Fabian Hürzeler wechselt zu Brighton & Hove Albion FC

Fabian Hürzeler wechselt zu Brighton & Hove Albion FC

Fabian Hürzeler, Aufstiegstrainer beim FC St. Pauli, wird in der kommenden Saison in der Premier League tätig sein und dort den Brighton & Hove Albion FC trainieren.
Titelbild: Stefan Groenveld

Es ist eine der bekanntesten Zeilen der Fangesänge auf dem Übersteiger-Sampler „Der FC St. Pauli ist schuld, dass ich so bin“ aus dem Jahre 1998:
„Spieler kommen, Trainer gehen – nur St. Pauli bleibt besteh’n!“

Insofern bricht auch keine Welt zusammen, wenn der Cheftrainer eines Fußballvereins wechselt. Der Zeitpunkt und die Dynamik dieses Wechsels – nach dem monatelangen Hickhack und der schlussendlich erfolgten Vertragsverlängerung – naja, that’s (Fußball) business, stupid. Jetzt wurde veröffentlicht, was eh seit Tagen offensichtlich war, Fabian Hürzeler coacht ab nächster Saison mit Brighton & Hove Albion ein Team in der Premier League.

The story so far

Es war der 10. August 2020, als der Name „Fabian Hürzeler“ erstmals im MillernTon detaillierter erwähnt wurde. Seine Vorstellung im Trainerprofil fußte größtenteils auf einem Interview mit dem Pressesprecher des FC Pipinsried. Damals war er 27 Jahre alt, zusammen mit Loïc Favé begann er als Co-Trainer unter Timo Schultz, der zu jener Saison die Nachfolge von Jos Luhukay antrat. Tatsächlich ist dies alles noch nicht mal vier Jahre her.

Mit dem neuen Trainerteam schwang sich der FCSP zu lange vermissten Höhen auf, sah in seiner zweiten Saison lange wie ein Aufsteiger aus und verspielte den Aufstieg aufgrund einer schwachen Rückrunde. Nach einer schlechten Hinrunde 22/23 wurden Schultz und Favé entlassen, Hürzeler zunächst zum Interims- und kurze Zeit später zum Chefcoach ernannt.

Erst Co-, dann Cheftrainer beim FCSP

Was folgte, war nicht weniger als die erfolgreichste Phase, die dieser Verein je erlebt hat. Neben den Ergebnissen (wir erinnern uns: zehn Pflichtspielsiege in Serie zu Beginn seiner Amtszeit) ging dies auch noch mit einer spielerischen Dominanz einher, die das Millerntor begeisterte. Schon vor der Saison 2023/24 formulierte Hürzeler klare Ziele, die letztlich erreicht werden sollten.

Im September 2023 näherten wir uns intensiv dem „Hürzeler-Fußball“ und immerhin drei Mal fiel in diesem Text der Vereinsname von Brighton & Hove Albion, wo Hürzelers Vorbild Roberto de Zerbi tätig war. Etwas näher kennenlernen durften Podcast-Hörer*innen Fabian Hürzeler dann im Dezember in unserer Monatssendung.

Es folgte die „Meisterprüfung“: Nach einem erfolgreichen Kalenderjahr den FCSP auch weiter erfolgreich durch die folgende Rückrunde zu führen. Dies gelang Hürzeler mit Bravour. Neben dem Aufstieg am Ende der Saison 23/24 wurde auch noch die Meisterschale eingefahren. Der FC St. Pauli spielt kommende Saison somit erstmals seit 2011 wieder in der 1. Bundesliga – nur eben ohne Hürzeler.

