Vorbericht: FC St. Pauli – Hamburger SV (23. Spieltag, 20/21)

Vorbericht: FC St. Pauli – Hamburger SV (23. Spieltag, 20/21)

Montag, 01.März 2021, 20.30 – Zeit für ein weiteres Kapitel in der Geschichte der Hamburger Stadtmeisterschaft.

Hört Euch zur Vorbereitung gerne das VdS von Michael mit Marco an oder lest Euch die Geschichte der Stadtmeisterschaft durch.

FC St. Pauli: Wer kann spielen, wer fehlt?

Keine Veränderung im Vergleich zu den letzten Wochen. Die personelle Situation ist sogar eher noch ein wenig besser geworden. Timo Schultz berichtete auf der PK, dass neben dem frisch operierten Christopher Avevor die ebenfalls langzeitverletzten Ryō Miyaichi und Christopher Buchtmann fehlen werden. Buchtmann ist seit einiger Zeit im Team-Training, zwar noch keine Option für das Derby, aber immerhin ist er überhaupt wieder auf der Bildfläche.

Erfreulicherweise berichtete Schultz, dass Finn Ole Becker wieder voll trainieren konnte. Das war in der letzten Woche nicht immer der Fall, sodass ich mir bereits ein paar Gedanken machte, wer ihn wie ersetzen könnte.

Hamburger SV: Wer kann spielen, wer fehlt?

Die aktuellen Ausfälle beim HSV beziehen sich ausschließlich auf die eigene Defensive: HSV-Trainer Daniel Thioune gab auf der PK bekannt, dass weiterhin Toni Leistner und Klaus Gjasula fehlen werden. Auch Amadou Onana wird fehlen (schade). Er sah am vergangenen Wochenende die Gelb-Rote Karte in Würzburg.
Die Sperre bereits abgesessen hat Stephan Ambrosius. Auch Rick van Drongelen, in der letzten Saison eine Kernfigur beider Stadtmeisterschaften, ist wieder fit und könnte tatsächlich spielen.

Daniel-Kofi Kyereh und Aaron Hunt könnten auch im Rückspiel wieder aufeinandertreffen.
(c) Peter Böhmer

Was hat der HSV zu bieten?

Viele möchten dem HSV eine sportliche Krise andichten. Das stimmt, wenn man sich nur die Ergebnisse der letzten Spiele anschaut (nur zwei Punkte aus den letzten drei Spielen). Allerdings wird hierbei missachtet, dass der HSV bei den beiden Unentschieden gegen Aue und Fürth das klar bessere Team gewesen ist. Die letzte Niederlage gegen Würzburg war dann aber tatsächlich ein bedenklicher Auftritt. Daraus aber eine Krise stricken, geht mir zu weit.

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Kurz zusammengefasst ist der HSV eines der besten Teams der Liga. Basierend auf den xG-Werten handelt es sich um die fünftbeste Offensive (der FCSP auf Rang 4) und die beste Defensive im Saisonverlauf.
Und wer jetzt denkt, dass sie in der Offensive ja nicht soo stark seien, dem sei gesagt, dass sie aus ihren Chancen wesentlich mehr Tore machen als nach xG wahrscheinlich.

Die Stärke in der Defensive spiegelt sich auch im Instat-Index wieder: Nach 20 Spieltagen befanden sich gleich fünf Defensivspieler des HSV im Top10 Ranking der besten Spieler der 2.Liga wieder. Kein Wunder, dass der HSV nach diesem Ranking das beste Team der Liga ist.

Was macht die Defensive so stark?

Zwei Dinge machen die Defensive des HSV aus:
1. der HSV ist mit Abstand das zweikampfstärkste Team der Liga in Defensiv-Duellen (65% erfolgreich – ein richtig guter Wert)
2. der HSV verliert sehr wenige Bälle (die zweitwenigsten der Liga um genau zu sein – trotz oder gerade deswegen hat der HSV mit durchschnittlich 59.3% den höchsten Ballbesitz der Liga) – das führt zu verhältnismäßig wenigen gegnerischen Umschaltmomenten.

Offensiv ist es dann Klasse statt Masse, die den HSV gemessen an der Toranzahl zur besten Offensive der Liga macht (bereits 48 Tore): Denn der HSV liegt mit 243 Torschüssen nur auf Platz 13, hat aber auch die zweitwenigsten Torschüsse außerhalb des Strafraums abgegeben, wählt seine Abschlussorte also recht genau. Das zeigt sich auch daran, dass der HSV die meisten Ballkontakte im gegnerischen Strafraum vorzuweisen hat.

