Was nun, FCSP?

Puuh… ich kann das Saisonende kaum erwarten. Dabei liebe ich Fußball und besonders den FCSP und friste normalerweise in Winter- und Sommerpausen ein trostloses Dasein. Aber nun gerade hoffe ich sehr, dass die Saison schnellstmöglich endet. Und zwar damit, dass der FCSP nicht auf einem Relegationsplatz steht und noch länger spielen muss bzw. gar direkt in die 3.Liga absteigt.
Dass es vier Spieltage vor Schluss überhaupt noch gegen den Abstieg geht, hatte ich persönlich kurz vor Beginn des Lockdowns nicht gedacht, nein, wirklich überhaupt nicht. Nach dem Sieg zuhause gegen Osnabrück hatte ich mich auf ein entspanntes Austrudeln der Saison eingestellt. Auf dem Spielfeld würde das Team weiter alles geben, testet aber bereits das ein oder andere (Formation, Nachwuchsspieler) für die neue Saison aus und im Hintergrund würden Taschenrechner bemüht, Vertragsgespräche geführt und Deals eingefädelt. Alles für die nächste Saison. Der Saison in der Jos Luhukay mit dem FCSP bekanntlich in die erste Liga aufsteigen möchte und dies ziemlich klar, auch als Messlatte des eigenen Schaffens, formuliert hat.

Doch von der dritten Liga kann man nicht direkt in die erste aufsteigen. Die handelnden Personen des FCSP müssen sich nach 30 Spieltagen viel intensiver mit dem Jetzt befassen, als ihnen vermutlich vor drei Monaten lieb (und vor allem eingeplant) war. Irgendwie ist alles anders nach dem Re-Start. Und das scheint leider nicht nur daran zu liegen, dass die Fans in den Stadien fehlen. Die Gründe für die bis hierhin bereits enttäuschende Saison sind vielfältig und von außen nicht leicht zu bewerten. Trotzdem müssen wir darüber reden.
(Titelbild: Peter Boehmer)

Der Trainer
Jos Luhukay ist nun schon seit mehr als einem Jahr Trainer des FCSP. Und wenn wir seine Leistung auf die Punkteausbeute runterbrechen, dann ist er einer der erfolglosesten Trainer in der Geschichte des FCSP. Das tue ich natürlich nicht, die Gründe für die maue Ausbeute sind vielfältig. Zu vielfältig um alleine daran die Leistung des Trainers zu bewerten. Aber ja, Fußball = Ergebnissport und so. Die erzielten Punkte sind ein wesentlicher Teil und letztlich auch ein wesentliches Indiz für die Leistung. Und diese Ausbeute ist nicht viel mehr als dürftig.