Hamburg, Detuschland, 13.05.2024, Millerntor-Stadion, FC St. Pauli Präsident Oke Göttlich, Cheftrainer Fabian Hürzeler und Sportchef Andreas Bornemann Copyright: Peter Boehmer
Damals, Mitte Mai… // (c) Peter Böhmer

Der Wechsel

Wenn man ehrlich ist, nahm dieser Wechsel ja schon sehr früh Gestalt an, wenn auch nicht zwingend mit einem festen neuen Verein. Die Verhandlungen zwischen dem FC St. Pauli und Fabian Hürzeler zogen sich seit Herbst 2023. Beide Seiten beteuerten immer wieder die gegenseitige Wertschätzung, die tatsächliche Unterschrift aber ließ auf sich warten. Der Verein wollte keine Ausstiegsklausel zulassen, Hürzeler keinen Vertrag ohne eine solche Klausel unterschreiben. Eine festgefahrene Situation.

Es folgte ein monatelanges Hin und Her, welches mit zunehmender Dauer auch medial immer intensiver begleitet wurde und wohl alle Beteiligten früher oder später nur noch nervte, da es natürlich irgendwann auch den sportlichen Fokus beeinträchtigte. Nach unseren Informationen war das Verlassen des gemeinsamen Weges auch damals schon so gut wie beschlossen, eine Verkündung schon vorformuliert – ehe es dann doch noch ein Umdenken bei Hürzeler und eine Vertragsverlängerung gab.

Diese erfolgte am 8. März und stellte die Weichen für die volle Konzentration auf das Saisonfinale beim FC St. Pauli. Wie wir heute wissen mit dem erhofften Erfolg. Aber schon damals war es auch eine „Verlängerung mit Hindernissen“.
Der aber sehr angenehme Nebeneffekt: Statt Hürzeler am Saisonende einfach gehen zu lassen, kann man ihn jetzt am Saisonende einfach gehen lassen – und eine Ablöse mitnehmen, in durchaus signifikanter Höhe.

Jetzt wurde, nach einer ähnlich langen und nervigen Prozedur wie bei der Vertragsverlängerung, der Wechsel bekannt gegeben. Über die Ablösemodalitäten wurde, wie üblich, „Stillschweigen vereinbart“. Medien berichten über Summen von 5 bis 7 Millionen Euro plus erfolgsabhängige Boni, so dass die Summe noch steigen kann.
Vielen Dank, Fabian Hürzeler, Aufstiegstrainer und Rekordtransfer des FC St. Pauli.

Die Nachfolge

Wie schrieb Tim letzte Woche Freitag im „Wild Things“-Artikel über die Zunahme an medialer Hysterie:

„Wenn man diesen Erfolg noch mit guter Planung vereinigt hat, dann kann man sich das wilde Treiben eigentlich recht entspannt anschauen. Entspannt deshalb, weil ein über Jahre erfolgreicher Verein in den meisten Fällen viel weniger von Einzelpersonen anhängig ist, als man glauben mag.“

Kommentar von Tim im Artikel „Wild Things“

So ist es. Natürlich ist der Anteil von Fabian Hürzeler am aktuellen sportlichen Erfolg des FC St. Pauli enorm. Selbstverständlich ist er in Planungen und Prozesse eingebunden, in die sich sein*e Nachfolger*in erst einarbeiten muss und wo diese Person vielleicht auch ganz andere Vorstellungen und Ideen hat. Die grundsätzliche Spielphilosophie dieses Vereins wird aber durch die Kaderplanung vorgegeben und liegt aktuell in sehr gut funktionierenden Händen bei Andreas Bornemann.

Ein weiterer Nebeneffekt des Wirbels um die Vertragsverlängerung: Niemand im Verein dürfte von der jetzigen Entwicklung überrascht sein. Ein Abgang Hürzelers stand permanent im Raum – wenn Brighton jetzt also eine „Shortlist“ für die de Zerbi-Nachfolge hatte, so dürfte ähnliches mit braun-weißem Briefpapier auch schon in der Schublade liegen und jetzt abgearbeitet werden / worden sein.

Vielen Dank und alles Gute!