Hat aus dem HSV ein defensiv starkes und offensiv enorm effektives Team gemacht: Trainer Daniel Thioune.
(Martin Rose/Getty Images/via OneFootball)

Vor einigen Wochen hatte ich den FC St. Pauli als das dribbelstärkste Team der Liga hervorgehoben. Diesen Spitzenrang haben sie inzwischen eingebüßt – gegen den HSV. Fast 58% aller Duelle wurden beim Nachbarn gewonnen.
Aber nicht nur die Dribblings sind es, die die Offensive schwer zu stoppen macht: Der HSV ist ein wahres Pass-Monster je näher es an das gegnerische Tor geht. Trotz höchster Ballbesitzquote und den zweitmeisten Pässen insgesamt spielt der HSV die deutlich wenigsten langen Pässe in der Liga, setzt also eher auf kurze Pässe. Und das besonders in Tornähe äußerst erfolgreich: Knapp neun Pässe pro Spiel bringt der HSV tief in Tornähe an den Mitspieler, die meisten der Liga.

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Welche Spieler sind dafür verantwortlich?

Defensiv wurden die Spieler bereits genannt, die hervorzuheben sind. In der Offensive sind es vor allem Sonny Kittel und Bakery Jatta: Kittel, besonders dieses Jahr in guter Form, kommt dabei eher über das Passspiel (führend bei „Deep Completions“, Top10 bei Schnittstellenpässen, Top5 bei Torschussvorlagen, Top5 beim Überspielen von Ketten). Jatta hingegen kommt vor allem über Dribblings zum Erfolg (mehr als sechs Dribblings pro Spiel, 67% erfolgreich (Top3)). Und wer bereits den Link zu den Index-Werten geklickt hat, wird es vermutlich schon wissen: Sechs von zehn HSV-Spielern waren in den Top10 der Liga gelistet. Neben fünf Defensiv-Spielern ist dort auch Bakery Jatta zu finden.
Davor dann Simon Terodde, der mit 0.89 Toren pro Spiel eine identische Quote wie Guido Burgstaller aufweist (xG bei 0.75) und bereits 19x diese Saison traf. Im Hinspiel war er übrigens per Doppelpack erfolgreich.

Ich könnte hier jetzt noch ein Loblied auf die Achter-Positionen halten (zumindest offensiv) oder auf die mit Gyamerah und Vagnoman verboten gut besetzte rechte Abwehrseite. Oder einfach Moritz Heyer erwähnen.
Ich verweise aber lieber auf Sven Ulreich. Der liegt bei wyscout nämlich mit -0.21 prevented Goals pro 90 Minuten auf Platz 18 von 22 gelisteten Torhütern und kann auf rein statistischer Basis als einziger Schwachpunkt eines sonst richtig starken Teams genannt werden, das zurecht oben in der Spitzengruppe vertreten ist.

Mögliche Aufstellung

Machen wir es kurz: Der FC St. Pauli wird, sollte es nicht kurzfristig zu verletzungsbedingten Ausfällen kommen, seine Startelf nicht verändern.

Beim HSV ist eine Veränderung allein schon aufgrund der Sperre von Onana unumgänglich. Und da das 3-4-2-1 bei der 2:3-Niederlage gegen Würzburg alles andere als den gewünschten Erfolg brachte, dürfte einer Rückkehr zum vorher praktizierten 4-3-3 eher wenig bis gar nichts im Wege stehen.

Grundsätzlich bereitet mir diese Formation eher Kopfzerbrechen, wenn ich die Raute des FCSP dagegen stelle. Denn die Außenbahnen muss der FCSP erst einmal dicht bekommen. Das bisher gespielte Pressing des FCSP reicht nicht mehr aus, wenn der HSV z.B. mit Gyamerah, Dudziak und Jatta ein Dreieck bildet (da nur Paqarada und Zalazar dagegen stehen). Entweder muss der FCSP seine Stürmer breit stellen und damit die Außenverteidiger kalt stellen oder aber die eigenen Außenverteidiger schieben auf die gegnerischen Außenverteidiger rauf (und der Rest schiebt nach). Das erfordert eine gute Abstimmung und ist daher etwas riskant, aber andernfalls sehe ich die Halbräume für den FCSP komplett verloren.

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Formationen, bisher gezeigte Leistungen, aktuelle Form – es spielt alles eine untergeordnete Rolle. Motivieren muss ich hier sowieso niemanden mehr.
Hamburg ist und bleibt Braun-Weiß!

Forza!
// Tim
(alle Statistiken, sofern nicht anders markiert, kommen von wyscout)

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