Endlich wieder Fußball! – aber nur in der Hinrunde
Ich persönlich halte von Jos Luhukay ne ganze Menge. Das liegt daran, dass ich die gesamte Hinrunde beeindruckt war, wie gut die anderen Teams analysiert und ausgecoacht wurden. Noch dazu wurde ein klarer Plan entwickelt, wie man sich bei Ballbesitz den Weg zum gegnerischen Tor vorstellt. Und das wurde teilweise auch richtig gut umgesetzt. Ein meilenweiter Unterschied zu vorherigen Trainern, die nahezu gänzlich auf eigene Vorstellungen beim Spiel mit Ball zugunsten von Fehlervermeidung und „Kompaktheit“ verzichteten. Dieser mutlose Fußball tat weh und daher hat mir die Hinrunde, trotz unterdurchschnittlicher Punkteausbeute, gut gefallen.
Der Weg hin zu einstudierten Abläufen im Offensivspiel braucht seine Zeit. Da müssen Dellen in Form von fehlenden Ergebnissen einkalkuliert werden. Doch wie groß ist die aktuelle Delle? Die Delle, die eigentlich schon mit der Rückrunde begann. Ist es überhaupt eine Delle, die wieder ausgebeult werden kann? Denn die Spiele, in denen der Gegner deutlich ausgecoacht wurde und wir deshalb die erste halbe Stunde massiv dominierten, sind selten geworden. Und auch die Idee bei Ballbesitz funktioniert nicht mehr so zuverlässig wie noch in der Hinrunde. Und wenn diese beiden Komponenten wegbleiben und die Ergebnisse so sind, wie sie gerade sind, dann bleiben selbst mir nicht viele Argumente. Das mag eine Phase sein, eine Periode in der Spieler und System zueinander finden müssen, in der noch ein Schritt weitergegangen werden muss, damit die spielerische Idee auch dauerhaft funktioniert. Es kann aber auch sein, dass der bisherige Plan von gegnerischen Teams entschlüsselt wurde und ein gänzlich neuer her muss. (Natürlich kann an dieser Stelle mit den drei Buchstaben MMD der Diskussion ein ganz neuer Impuls gegeben werden. Das kommt dann später.)
Bei der Bewertung muss auch beachtet werden, wann es gute und wann es schlechte Phasen in der Saison gab: Nach mittelprächtigem Start folgte eine Serie mit zwölf Punkten aus sechs Spielen (rund um’s Derby der Hinrunde). Beendet wurde diese durch eine Länderspielpause und einer Phase mit massig vielen verletzten Spielern. Auch die zweite Phase mit besseren Ergebnissen (8 Punkte aus vier Spielen rund um’s Derby in der Rückrunde) wurde jäh durch die Corona-Situation beendet.

Fachlich top, menschlich flop? Bei der Bewertung der Arbeit von Jos Luhukay scheiden sich die Geister.
(c) Stefan Groenveld

Die Sache mit der Empathie
Und dann, in so einer schwierigen Phase wie jetzt gerade, rücken automatisch die Dinge, die in erfolgreichen Phasen eher in den Hintergrund gerückt sind, ganz nach vorne in die erste Reihe: Von außen betrachtet ist Jos Luhukay kein Trainer, der auf menschlicher Ebene überzeugt. Ich persönlich fand es zwar eher förderlich als hinderlich direkt mal zu Beginn der Saison klar anzusprechen, das ein ganzer Verein im Haifischbecken Bundesliga nur dann funktioniert, wenn man es sich nicht irgendwo gemütlich macht.
Über diese Art und Weise lässt sich aber natürlich vortrefflich diskutieren und Jos Luhukay wird in seinem Leben womöglich keinen Job mehr als SocialMediator ergattern – aber das muss er ja auch nicht. Solange es dazu führt, dass der Fußball des FCSP sich verbessert und einzelne Spieler ihre Leistungen steigern können, halte ich eine solche Art für akzeptabel, wenngleich es sicher auch andere Herangehensweisen an das Thema „Motivation von MitarbeiterInnen“ gibt. Ich bin auch hier kein Experte (worin bin ich das schon?), aber würde mal behaupten, dass spürbares Vertrauen ein stärkerer Treiber zu Höchstleistungen ist als die Angst nach Fehlern im nächsten Spiel auf der Bank oder auf der Tribüne zu sitzen. Mich persönlich beeindruckt es z.B. nicht ansatzweise, dass soundso viele Nachwuchsspieler eingesetzt wurden. Denn offensichtlich scheint der Trainer dabei eher darauf zu reagieren, dass er mit den anderen Spielern unzufrieden ist. Nachhaltig empfehlen konnte sich bisher dann leider auch keiner der Nachwuchsspieler. Stattdessen schien es als wenn dann doch wieder gestandene Profis „begnadigt“ wurden. Ist sowas förderlich für die Leistungsfähigkeit eines Teams? Es scheint nicht der Fall zu sein. Auf der anderen Seite haben wir, zumindest von außen betrachtet, eine umgekehrte Herangehensweise bei Markus Kauczinski erlebt, der nicht direkt nach individuellen Fehlern so harsch reagierte. Doch wie viele von uns haben damals laut und leise kritisiert, dass die Spieler doch bitte auch mal etwas fester nach indiskutablen Leistungen angepackt werden? Beide Arten haben ihre Berechtigung – wenn sich dabei Erfolg einstellt.

