsatz von Matthias Zimmermann. Nur so recht daran glauben kann man nicht. Zwar habe er laut Thioune gut trainiert, aber „wir reden hier sicherlich nicht von einem Startelfeinsatz“. Entsprechend dürfte entweder erneut Nicolas Gavory starten (dann auf links und Iyoha auf rechts) oder Takashi Ushino sammelt mehr als die 17 Minuten, die es am Samstag für ihn gab. Ansonsten ist ein Einsatz von Felix Klaus anstelle von Jona Niemiec rechts vorne denkbar, was dann eine komplett neue rechte Seite bei der Fortuna ergeben würde.

Erwartete Aufstellung beim Spiel FC St. Pauli gegen Fortuna Düsseldorf. FCSP: Burchert - Saliakas, Wahl, Smith, Mets, Treu - Kemlein, Hartel - Afolayan, Eggestein, Saad F95: Kastenmeier - Ushino, Hoffmann, de Wijs, Iyoha - Engelhardt, Tanaka - Klaus, Johannesson, Tzolis - Vermeij
Erwartete Aufstellung beim Spiel FC St. Pauli gegen Fortuna Düsseldorf.
FCSP: Burchert – Saliakas, Wahl, Smith, Mets, Treu – Kemlein, Hartel – Afolayan, Eggestein, Saad
F95: Kastenmeier – Ushino, Hoffmann, de Wijs, Iyoha – Engelhardt, Tanaka – Klaus, Johannesson, Tzolis – Vermeij

Burchert im Tor erwartet

Es ist DFB-Pokal, entsprechend stellt sich erneut die Frage, ob Sascha Burchert im Tor stehen wird. Zwar wollte Fabian Hürzeler sich da nicht in die Karten schauen lassen und vermeidet auf jeden Fall immer den Begriff „Pokal-Torwart“, aber Burchert stand eben in den ersten drei Runden im Kasten. Sollte er es dieses Mal nicht tun, dann wären da schon einige Fragezeichen vorhanden oder es wäre ein deutliches Zeichen, dass Burchert leistungsmäßig nicht mehr mit Nikola Vasilj mithalten kann (was angesichts der guten Form von Vasilj vielleicht auch denkbar ist). Ich tippe auf Burchert.

Weitere Veränderungen in der Startelf sind nicht zu erwarten, wenn Afolayan wirklich wieder bei vollen Kräften ist. Hürzeler erklärte auf die in Englischen Wochen typische Frage nach möglichen Rotationen, dass er allen Spielern im Kader einen Startelfeinsatz zutraue. Grundsätzlich ist ein Einsatz von Spielern wie Lars Ritzka oder Adam Dźwigała nicht unwahrscheinlich. Beide haben immer wieder gute Leistungen gezeigt, wenn sie gebraucht wurden und Philipp Treu hat am Samstag die meisten Sprints aller Spieler auf dem Platz angezogen. Aber trotzdem gehe ich davon aus, dass es eher am Samstag gegen Fürth zu Rotationen kommen könnte.

Mehr als nur ein Spiel

Es ist alles angerichtet für einen großen Fußballabend. Eine Extra-Motivation ist nicht notwendig. Dass der Gewinner der Partie im Halbfinale des DFB-Pokals steht ist aus sportlicher und finanzieller Sicht für einen Zweitligisten und seine Spieler ein ganz großes Ding. Es wäre für den FC St. Pauli das erste Pokal-Halbfinale seit der legendären Bokal-Serie 05/06. Does it get any elektrifizierender?! Die Vorfreude, die Anspannung ist maximal groß.
Ich. Kann. Es. Kaum. Erwarten. FORZA!!!

Forza!
// Tim

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2 thoughts on “Vorbericht: FC St. Pauli – Fortuna Düsseldorf (Viertelfinale, DFB-Pokal)

  1. Ich hoffe mal, dass wir uns nicht schon zu Beginn Spiels schwächen sondern mit Vasilj statt Burchert im Tor starten. Unabhängig von Sentimentalitäten gehört bei einem solchen Spiel die stärkste Mannschaft auf den Platz … und ein Torwart, der mit der Mannschaft eingespielt ist.

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