Es gilt nochmals zu betonen: Fabian Hürzeler hat zu jeder Zeit seiner Amtszeit beim FC St. Pauli alles für diesen Verein gegeben und eine bemerkenswerte Erfolgsserie hinter sich. Er hat einen großen Anteil daran, dass der FC St. Pauli nach vielen Jahren der sportlichen Mittelmäßigkeit in der 2. Liga endlich zurück im Oberhaus ist. Der Dank dafür kann nicht hoch genug sein.

Gleichzeitig hat Fabian Hürzeler dies nicht getan, weil er schon als Kind in braun-weißer Bettwäsche schlief und diesen Verein so toll fand. Sondern weil er ein positiv Bekloppter in Sachen Fußball war und ist und immer den maximalen Erfolg will. Diesen wird er ab sofort in der Englischen Premier League mit Brighton erringen wollen und dabei wünschen wir ihm viel Erfolg.

Der FC St. Pauli dürfte bereits die letzten Wochen und Monate dafür genutzt haben, sich auf diesen Abgang vorzubereiten und wie erwähnt, zumindest eine eigene, kleine „Shortlist“ für die Nachfolge in der Schublade haben. Außerdem wird er finanziell entschädigt. Aufgrund des späten Saisonbeginns und des Trainingsstarts am 8. Juli muss keine nackte Panik ausbrechen, auch wenn Eile sicher geboten ist. Wir sind aber zuversichtlich, dass der Posten bis dahin dann auch neu besetzt sein wird. Denn „Spieler kommen, Trainer geh’n“ beinhaltet natürlich auch, dass Trainer*innen neu hinzu kommen.
Nur St. Pauli bleibt bestehen.

Forza St. Pauli!
// Maik

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12 thoughts on “Fabian Hürzeler wechselt zu Brighton & Hove Albion FC

  1. Insgesamt bin ich über den Deal eigentlich ganz froh. Hürzeler ist ein sehr guter Trainer, aber dieser Vertragsverlängerungspoker hat bei mir doch emotional Spuren hinterlassen. Zudem habe ich ihm seine warmen Worte zu Fans und Verein nie ganz abgekauft obwohl er ja nun doch 4 Jahre bei uns war, aber das war einfach nie vergleichbar mit Stanislawski, Lienen, Schultz. Insbesondere wenn man immer im Hinterkopf hat, dass er schon mit anderen Vereinen am fremdflirten ist. So gerne ich den Hürzeler-Ball in der Bundesliga gerne gesehen hätte..

    Dazu sind 7 Millionen einfach unfassbar viel Geld für uns die uns extrem beim Projekt Nichtabstieg helfen werden. Vielleicht mehr als ein Trainer Fabian Hürzeler helfen würde.

  2. Danke, Fabian, das war eine herausragende Zeit mit Dir. Viel Glück auf der Insel wünsche ich.

    Bange ist mir nicht, der wichtigste Mann ist mit Andreas Bornemann ja weiterhin an Bord. Auf Grund der kürzlich verlängerten Verträge mit dem restlichen Trainerteam bleibt uns viel Expertise und Fußballverrückheit erhalten.
    Ein neuer Cheftrainer bietet jetzt auch die Chance, mit einer notwendigen Weiterentwicklung der gewünschten Spielidee die Klasse zu halten. Und unsere Truppe verlernt ja jetzt nun nicht plötzlich alles Gelernte, nur weil der Trainer weg ist. Ich persönlich hab jetzt schon richtig Bock auf die neue Saison!!

    Und dann noch:
    Danke, Maik, dass Du Dir trotz Verpflichtungen in Ingolstadt die Zeit nimmst, uns auf die gewohnt souveräne Art zu informieren.

  3. Ich bin in erster Linie froh, dass jetzt Klarheit herrscht und die Planung nun vorangetrieben werden kann.

    Fabian wünsche ich trotz der Irritation zum Ende alles Gute, Ihr habt seine Verdienste zu Recht noch einmal betont. Am besten hat mir gefallen, dass die Mannschaft nach der Halbzeit meist mit einer guten neuen Idee wieder auf den Platz kam. Das habe ich so am Millerntor zuvor selten bis nie gesehen.