Die üblichen Mechanismen oder fundamentale Kritik?
Da der sportliche Erfolg in der Rückrunde jedoch ausgeblieben ist (sowohl spielerisch als auch punktetechnisch), sind die kritischen Stimmen wieder lauter geworden. Die EntscheiderInnen jedoch halten zu Jos Luhukay – und das wird Gründe haben. Ich persönlich tue mich schwer damit die Arbeit des Trainers vernünftig einzuschätzen ohne je wirklich einen Einblick in das Innenleben bekommen zu haben. Ich denke wir sollten uns nicht anmaßen allen Personen, die sportliche Entscheidungen beim FCSP treffen, komplette Unfähigkeit vorzuwerfen. Allerdings ist es natürlich auch unser gutes Recht uns zu solchen Themen kritisch zu äußern. Die meisten von uns sind aber sicher froh, wenn sie solche Entscheidungen nicht selbst treffen müssen, sondern kommentieren dürfen.
Und ich möchte mich auch nicht davon blenden lassen, wenn verschiedene Medien die handelsübliche Berichterstattung bei anhaltendem Misserfolg liefern, indem sie z.B. Spielern einzelne Aussagen quasi in den Mund legen, nur um daraus eine größere Geschichte zu spinnen. Wir dürfen nicht vergessen, dass bei medialer Berichterstattung auch immer Auflagen bzw. Klickzahlen bei der Auswahl der Themen eine entscheidende Rolle spielen.
Trotzdem muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass es auch vorkommt, dass in sportlich schwierigen Zeiten Spieler dem Trainer, wenn er denn öffentlich unter Druck gerät, verbal den Rücken stärken. Ist das beim FCSP unter Luhukay schon der Fall gewesen? Eher nicht. Können wir daraus eine „Die Spieler kommen mit dem Trainer überhaupt nicht klar“-Story machen? Auch eher nicht. Vertrauensvolle Zusammenarbeit hört sich aber anders an.

Es gibt noch eine Reihe weiterer Argumente, die für die enttäuschende Rückrunde herangezogen werden können. Denn ein Trainer hat zwar einen riesigen Einfluss auf das Spielgeschehen, aber kann eben nur bis zu einem gewissen Grad Einfluss auf das Spiel nehmen. Der größte Einfluss auf das Spiel und die Ergebnisse liegt bei den Spielern. Und da kommen wir schnell zu der Frage nach der Qualität der einzelnen Spieler. Und wenn wir uns dann die Unterschiede zwischen der Hin- und Rückrunde anschauen, wird deutlich, dass im Offensivspiel, im Bereich der Kreation von Chancen, ein Spieler fehlt. Mats Møller Dæhli hat den Verein im Winter verlassen und die Lücke ist augenscheinlich noch weit größer als angenommen. Hätte hier im Winter noch ein Ersatz für den Abgang geholt werden sollen? Im Nachhinein ist man immer schlauer und kann klar sagen: Ja. Aber hätte es wirklich einen adäquaten Ersatz für Mats zu einem erschwinglichen Preis für den FCSP gegeben? Ein Spieler, der sofort die Rolle von ihm auf und auch neben dem Platz hätte ausfüllen können? Eher nicht.
Und so sehr der Wechsel von Mats schmerzt, so sehr zeigt er auch, was Jos Luhukay mit einigen Spielern geschafft hat: Er hat sie besser gemacht. Zum jetzigen Zeitpunkt erscheint es völlig unerklärlich, warum vorherige Trainer Mats nicht im Zentrum eingesetzt haben (gleiches gilt übrigens für Daniel Buballa und Waldemar Sobota). Und sicher lässt sich über die nächste Aussage streiten, aber aus meiner Sicht spielt kein wichtiger Spieler des FCSP unter Luhukay einen schlechteren Fußball als unter vorherigen Trainern.
Und es hat sich im Zuge der Hinrunde noch mehr verändert beim FCSP, was so sicher nicht geplant war: Cenk Şahin hat entschieden ein Arschloch zu sein. Ob die Außenposition unter anderen Voraussetzungen wirklich eine Problemzone geworden wäre? Sicher hat er bis zu dem Zeitpunkt seiner Suspendierung keine große Rolle gespielt, aber allein aufgrund seiner fußballerischen Fähigkeiten hätte er da womöglich eine größere Rolle einnehmen können und wenn man sich z.B. den Werdegang von Rico Benatelli anschaut, ist es auch nicht ausgeschlossen, dass das unter Jos Luhukay hätte passieren können.
Die Kadersituation ist also ein weiterer zentraler Punkt, der, neben der kritischen Aufarbeitung der Arbeit von Jos Luhukay, bei der Bewertung der Saison beachtet werden muss. So zentral, dass ich mich dieser Situation nun widmen werde.

Nicht nur menschlich, auch auf dem Platz ein herber Verlust. Größer als vermutet?
(c) Stefan Groenveld

Der Kader
Die Tatsache, dass die vier Spieler denen im Winter mitgeteilt wurde, dass der Verein nicht mehr mit ihnen plant, noch alle beim FCSP sind und „freiwillig“ in die U23 gegangen sind. lässt Raum zur Spekulation:
Entweder die Spieler hoffen darauf, dass die Tür zum ersten Team wieder aufgeht.
Oder: Kein anderes Team wollte diese Spieler im Winter verpflichten.
Oder: Die Spieler selbst haben keine, aus ihrer Sicht angemessenen, Vertragsangebote erhalten.

Die beiden letztgenannten Punkte, wenn sie denn der Wahrheit entsprechen, sind kein Indiz dafür, dass die sportliche Leitung (inzwischen nicht mehr beim FCSP) gute Entscheidungen mit den Vertragsverlängerungen der entsprechenden Spieler getroffen hat. Und gerade das war und ist ein Kernproblem der aktuellen Kadersituation: Der Kader ist viel zu üppig besetzt, aber augenscheinlich nicht mit der nötigen Qualität und/oder mit vielen Spielern, die sich ständig verletzen. Mit diesem Kader zu arbeiten ist sicher keine leichte Aufgabe. Und vor dem Hintergrund dieser Ausgangssituation ist die Arbeit von Andreas Bornemann zu bewerten.
Denn trotz der üppig besetzten Umkleidekabine gab es einige Planstellen im Kader vor der Saison zu besetzen. Das hat eher so lala geklappt. Zumindest sind Leihgeschäfte sogar nach Aussage von Bornemann selbst nicht optimal, aber waren eben aus seiner Sicht nicht zu vermeiden. Die problematische Kadergröße wurde übrigens bereits direkt zu Dienstantritt als großes Problem angemerkt. Wie geht man nun mit einem Kader um, der zwar üppig besetzt ist, aber eben anscheinend nicht den eigenen Ansprüchen genügt? Zumal, wenn es dann auch nicht so ist, dass Spieler, die nicht mehr in das Konzept des Trainers/Sportdirektors passen nicht mal eben so einen neuen Verein zu finden scheinen. Eine Trainingsgruppe B gründen? Das ist schon aus arbeitsrechtlicher Sicht schwierig. Wohl vor allem deswegen blieb der zwingend notwendige Umbruch im Kader aus. Andreas Bornemann betonte, dass ein solcher Umbruch mehrere Transferperioden benötige. Und entsprechend sollte auch mit der Bewertung der Arbeit des Sportdirektors verfahren werden.