    Und schließlich: Eigentlich bin ich ganz froh, dass es einen Trainerwechsel gibt, denn trotz aller Begeisterung in der letzten Saison war ich mir nicht sicher, ob diese Art zu spielen auch in der Bundesliga funktioniert bzw. ob der Trainer seinen Plan auch dauerhaft ändern kann oder möchte. Trotzdem schade, dass ich das nie erfahren werde.

  4. Ich hätte mir gewünscht, dass Fabian Hürzeler bleibt und wir mit ihm in der 1. Liga für Furore sorgen. Schade, dass es anders kommt.

    Für die Aufgabe in Brighton wünsche ich ihm alles Gute.

    Der Verein steht jetzt vor einer ganz wichtigen und richtungsweisenden Entscheidung für die nächsten Jahr. Ich hoffe, er trifft seine Wahl weise …

  5. Fabi, mach’s gut und danke für den frischen Fußball
    In Hamburg sagt man Tschüs, im Rheinland sagt man Tschöö
    War eine schöne Zeit, bis die Tage

  6. Farewell, Fabian Hürzeler.
    Natürlich hat ein Trainer-Team zusammen den Erfolg gebracht. Aber ohne einen Cheftrainer, der die Ideen hat und sich ärgert über jeden Punktverlust, statt es schön zu reden, wird das nicht. Und es war eines der besten Fussballvorstellungen, was je am Millerntor gespielt wurde. Egal welcher sympathischer Trainer vorher da war… Dafür großen Dank. Und Xabi Alonso Vergleiche passen nicht, weil die Ausgangsbedingungen der Vereine nicht vergleichbar sind.
    Terzic und Favre, beide Ex BVB könnten auch passen.
    Good luck in Brighton, Fabi.

  7. Nun also offiziell. Wie sagt man? „Denn man to!“ Unter finanzlogischen und heutige-fußballkommerzgeprägten Gesichtspunkten und vom Kopf her wahrscheinlich logisch und nachvollziehbar, aber vom Herz her leider gar nicht. Auch und erst nicht die Art und Weise. Ich darf mich als Fan heutige wirklich mal absolut verarscht, verraten und verkauft fühlen finde ich (auch wenn es auch sich die Tage angekündigt hatte, gehofft hatte ich was anderes). Gefühle dürfen sein und sind in meiner Vorstellung von Fußball mehr als nur ein Verkaufsargument. Deshalb heute ein lautes ausgerufenes FUCK! 👎🤬

  8. Maik und Tim danke für eure gute Einordnung. Zur Zeit sind ja einige gute Trainer ohne feste Snstellung. Urs Fischer, Terzic, Kloop ist bestimmt auch bald langweilig und vielleicht zaubern Oke und Borne mal wieder und reaktivieren Streich mit ihren Freiburger Kontakten.

    1. Schöne Ideen mit Fischer und Streich. Florian Bruns fände ich auch super. Kann mir gut vorstellen, dass Bornemann jemand anderes aus dem Hut zaubert, den man nicht so auf den Zettel hat.

  9. Bei allem Blick in die Vergangenheit wird beim Wechsel von Schulz auf Hurz ja auch gerne vergessen, dass es in dem Winter auch noch Ergänzungen im Kader gab (z.B. Mets) und das Verletzungspech der Hinrunde weg war. Wer weiß, wo Schulle am Ende gelandet wäre, hätte er auch einen solchen Kader gehabt. So lag weder die damalige Misere nur an Schulle, ebenso wie der jetzige Erfolg nicht nur am Hurz lag.
    Und zumindest ist nun Klarheit. Hauptsache, es wird nicht noch im Staff gewildert.

    Btw: Ich kenne da einen freien Trainer mit Auslands- und Erstligaerfahrung. Projekt Schulz 2.0 🙂

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