Noch so ’ne Baustelle: Verletzungen
Bei einer Statistik in der zweiten Liga spielt der FCSP gefühlt seit Jahren (statistisch gesichert zumindest seit zwei Saisons) oben mit: Den Ausfallzeiten durch Verletzungen. Und wir können das HätteHätteFahrradkette-Spiel gerne mal spielen: Wie wäre die Saison wohl gelaufen, wenn Christopher Avevor sich nicht das Wadenbein gebrochen hätte? Und wenn James Lawrence als sein legitimer Nachfolger mit heilem Knie durch die Saison gekommen wäre? Oder wenn Christian Conteh seinen Worten auch Taten in Form von harter Arbeit hätte folgen lassen, damit er sich nicht eine Muskelverletzung nach der anderen zuzieht? Oder wenn Henk Veerman nicht erst gegen Ende der Hinrunde einsatzbereit gewesen wäre? Und, herrje, die Herren Buchtmann und Ziereis… Wir werden es nie erfahren, aber auch diese Sachlage muss kritisch bei der Bewertung der Saison betrachtet werden.
Die Situation um die verletzten Spieler war zeitweise so eklatant, dass nahezu jeder Spieler in diesem riesigen Kader auf dem Platz gebraucht wurde. Besonders besorgniserregend war die Situation im November, als zeitweise 15 Spieler verletzt fehlten. Jos Luhukay meinte hierzu, dass er sowas „noch nie erlebt“ habe. Ist dem so? Nun ja, es ist zumindest nicht so, dass es an vorherigen Standorten von Jos Luhukay nicht auch ähnliche Probleme gegeben hätte (z.B. in Augsburg oder in Berlin). Aber solche Verletztenmiseren kommen bei vielen Vereinen vor. Ist dann jedes Mal der Trainer Schuld? Auch hier gilt, das eine fundierte Meinung dazu ohne einen tiefen Einblick in die Arbeit des Trainerteams nahezu unmöglich ist.
Die Personen, die Einblick haben, haben die Arbeit mit Athletik-Trainer Janosch Emonts nach fast genau fünf Jahren beendet. Sah es zu Beginn der Rückrunde mit vollem Kader und wenig Verletzungen so aus, dass die veränderte Arbeit der medizinischen Abteilung Früchte trägt, so gibt es momentan bereits wieder mehrere Muskelverletzungen. Inwiefern diese aber mit der Corona-bedingten Pause und/oder unprofessionellem Verhalten seitens der Spieler (bei der Betrachtung der Verletzungen sollte dieser Punkt nie außer Acht gelassen werden!) begründet werden können, ist sicher schwierig zu beantworten. Die überproportionale Anzahl an Verletzungen war in der Saison (und bleibt?) sicher eines der größten Probleme des FCSP.

Verletzungen beim FCSP – Pech und Zufall? Oder gibt es einen anderen Grund?
(c) Stefan Groenveld

Transferoffensive?
Viele Spieler, die womöglich bleiben sollen, sind nur geliehen (Østigård, Gyökeres, Lawrence). Bei James Lawrence hört man, dass die geforderte Ablöse der Kaufoption schlicht unrealistisch ist. Bei Viktor Gyökeres war eigentlich von Anfang an klar, dass es sich hierbei nur um ein einjähriges Intermezzo handelt. Zwar wird die Möglichkeit eines Verbleibs nicht ausgeschlossen, aber realistisch betrachtet wird es nicht dazu kommen. Auch ein Verbleib von Leo „Air“ Østigård am Millerntor ist völlig unrealistisch (zumindest eine feste Verpflichtung). Er ist schlicht zu gut und entsprechend zu teuer. Und eine weitere Leihe ist nur dann möglich, wenn der Vertrag bei Brighton & Hove Albion verlängert wird (ein mögliches, aber ich fürchte unrealistisches Szenario). An Interessenten, die eine weit tiefere Geldschatulle haben als der FCSP wird es nach dieser Saison jedenfalls sicher nicht mangeln. Die Situation dieser drei Spieler zeigt sehr schön die Krux mit Leihgeschäften und das darauf, wenn es keine realistischen Kaufoptionen gibt, kein Kader aufgebaut werden kann.
Einige andere, die in dieser tristen Saison noch überzeugt haben, werden (Diamantakos) oder könnten (Veerman) den Verein noch verlassen. Und einige von denen, die in dieser Saison enttäuscht haben oder gar keine Rolle spielten, sitzen auf langfristigen Verträgen. Wollt ihr mal wissen, welche Spieler aktuell einen Vertrag über die nächste Saison hinaus besitzen? Avevor, Ziereis, Carstens, Zander, Park, Knoll, Zehir, Becker, Buchtmann, Benatelli, Lankford, Tashchy. Klingen diese 12 Namen nach einem soliden Fundament eines Zweitligisten mit Ambitionen? Der Schuh drückt. Und zwar gewaltig.
Ich kenne den Markt und seine Mechanismen nicht, aber würde mir wünschen, dass Spieler nicht nach Verfügbarkeit sondern nach Qualitäten gescoutet werden, man dem Zirkus quasi etwas voraus ist. Und diese Einschätzungen der Qualitäten sollten teilweise auf Datenanalysen basieren (eine vernünftige Datenanalyse spart auch einiges an finanziellen Mitteln in der Scouting-Abteilung), da das visuelle Scouting fehlerbehaftet ist. Ein Mix beider Komponenten muss her. Und mit „vernünftige Datenanalyse“ meine ich nicht, dass Statistiken wie Tore und Zweikampfwerte in eine Tabelle eingetragen werden. Mit „vernünftig“ meine ich, dass die Aussagekraft von Statistiken geprüft wird und daraus ein Modell für jede einzelne Position erarbeitet wird.
Aber welche Art von Spielern brauchen wir eigentlich? Hier braucht es klare Definitionen. Es ist aber auch klar, dass der FCSP sich nicht als Verein komplett vom Transferkarussell freimachen und sein eigenes Ding drehen kann. Er muss auf diesem Markt nur eben möglichst effektiv agiert werden. Schaut man sich die Kosten für einzelne Spielertransfers an (Gehalt über Jahre, Kosten für Berater, etc, ggf. Ablöse) und rechnet man diese gegen die Kosten für Veränderungen im Scouting, so wird schnell deutlich, dass sich eine Investition in die strukturelle Veränderung im Scouting lohnen dürfte, wenn nicht bereits geschehen.

Vielleicht sehe ich das alles zu negativ. Vielleicht gewinnen wir zuhause gegen Aue und direkt im Anschluss werden wir vom Verein mit Pressemitteilungen zu Abgängen, Zugängen und Vertragsverlängerungen zugespamt. Vielleicht ist die Kaderplanung bereits viel weiter als wir es vermuten. Ich möchte es gerne glauben, habe aber meine Zweifel, auch aufgrund der Corona-Situation.

Trainer, Kader, Verletzungen – um die Saison zu bewerten bedarf es mehr als ein paar Stichpunkte. Die Situation ist komplex. Und angesichts der womöglich schwierigen zwischenmenschlichen Lage, den über die Saison hinaus üppig, aber anscheinend nicht zufriedenstellend zusammengesetzten Kader und der womöglich ungeklärten Situation um die vielen Verletzungen… puuh!

Zuallererst muss aber der Klassenerhalt gesichert werden. Daher sollte dieser Text eigentlich auch erst danach veröffentlicht werden. Aber das musste jetzt irgendwie mal raus. Ich bin ja glücklicherweise niemand, der die Entscheidungen treffen muss, sondern diese dann vorsichtig kommentieren darf…

//Tim

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